Psalmen 106
Biblia Sacra (Allioli-Arndt)
Public domain Quelle: vulgata.info
1. Aufforderung, Gottes Erbarmen zu loben, und Bitte um Hilfe. (V. 5) 2. Bekenntnis der Untreuen, durch welche das Volk in Ägypten (V. 12) bei der Wanderung durch die Wüste (V. 33) und in Kanaan zur Zeit der früheren Richter Gottes Zorn erregt hat. Schluss: Gottes Erbarmen ist ohne Ende, Gott erhört also die Bitte. (V. 47) Doxologie.
1 Alleluja! Der Psalm wurde vielleicht zur Zeit Samuels verfasst und enthält alsdann das [1Sam 7,6] angedeutete Sündenbekenntnis. - Lobsinget dem Herrn, denn er ist gütig, denn seine Gnade währt ewig! V. 1b häufig vorkommendes Responsorium. - 2 Wer kann die Großtaten des Herrn aussprechen, all seinen Ruhm verkünden? 3 Glückselig sind, die das Recht beobachten und Gerechtigkeit üben zu aller Zeit! 4 Gedenke unser, o Herr! durch deines Volkes Begnadigung; Hebr.: Gedenke meiner bei deines Volkes Begnadigung. (Wenn du dich ihm wieder gnädig erweisest.) - suche uns heim mit deinem Heile, 5 dass ich das Glück deiner Auserwählten schaue, mich freue an der Freude deines Volkes, dass du gepriesen werdest mit deinem Erbe. Volk. - 6 Wir haben gesündigt gleich unsern Vätern, Unrecht getan, Böses verübt. 7 Unsere Väter in Ägypten merkten nicht auf deine Wunder, Sondern haderten mit Moses und Aaron [2Mos 5,21] und schenkten der Verheißung der Erlösung keinen Glauben. [2Mos 6,9] - waren nicht der Fülle deiner Erbarmung eingedenk und reizten dich zum Zorne, da sie am Meere hinaufzogen, am Roten Meere. [2Mos 14,11ff] - 8 Er aber half ihnen um seines Namens willen, Aus unverdienter Gnade, um seiner Liebe willen. - um seine Macht kundzutun. 9 Er bedräute das Rote Meer, [2Mos 14] - da ward es trocken, und er führte sie durch die Meerestiefen wie auf Sandboden. Auf festem Grunde wie nachmals in der Wüste. - 10 Er rettete sie aus der Gewalt derer, die sie hassten, und erlöste sie aus der Gewalt des Feindes. 11 Das Wasser bedeckte ihre Dränger, nicht einer von ihnen blieb übrig. 12 Da glaubten sie seinen Worten und sangen sein Lob. [2Mos 14,31, 2Mos 15] - 13 Doch schnell vergaßen sie seine Taten und harrten nicht auf seinen Ratschluss. Der Glaube an Gottes Verheißung war ihnen verloren gegangen, sie vergaßen die zur Bestätigung dieser Verheißung von Gott vollbrachten Taten und warteten nicht auf die Ausführung seines Ratschlusses, betreffend Zeit und Weise seiner Hilfe. - 14 Sie entbrannten in Lüsternheit in der Wüste und versuchten Gott an wasserloser Stätte. 15 Da erfüllte er ihnen ihr Begehren und sandte ihnen bis zur Übersättigung ihrer Seele. Der Psalmist hat [2Mos 15,22-24] und [2Mos 17,2] das Murren um Wasser, und das Murren um Fleisch [2Mos 16] und [4Mos 11] mit dem Zorngericht vor Augen, das sie bei dem zweiten Mal traf. Nach dem Hebr. traf eine abzehrende Krankheit die Israeliten, während die Sept. und Vulg. den [4Mos 11,33ff] gebrauchten Ausdruck beibehält. - 16 Sie reizten Hebr.: Sie wurden eifersüchtig auf Moses. - Moses im Lager, Aaron, den Heiligen des Herrn. 17 Es tat sich die Erde auf und verschlang Dathan und schloss sich über die Rotte Abirons. 18 Feuer loderte auf gegen ihre Rotte, die Flamme verzehrte die Sünder. Die zweite größere Versündigung jenseits des roten Meeres: Empörung gegen die von Gott gegebenen Führer. - 19 Sie machten ein Kalb Dritte Hauptsünde. - am Horeb und beteten ein Gussbild an. 20 Sie vertauschten ihre Herrlichkeit Den Gott, der ihre Auszeichnung vor allen Völkern war und an dessen Stelle sie ein Gussbild setzten. - mit dem Abbilde eines Kalbes, das Gras frisst. 21 Sie vergaßen Gott, der sie errettet, der in Ägypten Großes getan, 22 Wunderbares im Lande Chams, Furchtbares am Roten Meere. 23 Da gedachte er sie zu vertilgen, Ergänze: und hätte sie vertilgt. - wenn nicht Moses, sein Auserwählter, in den Riss vor ihn hingetreten wäre, um seinen Grimm abzuwenden, dass er sie nicht vertilgte. 