Psalmen 118

1. Aufforderung, Gottes Barmherzigkeit zu preisen. (V. 4) Das Volk bezeugt, dass es in allen Heimsuchungen stets bei Gott Hilfe gefunden und erkannt habe, dass es vielmehr auf Gott als auf Fürsten sein Vertrauen setzen müsse. (V. 9) Doch noch währt eine Gefahr (V. 13), so preist es Gott, der zwar zeitweise straft, aber stets hilft und nicht untergehen lässt. (V. 18) 2. Schon steht das Volk vor den Toren des Heiligtums und begehrt, in dasselbe einzutreten, um Gott zu preisen, der es zum Eckstein gemacht hat, ob es auch von den Bauleuten verworfen war. (V. 23) Neue Hilfe an diesem glücklichen Tage erbittend, verspricht das Volk, den Helfer, den Gott senden will, mit fröhlicher Festfeier zu empfangen.

Alleluja! Am wahrscheinlichsten ist, dass der Psalm bei der Einweihung des Zorobabelschen Tempels gesungen ward. Er ist zum Wechselgesang bestimmt. - Preiset den Herrn, denn er ist gütig; in Ewigkeit währt seine Gnade! Es sage also Israel: Die Aufforderung zum Preise ergeht an alle, die den Herrn fürchten: an die Laienschaft Israels, die Priester (und Leviten), die Proselyten. - Er ist gütig, Fehlt im Hebr. - in Ewigkeit währt seine Gnade! Es sage also das Haus Aaron: In Ewigkeit währt seine Gnade! Es mögen also alle, die den Herrn fürchten, sagen: In Ewigkeit währt seine Gnade! Aus der Trübsal rief ich zu dem Herrn und der Herr erhörte mich und stellte mich auf freien Raum. Er erhörte mich, indem er mich auf freien Raum versetzte (mich befreite). - Der Herr ist mein Helfer, ich fürchte nichts, was könnte mir ein Mensch tun? Der Herr ist mein Helfer, ich werde auf meine Feinde herabschauen. Hebr.: mich weiden an. - Besser ist es, auf den Herrn zu vertrauen als sich auf Menschen zu verlassen. Besser ist es, auf den Herrn zu hoffen als auf Fürsten seine Hoffnung zu setzen. Alle Völker Heiden. - umgaben mich, aber im Namen des Herrn Durch den Herrn. - räche ich mich an ihnen. Sie schlossen mich ringsum ein, aber im Namen des Herrn räche ich mich an ihnen. Sie umschwärmten mich wie Bienen Vergl. [5Mos 1,44]. Die Bienen greifen um so heftiger an, je mehr man sie zurücktreibt. - und loderten auf wie Feuer in Dornen; Unter so heftigem Geprassel wie Dornbüsche, aber ebenso schnell in nichts zusammensinkend. - aber im Namen des Herrn räche ich mich an ihnen. Ich ward gestoßen und ward ins Wanken gebracht, dass ich niederstürzen sollte, aber der Herr half mir. Anrede Israels an die feindliche Weltmacht. Hebr.: Du stießest mich fort und fort zum Falle hin, doch der Herr hat mir geholfen. - Der Herr ist meine Stärke und mein Lob, Gegenstand meine Lobes. - denn er ward mir zum Heile. Rufe des Jubels und des Heiles Rettungs- und Siegesruf. - ertönen in den Hütten der Gerechten. Das Folgende ist Inhalt des Rufes. - Die Rechte des Herrn hat große Taten verrichtet, die Rechte des Herrn hat mich erhöht, die Rechte des Herrn hat große Taten verrichtet. Ich Israel. Der Herr hat sein Volk nicht untergehen lassen, sondern erhalten, dass es seine großen Taten allen Völkern künde. - werde nicht sterben, sondern leben und die Werke des Herrn verkünden. Schwer hat mich der Herr gezüchtigt, aber hat mich dem Tode nicht preisgegeben. Machet mir auf die Pforten der Gerechtigkeit! Die Tore des Tempels sind der Eingang zu der Stätte des Verkehrs Gottes mit den Menschen. Der Gerechtigkeit spendende Gott wohnt hier und nur Gerechte haben Zutritt zu ihm. – Der Vers deutet auf eine Prozession, welche dem Tempel naht. Innerhalb der noch geschlossenen Tore befand sich wohl ein Chor von Priestern. - ich will durch sie eingehen und den Herrn preisen. Dies ist die Pforte des Herrn, die Gerechten gehen durch dieselbe ein. Ich preise dich, dass du mich erhört hast und mir zum Heile geworden bist. Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, er ist zum Ecksteine Der Hauptstein, der die Steine zweier Reihen zusammenhält und als feste Grundlage dient, der wichtigste Stein. [Jer 51,26] Es ist hier nicht eine Anspielung auf ein historisches Ereignis, sondern ein der Baukunst entnommenes Bild. Die Heiden, welche den Bau verschiedener Weltreiche aufführten, wollten das Volk der Israeliten nicht mehr als eigenes Volk, als Stein in diesem Baue, gelten lassen, Gott aber hat sie, indem er sie wieder in Gnaden als sein Volk annahm, zum wichtigsten Volke gemacht, zu dem einst noch die Heiden kommen werden, um durch seine Vermittlung an den Segnungen der messianischen Offenbarung Anteil zu erlangen. Erst als das Volk wieder einen Tempel hatte, fühlte es sich von neuem als das Volk Gottes. – Durch Christus erst konnte Israel der Eckstein unter den Völkern werden [Jes 28,16], da er Juden und Heiden, Menschen- und Engelwelt verbindet. - geworden. Vom Herrn ist dies geschehen und wunderbar ist es in unsern Augen. Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat; lasset uns frohlocken und fröhlich an ihm Seinetwegen, weil er gekommen. - sein! O Herr! errette mich, Hebr.: Ach doch. Ewiger, Hoschianna, erlöse. Die Bitte gilt wohl dem glücklichen Gedeihen der neugegründeten Theokratie. - o Herr! gib Gelingen. Gesegnet sei, Segenswunsch der das Volk empfangenen Priester. - der da kommt, im Namen des Herrn; Gesegnet durch die Macht Gottes sei, der da kommt: das Volk, das zum Tempel hinaufzieht. Im Munde des Volkes war das Hosanna [Mt 21,9] und das Tragen der Palmzweige (wie am Laubhüttenfeste) zum Freudenrufe der Gruß an den Messias (schon vor Christus war der Ausdruck: der da kommt, als Bezeichnung für denselben gebräuchlich, vergl. [Mt 11,3]) als ersehnten Festgast. - wir segnen euch von dem Hause des Herrn aus! Der Herr ist Gott und hat uns Licht gespendet. In der Nacht des Unglücks Gnade, Freiheit, Freude gespendet. - Haltet einen Festtag mit dichtbelaubten Zweigen bis hinauf an die Hörner des Altars! Schmücket das Fest mit Zweigen, die hinreichen (durch den ganzen Priestervorhof) bis an die Hörner (spitzen Kanten) des Brandopferaltars. – Nach der Überlieferung der Juden wurde zur Zeit des zweiten Tempels alljährlich der Brandopferaltar am Laubhüttenfest mit großen Bachweidenzweigen umpflanzt, welche sich über den Altarrand neigten. Hebr.: Bindet die Festopfer mit Seilen bis an die Hörner des Altars. - Du bist mein Gott, ich will dich preisen; mein Gott bist du, ich will dich erheben! Ich will dich preisen, denn du hast mich erhört und bist mir zum Heile geworden. Danket dem Herrn, denn er ist gütig, denn seine Gnade währt ewig. Auch jüdische Erklärer halten den Psalm für messianisch. Dass die Juden zur Zeit Christi ihn dafür ansahen, beweist sein Gebrauch beim Einzuge Christi. Er ist messianisch, insofern die Juden Träger der messianischen Verheißung waren und im Messias als gläubiges Volk Gottes seine höchste Blüte erlangte. Manche Ausleger legen den Psalm dem auferstandenen Heilande in den Mund.

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