Psalmen 35

1. a. Kriegerisch Klingender Aufruf an den Herrn, er wolle helfen. (V. 3) b. Verwünschungen über die Feinde. (V. 8) c. Ist die widergöttliche Macht gestürzt, wird der Psalmist jubeln. (V. 10) 2. Schilderung der Bosheit der Feinde, die ihm verleumden und seine Freundschaft verhöhnen (V. 16) mit Wunsch und Dank für dessen Erfüllung. (V. 18) 3. Erneuerte (aber ruhige) Schilderung der Gottlosigkeit der Feinde und Bitte um Befreiung von denselben.

Von David. Die Strafverkündigung über die Feinde geht in diesem Psalme wie in anderen in eine Anwünschung der Strafe über (so in [Ps 7, Ps 68, Ps 108]). Doch wenn schon David von dem Affekte der Rachsucht sich leicht abbringen ließ, vergl. [1Sam 25,32ff], wie viel mehr muss da in einem Gebetsrufe sich eine erhabene Gesinnung aussprechen. Die Psalmen sind zudem der Ausdruck der Frömmigkeit des A.T. Dass diesem die Feindesliebe nicht fremd war, zeigen [2Mos 23,4ff, 3Mos 19,18, Spr 20,22, Spr 24,17, Spr 25,21ff, Job 31,29ff] weshalb die Worte des N.T. einen deutlichen Anklang an das Alte zeigen. Welcher Art Davids Gesinnung war, zeigt sein Verhalten gegen Saul und [Ps 7]. Die Strafanwünschungen haben also in selbstlosem Eifer für die Ehre Gottes ihren Ursprung. Immerhin redet das Neue Testament in etwas anderer ihm eigener Weise. ([Lk 23] Die Anatheme über die Irrlehrer und über Alexander, den Schmied, [Gal 1,9, Gal 5,12, 2Tim 4,14] gehen zunächst nur auf zeitliche Züchtigung.) Aus diesem Grunde fasst das Neue Testament auch die Worte als Weissagung, welche der Heilige Geist David eingegeben, wie [Joh 15,25] V. 19 als an dem Heilande erfüllt angeführt wird, und [Apg 1,20, Roem 11,7-10] andere Psalmen als an den Feinden Christi in Erfüllung gegangen bezeichnet werden. – Insofern David in seinem Leiden Typus des Messias war, den sein Volk verwarf, ist der an sich historisch auf David bezügliche Psalm auch indirekt messianisch. Dem leidenden Erlöser legt deshalb die Kirche einzelne Verse desselben in der Passions- und Karwoche in den Mund. - Richte, Vertritt mein Recht, indem du die Feinde verurteilst. - Herr! die mir unrecht tun; bezwinge, Hebr.: Streite gegen. - die wider mich kämpfen. Ergreife Waffen und Schild Hebr.: Kleinen und großen Schild, Bild vollständigsten Schutzes. - und erhebe dich, mir zu helfen! Ziehe das Schwert Hebr.: Spieß. Andere vermuten: Streitbeil. - und versperre den Weg denen, die mich verfolgen; sprich zu meiner Seele: Ich bin dein Heil! Erklärung des ersten Versteiles ohne Bild. - Beschämt und zuschanden mögen werden, die mir nach dem Leben trachten. Es mögen zurückweichen und zuschanden werden, die wider mich Böses sinnen. Sie mögen werden wie Staub Hebr.: Spreu. - vor dem Winde und der Engel des Herrn bedränge sie. Sie vor der Flucht vor sich hertreibend. - Ihr Weg werde finster und schlüpfrig und der Engel des Herrn verfolge sie. In finsterer Nacht und auf schlüpfrigem Wege ist die Flucht doppelt gefährlich, wie nun gar, wenn Gott durch seinen Engel der Verfolger ist. - Denn ohne Ursache haben sie mir heimlich ihren verderbenbringenden Diese Beifügung fehlt im Hebr. - Fallstrick gelegt, haben mir Schmach angetan Hebr.: eine Grube gegraben meiner Seele. - ohne Grund. Es komme unversehens über ihn Aug. und alte Psalterien: ihnen. - der Fallstrick Hebr.: Verderben. - und das Netz, das er heimlich gelegt, fange ihn und in seine eigene Schlinge möge er stürzen. Meine Seele aber wird in dem Herrn frohlocken und sich über seine Hilfe freuen. Alle meine Gebeine werden sprechen: O Herr! wer ist dir gleich? Der du den Hilflosen aus der Hand derer errettest, die stärker sind als er, den Armen und Dürftigen aus der Hand derer, die ihn berauben. Es treten ungerechte Zeugen auf und man befragt mich über das, wovon ich nichts weiß. Auf die Aussage falscher Zeugen hin soll er sich als Verschwörer, und Thronräuber, bekennen. - Sie vergelten mir Böses