Sprüche 8

E. Mahnung, die Weisheit Gottes, das ewige Wort, vor Augen zu haben und ihm nachzuleben. (Zehntes und elftes Lehrgedicht 8,1 – 9,18) a. (Zehntes Lehrgedicht. Kap. 8) Einladung der ewigen Weisheit, ihr zu folgen (Kap. 8): Ihre lehre ist wahr (V. 11), sie bringt viele Güter (V. 28), sie stammt von Gott (V. 31), selig, die sie finden.

Ruft nicht Die Weisheit wird hier in menschlicher Gestalt eingeführt; ähnlich wie [Spr 1] und [JSir 24, Weish 7]. Im Übrigen abstrahiert hier der Verfasser den dem Unterschiede der geschaffenen und unerschaffenen Weisheit, wie auch sonst an manchen Stellen. Demgemäß passen im Folgenden manche Worte mehr für die erschaffene Weisheit, andere können nur der unerschaffenen zuerteilt werden. Vergl. auch [JSir 24]. - die Weisheit und lässt nicht die Klugheit ihre Stimme vernehmen? Vergl. [Spr 1,20]. Die Septuag. hat einen hiervon ziemlich abweichenden Text. - Auf den Höhen, auf den höchsten Gipfeln, am Wege, Hebr.: Am Zusammenstoß der Wege. - mitten auf den Pfaden steht sie, So kann man nicht umhin, sie zu sehen und zu hören, man schlösse denn Augen und Ohren absichtlich. - an den Toren Zur Seite, auf der Innenseite. - der Stadt, am Eingange selbst Am Ausgange aus der Stadt. Am Tore wurden Gerichts- und öffentliche Versammlungen gehalten. - redet sie und spricht: An euch, ihr Männer! richte ich meinen Ruf und meine Stimme an die Menschenkinder. Lernet Klugheit, ihr Unerfahrenen, und ihr Unweisen, merket auf! Hebr.: Gewinnet Verstand. - Höret! denn Denn es ist der Mühe wert. - ich will von erhabenen Dingen reden und meine Lippen sollen sich öffnen, zu verkündigen, was recht ist. Wahrheit redet mein Mund und meine Lippen verabscheuen Gottlosigkeit. Alle meine Reden sind gerecht, es ist darin nichts Falsches noch Verkehrtes. Weitere Begründung (deren Beginn 6a). - Sie sind recht Hebr.: aufrichtig, führen nicht irre durch Doppelsinn. - für die Einsichtigen und gerade für die, welche Erkenntnis erlangten. Nehmet meine Zucht an und nicht Geld, Silber. - wählet vielmehr Belehrung als Gold! Hebr.: Auserlesenes Gold. - Denn besser ist Weisheit als alle Kostbarkeiten und nichts, was man nur wünschen mag, kann mit ihr verglichen werden. Ich, die Weisheit, wohne bei dem guten Rate und bin unter umsichtigen Gedanken. Hebr.: Ich, die Weisheit, habe die Klugheit inne. Weisheit ist ein höheres, sittliches Gut. - Die Furcht des Herrn hasst das Böse; Hebr.: Die Furcht Jahves besteht im Hassen des Bösen. Vergl. [Spr 1,29, Spr 2,5]. - Übermut, Stolz, Das Hebräische häuft gerne Worte desselben Stammes und gleicher Bedeutung, um anzuzeigen, dass der ganze Begriff gemeint ist. - böser Wandel und ein zweizüngiger Mund sind mir ein Greuel. Mein ist Rat und Billigkeit, Richtiges Erkennen und Tun. - mein ist Hebr.: Ich bin. Vergl. [Job 12,13.16]. - Klugheit, mein ist Stärke. Diese ist Wirkung der Klugheit. - Durch mich herrschen Könige und verordnen Gesetzgeber, was recht ist. Durch mich herrschen Fürsten und entscheiden Gewalthaber Gerechtigkeit. Hebr.: Durch mich herrschen Fürsten und die Hochgestellten, alle Richter der Erde. – Die Annahme, dass diese Aussage nur von den gerechten Herrschern gelten könne, schuf die der Vulgata entsprechende Variante. Nur durch die von Gott stammende Weisheit, nicht aus sich, vermögen sie etwas. - Ich liebe, die mich lieben; und die mich früh Mit Eifer. - suchen, werden mich finden. Bei mir ist Reichtum und Ehre, herrliche Güter und Gerechtigkeit, Samt ihrer Folge, dauerndem Glücke. - denn meine Frucht Vergl. die Schilderung der Weisheit als Lebensbaum [Spr 3,18]. - ist besser als Gold und Edelgestein Hebr.: als Gold und Feingold. - und mein Ertrag besser als auserlesenes Silber. Auf den Wegen der Gerechtigkeit wandle ich, inmitten der Pfade des Rechts, Wo die Weisheit wandelt, müssen auch die wandeln, die sie lieb haben. Wer aber auf ihrer Bahn wandelt, wird glücklich. - damit ich denen, die mich lieben, Reichtum verleihe und ihre Schatzkammern fülle. Die Septuag. hat hier einen Zusatz, der auf die folgende Mitteilung über das vorweltliche Dasein der Weisheit vorbereiten soll. - Der Herr besaß mich am Anfange seiner Wege, Hebr.: Jahve hat mich erworben, vergl. [1Mos 4,1], - d.i. gegründet, geschaffen – als Erstling seines Weges, vor seinen Werken, von jeher. Septuag.: hat mich erschaffen als Anfang. – Das Wort Schaffen im hebr. und griech. Texte macht keine Schwierigkeit. Es drückt erstens rein göttlichen Akt aus, zweitens eine Hervorbringung durch göttliches Sprechen, weiter eine Hervorbringung des ganzen Subjektes (nicht nur eine Veränderung an demselben). Auf die zweite Person der Gottheit angewendet, schließt es die Unvollkommenheiten kreatürlichen Zeugens aus, namentlich Materialität, Passivität, Teilung und Emanation. Zudem ist die göttliche Zeugung das eminente Vorbild der Schöpfung und diese ein endliches Nachbild jener. Inadäquat aber ist der Ausdruck, insofern das Erschaffen ein endliches Wesen ins Dasein setzt, während die göttliche Zeugung das göttliche Wesen mitteilt. Dass hier von dem Worte, der zweiten Person der Gottheit, die Rede ist, erkannten die Arianer ebenso wie die Väter. „Der Herr besaß mich“ bedeutet, dass der Vater stets im Sohne und der Sohn stets im Vater war. (Hier.) Epiph. und Beda sind der Ansicht, dass der hl. Johannes diese Stelle für den Anfang seines Evangeliums vor Augen gehabt habe. Demgemäß erklären Basil., Epiphan., Hieron. das hebräische: er zeugte und besaß durch die Zeugung. Hilarius weist darauf hin, dass die Weisheit, die hier geschaffen heißt, bald gezeugt genannt wird. – Weiter spricht die Weisheit V. 32 als Lehrerin und Gnadenspenderin, wird V. 9, 1. das Reich der Weisheit, die Kirche des Alten und Neuen Bundes mit ihren Wahrheiten, Gnaden und Wirksamkeiten als ein von der Weisheit erbauter Tempel und ein von ihr gefeiertes Opfer- und Freudenmahl dargestellt, wie sie 8. V. 18, 19 als Wurzel, Quelle und Spenderin aller natürlichen Güter bezeichnet wird. (Mehr siehe im Buche der Weisheit und im Ekklesiastikus.) – Auf diese Stelle bezieht sich wohl [Mt 11,19] und [Lk 11,49] zurück und [1Kor 1,24.30] hat dieselbe wohl als Grundlage, ebenso wie [Hebr 1,2ff, Offenb 3,14] - ehe er etwas schuf von Anbeginn her. Von Ewigkeit her bin ich eingesetzt, von alters her, bevor die Erde geworden. Noch waren die Tiefen Die Wassertiefen. - nicht, doch ich war schon empfangen, Hebr.: geboren. - noch waren die Wasserquellen Hebr.: Die Quellen, die wasserschweren. - nicht hervorgebrochen, noch standen die Berge nicht fest Hebr.: Noch waren die Berge nicht eingesenkt (in das Meer, in dem ihre Wurzeln ruhen.) - in gewaltiger Wucht; vor den Hügeln ward ich geboren, ehe er noch die Erde geschaffen und die Flüsse und die Angeln des Erdkreises. Hebr.: als er noch nicht geschaffen hatte Erde und Fluren und die ersten Schollen des Erdkreises. - Als er die Himmel bereitete, war ich dabei; Vergl. [Weish 9,4]. - als er nach genauem Gesetze Schranken zog um die Tiefen, Hebr.: Als er den Himmel feststellte, war ich dabei, als er die Wölbung über den Ozean festsetzte. - als er die Luftschichten oben festigte und die Wasserquellen abwog, Hebr.: und die Quellen des Ozeans mächtig wurden. (?) - als er dem Meere ringsum seine Grenzen setzte und den Wassern das Gebot gab, ihre Grenzen nicht zu überschreiten, als er die Grundfesten der Erde feststellte, da war ich bei ihm, alles ordnend, Hebr.: als Werkmeisterin. - und war in Entzücken Tag um Tag, spielend vor ihm allezeit, spielend auf dem Erdkreis, Hebr.: Ich war (ganz) Entzücken – über die mir zugewiesene Tätigkeit. Ich erfüllte meine Aufgabe mit Freude und Jubel. Nach der Septuag. war die Weisheit Jahves Freude. - und meine Wonne ist es, bei den Menschenkindern zu sein. Die Weisheit ward sogar Mensch. Vergl. [5Mos 33,3, Hebr 2,16, Tit 3,4]. - Nun denn, ihr Söhne! höret auf mich. Glückselig sind, die meine Wege innehalten! Merket auf Zucht und werdet weise und verschmähet sie nicht! Glückselig der Mensch, der auf mich hört und der an meinen Türen wacht Tag für Tag und acht hat an den Pfosten meines Tores! Wer mich findet, findet Leben Hebr. Plural, also hier das Leben der Gnade, dort das der Herrlichkeit. - und erlangt Heil von dem Herrn. Wer sich aber gegen mich verfehlt, Indem er das Gute hasst, das Böse liebt. - schadet seiner eigenen Seele. Alle, die mich hassen, lieben den Tod. Lieben, was zum Tode führt.

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