Sprüche 30
Biblia Sacra (Allioli-Arndt)
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2. Drei didaktische Lehrgedichte. (30,1 – 31,31) A. Worte Agurs, des Sohnes Jakes. (Kap. 30) Gegensatz zwischen der menschlichen und göttlichen Weisheit. (V. 6) Verschiedene Weisheitssprüche.
1 Worte des Sammlers, Sohnes des Spenders. Der heilige Hieronymus übersetzt die Namen, sich wohl an die altrabbinische (indes weder geschichtlich noch sprachlich begründete) Ansicht anschließend, nach der Salomon das Königsgesetz [5Mos 17,17] in sich aufgenommen und wieder von sich gespieen habe. Sohn bedeutet hierbei den Träger einer Eigenschaft (wie Kinder Belials). - Gesicht, Dies Wort ist mit König zu verbinden: Sohn Jakes vom Stamme Massa. Massa ist nach [1Mos 25,14] ein Sohn Ismaels, gemeint ist also eine nordarabische Landschaft oder Völkerschaft. - welches der Mann aussprach, mit dem Gott ist, und der, durch Gottes Beistand gestärkt, spricht: Hebr.: Ausspruch des Mannes. Ich habe mich gemüht, o Gott, gemüht habe ich mich, o Gott, und bin hingeschwunden. – Agur bekennt, göttlicher Erleuchtung gewürdigt, seine persönliche Erfahrung verallgemeinernd, dass der Mensch seine Kraft unnütz verzehrt (V. 1), wenn er sich um Dinge bemüht, die seiner nicht würdig (V. 2), wenn er nicht im Dienste der Weisheit und des Allerhöchsten wirkt, sondern rein irdischen Zielen lebt. - 2 Ich bin der unwissendste unter den Männern Hebr.: denn unvernünftig bin ich und nicht ein Mensch. Vergl. [Ps 72,22]. - und die Weisheit der Menschen besitze ich nicht. 3 Ich habe die Weisheit nicht gelernt und ich kenne Aus mir. - die Wissenschaft der Heiligen Hebr.: des Heiligen, des Allheiligen, Gottes. - nicht. 4 Wer ist zum Himmel aufgefahren und herabgekommen? Niemand. Also kann auch niemand Gottes Wirken in der Natur und der Weltregierung darlegen. - Wer hat den Wind in seiner Hand gehalten? Hebr.: Wind in seine Hände zusammengefasst? – So dass er ihn nach Belieben zurückhalten oder wehen lassen könnte. - Wer hat die Wasser wie in ein Kleid eingebunden? Die obere Wassermasse ist in das Gewölk des Himmels wie in einem bauschigen Gewande zusammengebunden und so am Herabstürzen auf die Erde gehindert. - Wer hat alle Grenzen der Erde Die Grenzen des Festlandes gegen das Meer. - Es offenbart uns in alledem eine alles Irdische überragende Majestät, dessen Wesen wir umsonst zu durchdringen suchen. - festgesetzt? Welches ist sein Name Er ist unendlich, kein Name kann ihn darstellen. (Thom.) - und welches ist der Name seines Sohnes, Wer erforscht das Innerste Wesen seines Sohnes? Niemand. Gemeint ist die zweite Person der Gottheit, welche bereits [Spr 8] als die persönliche Weisheit auftrat. - wenn du es weißt? 5 Alle Worte Gottes sind durch Feuer bewährt, ein Schild ist er denen, die auf ihn vertrauen. Reines Gold ist Gottes Offenbarungswort ebenso in der Natur wie in der offenbarten Lehre. Darum ist er seinen Getreuen ein Schild gegen jede Gefahr und Täuschung. Daher V. 6 die Mahnung, sich vor Fälschung desselben zu hüten. - 6 Tue zu seinen Worten nichts hinzu, damit du nicht zur Rechenschaft gezogen und als Lügner erfunden werdest. Die gleiche Warnung betreffs des Gesetzes [5Mos 4,2, 5Mos 12,32]. Vergl. [Offenb 22,18]. - 7 Um zwei Dinge bitte ich dich, Die mit V. 1 begonnene Anrede des Dichters an Jahve findet in dem Gebete 7-9 ihren Abschluss. In Zahlensprüchen ist gewöhnlich das zweite Glied das wichtigste. - versage mir sie nicht, bevor ich sterbe. Solange ich lebe. - 8 Eitelkeit Insbesondere alle Falschheit, Gesinnung innerer Unwahrheit des Gottesleugners. - und Lügenreden lass fern von mir sein. Armut und Reichtum gib mir nicht; gewähre mir nur, wessen ich zu meinem Unterhalte bedarf, V. 8 und V. 9 enthalten die Begründung zu der zweiten Bitte. - Der von deiner Vorsehung mir zugemessene oder bestimmte Unterhalt. - 9 dass ich nicht etwa gesättigt und zur Verleugnung verlockt werde Vergl. [5Mos 8,12-15; 5Mos 32,15ff]. - und sage: Wer ist der Herr? Vergl. [Ps 72,11, Job 21,14]. - oder dass ich, durch Armut getrieben, stehle und falsch schwöre Hebr.: antasten den Namen meines Gottes. Dies geschieht auch durch Fluch-, Spott- und Lästerreden. Vergl. [Jes 8,21]. - bei dem Namen meines Gottes. 