Psalmen 105

1. Aufforderung an die Israeliten, Gott zu loben, der durch seine Wunderwerke gezeigt hat, dass er sie auserwählt hat und besonders liebt. (V. 17) 2. Dass Gott seines Bundes mit den Patriarchen eingedenk ist, hat er durch besonderen Schutz der Israeliten bewiesen. (V. 15) 3. Noch deutlicher erschien seine Treue in dem Schicksale Josephs, durch den das Volk Israel nach Ägypten kam. (V. 25) 4. Ebenso offenbarte sie sich durch Moses, der die Plagen über Ägypten kommen ließ und das Volk herausführte. (V. 38) 5. Endlich bei dem Zuge des Volkes durch die Wüste, bis er das den Patriarchen von Gott verheißene Land erlangte.

Alleluja! Gehört im Hebr. zum vorhergehenden Psalm. In der Vulgata steht diese liturgische Formel, welche dem Ausdrucke der Freude dient, am Anfange der Psalmen 104-106; 110-118. 134. 135; 145-150; wie den Psalmen 147-150 ist sie auch Unterschrift. – V. 1-15 wurden nach [1Chr 16,8ff] bei Übertragung der Bundeslade nach Sion gesungen. Der Verfasser der Paralipomena hat das Original des Liedes vor sich gehabt, dasselbe war also wohl bereits einige Zeit vor der Übertragung der Bundeslade gedichtet. - Preiset den Herrn und rufet seinen Namen an, machet unter den Völkern seine Taten kund. Singet ihm, spielet ihm, erzählet alle seine Wunder! Rühmet euch seines heiligen Namens, es freue sich das Herz derer, die den Herrn suchen! Suchet den Herrn Gegensatz zu den Heiden, die Gott nicht suchen. - und seid stark, Suchet mit Ausdauer. Hebr.: Fraget nach (suchet) den Herrn und seine Majestät. - suchet sein Angesicht allezeit! Gedenket seiner Wunder, die er getan, seiner Zeichen Die Wunder, soweit sie für Israel und die Heiden Zeichen sind. - und der Gerichte seines Mundes! Der Strafurteile Gottes über die Heiden zugunsten seines Volkes Israel. - Ihr, die Nachkommen Abrahams, seine Diener, ihr, Söhne Jakobs, seine Auserwählten! Er, der Herr, ist unser Gott; über die ganze Erde erstrecken sich seine Gerichte. Er gedenkt ewig seines Bundes, der Verheißung, die er auf tausend Geschlechter hin gegeben, welchen er mit Abraham geschlossen, [1Mos 22,16] - und seines Eidschwures an Isaak. [1Mos 26,2ff] - Und er stellte ihn für Jakob zum Gesetze hin und für Israel zum ewigen Bunde, indem er sprach: Dir will ich das Land Kanaan geben als euch In den Patriarchen waren ihre Nachkommen einbegriffen. - zugemessenes Erbe. Als sie noch gering waren an Zahl, sehr wenige und Fremdlinge daselbst. Dieser Vers ist wohl eher mit dem Vorhergehenden als mit dem Folgenden zu verbinden. - Sie zogen von Volk zu Volk und von einem Reiche zu einem andern Volke. Er gestattete niemand, ihnen Schaden zu tun und strafte um ihretwillen Der Psalmist denkt wohl an die Bewahrung der Frauen der Patriarchen: Saras in Ägypten [1Mos 12] und Saras wie Rebekkas bei den Philistern [1Mos 20] und [1Mos 26]. - Könige: Tastet nicht an meine Gesalbten Die Patriarchen waren nicht gesalbt. Die Salbung ist Sinnbild einer Betrauung mit göttlichen Vollmachten: Meine unverletzlichen Auserwählten. - und tuet meinen Propheten Insofern sie wie die nachmaligen Propheten in unmittelbarem Verkehr mit Gott standen. - kein Leid! Und er rief eine Hungersnot über das Land Zweimal sandte Gott eine Hungersnot, die seinen Zielen diente: als Abraham nach Ägypten zog und zur Zeit Josephs. [1Mos 13] und [1Mos 41,53] - und zerbrach jegliche Stütze an Brot. Vergl. [3Mos 26,26]. - Er sandte einen Mann vor ihnen her, Vergl. [1Mos 45,5]. - zum Knechte ward Joseph verkauft. Sie zwängten seine Füße in Fesseln, Eisen durchdrang seine Seele, Septuag.: Er musste durch Eisen hindurch (musste solches tragen). Hebr.: In Eisen (in Gefangenschaft) kam er. - bis sein Wort Wohl das Wort über seine Träume. [1Mos 