Psalmen 137

Trauernd weigerten sich einst die Weggeführten, in Babylon freudige Sionsgesänge anzustimmen. (V. 3) Nicht können sie im fremden Lande dem Herrn Loblieder singen, als hätten sie Sions vergessen. (V. 6) Dieser Traurigkeit, von der sie einst heimgesucht, sich erinnernd, bitten die Zurückgekehrten Gott, er wolle die Idumäer, welche andere aufreizen, die Stadt Jerusalem zu zerstören, zugleich mit den Babyloniern vernichten.

Psalm Davids, von Jeremias. Diese Aufschrift fehlt im Hebr. Die Sept. schreibt den Psalm dem Inhalte desselben zuwider David zu, später kam ebenso wenig begründet (Jeremias war nie in Babylon) der weitere Zusatz hinzu. Das Lied ist wohl nicht lange nach der Rückkehr aus der Babylonischen Gefangenschaft verfasst. - An den Strömen Babylons, Euphrat, Tigris, Chaboras und Euläus. Vielleicht hielten sich die Weggeführten der religiösen Waschungen wegen am liebsten an den Flüssen auf. Oder soll die poetische Beschreibung nur sagen, dass Babel stromreich war? - dort saßen wir und weinten, indem wir Sions gedachten. An den Weiden, Nicht an Trauerweiden, da es solche dort nicht gab, sondern an der populus Euphratica, die mit der Weide zu verwechseln ist. - in des Landes Mitte, hingen wir Poetisch für: unsere Lieder schwiegen. - unsere Harfen auf. Saiteninstrumente begleiteten gewöhnlich nur freudige Lieder. - Denn Grund des Aufhängens, der erst aus V. 3, 4 hervorgeht. - die uns gefangen fortgeführt, forderten daselbst von uns Lieder, Loblieder. - und die uns hinweggeschleppt hatten, sprachen: „Singet uns ein Loblied von Sions Liedern!“ Heilige, liturgische Lieder, Psalmen. Nicht notwendig ist anzunehmen, dass die Babylonier der singenden Israeliten spotten oder sich nur an den Liedern ergötzen wollten, sie konnten auch wünschen, dass Israel nicht mehr trauerte und sich in Babylon so heimisch fühlte wie einst in Jerusalem. – Hebr.: Unsere Peiniger (forderten) Jubellieder: Singet usw. - Wie sollten wir des Herrn Lied singen in fremdem Lande? So antworteten oder dachten wenigstens damals die Israeliten bei sich. Nicht als ob es nicht in der Wegführung gestattet war, Psalmen zu singen (kamen doch selbst neue hinzu), aber der Gesang derselben war kein feierlicher mehr mit Musikbegleitung, ein privater in Haus und Betsaal. Der Gegensatz zwischen einst und jetzt sollte das Volk zur Erkenntnis der Sünden führen, damit es durch Buße und Sehnsucht der Rückkehr würdig ward, denn alle, in denen die Erinnerung an Sion nachließ, fielen von Gott zum Heidentume ab. - Wenn ich dein vergesse, Jerusalem, so möge meine Rechte der Vergessenheit anheimfallen. Im Sinne des Hebr.: versage mir, erstarre, erlahme. - Meine Zunge klebe an meinem Gaumen, wenn ich deiner nicht gedenke, wenn ich Jerusalem nicht achte als den Gipfel meiner Freuden! Hebr.: Wenn ich Jerusalem nicht erhebe auf den Gipfel meiner Freude – es nicht höher stelle als jede Freude. - Gedenke, Herr! den Söhnen Edoms den Tag Jerusalems, Gedenke ihrer, wie sie Schadenfreude hatten (Abb. 11) am Unglückstage Jerusalems. - die da sprachen: Zerstöret, zerstöret sie bis auf den Grund! Tochter Bevölkerung. - Babylons, du Unglückselige! Hebr.: Verwüstet. Lebendige Voraussicht dessen, was in der Zukunft sicher geschehen wird. – Das Endgeschick Babels war [Jes 13,14ff, Jes 14,21ff, Jes 21,9] vorhergesagt, also: dem Untergang geweihte. - Wohl dem, der dir nach Verdienst vergelten wird, was du an uns getan! Wohl dem, der deine kleinen Kinder ergreift und sie an den Fels hinschmettert! Vergl. [Jes 13,16ff, Nah 3,10]. So ist Babylon auf immer vernichtet. Es ist der Eifer für Gott, der dem Dichter so harte Worte eingibt. – Im mystischen Sinne genommen ist der Psalm das Seufzen der Frommen, die noch unter den Versuchungen der Begierlichkeit leiden, nach dem himmlischen Sion.

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