Psalmen 51

1. David bekennt seine Schuld und fleht Gott um Erbarmen an, weil der Herr barmherzig ist (V. 3) und er selbst seine Sünde bekennt und bereut. (V. 5) Doch von seinem Ursprunge an ist er in Sünden. (V. 7) 2. Bitte an Gott, er wolle ihn vollkommen rechtfertigen (V. 14), indem er ihm Vergebung der Sünden (V. 11), Erneuerung des Herzens durch die heiligmachende Gnade (V. 12), Nachlass der noch verbleibenden Strafe, endlich geistige Freude und Ruhe des Gewissens verleiht. (V. 14) 3. Aufrichtiger Vorsatz, Genugtuung zu leisten (V. 19): Er will die Gottlosen den Willen Gottes lehren und sie auf bessere Wege leiten (V. 15), Gottes Lob in der Gemeinde verkünden (V. 17), als Opfer sein zerknirschtes und gedemütigtes Herz darbringen. (V. 19) Anhang: Bitte um die Wiederherstellung Jerusalems und Versprechen heiliger Opfer.

Zum Ende, Dem Musikmeister. - ein Psalm Davids, als der Prophet Nathan zu ihm kam, [2Sam 12] - nachdem er zu Bethsabee eingegangen war. Der ganze Psalm ist gleichsam eine Umschreibung der Worte Davids [2Sam 12,13]. Er ist ein Bußpsalm im höchsten Sinne, weshalb der heil. Augustin ihn mit seinen Gläubigen zur Sühne für die Sünden der Christen, welche an der heidnischen Neujahrsfeier teilnahmen, betete und die Kirche ihn in ihrem Offizium häufig beten lässt. - Erbarme dich meiner, o Gott! nach deiner großen Barmherzigkeit und nach der Menge deiner Erbarmungen tilge meine Missetat. Gänzlich wasche mich von meiner Verschuldung und von meiner Sünde mache mich rein! Tilge meine Schuld, die gleichsam auf die Zeit der Strafzahlung aufgeschrieben ist (die wie eine dunkle Wolke gedacht wird, vergl. [Jes 44,22]) wasche mich wie vom Aussatz. - Denn ich erkenne meine Missetat und meine Sünde steht mir allezeit vor Augen. Gegen dich allein habe ich gesündigt Die Sünde schien zunächst nicht an Gott begangen, aber jede Sünde ist eine Auflehnung gegen Gott, und soweit Sünde, gegen ihn allein gerichtet. - und getan, was vor dir böse war; auf dass du gerecht erfunden werdest in deinem Spruche und obsiegest, Hebr.: Rein seiest. - wenn über dich geurteilt wird. Wenngleich die Sünde dem Willen Gottes widerspricht, so dient sie doch insofern zu seiner Verherrlichung, als an dem über sie ergehenden Gerichte Gottes Heiligkeit und Gerechtigkeit offenbar werden. - Denn siehe, ich bin in Verschuldung empfangen und in Sünde hat mich meine Mutter empfangen. Hebr.: Siehe, in Verschuldung bin ich geboren und in Sünde empfing mich meine Mutter. David ward im Umkreise der Sünde geboren, ja selbst seine Empfängnis war nicht frei von dem Einflusse derselben. Nicht als ob beide Akte an sich sündig wären, sondern David weist darauf hin, wie der Ursprung seines Daseins bereits durch die Sünde infiziert ist und die Sündlichkeit (die habituelle, die Erb-, nicht Tatsünde) von seinen Eltern auf ihn übergegangen sei als Wurzel der Tatsünde. Die Mutter ist für beide Eltern gesetzt. Diese Stelle zeigt den Glauben der Israeliten an die Erbsünde, da David diese Schuld von den ersten Stammeltern her hat. (Aug., Hier.) – David entschuldigt sich damit nicht, sondern steigert seine Selbstanklage. - Siehe, die Treue liebst du; die geheimen und verborgenen Dinge deiner Weisheit hast du mir offenbart. Dem, was David tief innerlich hat, setzt er nach dem Hebr. entgegen, was er haben sollte: Siehe, Treue (dem Willen Gottes entsprechendes Verhalten) liebst du im Innern (im Herzen des Menschen), so tue mir denn Weisheit (das Mittel diese Treue zu erlangen) kund im Verborgenen (im Innersten der Seele schenke mir tiefinnere Weisheit). - Besprenge mich mit Ysop, Anspielung auf die Besprengung von