42,9] - eintraf. Des Herrn Rede Des Herrn Rede ist personifiziert: Zuerst erprobte sie ihn in der Demütigung und prüfte seine Treue, ehe sie ihn erhob. - bewährte ihn. Da sandte der König hin und löste ihn, der Völkerbeherrscher gab ihn frei. Er setzte ihn zum Gebieter über sein Haus ein und zum Herrscher über all seinen Besitz, dass er seine Fürsten leitete wie sich selbst Hebr.: nach Willkür band seine Fürsten. - und seine Ältesten Klugheit lehrte. Joseph war weiser als sie, so dass er sie Klugheit lehren konnte. - Und Israel kam nach Ägypten, Jakob weilte als ein Fremdling im Lande Chams. Und er mehrte sein Volk überaus und machte es stärker als seine Feinde. Er wandelte deren Herz, dass sie sein Volk hassten und List übten wider seine Diener. Insbesondere durch die mittelst Tötung aller männlichen Nachkommenschaft beabsichtigte Schwächung des Volkes. - Er sandte Moses, seinen Diener, Aaron, den er auserwählt hatte. Er verrichtete an ihnen seine Zeichen und Wunder im Lande Chams. Er gab ihnen Macht, Wunder zu tun. Die zehn Plagen folgen so wenig wie in [Ps 77] in genau geschichtlicher Folge. - Er sandte Finsternis und führte Dunkelheit herauf Die neunte Plage war das deutlichste Zeichen des göttlichen Zornes. [2Mos 10,21-29] - und nicht ward seinen Befehlen Widerstand geleistet. Von Moses und Aaron. - Er wandelte ihre Wasser in Blut und ließ ihre Fische sterben. Erste Plage. - Ihr Land brachte Frösche hervor Aus Seen und Flüssen. Die zweite Plage. - bis in die Gemächer ihrer Könige. Er sprach, da kam die Hundsfliege, Stechmücken in ihr ganzes Gebiet. Vierte und dritte Plage. - Er gab ihnen Hagel als Regen, sandte verzehrendes Feuer in ihr Land. Siebente Plage. - Und er schlug ihre Weinberge und ihre Feigenbäume und zerbrach die Bäume in ihrem ganzen Lande. Er gebot, da kamen Heuschrecken aller Art, unzählbar an Menge. Diese fraßen alles Grün in ihrem Lande und fraßen alle Frucht ihres Feldes. Achte Plage. - Er schlug alle Erstgeburt in ihrem Lande, die Erstlinge aller ihrer Muttermühen. Hebr.: Kraft. – Die zehnte Plage. Die fünfte Plage (Pest) und die sechste (Geschwüre) bleiben unerwähnt. - Er führte sie heraus mit Silber und Gold und kein Schwacher war in ihren Stämmen. Es freute sich Ägypten über ihren Der Juden. - Auszug, denn Schrecken vor jenen hatte sie befallen. Er breitete eine Wolke zu ihrem Schirme aus und Feuer, ihnen in der Nacht zu leuchten. Sie verlangten, da kamen Hebr.: brachte er. Der Psalmist hebt die Allmacht Gottes hervor. Er deutet wohl auf die erste Spendung der Wachteln bald nach dem Auszug hin. [2Mos 16,12ff] - die Wachteln, und er sättigte sie mit Himmelsbrot. Manna. - Er spaltete den Felsen und es floss Wasser heraus, floss fort als Strom in dürrem Lande. Zwar werden hier die beiden Wasserspendungen zusammengefasst, doch entspricht der Ausdruck mehr [2Mos 17,6]. - Denn er gedachte seines heiligen Wortes, das er zu Abraham, seinem Diener, gesprochen. Hebr.: Er gedachte seines heiligen Wortes, Abrahams, seines Dieners. – Gott hatte also zwei Beweggründe: sein Wort der Verheißung und den Erprobten Glauben Abrahams. - So führte er sein Volk aus unter Jubel und seine Auserwählten in Freuden. Und er gab ihnen die Länder der Völker zum Besitz Kanaan. - und die Arbeiten der Nationen ererbten sie, auf dass sie seine Gebote bewahrten und seine Satzungen befolgten. Sie sollten ein Vorbild der Völker sein und, wie der Anfang des Psalmes zeigt, die Völker durch die Verkündigung des ihnen widerfahrenen Heils mit sich und ihrem Gotte, dem Gotte des Heiles, verbinden. – Das Alleluja am Anfange des folgenden Psalmes in der Vulgata steht im Hebr. am Ende dieses Psalmes.

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