1. Der Psalmist lädt Gott ein, sich zu erheben und dahinzuziehen, ein Schrecken der Feinde und die Freude der Gerechten. Aufforderung an die Leviten, den zu preisen, der der Helfer Israels ist und selbst die Feinde zu sich heranbringt. (V. 7) 2. Preis Gottes wegen seiner Wunderzeichen in der Wüste und der unter den Richtern verliehenen Siege. (V. 13) 3. Auch jetzt erfreut Israel sich großen Glückes, das von dem Herrn sein Erbe erhalten und reiche Beute gemacht hat, ja von Gott so begnadigt ist, dass er den Berg Sion vor anderen zum Sitze seiner Macht erwählt hat, zu dem er mit besiegten Feinden und Beute zurückzukehren pflegt. (V. 19) 4. Lobpreisung Gottes, der sein Volk stets aus allen Gefahren errettet und seine Feinde vernichtet. (V. 24) 5. Beschreibung des Festzuges und Bitte, Gott wolle sein Werk vollenden und auch die Könige der Heiden zu seinem Heiligtume führen. (V. 30) 6. Gott wolle Ägypten und andere feindliche Reiche zur Unterwerfung zwingen und bewirken, dass alle Völker ihn bei seiner Rückkehr auf seinen Sitz verherrlichen. Erneuter Preis Gottes, der in seinem Heiligtum sich mächtig zeigt.
1Zum Ende,Dem Musikmeister. - ein Loblied Davids.Der Psalm feiert wohl die Rückkehr der Bundeslade [2Sam 11,11] nach dem Siege über die Ammoniter. [2Sam 12,27] Er ist typisch messianisch, wie [Eph 4,8ff] zeigt. In dem einen Siege feiert David in prophetischem Geiste Jahves Siege über die Völker im Voraus. -2 Es erhebe sich Gott,Diese Worte ließ Moses sprechen, so oft die Bundeslade während des Zuges durch die Wüste getragen ward [3Mos 10,35], Gottes Allmacht anzurufen. - dass seine Feinde zerstreut werden, und die ihn hassen, vor seinem Angesichte fliehen!3 Wie der Rauch zergeht, so mögen sie zergehen, wie Wachs vor dem Feuer zerfließt,Rauch und Wachs sind Bild menschlicher Ohnmacht. - mögen die Sünder vor Gottes Angesichte vergehen.4 Die Gerechten aber mögen sich freuenEigentlich: Opfermahlzeit halten und sich der durch dieselben dargestellten Gemeinschaft mit Gott freuen. - und jauchzen vor Gottes Angesicht und in Wonne frohlocken.Die Häufung der Ausdrücke zeigt die Größe der Freude an. Mit V. 5 setzt sich wohl die Bundeslade in Bewegung. -5 Lobsinget Gott, bringet seinem Namen ein Loblied, bereitet dem Bahn,Geistigerweise, indem ihr gleichsam Loblieder auf seinen Weg streut. - der heraufzieht über den Sonnenuntergang!Der Zug der Israeliten ging vor ihrem Eintritt in das gelobte Land nach Westen. (Oder: über dem Wolkendunkel.) Hebr.: Der daherfährt durch die Steppen, vergl. [Jes 40,3], nämlich um die Feinde seines Volkes zu bekriegen. - Herr ist sein Name! Frohlocket vor seinem Angesichte, vor seinem Angesichte mögen sieDie Feinde. Oder die Gerechten: freudig erzittern… - Die Worte fehlen im Hebr. und sind wohl Glosse oder aber Doppelübersetzung. - erzittern,6 der ein Vater den Waisen und Richter den Witwen ist, Gott in seiner heiligen Stätte,7 Gott, der Gleichgesinnte zusammenwohnen lässt in einem Hause;Gott lässt die, welche durch einen Glauben gleiche Sitten haben, in Hausständen wohnen. Hebr.: Gott schafft Einsamen (dem Volke Israel) eine heimatliche Wohnung (nimmt