Psalmen 74

1. Flehentliche Bitte, dass Gott sich seiner Herde, über die sein Zorngericht ergangen, wieder erbarmen wolle. (V. 3) Schilderung des am Tempel geübten Zerstörungswerkes. (V. 8) 2. Klage, dass Gott sein Volk in dieser Leidenszeit verlassen (V. 11), und flehentliche Bitte, dass Gott, der ewige König seines Volkes, der seine Macht bei dem Auszuge aus Ägypten und in den Werken der Schöpfung offenbart hat (V. 11), sich der Seinigen und seines Bundes mit ihnen erinnern, für sie eintreten und den wachsenden Hochmut der Feinde zurückweisen wolle.

Eine Unterweisung Maskil (Bezeichnung einer Liedergattung). - Asaphs. Vor einem der Nachkommen des [1Chr 16,7] erwähnten Asaph wohl bald nach der Zerstörung des Tempels durch Nabuchodonosor. Die Prophezeiung des [Jes 64,2-12] erscheint als eine Zusammenfassung dieses Psalmes. - Warum, o Gott! hast du uns auf immer So andauernd, dass es scheinen könnte, auf immer. - verworfen und ist dein Zorn wider die Schafe deiner Weide entbrannt? Gedenke deiner Gemeinde, welche dein Eigentum ist von Anfang her. Von Abraham an. - Du hast sie als den Anteil deines Erbes erlöst; In Ägypten. [2Mos 15,17] - es ist der Berg Sion, Hebr.: Des Berges Sion. - auf dem du wohnst. Erhebe beständig deine Hände gegen ihre maßlos stolzen Taten. Wieviel Böses hat der Feind im Heiligtume verübt! Hebr.: Erhebe deine Schritte (komm mit eiligem Schritte) zu den ewigen Trümmern, alles hat der Feind verdorben in deinem Heiligtum. - Es prahlten, die dich hassen, in der Mitte deiner Feste. Hebr.: Es brüllen (wie Löwen) deine Widersacher inmitten deiner Versammlungsstätte. - Sie stellten ihre Zeichen auf als Siegeszeichen und handelten vernunftlos wie in den Toren, so auf den Zinnen des Tempels. Wie im Walde hieben sie mit Äxten seine Des Tempels. - Tore insgesamt aus, mit Beil und Axt stürzten sie die heilige Wohnung nieder. Hebr.: Es sah aus, wie wenn man emporschwingt im Baumdickicht Äxte, und jetzt sein Schnitzwerk zusamt mit Beil und Äxten zerschlugen sie es. - Sie steckten dein Heiligtum in Brand, entweihten die Wohnung deines Namens, Das Heiligste und Allerheiligste. - sie dem Boden gleichmachend. Hebr.: Sie haben den ganzen Tempel niedergebrannt und dann die heiligen Reste mit Füßen getreten. - Sie dachten in ihrem Sinne, ihr ganzes Geschlecht allzumal: Lasset uns alle Festtage Gottes im Lande abschaffen! Hebr.: Wir wollen sie ausrotten zumal, sie verbrannten alle Gotteshäuser im Lande. – Dies geschah durch die Zerstörung des Tempels, der als Opferstätte der Mittelpunkt der Gottesverehrung war. - Unsere Zeichen Gegensatz: Ihre Zeichen V. 4. Es sind wohl die gottesdienstlichen Ordnungen, die zu ihrem Schmerze verschwunden sind. - sehen wir nicht, kein Prophet ist mehr da, und Er Gott. - kennt uns nicht mehr! Wie lange, o Gott! soll der Feind lästern, Hebr.: und keiner von uns weiß, bis wann? - soll der Widersacher deinen Namen beständig erbittern? Höhnen. - Warum ziehst du deine Hand Linke Hand. - und deine Rechte zurück von deines Busens Mitte ganz und gar? Gott trug Israel bisher als seinen Liebling an seinem Busen, jetzt hat er beide Hände zurückgezogen, auf seinen Rücken gelegt und seinen Liebling (seines Busens Mitte) fallen lassen. - Gott ist ja unser Hebr.: mein. - König von jeher, hat Heil gewirkt inmitten der Erde. Du hast in deiner Kraft das Meer festgestellt, Hebr.: gespalten. - hast der Drachen Des Krokodils. Dieses ist Sinnbild der Ägypter. - Köpfe in den Wassern zerschmettert. Du hast der Drachen Des Leviathan, des Krokodils. - Köpfe zerschmettert, sie den Völkern Äthiopiens Hebr.: dem Volke der Wüstentiere. - zum Fraß gegeben. Du ließest Quellen und Ströme hervorbrechen, du ließest die Flüsse Ethans Hebr.: Nie versiegende Ströme. Der Plural ist poetisch. Der Jordan versiegt nie in der heißen Jahreszeit. Erinnerung an [Jos 3,14ff]. Vulg.: Du schaffest Flüssen wie denen zu Ethan Wasser und lässt sie austrocknen. Dies sind Erweise der Allmacht Gottes. Ein Ort Ethan ist unbekannt, vielleicht dachte die Septuag. an Etham [2Mos 13,20], dann sind die Flüsse das rote Meer. - versiegen. Dein ist der Tag und dein ist die Nacht, du hast das Morgenrot Hebr.: den Lichtträger (der Sonne), den Mond. - und die Sonne geschaffen. Du stelltest alle Grenzen der Erde fest, Sommer und Frühling hast du geschaffen. Sei dessen eingedenk: der Feind schmäht den Herrn und ein törichtes Volk Das dich nicht kennen will. - reizt Verachtet. - deinen Namen. Gib nicht den Raubtieren die Seelen derer, die dich bekennen, preis und die Seelen deiner Armen Hebr.: deiner Taube. - vergiss nicht auf immer. Schaue hin auf deinen Bund, denn die in Finsternis dahinlebenden Bewohner des Landes haben Überfluss an Wohnungen der Ungerechtigkeit. Die innerlich umdunkelten Bewohner des Landes haben Überfluss an Wohnungen, haben sich die der Israeliten widerrechtlich zugeeignet. Besser das Hebr.: Denn voll sind die Winkel des Landes von Stätten der Gewalttat – auch in die verborgensten Schlupfwinkel des Landes verfolgen uns die Feinde und üben Gewalt an uns. - Lass den Unterdrückten Das dich anflehende Volk Israel. - nicht mit Schanden abgewiesen werden, Seine Sache ist ja die deine. der Arme und Hilflose werden deinen Namen preisen. Erhebe dich, o Gott! entscheide deine Sache, gedenke der Schmach, die dir die Toren unaufhörlich zufügen. Vergiss nicht das Geschrei deiner Feinde, der Hochmut derer, die dich hassen, steigt fort und fort.

Zitiert in 5