Psalmen 29

Machtoffenbarung Gottes. 1. Aufforderung an die Söhne Gottes, Gott zu preisen. (V. 2) 2. Schilderung der Machtoffenbarung Gottes: Gott lässt sich im Donner vernehmen und offenbart sich im Gewitter. (V. 9) 3. Gott, der die Sintflut zu senden sich auf seinen Thron gesetzt, lässt über die Feinde seines Volkes seinen Zorn herabsteigen, während er sein Volk sendet.

Ein Psalm Davids, am Schlusse des Laubhüttenfestes. Dieser liturgische Zusatz fehlt im Hebr. - Bringet dem Herrn, ihr Söhne Gottes! Der Name kann ebenso Engel [Ps 88,7] wie Menschen [Ps 81,6] bezeichnen. Nach dem Hebr. scheinen jene angeredet zu werden, die Sept. und Vulg. verstehen den Ausdruck von den frommen Verehrern Gottes im Gegensatze zu den Weltmenschen, Menschenkindern. [Ps 4,3] Einige verstehen unter Söhnen Gottes Mächtige der Erde, Fürsten. - bringet dem Herrn junge Widder dar. Doppelübersetzung. - Bringet dem Herrn Preis und Ehre dar, Gehört nach dem Hebr. zu V. 1. Anerkennt, lobet diese Herrlichkeit. - bringet dem Herrn Preis, seinem Namen; Dem Herrn, wie er sich in der Offenbarung kundgetan hat. - betet den Herrn an in seinem heiligen Vorhofe! Vorhof steht hier allgemein für Versammlungsort. Hebr.: Huldiget dem Herrn in heiligem Schmucke. - Die Stimme des Herrn Donner. Die siebenmalige Wiederholung dieses Wortes stellt wohl die aufeinander folgenden Donnerschläge dar. Die Schilderung geht stufenweise vorwärts. Zuerst steigen Wolken fern auf, von fern lässt der Donner sich hören. (V. 3) Der Donner wird stärker, er rollt mit Macht und Majestät daher. (V. 4) Alsbald steht das Wetter über dem ganzen Lande, von Norden nach Süden fortschreitend. V. 5-7 beschreiben die Wirkungen desselben im Norden auf dem Libanon. - erschallt über den Wassern, Grund, warum Gott Anbetung gebührt. Die Wasser sind die oberen in dichten Gewitterwolken gesammelten Wassermassen. - der Gott der Herrlichkeit lässt Donner erdröhnen, der Herr lässt Donner erdröhnen über großen Wassern. Die Stimme des Herrn ertönt mit Kraft, die Stimme des Herrn in Herrlichkeit. Die Stimme des Herrn, der Im Hebr. fehlt das Relativwort, die Stimme des Herrn ist Subjekt. - Zedern zerschmettert; ja, der Herr zerschmettert die Zedern des Libanon Die Stimme des Herrn (furchtbarer als der Blitz) zerbricht die Zedern teils, teils biegt er sie nieder und lässt sie wieder emporschnellen. (V. 6) - und zerschlägt Hebr.: macht sie aufhüpfen, gleich einem Kalbe. - sie wie ein junges Rind Bestimmtes Tier für Getier überhaupt. - auf dem Libanon; er, der Geliebte, gleicht einem jungen Einhorn. Vulg.: Sein Volk Israel aber steht unüberwunden und stark da, gleich deinen jungen Wildochsen. Hebr.: Libanon und Sirion wie das Junge des Wildochsen. Sirion ist der Hermon. - Die Stimme des Herrn, der die Feuerflammen zerteilt; Hebr.: Die Stimme des Herrn flammt aus zuckendem Feuer. - die Stimme des Herrn, der Subjekt ist die Stimme. - die Wüste erschüttert, Wie im Gebirge, so zeigt sich in der Ebene die verheerende Kraft des Gewitters. - und der Herr macht die Wüste Kades erbeben. Hebr.: Die Stimme des Herrn macht die Wüste beben, der Herr macht die Wüste Kades beben. - Die Stimme des Herrn, der Wie Anmerkung 18. - die Hindinnen gebären lässt So die Vulgata nach dem Hebr. Das Ungeheuer (die Wüste) wie das Unbedeutende (die Hindin in ihr) erzittert vor der Stimme Gottes. Nach anderen ist Septuag. und Vulg. zu übersetzen: schaffen, vollkommen machen. - und die dichten Wälder lichtet, und in seinem Tempel sprechen alle: Herrlichkeit! Engel und Menschen. Während auf Erden der Sturm wütet, herrscht im Himmel feierliche Stille und die anbetenden Geisterchöre singen. Während der Herr sich so vom Himmel herab in seiner Majestät und Allmacht offenbart, sagt alles Preis und Ruhm (wozu V. 2 aufgefordert). Auch auf der Erde soll seine Herrlichkeit gepriesen werden. - Die Wasserflut macht der Herr zur Wohnung sich, Hebr.: Der Herr saß als Richter auf der Sintflut (Genesis 6-8), und es wird sitzen der Herr als König in Ewigkeit. – Schon in der Sintflut offenbarte sich Gott als Richter und König, und dies ist und bleibt er in Ewigkeit. Denselben Sinn hat die Vulgata. Wer die gesamte Natur beherrscht, ist über die Welt erhaben und ewig. - dort thront der Herr als König in Ewigkeit. Der Herr wird seinem Volke Kraft verleihen, Oder: möge verleihen. - der Herr wird sein Volk mit Frieden segnen. Da Gottes Majestät den Frommen Mut einflößt, darf Israel, sein auserwähltes Volk, sich freuen, da ein so mächtiger Gott es segnet und über seine Feinde seinen Zorn ergießt. – V. 11 ist vielleicht ein liturgischer Zusatz. Das Wort „mit Frieden“ erhebt sich wie ein Regenbogen nach dem Sturm. Der Anfang des Psalmes: Ehre sei Gott, der Schluss: Friede auf Erde! – In V. 3-10 sind die Wasser Sinnbild furchtbarer, feindlicher Völker, die gegen Gottes Volk anstürmen. Donner und Blitz sinnbilden die Offenbarung des Strafgerichtes über die Feinde, die Flut ist das Bild der letzteren. Am Feste der Erscheinung des Herrn fordert er alle Völker auf, die Stimme des Evangeliums zu hören, das so viele Gegner schon besiegt, und sich dem Herrn zu beugen.

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