Psalmen 104

Preise Gott, meine Seele, den erhabenen Schöpfer! (V. 1) a. Mit Licht wie mit herrlichem Gewande umgeben, hat Gott seinen Thron im Himmel aufgeschlagen und regiert von da alles. (V. 4) b. Gott hat die Erde gefestigt und den Wassern ihre Grenzen gewiesen, den lebenden Wesen Wohnung gewährt, die Erde fruchtbar gemacht. (V. 18) c. Er hat den Mond geschaffen für die Nacht und die Sonne für den Tag. (V. 23) d. Hohe Weisheit hat Gott offenbart in der Erschaffung der Tiere, er, der alles nährt und erhält. (V. 30) e. Allezeit will der Sänger den mächtigen Schöpfer preisen, voller Hoffnung, dass Gott einst die Sünder, die Verkehrer seiner Ordnung vernichtet.

Von David. Fehlt im Hebr. - Preise, meine Seele, den Herrn! Herr, mein Gott! du bist überaus groß, mit Lobpreis und Pracht bist du angetan, bist mit Licht umhüllt wie mit einem Gewande. Deine Erhabenheit leuchtet aus deinen Werken hervor. - Du spannst den Himmel aus wie eine Decke; Wenn V. 1 und 2a das erste Tagewerk kennzeichnen, geht der Dichter hier zum zweiten über. Der Himmel ist gleich einem Zelte als Decke über die Erde, die Wohnstätte der Menschen, hingespannt. - der du seine Des Himmels, des Firmamentes. Nach der dichterischen Auffassung trägt dies die oberen Wassermassen und trennt sie von den unteren. Hebr.: der da aufbaut in den Wassern seine Söller (Obergemächer). - höchste Höhe mit Wassern bedeckst, der du die Wolken zu deinem Wagen machst, der du einherfährst auf den Flügeln der Winde; Die Winde sind dichterisch als Tiere gedacht, welche die Wolken, die Wagen Gottes, in Bewegung setzen. - der du Winde zu deinen Boten machst und Feuerflammen zu deinen Dienern! Oder der Sinn ist: Gott bedient sich seiner Engel zu jenen himmlischen Zwecken, zu denen sonst Wind und Feuer dienen. Der heil. Paulus führt diesen Vers [Hebr 1,7] nach der Sept. an. - der du die Erde auf ihre Grundfeste gegründet hast, Auf nichts außer ihr, durch deine Allmacht. - dass sie in Ewigkeit nicht wanke. Wasserflut bedeckte sie wie ein Gewand, auf den Bergen standen Gewässer. Hervortreten des Festlandes am dritten Schöpfungstage. - Vor deinem Schelten Donner. - fliehen sie, vor deines Donners Stimme erschrecken sie. Hebr.: weichen sie zitternd. - Die Berge steigen empor und die Täler senken sich an dem Ort, den du für sie gegründet. Indem die Gewässer sich zurückziehend das Festland bloßlegten, traten Berge und Täler als solche sichtbar hervor. - Du setztest eine Grenze, die sie nicht überschreiten dürfen, und sie werden nicht wiederum die Erde bedecken. Der du Dritter Schöpfungstag. Wohltat des begrenzten Wassers für Tiere und Pflanzen. - Quellen in den Tälern hervorsprudeln lässest, dass zwischen den Bergen die Wasser Die Quellen. - dahinfließen. Es trinken daraus alle Tiere des Feldes, es verlangen in ihrem Durste die Waldesel darnach. Hebr.: Sie (die Quellen) tränken alle Tiere des Feldes, es löschen Waldesel ihren Durst. – Auch für die den Menschen fliehenden Tiere sorgt Gott. - Über ihnen Den Quellen und Wassern. - wohnen die Vögel des Himmels, aus Felsengeklüft Hebr.: zwischen den Zweigen hervor erheben sie ihre Stimme. - lassen sie ihre Stimmen hören. Du lässest Regen auf die Berge fallen aus höchsten Höhen, von der Frucht deiner Werke Die Werke sind die Wolken, ihre Frucht ist der Regen. V. 10-13 beschreiben die Vorbereitung des dritten Tages, V. 14 die Pflanzenwelt, bis V. 18 wird das übrige berichtet. - sättigt sich die Erde. Du lässest Gras wachsen für das Vieh und Pflanzen zum Dienste Nutzen, Gebrauch. - der Menschen, dass du aus der Erde Brot hervorbringest und dass der Wein des Menschen Herz erfreue, das Öl sein Antlitz erfrische Hebr.: dass er glänzen lasse das Antlitz von Öl. – Dies geschah bei Freudenmahlen. - und das Brot des Menschen Herz