Sprüche 9
Biblia Sacra (Allioli-Arndt)
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b. (Elftes Lehrgedicht. Kap. 9) Einladung zu zwei Gastmählern, dem der Weisheit (V. 12) und dem der Torheit. (V. 18) Wer der ersteren folgt, wird glücklich; unglücklich, wer der anderen sein Herz öffnet.
1 Die Weisheit Das hebr. Wort hat hier die Form der Mehrheit wie das Wort Elohim, Gott. - hat sich ein Haus gebaut, sich sieben Säulen ausgehauen. Gewöhnlich brauchte man hölzerne Tragsäulen. Die Weisheit hat Säulen ausgehauen: eine Andeutung der erhabenen Würde ihres Hauses. Die Häuser hatten mindestens vier Säulen. Die Zahl sieben weist auf etwas Heiliges, einen Tempel, hin. Dies Haus der Weisheit im vollkommensten Sinne ist die Kirche (Gregor der Gr.), die sieben Pfeiler (Zahl der Vollkommenheit) die Einzelkirchen. (Aug., Greg. d. Gr.) Symbolisch ist Christus dieser Tempel, die sieben Gaben des Heiligen Geistes die Säulen desselben. Der hl. Athanasius, Greg. v. Nyssa, Aug. deuten das Haus auch auf den Leib, den der Heiland aus Maria annahm. Auch auf die hl. Jungfrau wenden einige hl. Väter dieses Bild an. - 2 Sie hat ihre Opfertiere geschlachtet, den Wein gemischt und ihren Tisch zugerichtet. Diesen Vers erklären Crys., Ambros., Cyprian, Beda von der hl. Eucharistie, auf welche die Kirche denselben gleichfalls im Fronleichnams-Offizium anwendet. - 3 Sie sendet ihre Dienerinnen aus, Erst, wenn das Mahl fertig und alles angerichtet ist, ergeht die Einladung. Die Dienerinnen sind insbesondere die Lehrer der Weisheit, im Neuen Testamente die Apostel u.a. - dass sie rufen bei der Burg und bei den Mauern der Stadt: Hebr.: Ihr Ruf ergeht von den Höhen der Stadt. Der Ort ist derselbe wie [Spr 8,1] und [Spr 1,20ff]. - 4 „Ist jemand klein, Hebr.: töricht. - er komme zu mir!“ Die Einladung der Weisheit und der Torheit (V. 16) wird in dieselben Worte gekleidet. - Und den Unweisen ließ sie sagen: 5 „Kommet, esset mein Brot Genießt die Mahlzeit. - und trinket den Wein, den ich für euch gemischt habe! Vergl. [Mt 22,1ff, Lk 14,16ff]. - 6 Lasset von der Einfalt und lebet und wandelt auf den Wegen der Klugheit!“ Erklärung des Bildes; Brot und Wein sind die Weisheitsregeln, welche befähigen, die Torheit zu verlassen. - 7 Wer einen Spötter zurechtweist, zieht sich selber Unbilden zu; Nach einige besagen V. 7-10, das die Einladung nicht an die Spötter ergeht, denn solche Leute zurechtzuweisen, bringt nur Schande. Doch vielleicht sind V. 7-10 Begründung zu V. 6a. Lasset von der Torheit! Lasset den Verkehr mit solchen Leuten, denn ihr gewinnt aus demselben nur Hass und Verachtung, kommt zu den Weisen! - und wer einen Gottlosen tadelt, bereitet sich selbst eine Unzier. Eine Schande ist schon die Erfolglosigkeit, noch mehr die beschimpfende Abweisung. Dazu kommt aber noch der Hass dessen, der sich nicht will zurechtweisen lassen. (V. 8) - 8 Weise den Spötter nicht zurecht, dass er dich nicht hasse; weise den Weisen zurecht, und er wird dich lieben. 9 Gib dem Weisen Gelegenheit, so wird er in der Weisheit zunehmen; belehre den Gerechten, so wird er es schnell annehmen. 10 Die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang Vergl. [Spr 1,7, Spr 2,5]. - und den Heiligen Gott. - erkennen ist Einsicht. 11 Denn Begründung zu V. 5-10. - durch mich werden deiner Tage viele werden und die Jahre des Lebens sich dir mehren. 12 Wenn du weise bist, bist du für dich selbst weise; und bist du ein Spötter, so wirst du das Unheil allein tragen. Den Segen der Weisheit schmeckst du allein, vergl. [Job 22,3], so wie du den Unsegen des Spottes selbst tragen musst. Vergl. [4Mos 9,13]. Die Septuag. fügt noch drei Verse an, deren Anfang sich in der Vulgata [Spr 10,4] findet. - 13 Eine Frau, töricht, geschwätzig, voll der Lockungen und gänzlich unverständig, Die Torheit wir hier mit den Farben gemalt, mit denen die Ehebrecherin [Spr 7,11] dargestellt ist. Hebr.: Frau Torheit, leidenschaftlich, voll Eitelkeit ist die Unvernunft, gänzlich unwissend. - 14 setzt sich an der Türe ihres Hauses auf einen Sessel, auf erhöhtem Platze der Stadt, 15 um denen, welche des Weges vorüberkommen, Und ihr so, auch ohne es zu wollen, nahekommen. - und den Dahinwandelnden Den auf ihren Pfaden geradeaus Wandelnden. - zuzurufen: 16 „Wer einfältig Unerfahren. Das Wort ist im Hebräischen doppelsinnig. Der Verfasser nimmt es im tadelnden Sinne von Tor, das Weib braucht es für solche, die für angeblich edle Freuden und gebildeten Umgang empfänglich sind. - ist, wende sich zu mir!“ Und zu dem Unverständigen sagt sie: 17 „Gestohlene Wasser schmecken süßer, und heimlich zugestecktes Brot ist schmackhafter.“ Die Torheit ladet wie die Weisheit zu einem Mahle ein. Aber welche Gegensätze! Dort Wein, hier Wasser, dort ist ein Gastmahl bereit, hier verstecktes Essen. Dies Mahl besteht aus verbotenen Speisen: Ehebruch. Das Herz neigt dem Verbotenen zu, daher nennt sie dieses süß. – Wasser wohl mit Bezug auf [Spr 5,15]. - 18 Und er weiß nicht, dass dort Ungeheuer Vergl. [1Mos 6,2, Job 26,5]. Hebr.: Dass dort Schatten sind. Die, welche dem Tode sicher bald verfallen sind, sind schon jetzt so gut wie tot. - sind und in den Abgründen der Unterwelt ihre Gäste. Jenes Haus reicht bis in den Schlund der Hölle. – Die Septuag. fügt noch einige Worte der Ausmalung hinzu.