24 Sie verschmähten das herrliche Land Vierte Hauptsünde. [4Mos 14,31] - und glaubten seinem Worte Der Verheißung. - nicht 25 und murrten in ihren Zelten [5Mos 1,27] - und hörten nicht auf die Stimme des Herrn. 26 Da hob er seine Hand über sie auf, Schwor wider sie [4Mos 14,28.30]. - sie in der Wüste hinzustrecken 27 und ihre Nachkommen unter die Völker zu werfen und sie zu zerstreuen in die Länder. Vergl. [3Mos 26,33]. - 28 Und sie weihten sich dem Beelphegor Fünfte Hauptsünde: Teilnahme am moabitischen Götzendienste. Baal wurde besonders an dem Berge Peor verehrt. - und aßen von den Opfern der Toten Durch den Genuss der Opfermahlzeit traten sie mit den Götzen in besondere Gemeinschaft. Die Toten sind die toten Götzen im Gegensatz zum lebendigen Gott. - 29 und erzürnten ihn durch ihre Taten, da brach ein großes Verderben über sie herein. [4Mos 25,4ff] - 30 Aber Phinees stand auf und schaffte Sühne Hebr.: schlichtete richtend – im gleichen Sinne wie die Vulg. [4Mos 25,10-13] - und die Plage hörte auf. 31 Und es ward ihm zur Gerechtigkeit gerechnet, von Geschlecht zu Geschlecht bis in Ewigkeit. 32 Sodann erzürnten sie ihn beim Wasser des Widerspruchs Sechste Hauptsünde. - und Moses ward um ihretwillen heimgesucht, 33 denn sie erbitterten sein Gemüt, dass er sich verfehlte mit seinen Lippen. Im 40. Jahre. [4Mos 20,11] Das Volk hatte Moses durch seinen Unglauben zaghaft gemacht, so durfte er wegen seines Zweifels das verheißene Land nicht betreten. - 34 Sie vertilgten die Völker nicht, wie ihnen der Herr gesagt hatte. Die Sünden in Kanaan. Nichtvertreibung der abgöttischen Völker und Teilnahme an ihrem Götzendienst. [2Mos 23,32ff] - 35 Sie vermischten sich mit den Völkern und lernten ihre Werke, 36 sie dienten deren Götzenbildern, und dies ward ihnen zum Fallstrick. Verderben. - 37 Sie opferten ihre Söhne und ihre Töchter den bösen Geistern Dem Moloch, dessen Dienst einzig die bösen Geister mögen. [5Mos 32,17] - 38 und vergossen unschuldiges Blut, das Blut ihrer Söhne und ihrer Töchter, die sie den Götzen Kanaans opferten. So ward das Land mit Blut befleckt Hebr.: So ward das Land durch Blutschuld verunheiligt und sie selbst verunreinigten sich. - 39 und verunreinigt durch ihre Werke und sie verübten Buhlerei mit ihren Taten. 40 Da entbrannte der Zorn des Herrn gegen sein Volk und er verabscheute sein Erbe. 41 Und er gab sie in die Hände der Völker, und die sie hassten, herrschten über sie. 42 Und ihre Feinde bedrückten sie und sie wurden unter ihre Gewalt gebeugt. 43 Oftmals errettete er sie, sie aber reizten ihn zum Zorn durch ihr Vorhaben und sie wurden erniedrigt durch ihre Verschuldungen. Es wechselt in der Richterperiode Abfall, Knechtschaft, Befreiung, Rückfall. – Das Hebr. etwa: bewährte sich widerspenstig in Eigensinn. - 44 Doch er sah ihre Not an und hörte auf ihr Gebet. Hebr.: Geschrei. - 45 Er gedachte seines Bundes und hatte Mitleid nach der Fülle seiner Erbarmungen. 46 Und er ließ sie Erbarmen finden bei allen, die sie gefangen hielten. Die Philister und andere. Bezieht sich das Wort auf das Babylon. Exil, so ist V. 46 eine spätere Einschaltung. Was Salomon [1Koe 8,50] seinem Volke erfleht, ist alsdann in Erfüllung gegangen. Doch die Zerstreuung ist auch so eine Strafe, daher die Bitte V. 47. - 47 Hilf uns, o Herr, unser Gott! und sammle uns aus den Völkern, dass wir deinen heiligen Namen preisen und uns deines Lobpreises rühmen. 48 Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels, von Ewigkeit zu Ewigkeit; und alles Volk spreche: Amen, Amen! Die Verse 47, 48 finden sich fast genau ebenso [1Chr 16,34ff]. V. 48 (gleichviel ob ursprünglicher Bestandteil des Psalm 105 oder nicht) bildet den Abschluss des vierten Psalmenbuches.