sich ihrer an), führt Gefangene in Wohlstand, doch Widerspenstige bleiben in dürrem Lande. - der die Gefesselten herausführt mit Macht, so wie die Widerspenstigen, die in den Gräbern ihre Stätte haben.Selbst solche, die ihn oft erbittert und zur Strafe dem Tode verfallen waren, führte Gott aus Ägypten: Anspielung auf die Gräber der ungläubigen Israeliten, die in der Wüste fielen. Vergl. [Hebr 3,17]. So führt Gott auch andere Widerspenstige, wenn sie sich bekehren, zu sich. -8 O Gott! als du auszogst vor deinem Volke her, als du in der Wüste einherzogst,Sela. -9 bebte die ErdeAm Sinai. - und die Himmel troffen vor Gottes Angesichte, der Sinai vor dem Angesichte des Gottes Israels.V. 8, V. 9 sind aus dem Liede der Debora. [Rich 5,4] -10 Gnadenvoll spendetest du, o Gott! deinem Erbe Regen;Vielleicht bedeutet das Hebräische: Reiche, freiwillige Gaben spendest du. Wegen des Wortes Erbe erklären einige Neuere: dem Volke in Kanaan spendest du. - es war schwach geworden, doch du stärktest es.11 Deine HerdeIsrael. Vergl. [Mic 7,14]. - ließ sich darin nieder, du bereitetest es nach deiner Güte für den Armen,Dein darbendes Volk. - o Gott!12 Der Herr gibt SiegeswortNach den meisten Auslegern bilden V. 12, 13 die Erinnerung an Siege unter Josue und den Richtern, nach einigen folgt ein Ausblick in die Zukunft, in der Gott seinem Volke die feindlichen Weltmächte zur Beute anheimgibt. Es vereinigt sich wohl beides: Rückblick und in dieser als Unterpfand für die Zukunft Ausblick in diese. - den Freudenverkünderinnen mit großer Kraft.Richtiger nach dem Hebr.: der Freudenverkündigerinnen ist ein großes Heer. -13 Er ist der Heere des VielgeliebtenIsraels. - König und der Zierde des HausesDer Hausfrau. - gibt er Beute zu verteilen.Hebr.: Die Könige der Heere fliehen und die Hausfrau teilt Beute. -14 Wenn ihr in euern AnteilenHebr.: Zwischen den Hürden. Bild ruhigen Friedens. Vergl. [Rich 5,16]. - ruht, gleicht ihr den Silberflügeln der Taube, deren Hinterrücken im blassgelben Golde schimmert.Die Farbe des Silbers und des Goldes ist gewählt zur Bezeichnung des Wohlstandes und Reichtums. – Anspielung auf ein den Zeitgenossen bekanntes, uns nicht erhaltenes Lied? -15 Als Gott im Himmel die KönigeDie kananitischen Könige. - über das Land zerstreute, ward es auf dem Selmon schneeweiß.Der Selmon ist ein waldiger Berg unweit von Sichem [Rich 9,48] im Stamme Ephraim, oder es ist (wegen V. 16) ein Berg Basans gemeint, der wohl stets dunkel aussah, woher sein Name (Schwarzberg, Schwarzwald). Dass dieser Berg mit Schnee bedeckt war, war ein so beispielloses Ereignis wie die damit zusammenfallende Besiegung der Könige. Andere anders; so: als die Israeliten die Kanaaniter besiegten, waren sie mit Beute so reich bedeckt, wie der Selmon mit Schnee. -16 Der Berg GottesDer Berg Sion, der noch mehr ausgezeichnet ist als der Sinai. Hier erschien Gott einmal, dort weilt er immer. - ist ein fruchtbarerGnadenvoller. - Berg, ein üppiger Berg, ein fruchtbarer Berg.Ganz anders im Hebräischen. Hier wird der Basan angeredet: Ein Berg Gottes (hohes Gebirge), darum Zeuge von Gottes Schöpfermacht, vergl. [Ps 35,7], ist