10 Verklage Hebr.: Verleumde nicht. - einen Knecht nicht bei seinem Herrn, dass er dir nicht etwa fluche und du zu Falle kommest. Der verleumdete Knecht wird vom Herrn gestraft und flucht dir; sein Fluch ist nicht unberechtigt und wird dich so treffen. - 11 Ein Geschlecht, Das gemeinsame Prädikat der Verse 11-14 fehlt. Wohl: Ein Greuel für den Herrn ist. Es ist ein Geschlecht der Undankbaren, ein solches der Heuchler, ein anderes der Stolzen, ein viertes der Grausamen. - das seinem Vater flucht und seine Mutter nicht segnet; 12 ein Geschlecht, das sich rein dünkt und doch nicht abgewaschen ist von seinem Schmutze; 13 ein Geschlecht, das die Augen hoch empor erhebt und seine Brauen hoch zieht; 14 ein Geschlecht, das statt der Zähne Schwerter hat und das mit seinen Backenzähnen kaut, Hebr.: Und dessen Gebiss Messer sind. - um die Dürftigen von der Erde und die Armen aus der Mitte der Menschen wegzufressen. 15 Der Blutsauger hat zwei Töchter, Das Wort Töchter ist zur Bezeichnung der Wesensgemeinschaft, der Gleichartigkeit, gewählt. Der hier gebrauchte hebr. Ausdruck für Blutsauger soll indischen Ursprungs sein, er bezeichnet die Gier in höchster Potenz. Die Talmudisten fabeln von einem dämonischen Ungeheuer. Die beiden Töchter sind vielleicht die in V. 16 an erster Stelle genannten Wesen. - die immer sagen: Gib her, gib her! Sie sind habgierige Wesen. - Drei Dinge sind unersättlich und das vierte Hebr.: vier. Drei ist die Zahl der Vollständigkeit, die Beifügung der zahl vier besagt, dass nicht nur eine volle, sondern eine übervolle Zahl von Beispielen der Gierigkeit geboten werden soll. - sagt niemals: Es ist genug! 16 Die Unterwelt, ein geiles Weib, Hebr.: Die Verschlossenheit des Mutterleibes, die Unfruchtbare, die unersättlich ist, insofern sie stets auf Empfängnis hofft. – Auf dieses Beispiel kommt es dem Dichter wohl am meisten an. Ähnliche Zahlensprüche V. 18-20; 24-28; 29-31. - die Erde, die des Wassers nie satt wird; das Feuer aber sagt niemals: Genug! 17 Ein Auge, das des Vaters spottet und die Geburt seiner Mutter verachtet, Hebr.: und verachtet, der Mutter zu gehorchen. - das sollen die Raben des Baches aushacken und die jungen Adler Ein solcher Mensch soll getötet und sein Leib den Tieren zum Fraße überlassen werden. Nach [3Mos 20,9] stand Todesstrafe auf die Verwünschung der Eltern. Junge Adler sind genannt, weil gerade an Söhnen die Strafe zu vollziehen ist. - fressen. 18 Drei Dinge sind mir zu schwer und das vierte Hebr.: vier. Im vierten erreicht das Staunen seine höchste Höhe, vor diesem vierten soll man sich am meisten hüten. - verstehe ich gänzlich nicht. 19 Den Weg des Adlers am Himmel, den Weg der Schlange über den Felsen, den Weg eines Schiffes inmitten des Meeres und den Weg des Mannes in der Jugend. Hebr.: Den Weg des Mannes bei der Jungfrau. Der Vogel bewegt sich in der Luft, in der er mit den Füßen nicht fortkommt, das Schiff durchschneidet das Meer, die Schlange geht allein von allen Wesen auf dem Bauche und bewegt sich selbst auf dem glatten Felsen ohne Füße fort, der geheimnisvolle (geschlechtliche) Verkehr des Mannes mit der Jungfrau, das sind Dinge, die seine bleibende Spur hinterlassen. - 20 So ist der Weg einer Ehebrecherin: Dieser Vers wird durch das gleichartige Wort Weg mit V. 19 und 18 lose verbunden. - sie isst Essen: heimliches Brot [Spr 9,17], sündigen. Dafür trinken [Spr 5,15]. - und wischt sich den Mund und spricht: Ich habe nichts Böses getan! 