stärke. Das Brot ist als nährende Speise Stütze der Lebenskraft. – Brotkorn, Wein, Öl sind die vorzüglichsten Produkte der Pflanzenwelt. - Die Bäume des Feldes Hebr.: des Herrn, - die Bäume, welche vor anderen die Größe des Schöpfers bekunden. - werden satt und die Zedern des Libanon, die er gepflanzt, dort nisten Sperlinge, Richtiger: kleine Vögel. - welchen das Haus der Reiher vorangeht. Sein Nest ist das höchstgelegene und herrscht insofern über die anderen. Hebr.: Der Storch, der auf der Zypresse sein Haus hat. - Die hohen Berge sind der Hirsche, Steinbock. - die Felsen der Igel Klippdachs. - Zuflucht. Er hat den Mond gemacht zur Unterscheidung der Zeiten, Der vierte Tag. Der Mond wird zuerst genannt, weil der Tag mit dem Abend beginnt. Der Hauptmesser für das kirchliche und bürgerliche Leben ist der Mond, wie die Sonne der unfehlbare Messer des Tages ist. - die Sonne kennt ihren Niedergang. Gott gehorsam. Vergl. [Ps 18,5]. - Du setzest Finsternis Sobald du willst. - und es wird Nacht, in ihr regen sich alle Tiere des Waldes. Die jungen Löwen brüllen nach Raub und heischen ihre Speise von Gott. Das Gebrüll der Löwen und ihr Ausgehen auf Beute ist ein Begehren, das Gott selbst in ihre Natur gelegt hat. - Wenn die Sonne aufgeht, sammeln sie sich und legen sich auf ihre Lager nieder. Der Mensch Der Tag ist die Zeit des Menschen. - geht aus an sein Werk und an seine Arbeit bis zum Abend. Wie groß Zahlreich. - sind deine Werke, o Herr! du hast sie alle mit Weisheit geschaffen; was die Erde erfüllt, ist dein. Der Dichter geht zum fünften und sechsten Schöpfungstage über. - Da ist das Meer, groß und weithin greifend, darin ist Tiergewimmel ohne Zahl, Tiere, kleine wie große. Dort ziehen die Schiffe dahin, das Meerungeheuer, Hebr.: Der Leviathan, wohl das Krokodil, nach einigen der Walfisch. - welches du gemacht, dass es darin spiele. Sie alle warten auf dich, dass du ihnen Speise gebest zu rechter Zeit. Du gibst ihnen und sie lesen auf, du tust deine Hand auf und alles sättigt sich mit Gutem. Wendest du aber dein Angesicht weg, so befällt sie Schrecken; nimmst du ihren Odem weg, Der Lebensgeist aller Geschöpfe ist von Gott ausgegangen, als sein Geist über den Wassern schwebte. - so vergehen sie und werden wieder zu Staub. Entsendest du deinen Geist, so werden sie geschaffen, und du erneuerst das Angesicht der Erde. Vom Schaffen überhaupt gesagt. - Ehre sei dem Herrn in Ewigkeit! der Herr freut sich Hebr.: es freue sich. - seiner Werke; Sabbatliche Betrachtung. Machen die Geschöpfe ihm keine Freude mehr, so kann der dessen Macht V. 32 schildert, sie vernichten, wie er in der Sündflut getan. - der die Erde ansieht und macht, dass sie erzittert; der die Berge berührt, dass sie rauchen. Ich will den Herrn preisen mein Leben lang, will meinem Gott lobsingen, so lange ich bin. Möge ihm meine Rede wohlgefallen, ich will mich freuen in dem Herrn. Mögen die Sünder von der Erde verschwinden und die Gottlosen, so dass sie nicht mehr sind; Sie sind dem Ziel der Schöpfung Gottes entgegen und fördern seine Ehre nicht. - preise, meine Seele, den Herrn! Im Hebräischen wird beigefügt Alleluja (aber besser an der Spitze des folgenden Verses gesetzt), ein Gebetsruf, der außerhalb des Psalters sich nicht findet, im Psalter aber hier zum ersten Male vorkommt. – Man erstaunt, sagt A. v. Humboldt über diesen Psalm, in einem Liede von so geringem Umfange mit wenigen großen Zügen Himmel und Erde geschildert zu sehen. Das allgemeine Urteil bezeichnet den Psalm als ein Meisterstück alter Poesie, das alle Oden der Griechen und Römer in Schatten stellt. – Die Kirche betet diesen Psalm im Pfingstoffizium, da der von Gott gesandte Geist gleichsam eine neue Schöpfung vornahm.

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