Aussätzigen und durch Berührung von Toten Befleckten mittelst eines Ysopbüschelchens. [3Mos 14, 4Mos 9] - so werde ich gereinigt sein; wasche mich, Hinweis auf die gesetzlichen Waschungen. Ein neues Herz und ein neuer Geist wird jetzt in der Taufe verliehen. (Hier.) - so werde ich weißer als der Schnee. Über das Symbol erschwingt der Psalmist sich zu dem durch dasselbe Vorbedeuteten, die innere Reinheit (welche das Blut Christi und für David die Hoffnung auf den künftigen Erlöser gewährt). Vergl. [Jes 1,18]. - Lass mich Freude und Wonne Das Wort der Vergebung. - vernehmen, so werden Hebr.: jubeln mögen die Gebeine, die du zerschlagen hast. Leib und Seele, die durch Gewissensbisse und Furcht vor deinem Zorne gleichsam gebrochen waren, mögen ihn mit innigster Freude erfüllt werden. - meine geschlagenen Gebeine frohlocken. Wende dein Angesicht Dein richterliches Auge. - von meinen Sünden ab und tilge alle meine Missetaten. Erschaffe in mir ein reines Herz, o Gott! und erneuere Versetze in neuen Zustand, schaffe um, so dass du an mir Wohlgefallen haben kannst. Vergl. [Ez 11,19, Ez 36,26]. - den rechten Hebr.: festen, - einen Geist, der gegen alle Versuchungen des Fleisches fest bleibt. Vergl. [Tit 3,5]. - Geist in meinem Innern. Verwirf mich nicht von deinem Angesichte Lass mich nicht länger in deiner Ungnade. Gegensatz [Ps 40,13]. - und nimm deinen heiligen Geist Der Heilige Geist ist Vermittler der Gemeinschaft zwischen Gott und Menschen. Heilig heißt er seinem Ursprunge und seinen Wirkungen nach. - nicht von mir. Lass ihn nicht ganz von mir weichen, oder: versage ihn mir nicht. - Gib mir die Wonne deines Heiles Freudenreiche Rettung durch dich. - wieder und stütze mich mit dem obsiegenden Mit einem Geiste, der die niederen Triebe beherrscht, mit deiner heiligmachenden Gnade und Liebe. Hebr.: willigen, der willig allen deinen Antrieben zum Guten folgt. - Geiste. Dann will ich die Sünder deine Wege Die du gehen heißest, den Weg der Umkehr und der Gebote. - lehren und die Gottlosen werden sich zu dir bekehren. Befreie mich von Blutschuld, Die um Rache ruft [1Mos 4,10] Er hatte Urias dem Tode preisgegeben. - Gott, du Gott meines Heiles! so wird meine Zunge mit Freuden deine Gerechtigkeit Welche auch Gottes Verheißung gemäß die sündenvergebende Gnade in sich fasst. Vergl. [1Joh 1,9]. - preisen. Herr! öffne meine Lippen und mein Mund wird dein Lob verkünden. Denn wenn du Opfer wolltest, ich würde sie dir darbringen, an Brandopfern hast du kein Gefallen. Die Opfer werden nicht schlechthin für das A.T. verworfen, sondern nur solche, die nach ihrer Außenseite ohne die entsprechende innere Gesinnung dargebracht werden. - Ein Opfer für Gott Ein Gott wohlgefälliges Opfer. - ist ein zerknirschter Geist, ein reuiges und gedemütigtes Herz wirst du, o Gott! nicht verschmähen. Nach deiner Huld erweise Sion Gnade, o Herr! damit Hebr.: Du wollest bauen. - die Mauern Jerusalems aufgebaut werden. Dann wirst du rechte Solche, wie du verlangst, die nicht allein den äußeren Vorschriften des Gesetzes entsprechen, sondern auch mit der rechten Gesinnung dargebracht werden. - Opfer annehmen, Gaben und Brandopfer; Jede Art von Opfern. Hebr.: Alsdann wirst du dich erfreuen rechter Opfer. - dann wird man junge Rinder auf deinen Altar legen. V. 20, V. 21 sind wahrscheinlich im Babylonischen Exil dem Psalme Davids beigefügt worden, da dieser recht häufig gebetet ward. Im geistigen Sinne beziehen sie sich auf den Aufbau des neuen Jerusalem, der Kirche Christi, in welcher Gott ein in jeder Hinsicht vollkommenes Opfer dargebracht wird.

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