Psalmen 10

Warum, o Herr! hast du dich zurückgezogen in die Ferne, siehest nicht her, Gott zieht sich zurück, verbirgt sich, sieht nicht hin, wenn er mit seiner Hilfe zögert. - da es doch Zeit ist, in der Drangsal? Da doch Bedrängnis hereingebrochen? - [Ps 9] und [Ps 10] nach jüdischer Zählung bildeten ursprünglich einen alphabetischen Psalm, der später in zwei Teile zerlegt ward. - Da der Gottlose Übermut treibt, wird der Arme gequält, Das Bild ist im Hebr. und Lat. vom Brennen hergenommen. - aber jene werden gefangen in den Anschlägen, die sie ersinnen. Hebr.: Ob des Übermutes des Frevlers muss der Arme sich ängstigen; möchten sie ergriffen werden durch die Tücke, die jene (die Frevler) ersonnen. – Wenn der Gottlose sich überhebt, muss zwar der Verfolgte leiden, doch die Gottlosen werden in ihren Anschlägen gefangen. - Denn der Sünder rühmt sich ob der Gelüste seiner Seele und der Frevler segnet sich. Preist sich glücklich. - Der Sünder erbittert den Herrn und wegen seines großen Zornes frägt er nichts nach ihm. Wie schwer er auch Gott beleidige, dieser kümmert sich doch nicht um ihn, denkt der Sünder. - Gott steht ihm nicht vor Augen, seine Wege sind befleckt zu jeder Zeit. Deine Gerichte sind seinem Blicke entrückt, alle seine Feinde knechtet er. V. 3-5 lauten nach dem hebräischen: Denn es rühmt sich der Frevler der Gelüste seiner Seele, der Frevler verabschiedet, ja höhnt den Herrn, 4. Der Gottlose wähnt in seiner Hochnäsigkeit (Hochmut): Nicht wird er ahnden, es gibt keinen Gott – das sind alle seine Gedanken. 5. Was er unternimmt, hat jederzeit Bestand; deine Gerichte bleiben hoch droben von ihm fern, alle seine Feinde, er bläst sie (verächtlich) an. – Die Vulg. identifiziert 3b das Hebr. mit 3a. - Denn Ja. - er spricht in seinem Herzen: Nicht werde ich je wanken, ich bleibe vor Unglück bewahrt von Geschlecht zu Geschlecht. Von Lästerung ist sein Mund voll, Gottes ledig kennt der Bösewicht gegen den Nächsten vollends kein gebot mehr. - von Kränkung und Trug, unter seiner Zunge ist Mühsal und Schmerz. Er liegt im Hinterhalt mit den Reichen im Verborgenen, Hebr.: Er lauert im Hinterhalt der Gehöfte, mordet insgeheim Unschuldige, seine Augen spähen nach dem Unglücklichen. (Vulg. 9a) - um den Unschuldigen zu morden. Seine Augen spähen auf den Armen, er liegt im Verborgenen auf der Lauer, wie ein Löwe in seiner Höhle. Er liegt auf der Lauer, um den Armen zu erhaschen, zu erhaschen den Armen, indem er ihn zu sich zieht. Hebr.: Er lauert im Versteck wie ein Löwe in seinem Dickicht, er lauert, den Elenden zu erhaschen, er fasst den Armen, indem er ihn fortzieht in seinem Netze. – Vom Vergleiche des Löwen geht der Psalmist zu dem des Jägers über. – Vulg.: Er sitzt im Hause der Reichen, diesen schmeichelnd, um sie für die Unterdrückung des Armen zu gewinnen. - In seiner Schlinge wirft er ihn zu Boden, er bückt sich und stürzt auf ihn, wenn er der Armen Herr geworden. Hebr.: Er duckt sich nieder, kauert und es fallen durch seine Macht (in seine Klauen) die Armen. – Wenn die Bedrängten seine Netze fast berühren, verbirgt er sich, damit jene nicht zurückweichen und sich vor ihm hüten, und tritt nicht eher hervor, als bis er sie plötzlich überwältigt hat. (Bild des Jägers) - Denn er spricht in seinem Herzen: Gott vergisst es, er wendet sein Angesicht ab, zu schauen nimmermehr. Gott kümmert sich um so armselige Menschen überhaupt nicht, er hat sie und die ganze Welt vergessen, er verhüllt sein Auge vor ihrem Tun, es nicht zu sehen, ja, der Ewige ist nie ein Sehender gewesen und wird es nie sein. Ein blinder Zufall regiert die Welt. - Stehe auf, o Herr, Gott! es erhebe sich deine Hand, vergiss nicht der Mühseligen. Die Bitte wird V. 15 weiter entwickelt. - Warum erbittert der Gottlose Gott? Dies Warum? Des Psalmes, das brennendem Eifer entspringt, kann Gott so wenig missfallen wie das Warum? Der heiligen Jungfrau [Lk 2], das der Liebe entsprang. - denn er spricht in seinem Herzen: Er ahndet es nicht! Du siehst es, Soll man etwa denken, die Frevler lästern Gott mit Grund so? Nein, vielmehr ist dein Auge sehend usw. - denn du achtest auf Mühsal und Schmerz, um sie in deine Hand zu nehmen. Nicht flüchtig nur siehst du sie an, sondern mit größter Aufmerksamkeit, um zu rechter Zeit dem Frevler und dem Bedrückten zu vergelten. Darum überlässt sich dir der Arme. - Dir ist der Arme anheim gegeben, der Waise bist du Helfer. Zerbrich den Arm des Sünders und des Bösen, dass man seine Sünde suche Zur Sühnung. (Antwort auf V. 13 Schluss) Hebr.: Und der Böse – ahnde seinen Frevel. - und sie nimmer finde. So vollkommen mögen ihre Werke vernichtet werden. - Der Herr ist König immer und in alle Ewigkeit, ihr Heiden werdet aus seinem Lande Im höheren Sinne das Reich Gottes. - vertilgt. Das Verlangen der Armen erhört der Herr, ihres Herzens Begehren hört dein Ohr, Hebr.: du stärkst ihren Mut, neigst dein Ohr. - so dass du der Waise und dem Niedrigen Recht schaffst, damit hierfür niemand mehr vermessen großtue auf Erden. Hebr.: damit der Erdenmensch nicht mehr trotze.

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