1. Der Psalmist erblickt Gott, der wie einst auf dem Berge Sinai erscheint. (V. 8) Gott ruft Himmel und Erde als Zeugen zum Gerichte über das Volk, während die Gerechten gesammelt werden. (V. 6) 2. Zwei Klassen von Sündern urteilt Gott: die welche auf äußere Opfer so ihr Vertrauen setzen, als bedürfte Gott derselben, sich zu bereichern oder seinen Hunger zu stillen, und die deshalb das Opfer des Lobes und der Unterwerfung vernachlässigen (V. 15), und diejenigen, welche das Gesetz Gottes zwar immer im Munde führen, aber es nicht im Werke vollbringen. (V. 21) 3. Beiden droht Gott schwere Strafe und verheißt denen das Leben, welche die inneren Opfer des Lobes und des Gehorsams darbringen.
1Ein Psalm Asaphs.Wenn der hier erwähnte Asaph der gleiche ist wie der [1Chr 15,17] erwähnte, so stammt der Psalm aus der Zeit Davids. - Der Herr, der höchste Gott,Hebr: El (der Mächtige), Elohim (der gebietende Herr), Jahve (der Seiende und demgemäß völlig frei Waltende). - redet und ruft die ErdeDie Bewohner der Erde. - auf vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergange.2 Von Sion strahlt seiner Schönheit Glanz aus.Hebr.: Aus Sion, der Schönheit Vollendung, erglänzt Gott. -3 Gott kommt und tut sich kund, unser Gott schweigt nicht;Er darf nicht schweigen, seine Heiligkeit gestattet es nicht; er wird seine Donnerstimme erschallen lassen. - Feuer lodert vor ihm auf und um ihn her tobt mächtiges Sturmwetter.Feuer und Sturm sind die Vorboten des als Richter erscheinenden Gesetzgebers von Sinai. Jenes droht die Sünder zu verzehren, der Gewittersturm sie hinwegzufegen wie Spreu. -4 Er ruft dem Himmel oben zu und ruft die Erde,Beide sind von uralter Zeit her gegründet, vor ihnen hatte Israel seinen Bund beschwören müssen. [5Mos 31,28] - um über sein Volk Gericht zu halten.5 Versammelt ihm seine Heiligen,Aufforderung an die Engel von Seiten eines höher gestellten Engels. Nach dem Hebr. redet Gott: Versammelt mir meine Heiligen (Frommen). So heißen die Israeliten [2Mos 19,6], weil sie Gott als Bundesvolk geweiht sind. - die bei Opfern einen Bund mit ihm schließen.Der Alte Bund war bekräftigt durch das Bundesopfer und das Bundesverhältnis wurde durch Darbringung von Opfern als Ausdruck der Hingabe und Treue unterhalten. -6 Die Himmel tun seine Gerechtigkeit kund, denn Gott ist Richter.Herrscher und Gesetzgeber. – Während die, über welche Gericht gehalten werden soll, herbeigeführt werden, hört der Psalmist die Himmel die Gerechtigkeit Gottes im Voraus feierlich anerkennen. Im Hebr. wird Sela beigefügt: -7 Höre mein Volk, ich will reden; Israel, ich will dir bezeugen: Gott, dein Gott bin ich!Als solcher aber muss ich meine Ehre und dein Heil schätzen. -8 Nicht um deiner Opfer willen stelle ich dich zur Rede,Als ob du sie nicht dargebracht hättest. - sind doch deine Brandopfer beständig vor mir.9 Nicht nehme ich aus deinem Hause Farren noch Böcke aus deinen Herden.10 Mein ist ja alles Getier des Waldes, die Tiere auf den Bergen und die Rinder.Hebr.: das Vieh auf den Bergen den Tausenden. -11 Ich kenne alle Vögel des Himmels und die Zierde des FeldesDie Erträge des Ackers. (Theod.) Hebr.: Ich kenne alles Geflügel der Berge