Sprüche 27

e. Verschiedene Warnungen und Mahnungen.

Rühme dich nicht des morgenden Tages, denn du weißt nicht, was der kommende Tag mit sich bringt. Im Leben der Menschen herrscht beständig Wechsel. Vergl. [Jak 4,13]. - Ein anderer mag dich loben und nicht dein eigener Mund, ein Fremder und nicht deine eigenen Lippen. Weshalb lobst du dich? Bist du bekannt, so ist es überflüssig. Bist du unbekannt, so bedenke, dass wahre Tugend die Verborgenheit liebt. So lange du lebst, ist es nicht Zeit zu loben, es lobe und empfehle dich der letzte Tag. (Cyr. v. Alex.) - Der Stein ist schwer und der Sand hat Gewicht, aber der Zorn des Toren ist schwerer als beide. Der Zorn des Toren ist unerträglich, alle lässt er unschuldigerweise mitleiden, wenn sein Ärger erregt ist. – So verzehre der Eifer um das Haus Gottes die Christen. (Aug.) - Der Zorn kennt kein Erbarmen noch der ausbrechende Grimm, und wer kann den Ungestüm eines Aufgebrachten ertragen? Hebr.: Wer hält stand vor der Eifersucht? – Die weniger schrecklichen Dinge sind wie in V. 3 vorangestellt. - Besser ist offener Tadel Tut er auch weh, so lernt man doch aus ihm. - als geheim gehaltene Liebe. Liebe, die sich nicht im Werke zeigt, welche die Fehler des Freundes vor ihm bemäntelt. - Besser sind Wunden seitens des Liebenden Soweit sie notwendig sind. - als trügerische Küsse vom Hasser. Hebr.: aber reichlich sind die Küsse des Hassers. – Die Reichlichkeit der Liebkosungen erregt Verdacht. Küsse: [Lk 22,47, 2Sam 15]. - Ist die Seele satt, so tritt sie den Honig mit Füßen, und ist die Seele hungrig, so nimmt sie auch Bitteres für süß. Wer nach der Vollkommenheit trachtet, nimmt alles Harte nicht nur geduldig an, sondern selbst freudig. (Kassian) - Wie ein Vogel, der von seinem Neste wegfliegt, so ist ein Mann, der sein Heim verlässt. Vergl. [JSir 29,28.29, JSir 36] und die Strafe Kains [1Mos 4,12ff]. Der äußere Ortswechsel ist auch ein Bild für die Flucht der Seele aus ihrem wahren Heim, der Ruhe in Gott. - An Salben und allerlei Wohlgerüchen Wie wohlhabende sie anzünden. - erfreut sich das Herz und süß sind der Seele die guten Ratschläge eines Freundes. Der Rat, der zugleich wohlüberlegt und freundlich ist, gefällt am besten. - Deinen Freund und den Freund deines Vaters verlass nicht und betritt nicht das Haus deines Bruders am Tage deiner Trübsal. Besser ist ein Freund in der Nähe als ein Bruder in der Ferne. Nähe, Ferne: nahestehend, fernstehend der Gesinnung nach. - Strebe nach Weisheit, mein Sohn! und erfreue mein Herz, dass du dem, der dir Vorwürfe macht, Rede stehen könnest. Hebr.: dass ich (der Lehrer der Weisheit) dem … Rede stehen könne. – Schlecht geratene Kinder sind ein Vorwurf für die Eltern, als seien sie von Gott verlassen. So wurde auch Gottes Name oft gelästert von den Heiden wegen der Israeliten. - Der Kluge verbirgt sich, wenn er Unheil sieht, die Einfältigen gehen voran und leiden Schaden. Dies gilt auch von der Sünde und den Gelegenheiten derselben. - Nimm dem das Kleid, der sich für einen Fremden verbürgt hat, und statt von dem Fremden nimm von ihm ein Pfand. Wer früh aufsteht und seinen Nächsten mit lauten Segenswünschen grüßt, gleicht dem, der ihm flucht. Hebr.: Wer seinem Nächsten mit lauter Stimme am Morgen ganz früh Lob zuruft, dem wird es als Fluch angerechnet (von Gott). – Wer am Beginne des Glücksstandes, ehe er noch weiß, was der Tag bringen wird (V. 1), übermäßig lobt, übt Verstellung und ist missgünstig. - Eine Dachtraufe zur Winterszeit Hebr.: Eine rinnende Dachtraufe am Regentage. - und ein zänkisches Weib gleichen einander; Beide machen den Aufenthalt im Hause zur Qual und Unmöglichkeit. - wer ihr Einhalt tun will, ist dem ähnlich, der den Wind halten und Öl in seiner Rechten fassen will. Es entgleitet notwendig. - Eisen wird durch Eisen geschärft und der Mensch schärft den Blick seines Nächsten. Der Umgang mit Erfahrenen schärft Urteil und Blick. - Wer den Feigenbaum zieht, wird von seinen Früchten essen; und wer für seinen Herrn Sorge trägt, wird geehrt werden. Mit reichlichen Geschenken. Insbesondere ist dies seitens Gottes der Fall. - Wie im Wasser das Gesicht derjenigen wiederscheint, die in dasselbe schauen, so sind die Menschenherzen vor den Klugen aufgedeckt. Unterwelt und Abgrund Es ist wohl Unterwelt und Hölle. - werden nie ausgefüllt, ebenso sind auch die Augen der Menschen unersättlich. Insbesondere die Augenlust [1Joh 2,16]. - Wie das Silber im Schmelztiegel und das Gold im Ofen erprobt wird, so wird ein Mann durch den Mund dessen, der ihn lobt, erprobt. Wie im Schmelztiegel die Unreinigkeit des Silbers zum Vorschein kommt, so im Munde der Menschen die Fehler derer, von denen sie reden. - Das Herz des Ungerechten strebt nach Bösem, aber ein rechtschaffenes Herz strebt nach Weisheit. Aus der Septuag. entlehnter Zusatz. - Zerstießest du auch den Toren im Mörser, wie man Grütze mit dem Stößel zerstößt, so würde seine Torheit doch nicht von ihm genommen. Sie ist, ob du auch dem Toren in die kleinsten Teile auslösest, innigst mit seinem Wesen verbunden. - Schaue fleißig nach, wie dein Vieh aussieht, und gib auf deine Herde acht; denn Wohlstand bleibt dir nicht immer, oder wird die Krone von Geschlecht zu Geschlecht verliehen? Hebr.: bleiben? - Werden die Fluren frei, Im Herbst. - so erscheint frisches Grün und Gras wird von den Bergen gesammelt. Zur Schilderung vergl. [Ps 64,10-14]. Gottes Schöpfung lohnt die auf sie verwandte Arbeit. V. 25ff. Der Landwirt ist gegen die Zufälle des staatlichen und kaufmännischen Lebens gesichert durch einen verlässigen Lebensgrund. - Die Lämmer sind da zu deiner Bekleidung und des Ackers Kaufpreis Böcke. Du hast Böcke, sie für ein Stück Landes einzutauschen. - Lass dir Ziegenmilch zu deiner Nahrung genügen, Hebr.: Genug Ziegenmilch ist da. zum Bedarf für dein Haus und zur Nahrung für deine Mägde.

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