Psalmen 55

1. Schilderung der Not des Psalmisten. (V. 9) 2. Strafanwünschung gegen die Feinde, besonders gegen einen früheren Freund, der zum Verräter geworden, und Schilderung ihres Treibens. (V. 16) 3. Seine ganze Zuversicht auf Gott setzend, sagt der Seher voraus, dass er und alle Frommen von Gott Hilfe Erlangen, alle Bösen zugrunde gehen werden.

Zum Ende, unter den Unterweisungsliedern Davids. Hebr.: Für den Musikmeister mit Begleitung des Saitenspiels, eine Betrachtung von David. Der Psalm ist gelegentlich der Empörung Absaloms gedichtet. - Erhöre mein Gebet, o Gott! und verschmähe mein Flehen nicht; Hebr.: Nimm zu Ohren mein Gebet und verhülle dich (ein Ohr) nicht vor meinem Flehen. - merke auf mich und erhöre mich! Ich bin betrübt in meiner Kümmernis und verwirrt Hebr.: Merke auf mich und antworte mir. Ich bin bewegt in meinem Kummer und seufze. - ob der Stimme des Feindes Der Hauptfeind, Achitophel, steht ihm als Vertreter aller vor Augen. - und ob der Bedrängnis durch den Sünder. Denn sie wälzen Unheil auf mich und fallen in ihrem Grimme über mich her. Mein Herz ist geängstet in mir und des Todes Furcht ist auf mich gefallen. Hebr.: Mein Herz windet sich in meinem Innern und Todesschrecken, vergl. [2Sam 17,2], haben mich befallen. - Furcht und Zittern kommt mich an und Finsternis umhüllt mich. Hebr.: Entsetzen bedeckt mich (erfüllt mich über und über). - Da sprach ich: O dass ich Flügel hätte gleich einer Taube, ich flöge fort und fände Ruhe! Sicherheit vor meinen Feinden. - Siehe, ich fliehe fernhin und bleibe in der Wüste. Vulg.: Ich ziehe jetzt aus Jerusalem – Schilderung der augenblicklichen Lage. Hebr.: Ja, in die Ferne würde ich flüchten, verbleiben in der Wüste. Sela. - Ich harre auf den, der mich errettet aus der Kleinmut des Geistes und dem Sturme. Hebr.: Schnell würde ich mir eine Zuflucht suchen vor dem rasenden Winde, vor dem Sturme. - Stürze Hebr.: vertilge. - sie, Herr! mach ihre Zunge uneins, Anspielung auf [1Mos 11,7.9]. Die Frevler sind eines, haben eine Zunge, daher bittet David Gott, er wolle sie uneins machen und so ihre Kraft brechen. - denn ich sehe Gewalttat und Hader in der Stadt. Jerusalem. - Tag und Nacht umkreist Bosheit ihre Mauern und in ihrer Mitte herrscht Mühsal Objektiv: Unheil, das man über andere bringt. Hebr.: Tag und Nacht machen sie (die Feinde) auf ihren Mauern die Runde, Unheil und Mühsal (Verderben) ist drinnen. - und Unrecht und von ihren Plätzen weicht nicht Wucher und Betrug. Denn wenn mein Feind mich gelästert hätte, so wollte ich es wohl ertragen, Hebr.: Denn nicht ein Feind schmäht mich, ich wollte es tragen. - und wenn der, welcher mich hasst, stolze Reden wider mich geführt hätte, so wollte ich mich wohl vor ihm verbergen. Aber du, sonst ein Herz mit mir, mein Führer und mein Vertrauter, der du zugleich mit mir süße Speisen genossest, Hebr.: Sondern du bist's, ein Gleichgestellter (mein zweites Ich), mein Genosse und Vertrauter, sie wir zusammen süßen Umgang pflegten. Septuag: Der du mit mir zusammen seiend mir die Speisen versüßest (mein angenehmster Tischgenosse warst.) - die wir einträchtig in das Haus Gottes wandelten! Zu Vers 14, 15 fehlt der Nachsatz. Im Schmerze des Affektes bricht der Dichter ab. - Der Tod komme über sie und sie mögen lebendig in die Unterwelt hinabfahren! Während sie, an den Tod nicht denkend, noch in voller Lebenskraft sind, wie die Rotte Kore. David redet nicht aus Rachsucht, sondern aus Eifer für die göttliche Gerechtigkeit. (Vergl. die Worte des heil. Paulus [1Kor 16,22]) Achitophel nahm sich das Leben, Absalom blieb an der Eiche hängen. - denn Bosheit ist in ihrer Wohnung, unter ihnen. Zu ihrem Innern. - Ich aber rufe zu Gott und der Herr wird mich erretten. Abends und morgens und mittags Also den ganzen Tag über, unablässig. - will ich reden und kundtun, Hebr.: klagen und seufzen. - so wird er meine Stimme erhören. Er wird meine Seele erlösen und in Frieden versetzen vor denen, die mir nahetreten, Hebr.: dass sie mir nicht beikommen. - denn gar viele sind gegen mich. Gott wird mich erhören und der da vor aller Zeit ist, Hebr.: Hören wird Gott und sie demütigen, - er thront ja seit Urbeginn, sela – sie, die sich nicht eines anderen besinnen. – Der hebr. Text ist indes kaum unversehrt. – Gott thront von Ewigkeit her als Richter und wird also auch jetzt seine in seinem Gesalbten angetastete Majestät zu rächen wissen. - sie demütigen, denn sie ändern sich nicht und fürchten Gott nicht. Er streckt seine Hand aus zur Vergeltung. Sie haben seinen Bund entweiht, Hebr.: Er (Achitophel) legt seine Hand an seine Freunde, entweiht seinen Treubund (den vor Gottes Antlitz geschlossenen Schutz- und Trutzbund). Vulg.: Gottes Bund. - aber durch seinen Zornesblick werden sie zerstreut und sein Grimm verfolgt sie. Seine Worte sind gelinder denn Öl und gleichwohl sind sie Pfeile. Hebr.: Glatt sind die Butterworte (die süß wie Butter von seinem Munde gehenden Worte) seines Mundes und Krieg ist sein Herz, weicher sind seine Worte als Öl und sind doch Schwerterklingen. – David fasst aus der Menge seiner Feinde wieder den Treubrüchigen besonders ins Auge. - Wirf deine Sorge Hebr.: Bürde. - auf den Herrn, Diesen Rat gibt David wie sich selbst so allen unschuldig Leidenden. - und er wird dich erhalten; nicht auf immer wird er den Gerechten wanken lassen. Ja, du, o Gott! wirst sie hinabstürzen lassen in die Grube des Verderbens. Die Männer der Blutschuld und des Truges werden die Hälfte ihrer Lebenstage nicht erreichen, ich aber vertraue auf dich, o Herr! Was Achitophel an David, tat nachmals Judas am Heilande, gegen den gleichfalls ganz Jerusalem in Aufruhr war. – Der hl. Augustin bezieht den Psalm auf jeden leidenden Christen, sowie auch auf die gesamte Kirche.

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