das Basansgebirge, ein vielkuppliges Gebirge ist das Basansgebirge. -17 WarumEs werden Menschen angeredet, welche es bezweifeln, dass der Herr auf Sinai wohnt, oder auch Berge. Nach anderen: Was blickt ihr auf die fetten Berge Basans, als wären diese würdiger zur Wohnung Gottes als der Sion, da sie von Granit hoch und festgebaut sind, der Sion aber ein kleiner Kalkberg ist? Hebr.: Warum seht ihr scheel, ihr vielkuppligen Berge, auf den Berg, den Gott begehrt hat zu seinem Sitze? - blickt ihr so scheel auf das üppige Gebirge? Es ist der Berg, auf dem es Gott wohlgefällt zu wohnen; ja, der Herr wohnt dort auf ewig.18 Der Kriegswagen Gottes sind viele zehntausend, Tausende sind, die jubeln.Kriegswagen sind das Sinnbild der siegreichen Macht Gottes über seine Feinde. Die Frohlockenden sind die Engel, die Gott seinem Volke zum Schutze gibt. Vulg.: Der nämliche Gott, der sich auf dem Sinai als Gesetzgeber offenbart hat, ist im Heiligtum als einem zweiten Sinai. Hebr.: Die Streitwagen Gottes sind zehntausend, tausendmal tausend, der Herr kommt vom Sinai ins Heiligtum. Der Vers ist frei nach [5Mos 32,2] gebildet. - Der Herr ist unter ihnen auf Sina im Heiligtume.Insofern unter Sion die Kirche Christi verstanden wird, deren Vorbild dieser Berg war. -19 Du bist zur HöheAuf den Sion. - aufgestiegen, hast die Gefangenen fortgeführt, du hast Gaben unter den Menschen empfangen,Menschen als Gabe. Die Kriegsgefangenen, welche nun deine Knechte im Heiligtume sind wie die Gabaoniten, hast du selbst (durch uns) fortgeführt, hast die Huldigungsgaben empfangen. – Der heilige Paulus führt diese Stelle [Eph 4,8] mit einer kleinen Veränderung an. Der Sieg Israels über die Völker Kanaans war ein Vorbild des Sieges Christi über die höllischen Mächte. Da zur Zeit des hl. Apostels die Austeilung der Güter, welche Christus durch sein Leiden erworben, bereits begonnen hatte, sagt Paulus: Teilte aus, während es für das A. T. heißt: Du hast empfangen. - sogar auch die nicht glauben, dass Gott, der Herr, hier wohnt.Müssen wir wider Willen dienstbar werden, dir Gaben bringen. -20 Gepriesen sei der Herr Tag für Tag Gott, in dem all unser Heil ist, er wird unsern Weg glücklich machen!Hebr.: Gepriesen sei der Herr! Tag für Tag trägt er unsere Last (macht unseren Weg so angenehm), Gott ist unser Heil: Sela. -21 Unser Gott ist ein Gott, der helfen kann; ja, Gott des Herrn ist es, dem Tode entrinnen zu lassen.Hebr.: Hat Ausgänge für den Tod (aus dem Tode). Dieser Lobpreis gilt erfüllungsgeschichtlich dem, der den Tod überwunden hat, Jesus Christus, unserm Herrn. (Theodor) -22 Wahrlich, Gott zerschmettert die Häupter seiner Feinde, den ScheitelDer behaarte Scheitel ist Anzeichen üppiger Kraft und ungebeugten Hochmuts. Vergl. [5Mos 32,42]. - derer, die in ihren Sünden dahinwandeln.23 Der Herr sprach: Aus Basan werde ich sieDie Feinde. - herbringen, herbringen selbst aus Meerestiefen,Wenn sie auch ins tiefste Meer versenkt wären, will ich sie herholen und mein Volk zum Vollstrecker meiner Gerechtigkeit an ihnen machen. -24 damit dein Fuß sich in Blut tauche, die Zunge deiner Hunde das Blut der Feinde lecke.25 