für Gutes, Vergleiche das Bekenntnis Sauls [1Sam 24,18]. - machen meine Seele trostlos. Hebr.: Verwaisung kam über meine Seele. Ich traure wie ein Vater, der seiner Kinder beraubt ist. Davids Eltern waren in das Land Moab geflüchtet, Jonathan von ihm getrennt, Michol geschieden. - Ich aber tat ein Bußkleid an, als ihr Leid mich drückte. Wenn sie mir durch Krankheit Besorgnis machten. Hebr.: wenn sie krank waren. Durch das Bußkleid wollte David Gottes Zorn gegen jene besänftigen und für die Leidenden Gnade erlangen. - Ich kasteite mich mit Fasten und mein Gebet kehrte zurück in meinen Busen. David senkte den Kopf als Zeichen der größeren Innigkeit des Gebetes wie Elias [1Koe 18,42]. - Wie unserm nächsten Freunde und unserem Bruder war ich ihnen zu Willen; Hebr.: Als wäre er Freund, als wäre er Bruder mir, ging ich einher. - wie einer, der trauert Hebr.: Wie einer, der um die Mutter trauert, senkte ich im Trauergewande das Haupt. - und betrübt ist, so war ich gebeugt. Und sie freuen sich wider mich Hebr.: Aber da ich nun wanke (da mir Unglück trifft, Sauls Verfolgung), freuen sie sich. - und rotten sich zusammen; man häuft Geißeln Hebr.: Es sammeln sich wider mich verleumderische Zungen und die ich nicht kenne, zerfleischen (schmähen) mich und lassen nicht ab. - über mich, wenn ich es nicht vermute. Sie wurden getrennt, doch nicht reuig; Obwohl Gott sie zerstreute, kommen sie nicht zur Einsicht und Reue, sondern fahren fort, dem Unschuldigen Böses zu tun. Hebr.: Gleich ruchlosen Kuchenfressern knirschen sie gegen mich mit ihren Zähnen. (Gleich Leuten, die für ein Stück Kuchen zu allem zu haben sind?) - sie stellen mich auf die Probe, überhäufen mich mit Hohn, sie knirschen wider mich mit ihren Zähnen. O Herr! wann wirst du herblicken? Befreie meine Seele von ihrer Bosheit, meine Verlassene von den Löwen. Hebr.: Wie lange willst du ruhig zusehen? Bringe zurück meine Seele aus ihrer Bosheit, meine einzige von den jungen Löwen! - Ich will dir lobsingen in großer Versammlung, unter zahlreichem Volke dich rühmen. Nicht mögen sich freuen über mich die, welche mir feind sind mit Unrecht, die mich ohne Ursache hassen und mit den Augen zwinkern. Die Feinde blinzeln sich zum Zeichen der Schadenfreude gegenseitig zu. - Denn reden sie auch friedlich mit mir, so sinnen sie doch auf Trug im Zorne irdischer Menschen. Gottloser, gemeiner Weltmenschen. Hebr.: Denn nicht reden sie friedlich mit mir, sondern sinnen tückische Dinge wider die Stillen im Lande. - Sie sperren ihren Mund weit auf wider mich und rufen: Ha, ha, unser Auge hat es Das, was mir längst gewünscht, sein Verderben. - gesehen. Du hast es gesehen, o Herr! so schweige nicht; Herr, sei nicht fern von mir! Erhebe dich und habe acht auf mein Recht, mein Gott und mein Herr! auf meine Sache. Hebr.: Wache auf und mache dich auf zu meinem Rechte, mein Gott und Herr, zu meiner Streitsache! - Schaffe mir Recht nach deiner Gerechtigkeit, Herr, mein Gott! dass jene nicht frohlocken über mich. Dass sie nicht in ihren Herzen sagen: Ha, ha! welche Lust für unser Herz! Da haben wir, was wir zu sehen gewünscht. - Dass sie nicht sagen: Wir haben ihn verschlungen! Es mögen schamrot und beschämt werden allzumal, die ob meines Unglücks frohlocken. Mit Schmach und Schande mögen bedeckt werden, die über mich prahlen. Frohlocken und sich freuen mögen, die Gerechtigkeit für mich wollen; und Im Hebr. lauten die folgenden Worte: Und immerdar mögen sie sprechen: Hochgepriesen sei der Herr, der seine Lust hat an der Wohlfahrt seines Dieners! - die seinem Diener den Frieden wünschen, mögen immerdar sagen: Hochgelobt sei der Herr! Und meine Zunge wird deine Gerechtigkeit verkünden, allezeit dein Lob. Der Zunge, der das Reden zugehört, wird im Hebr. (und Latein.) das Sinnen, das dabei vorangegangen, mitbeigelegt; ebenso dem Munde [Ps 36,30].

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