Psalmen 31

1. Von Feinden rings umgeben, nimmt David seine Zuflucht zu Gott, seinem Beschützer (V. 4) in dessen Hände er sich gänzlich übergibt und von dessen Erbarmung er Befreiung erwartet. (V. 9) 2. Seine schlimme Lage beschreibend, fleht er um Befreiung und Vernichtung seiner Feinde. (V. 19) 3. Gewiss, dass sein Flehen erhört wird, bricht er in Lobpreis der Güte Gottes aus, der ihn wie in einer festen Stadt geschützt hat (V. 23), und fordert alle Frommen auf, den zu loben, der den Seinen beisteht und die Hochmütigen zuschanden werden lässt, und Mut zu fassen.

Zum Ende, Für den Vorsänger. - ein Psalm Davids, Der ganze Psalm ist von David geschichtlich zu verstehen, enthält aber auch ein Vorbild auf Christus (Hier.), da der Heiland selbst den Psalm auf sich anwendet. Einige Psalmen werden in der Liturgie der Kirche dem leidenden Heilande in den Mund gelegt. - auf die Bestürzung. Dieser Zusatz fehlt im Hebr. wie im Griech. und in alten lateinischen Psalterien und ist wohl aus V. 23 eingeschoben. - Auf dich, o Herr! vertraue ich, lass mich nimmermehr zuschanden werden; nach deiner Gerechtigkeit Er kann den unschuldig Verfolgten nicht rettungslosem Untergange preisgeben. - befreie mich! Neige dein Ohr zu mir, eile, mich zu retten! Sei mir ein schirmender Gott und eine Stätte der Zuflucht, Sei mir ein schützender Fels, eine feste Burg. Im Gebirge und in der Wüste wird David von Saul umhergejagt. - dass du mich errettest! Denn du bist meine Stärke und meine Zuflucht, und um deines Namens willen wirst du mich leiten und nähren. Hebr.: führen. - Du wirst mich aus der Schlinge ziehen, die sie Die Feinde. - mir heimlich gelegt haben; denn du bist mein Beschirmer. In deine Hände Der mir Beschützer ist und bleiben wird. Er übergibt seine Seele wie ein seiner Treue zur Bewahrung anvertrautes Gut. - befehle ich meinen Geist; Diese Worte sprach der Heiland am Kreuze. [Lk 23,46] - du hast mich erlöst, Perfekt des Vertrauens. Oder bezieht sich diese Beteuerung auf frühere Erbarmungen? - o Herr, Gott der Wahrhaftigkeit! Du hassest die, Vergl. [Jonas 2,9]. - welche vergeblich sich an Nichtiges Nach der Septuag. scheint hier die Sünde verstanden zu werden. - halten; ich aber vertraue auf den Herrn. Ich will frohlocken und mich freuen deines Erbarmens, denn du hast meine Erniedrigung angesehen Wie Anm. 10. - und meine Seele aus den Nöten errettet. Hebr.: aufgemerkt auf die Nöten. - Du hast mich nicht gänzlich in die Hände des Feindes übergeben, hast meine Füße auf weiten Raum Gegensatz: concludere – in loco spatioso. - gestellt. Erbarme dich meiner, o Herr! denn ich bin bedrängt; Hebr.: In Bangigkeit. - verstört ist vom Grame mein Auge, meine Seele und mein Leib. Mein ganzer innerer und äußerer Mensch. - Denn mein Leben ist im Schmerze dahingeschwunden und meine Jahre im Seufzen. Des Psalmisten Lebenskraft ist gebrochen und so ist er in jungen Jahren dem Tode nahe. - Geschwächt ist durch Elend Hebr.: Ob meiner Verschuldung. Die allgemeine Sündhaftigkeit des Menschen vor Gott steht David besonders lebhaft im Feuer der Leiden vor Augen. - meine Kraft und meine Gebeine sind erschüttert. Um Vulg. eigentlich: Mehr als alle meine Feinde. V. 14 knüpft an V. 10 an. - aller meiner Feinde willen bin ich eine Schmach geworden für meine Nachbarn gar sehr und ein Schrecken meinen Bekannten. Das traurige Los der Priester von Nobe gab Freunden und Bekannten Veranlassung, sich von David fernzuhalten. - Die mich sahen, Die Fremden. - flohen vor mir davon. Vergessen bin ich, einem Toten gleich, aus dem Herzen geschwunden; Ganz und gar vergessen. - einem zerbrochenen Gefäße gleichgeworden. Das man fortwirft. - Denn ich muss die Schmähung vieler hören, die mich ringsum umgeben. Hebr.: Ich habe das Zischeln vieler gehört. Schrecken ringsum. - Indem sie zumal wider mich zusammenkamen, hielten sie Rat, mir das Leben zu rauben. Ich aber vertraue Trotz alledem. - auf dich, o Herr! ich spreche: Mein Gott bist du! In deiner Hand steht mein Geschick. Hebr.: Zeiten, nämlich mit dem, was sie bringen. Aus diesem Bewusstsein, dass aus Gottes allmächtiger und treuer Hand ihm alles zukommt, was ihm zustößt, bringt er drei Bitten dar. (16b 17) - Errette mich aus der Gewalt meiner Feinde und von meinen Verfolgern! Lass dein Angesicht über deinen Diener leuchten, Vergl. [4Mos 6,25]. - errette mich durch deine Erbarmung. O Herr! lass mich nicht zuschanden werden, denn ich rufe dich an. Mögen die Gottlosen zuschanden werden und mögen sie in das Totenreich hinabgestoßen werden; mögen die trügerischen Lippen verstummen, die wider den Gerechten Unrecht reden in Hochmut und Verachtung. Man kann die V. 18, V. 19 auch als Ausdruck der Hoffnung und Voraussagung (Gegenstück zu den drei Bitten) auffassen. – Im Hebr. lauten die letzten Worte: Sie mögen verstummen und zur Unterwelt herabsteigen. Wenn als Wunsch gefasst, entspringen sie V. 18, V. 19 dem Eifer für die Gerechtigkeit. - Wie groß ist die Fülle deiner Güte, o Herr! die du denen, die dich fürchten, aufbewahrst. Du erweisest sie denen, die auf dich vertrauen, vor den Menschenkindern. Öffentlich, zu ihrer Rechtfertigung. - Du verbirgst sie mit dem Schirme deines Angesichts Der Ausdruck ist von dem sichtbaren Zeichen der Gegenwart des Herrn bei dem Zuge durch die Wüste (und alsdann im Allerheiligsten), der Wolke, entnommen. - vor dem Schrecken der Menschen. Du schirmst sie wie in deinem Gezelte vor dem Hader ihrer Zungen. Gepriesen sei der Herr! denn er hat mir seine Barmherzigkeit wunderbar erwiesen in einer festen Stadt. Vergleich: wie in einer festen Stadt. - In der Bestürzung meines Geistes zwar sprach ich: Ich bin verstoßen Hebr.: weggeschnitten. - aus deinen Augen! Doch darum Anknüpfung an V. 22. - hast du mein lautes Flehen erhört, als ich zu dir rief. Liebet den Herrn, ihr seine Heiligen alle! denn Wahrhaftigkeit sucht der Herr, Hebr.: Treue bewahrt der Herr, er bewährt sich als treu seinen Verheißungen. - und vergilt in vollem Maße denen, die Hochmut üben. Sich gleichsam von Gott unabhängig machen wollen. - Handelt mannhaft und lasset euer Herz stark sein, ihr alle, die ihr auf den Herrn hoffet! Nicht dauert Gottes Zorn ewig an und auf den Ruf V. 3: Sei mir ein schirmender Gott, folgt sichere Erhörung.

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