Man schaut dein Einherschreiten, o Gott! das Einherschreiten meines Gottes, meines Königs, der im Heiligtume thront.26 Voran gehen die Fürsten,Die ersten im Zuge. Hebr.: Voran die Sänger, dahinter die Saitenspieler. - es schließen sich die Sänger an, inmitten von paukenschlagenden Jungfrauen.Freudenfeier, wenn Gott Gericht gehalten, Triumphzug zur Verherrlichung des Herrn. Das Bild erinnert an [2Mos 15,20], ist ja die Erlösung, die hier gefeiert wird, das Gegenbild der Befreiung aus Ägypten. -27 In den Versammlungen preiset Gott, den Herrn, ihr vom QuelleJakob und seine Söhne als Stammväter Israels. - Israels!28 Dort ist Benjamin, der Jüngste,Der jüngste Sohn Jakobs. - in Geistesentzückung,Außer sich vor Begeisterung, dass das Heiligtum in seiner Mitte. Hebr.: Ihr Zugführer. - die Fürsten von Juda, ihre Heerführer, die Fürsten von Zabulon, die Fürsten von Nephthali.Diese Stämme, zwei südliche und zwei nördliche, werden schon im Deboraliede erwähnt. [Rich 5,14-18] Aus Benjamin war Saul der erste König Israels, Sieger über die Heiden. In dem Stamme Benjamins lag nach der Verheißung [5Mos 33,12] und der Grenzbestimmung [Jos 18,16ff] das Heiligtum Israels. So war dieser Stamm, der der Geburtsfolge, der Zahl und der Größe des Gebietes nach der letzte war, an Ehre der erste. Juda war von David an auf ewig der Königsstamm geworden, Zabulon und Nephthali sind berühmt wegen ihres Eintretens für ihr Volk. [Rich 5,18] -29 Entbiete, o Gott! deine Macht; bekräftige das, o Gott! was du unter uns gewirkt hast.30 Von deinem Tempel aus zu Jerusalem werden die Könige dir Geschenke bringen!Der Tempel wird Mittelpunkt der Welt sein. -31 Bedrohe die Tiere des Schilfs;Das Schilf ist an sich schon Sinnbild Ägyptens, noch viel mehr also die Tiere des Schilfes: Krokodil oder Nilpferd. - es rottet sich zusammen die Schar der StiereBild der Könige. - unter den Kühen der Völker,Hebr.: Kälbern. – Zu dem Worte aus dem Tierreich wird die Deutung beigefügt. - dass sie die verdrängen, die erprobt sind wie Silber.Das Volk Gottes. - Zerstreue die Völker, welche die Kriege lieben!32 Gesandte werden aus Ägypten kommen, ÄthiopienBeispiele der mächtigsten Völker. - wird seine Hände eilends zu Gott erheben.33 Ihr Reiche der Erde, singet Gott! lobsinget dem Herrn, lobsinget Gott,Sela. – Die Unterwerfung bringt den Völkern Segen. -34 der über den höchsten Himmel hinauffährt dem Aufgange zu!Gott erhebt sich in die höchsten Himmel, wo er thront, von Osten aus, der Gegend des Lichtes. Hebr.: Der einherfährt in den Himmeln, den Himmeln des Urbeginns. Vergl. [5Mos 33,26]. - Sehet, er lässt seine Stimme, eine gewaltige Stimme, erschallen.So dass seine Botschaft weithin dringt. Seine Allmacht herrscht über alles. -35 Gebet Gott Ehre, dessen Herrlichkeit über IsraelEs schützend. - und dessen Macht in den Wolken ist!Der folgende Vers enthält die Antwort der Reichen der Erde. -36 Wunderbar ist Gott in seinem Heiligtume,Hebr.: Furchtbar ist Gott von deinem (Anrede an Israel) Heiligtume. - der Gott Israels verleiht seinem Volke Stärke und Kraft. Gepriesen sei Gott.Die letzten Worte sind vielleicht liturgischer Zusatz.