Psalmen 71

1. Voll Vertrauen auf Gott, der von Jugend auf sein Beschützer gewesen, bittet der Dichter, der Herr wolle ihn der Macht seiner Feinde entreißen. (V. 6) Aus so vielen Gefahren zum Staunen der Menschen wunderbar errettet, hofft er zuversichtlich, auch jetzt in seinem Alter nicht verlassen zu werden, wenn auch die Feinde seinen Untergang für nahe halten. (V. 12) 2. Bitte an Gott, der Herr wolle des Sängers Feinde zuschanden werden lassen, damit dieser zu den früheren Lobpreisungen neue füge und Gottes Macht den künftigen Geschlechtern verkünde. (V. 18) Auch Gottes Gerechtigkeit, die ihn stets erhalten, will er preisen, sobald seine Feinde zuschanden geworden.

Ein Psalm Davids, der Söhne Jonadabs und der ersten Gefangenen. Der Psalm kann der ersten Überschrift entsprechend von David herstammen, da er fast ganz ein Widerhall älterer Psalmworte ist, indes fehlt im hebr. Texte die Beifügung. Der zweite Teil der Überschrift beruht wohl auf Überlieferung, nach ihm war der Psalm ein Lieblingslied der Rechabiten, vergl. [Jer 35, 2Koe 10,15], und der ersten Weggeführten (ob der assyrischen oder babylonischen, wird nicht gesagt). Aus letzterem Grunde halten manche den Psalm für ein Werk des Propheten Jeremias. Vers 1-3 ist aus [Ps 30,2-4], Vers 5,6 aus [Ps 21,10-11] entnommen. Zu V. 12 vergl. [Ps 21,12a] und [Ps 69,2]; zu V. 13 [Ps 39,15, Ps 34,4.26]. - Auf dich, Herr! hoffe ich, lass mich nimmermehr zuschanden werden, Hebr.: so werde ich nicht zuschanden werden. - um deiner Gerechtigkeit willen befreie mich und rette mich. O, neige mir dein Ohr zu und hilf mir! Sei mir ein schirmender Gott, eine feste Stätte, dass du mir helfest, Hebr.: Werde mir zu einem Felsen des Obdachs, stets (dahin) zu kommen, der du verordnet hast mir zu helfen. - denn meine Feste und meine Zuflucht bist du. Mein Gott! befreie mich aus der Gewalt des Sünders und aus der Gewalt dessen, der wider das Gesetz handelt, und des Gottlosen. Hebr.: Vergewaltigers. - Denn du bist meine Zuversicht, o Herr! meine Hoffnung, o Herr, von meiner Jugend an! Auf dich bin ich gestützt vom Mutterschoße an, vom Mutterleibe an bist du mein Beschirmer. Dir gilt mein Lobgesang immerdar. Wie ein Wunder bin ich vielen geworden, denn du bist ein starker Helfer. Mein Mund sei voll deines Lobes, dass ich deine Herrlichkeit besinge, deine Größe immerdar. Verwirf mich nicht zur Zeit des Alters; wenn meine Kraft hingeschwunden, verlass mich nicht! Denn meine Feinde sprechen über mich, und die auf mein Leben lauern, halten Rat miteinander, sprechend: Gott hat ihn verlassen! Verfolgt und ergreifet ihn, denn niemand ist, der ihn rette! Gott, sei nicht fern von mir, mein Gott, habe acht auf meine Hilfe! Es mögen beschämt werden und umkommen, die mir übel nachreden, mit Schmach und Schande bedeckt werden, die mein Unglück suchen. Hebr.: die meine Seele befeinden. Steigerung: beschämt werden, umkommen, mit Schmach umkommen. - Ich aber will allezeit vertrauen und all dein Lob immerdar noch mehr singen. Mein Mund soll deine Gerechtigkeit verkünden, immerfort dein Heil, Hebr.: dich allein. - denn ich vermag nicht sie zu beschreiben. Durch keine Schrift sie zu erschöpfen, darum will ich sie mit gesprochenen Worten beschreiben. Hebr.: Nicht kenne ich ihre Zahl – deine Güte ist unermesslich. - So will ich betrachtend eingehen auf die Machterweise des Herrn, deiner Gerechtigkeit, o Herr! allein gedenken. O Gott! du hast mich unterwiesen von meiner Jugend an und bis hierher verkünde ich deine Wunder. So verlass mich auch bis ins Alter und bis zum Greisentum nicht, o Gott! bis ich allen kommenden Geschlechtern deine Stärke Dein mächtiges Eingreifen in die Geschichte der Menschheit. - verkünde, deine Macht Dein sicheres Erreichen jedes von dir gewollten Zieles. - und deine Gerechtigkeit, o Gott! bis zum Himmel, Reicht bis zum Himmel, was du Großes getan, Gott, wer ist wie du? Der Gedanke der Verkündigung erfasst den Psalmisten derart, dass er alsbald denselben in einem Lobgesang fortführt. - was du Großes getan. Gott! wer ist dir gleich? Wie viel schlimme Drangsal hast du mich schauen lassen! Doch du belebst mich wieder neu und ziehst mich wieder aus den Tiefen der Erde Für den Psalmisten Bild der äußersten Todesgefahr, in der man fast schon in der Unterwelt ist. - empor. Du mehrst noch reicher deine Herrlichkeit Meine Würde, indem du mich vor meinen Feinden rechtfertigtest. - und wirst wiederum mein Trost. So will ich denn dir zu Ehren im Psalterspiel deine Treue preisen, o Gott! dir lobsingen auf der Harfe, o Heiliger Israels! Meine Lippen sollen frohlocken, wenn ich dir singe, und meine Seele, die du erlöst hast. Auch meine Zunge soll immerfort deine Gerechtigkeit verkünden, wenn beschämt und zuschanden werden, die mein Unglück suchen. Psalm 70 wird von den lateinischen Vätern in typischem Sinne von dem leidenden Heilande (in seinem Todeskampfe) verstanden.

Zitiert in 22