Psalmen 32

1. Glückselig der Mensch, dem die Sünden verziehen sind. (V. 2) 2. Zur Verzeihung ist das Bekenntnis notwendig, wie David aus seiner eigenen Erfahrung erweist. (V. 5) 3. Mahnung an alle, sich zu Gott zu wenden zur Zeit, mit der Verheißung, dass alsdann kein Zorngericht sie treffen werde. (V. 7) 4. Die Menschen dürfen nicht wie das Vieh durch Zwang zum Gehorsam geführt werden, der Sünder soll nicht warten, bis Gott ihn durch harte Strafe zur Bekehrung zwingt. (V. 9) 5. Der im Bösen beharrende Sünder ist unglücklich, der vertrauensvoll um Verzeihung Flehende erlangt die Fülle der Gnaden.

Eine Unterweisung Bezeichnung einer Liedergattung (Maskil), vielleicht Lehrpsalm. Dieser Psalm ist der zweite unter den sieben Bußpsalmen. V. 4, 5, 7 haben die Beifügung Sela. - von David. Glückselig diejenigen, deren Missetaten vergeben Hebr.: hinweggenommen. - und deren Sünden bedeckt sind! So dass die Sünde dem Auge des allwissenden Richters entzogen ist. Kann auch die Tat nicht ungeschehen gemacht werden, bleibt sie also auch ewig, so werden doch ihre Folgen vernichtet, Schuld und Strafe und die Tat insofern als nicht geschehen betrachtet. - Glückselig der Mann, dem der Herr seine Verschuldung nicht zurechnet Vom Geldverkehr entlehnter bildlicher Ausdruck. - und in dessen Geist kein Falsch Kein Selbstbetrug. Gegenteil: Aufrichtiges Durchdrungensein von der Schuld und Bekenntnis derselben. - ist! Weil ich schwieg, So lange David in hochmütiger Selbsttäuschung dahinlebte, ward er von Gott auf mannigfache Weise heimgesucht. - welkten Der Körper ist wie ein Baum, die Gebeine die Äste desselben. Der stetig nagende Wurm des Gewissens schwächte die Kraft des Lebens, so lange der Sünder, sich gegen diesen Ruf sträubend, sein Vergehen nicht anerkennen wollte. Anerkennung der Sünde als Sünde ist Vorbedingung der Reue und damit der Vergebung. Ob diese Anerkennung auch als äußeres Bekenntnis Gestalt gewinnen muss, hängt von Gottes Willen ab. Ein gewisses allgemeines Bekenntnis wurde im Alten Bunde vor dem Priester gefordert. [3Mos 5,6; 4Mos 5,7] David musste seine Sünde bekennen. [2Sam 12,13], im Neuen Testament ist das Einzel-Sündenbekenntnis gefordert. - meine Gebeine, während ich den ganzen Tag schrie. Denn Tag und Nacht lag deine Hand schwer auf mir; in meinem Elende kehrte ich mich zu dir, während der Stachel in mir haftete. Der Stachel ist das Leiden, das David, um ihn zur Erkenntnis zu bringen, auferlegt ward. Hebr.: Tag und Nacht lastet deine Hand auf mir, vertrocknet ist mein Mark (Lebenskraft) wie in Sonnendürre (in glühenden Ängsten). - Ich bekannte dir mein Vergehen und verbarg meine Ungerechtigkeit nicht. Ich sprach: Ich will wider mich dem Herrn mein Unrecht bekennen, und du vergabst mir den Frevel meiner Sünde. Noch ist das Wort nicht im Munde, da wird die Wunde schon geheilt im Herzen: (Aug.) - Darum soll jeder Heilige Jeder Israelit, jetzt also jeder Christ. - zu dir flehen zu günstiger Zeit, Zur Gnadenzeit, ehe die Zeit der Geduld und Langmut vorübergeht. - und ob auch viele Wasser Bildlich für Unglück, Strafgericht. - einherfluten, werden sie ihn doch nicht erreichen. Du bist meine Zuflucht in der Bedrängnis, die mich umgibt; du mein Frohlocken, rette mich vor denen, die mich umlagern. Anrede Davids an Gott. Hebr.: Du bist mir ein Schirm, d.i. du bewahrst mich vor Drangsal, du umgibst mich mit Frohlocken über meine Rettung. - Ich David will durch die folgende Belehrung das früher gegebene Ärgernis wieder gutmachen. Nicht Gott ist es, der hier redet, sonst müsste David der Angeredete sein, der doch diese Erkenntnis schon gewonnen hat. - will dir Einsicht geben und dich unterweisen über den Weg, den du wandeln sollst; ich will meine Augen auf dir ruhen lassen. Hebr.: Beratend auf dich mein Auge richten. - Werdet nicht wie Pferd und Maultier, welche keinen Verstand haben. Mit Zaum und Gebiss schnüre Die Anrede geht nicht an Gott, sondern an den Menschen, der das Tier, das ihm sonst nicht naht, nur durch Zwang fesseln kann. Im Gegenbilde ist dies der Sünder, der Gott nicht nahen will und der, wie David es erfahren, erst innere Qual ausstehen muss, ehe er zur Besinnung kommt. Es ziemt sich nicht, dass der Mensch sich erst so zwingen lasse, sondern freiwilliger Gehorsam ist von ihm zu leisten. – Nach einigen enthält 8b Worte Gottes an die Menschen. – Hebr.: Zügel und Trense sein Geschirr, um sie zu bändigen; nicht kommt es sonst heran zu dir. - die Backen derer zusammen, die dir sonst nicht nahen. Viele Geißeln kommen über den Sünder; Hebr.: Viele Schmerzen hat der Gottlose. - wer aber auf den Herrn vertraut, den umgibt er mit Gnade. Freuet euch in dem Herrn und frohlocket, ihr Gerechten, und jubelt alle, die ihr aufrichtigen Herzens seid! Denn wer will, findet Verzeihung. – In der alten Kirche (und noch jetzt in der griechischen) ward dieser Psalm nach der Taufe gebetet.

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