21 Durch drei Dinge wird die Erde erschüttert und das vierte Hebr.: und unter vieren kann sie es nicht ertragen. Die folgenden vier Dinge stoßen gleichsam alle Gerechtigkeit und sittliche Ordnung um, deshalb erzittert bei ihnen die Erde, welche im engsten Wechselverhältnis zur Menschheit steht. - kann sie nicht ertragen: 22 durch einen Knecht, wenn er zur Herrschaft kommt; durch einen Toren, wenn er sich satt gegessen; Dem Knecht gebührt Brot, sucht er Arbeit [JSir 30, JSir 33]; dem Toren Schläge und Armut. [Spr 19,10] - 23 durch eine gehässige Frau, Eine von ihrem Manne entlassene, wenn sie von einem anderen zur Ehe genommen wird. Nach anderen: Eine geringgeschätzte Frau, eine alte Jungfer. - wenn sie zur Ehe genommen wird; und durch eine Magd, wenn sie die Erbin ihrer Herrin wird. Richtiger wohl: ihre Herrin verdrängt, deren Platz und Stellung einnimmt. - 24 Vier sind die Geringsten auf Erden und doch weiser als die Weisen: Hebr.: überaus weise. - 25 Die Ameisen, ein schwaches Volk, und doch bereitet es sich in der Ernte Hebr.: im Sommer. - Speise; 26 die Kaninchen, Hebr.: Klippdachse, den Murmeltieren ähnlich in Aussehen und Lebensweise. - ein kraftloses Volk, und doch baut es sein Lager in Felsen; 27 die Heuschrecken, die keinen König haben und doch in Scharen zusammen ausziehen; Siehe [Joel 2,4ff]. - 28 die Eidechsen, Der Name bezeichnet die giftigen Sterneidechsen, die listig in die Häuser und selbst in die Paläste der Könige dringen. - die auf ihren Händen gehen und doch sich in den Palästen der Könige finden. Mit der äußeren Kleinheit steht bei diesen Tieren die Klugheit in augenscheinlichem Gegensatz. - 29 Drei sind stattlichen Schrittes und das vierte Hebr.: vier schreiten staatlich einher. - schreitet mit Glück einher: 30 Der Löwe, das stärkste unter den Tieren, er erschreckt vor niemandes Begegnung; 31 der Hahn mit gegürteten Lenden; Hebr.: das Tier mit umgürteten Lenden. - der Widder; Besser: der Ziegenbock. Lauter Tiere, die stolz einherschreitend, eine Art Herrscherstellung einnehmen. - auch ist kein König, Auf den König, in seiner alles bewältigenden Macht und Hoheit zielt die Rede eigentlich ab. - der ihm widersteht. Vielleicht für: ein König, gegen den kein Widerstand ist. So lesen auch mehrere Codices. - 32 Wenn ein Tor emporkommt, sieht man, dass er ein Tor ist; denn hätte er Verstand gehabt, so würde er die Hand auf seinen Mund gelegt haben. Hebr.: Magst du töricht sein, indem du dich erhebst, oder magst du nachgedacht haben, lege die Hand auf den Mund. – Brich nicht alsbald in hochmütige Worte aus, mach nicht stets sofort dein Recht geltend, übermütige und unbedachte Reden erregen Streit. - Zur Erläuterung folgen zwei Beispiele aus der täglichen Wahrnehmung. - 33 Wer die Euter stark drückt, um Milch herauszubringen, drückt Butter heraus; und wer sich stark schneuzt, bringt Blut hervor; und wer zum Zorn reizt, erregt Zwietracht. Hebr.: Denn Druck der Milch bringt Butter hervor (du darfst sie also nicht pressen, willst du sie bewahren), Druck der Nase bringt Blut hervor und Druck des Zornes bringt Streit hervor. – Das letzte vor Augen zu stellen ist Ziel der Rede von V. 32 an.
Zitiert in 21
- Dieses Kapitel Sertum Laetitiae(§14)
- V. 1 Summa (EN)(II-II 113.1)Fides Et Ratio(§21)
- V. 2 Summa (EN)(II-II 45.4
II-II 113.1) Fides Et Ratio(§21) - V. 3 Fides Et Ratio(§21)
- V. 4 Summa (EN)(I 13.1)Fides Et Ratio(§21)
- V. 5 Fides Et Ratio(§21)
- V. 6 Fides Et Ratio(§21)
- V. 7 Fragen(Spending and saving)
- V. 8 Summa (EN)(II-II 83.6
III 40.3) Fragen(Spending and saving) - V. 9 Summa (EN)(II-II 186.3)Fragen(Spending and saving)
- V. 15 Summa (EN)(Suppl 97.7)
- V. 16 Summa (EN)(Suppl 97.7)Fides Et Ratio(§21)
- V. 17 Summa (EN)(II-II 75.2)