und was auf der Flur sich tummelt, ist bei mir. - ist mein Eigentum.12 Wenn mich hungerte, würde ich es dir nicht sagen; denn mein ist der Erdkreis und was ihn erfüllt.13 Soll ich denn das Fleisch der Stiere essen oder das Blut der Böcke trinken?14 Bringe Gott als Opfer Lob dar und löse dem Allerhöchsten deine Gelübde15 und rufe mich an am Tage der Drangsal, so will ich dich erretten und du sollst mich preisen!Mit leerer Tierschlächterei glaubt ihr alle Pflichten gegen mich erfüllt zu haben? Nein, nicht das ist der Sinn des Opfergesetzes oder es müsste zum Ziel haben, mir wie einem armen Hungernden Speise und Trank zu bieten. Das äußere Opfer ist lediglich Symbol der Hingabe des inneren Menschen, seines Willens und Strebens, an Gott. Fehlt das geistige Opfer nicht, so wird das Schlachtopfer ein wahres Lobopfer, ein Akt zur Ehre Gottes, und als Gelübdeopfer wahrhaft Dankopfer. Dann mag es auch als Bitte um Hilfe in der Not dargebracht werden und wird Erhörung bei Gott finden und Dank bei dem Erhörten wecken. -16 Zu dem SünderDem offenbaren Sünder. - hingegen spricht Gott: WarumWas kommt dir bei? Nicht gehört es dir zu. - zählst du meine Satzungen auf und nimmst meinen Bund in deinen Mund,Dich für einen Verehrer Gottes erklärend. -17 während du doch Zucht hassest und meine Worte hinter dich wirfst?Verachtest. -18 Siehst du einen Dieb, so läufst du mit ihmHebr.: So hast du Gefallen an ihm. - und hältst Gemeinschaft mit den Ehebrechern.19 Dein Mund fließt über von Bosheit und deine Zunge zettelt Betrug an.20 Du sitzest daUnter anderen. - und redest wider deinen Bruder und legst dem Sohne deiner MutterVon der gleichen Mutter wie vom gleichen Vater. - Fallstricke.V. 18a wird die Übertretung des siebenten, V. 18b die des sechsten, V. 19ff die des achten gerügt. Vergl. auch zu dem Vorwurf Gottes [Roem 2,17-24]. -21 Solches tatest du und ich schwieg.In meiner Langmut. - Da meintest du in deiner Bosheit, ich sei dir ähnlich,Damit der Sünder nicht ferner Gott, wenn er schweigt, nach sich beurteile, lässt Gott ihn durch den Psalmisten warnen. - aber ich will dich zur Rechenschaft ziehen und esWie du in deinem Innern beschaffen bist. - dir vor Augen stellen.22 Erkennet dies doch, die ihr Gottes vergesset!Beide Klassen von Sündern. - dass erHebr.: ich. - euch nicht einmal hinwegraffe, ohne dass jemand zu retten vermag.23 Ein Opfer des LobesVergl. V. 14. Ein geistiges Opfer. - ehrt mich und dies ist der Weg, auf dem ich ihm das Heil von Gott zeigen will.Hebr.: Wer Dank opfert, ehrt mich recht und bahnt den Weg (Lebensweg), auf dem ich ihm das Heil Gottes zeigen werde. Viele heilige Väter deuten den Psalm von der ersten Ankunft Christi im Fleische auf das Evangelium, das mit gewaltiger Kraft in aller Welt verkündet wird und die damit verbundene Abschaffung der alttestamentlichen Opfer wie die Einsetzung des neutestamentlichen eucharistischen Opfers. Andere verstehen ihn (besonders V. 1-7) von der zweiten Wiederkunft Christi. Auch die Rabbinen erklären den Psalm von dem Gerichte, das der Messias bei seinem Kommen halten wird.
Zitiert in 25
Dieses KapitelKompendium(300)Reconciliatio Et Paenitentia(§13)Redemptor Hominis(§18·§20)