Psalmen 78

1. Eingang: Mahnung auf die vorzutragende Lehre zu achten. Ziel derselben: die stete Erinnerung an Gottes Großtaten. (V. 8) Die Ephraimiten haben Gottes Bund verletzt, ähnlich wie ihre Väter beim Auszuge aus Ägypten. (V. 12) 2. Hartnäckigkeit der Väter und Strafen derselben: (V. 40) Trotz aller göttlichen Wohltaten (V. 16) sündigten sie, Gott versuchend (V. 20), weshalb ihnen Gott ihrem Begehren gemäß Manna und Wachteln sandte (V. 28), sie indes zugleich strafend. (V. 31) Ja, da sie sich nicht besserten, ließ er sie alle in der Wüste sterben, doch auch in der Strafe seine Barmherzigkeit offenbarend. (V. 40) 3. Strafe für die Hartnäckigkeit der Ephraimiten (V. 72): die Ephraimiten vergaßen Gottes Taten in Ägypten (V. 52) und die Verleihung des gelobten Landes (V. 56), wendeten sich von Gott ab, Götzenbilder verehrend, und zogen ein schweres Strafgericht auf sich herab. (V. 64) Endlich erbarmte sich Gott, gleichsam aus dem Schlafe aufwachend, wieder seines Volkes und vernichtete dessen Feinde, aber verwarf zugleich das frühere Heiligtum und wählte sich den Berg Sion und verwarf den Stamm Ephraim und erwählte David seinen Diener.

Eine Unterweisung Asaphs. Maskil, bestimmte Liederform. Wohl gedichtet nach dem Aufstande der nördlichen Stämme. [2Sam 20] - Habe acht, mein Volk! auf meine Lehre, neiget euer Ohr den Worten meines Mundes! Ich will meinen Mund zur Spruchrede auftun, Rätsel aussprechen von uralter Zeit. Er will die Geschichte des Volkes sinnspruch- und rätselartig vortragen, so dass sie zu einer Lehrgeschichte und ihre Ereignisse zu einem Spiegel für die Gegenwart werden. – Dieser Vers wird [Mt 13,35] (wohl nach dem Hebräischen) angeführt, da Asaph in dieser Lehrweise ein Typus Christi war, der in derselben die ewigen Ratschlüsse Gottes kundtat. - Was wir gehört und erfahren und unsere Väter uns erzählt haben, soll nicht verborgen sein vor ihren Kindern im kommenden Geschlechte. Hebr.: wollen wir ihren Kindern nicht verhehlen, der Nachwelt erzählend das Lob des Herrn. - Wir erzählen das Lob des Herrn und seine Macht und seine Wundertaten, die er vollbracht. Denn er hat ein Zeugnis in Jakob aufgerichtet, ein Gesetz in Israel gegeben, worin er unseren Vätern geboten, diese ihren Kindern kundzugeben, damit das spätere Geschlecht es erfahre, die Kinder, welche geboren werden würden, damit sie auftreten und ihren Kindern davon Kunde geben, Hebr.: Denn er hat ein Gesetz erlassen, in dem er unsern Vätern auftrug, sie (die Großtaten) kundzugeben ihren Söhnen, auf dass das kommende Geschlecht sie erkenne, die Söhne, die geboren werden, diese (dann) auftreten und sie ihren Kindern erzählen. – Die Pflicht, die Wundertaten zu überliefern, wird durch ein göttliches Gebot begründet dessen Ziel es ist durch das Andenken an jene das Vertrauen zu Gott zu erhalten. - auf dass diese auf Gott ihr Vertrauen setzen und nicht der Werke Gottes vergessen und seine Gebote beobachten, und nicht werden wie ihre Väter, ein boshaftes und erbitterndes Geschlecht, ein Geschlecht, das kein gerades Herz hatte und dessen Geist nicht treu hielt an Gott. Die Söhne Ephrems, Schützen, die den Bogen spannten, Hebr.: gerüstete Bogenschützen. - ergriffen am Tage des Kampfes die Flucht. Gegensatz zu der eben gegebenen Schilderung. Gemeint ist wohl zunächst die [1Sam 4] erwähnte Niederlage. (Vergl. V. 60, 61) Die Ephraimiten zeigten stets eine große Neigung zur Empörung gegen Gott und zu Gewalttaten gegen andere Stämme. [Rich 8,1, Rich 12,1-6] Auch zu den Bürgerkriegen [2Sam 2-4] trugen sie erheblich bei und führten die Teilung des Reiches herbei. - Sie Die Väter. - hielten den Bund Gottes nicht und wollten in seinem Gesetze nicht wandeln und sie vergaßen seiner Wohltaten und seiner Wunder, die er sie hatte schauen lassen. Vor ihren Vätern Zwar sind alle Stämme schuldig, zwar ist das ganze Volk undankbar gewesen, aber am schwersten trifft dieser Vorwurf den Stamm, den Jakob schon bevorzugt hat [1Mos 48,19], der von Moses [5Mos 33,13-17] besonders geehrt ward, in Josue alle übrigen Stämme leitete und zur Zeit der Richter von Gott erwählt ward zu Heldentaten. - hatte er Wunder getan im Lande Ägypten, im Gefilde von Tanis. Hebr.: Gefilde Zoans. - Er spaltete das Meer und führte sie hindurch und ließ die Wasser stehen wie in einem Schlauche. Hebr.: wie einen Garbenhaufen. - Und er führte sie mit der Wolke des Tags und die ganze Nacht mit leuchtendem Feuer. Er spaltete den Felsen in der Wüste und tränkte sie mit tiefen Fluten. Und er ließ Wasser aus dem Felsen hervorkommen und Wasser niederrinnen gleich Strömen. Doch sie fuhren fort Mit der Spendung von Wasser aus dem Felsen war das Murren verbunden. [4Mos 20,13, 4Mos 27,14, 5Mos 32,16] - wider ihn zu sündigen, reizten den Allerhöchsten zum Zorne in der wasserleeren Wüste. Und sie versuchten Gott in ihren Herzen, indem sie Speise verlangten nach ihren Gelüsten; Vergl. [2Mos 16] und [4Mos 11] und [4Mos 21]; sie versuchten Gott, indem sie ungläubig und trotzig in sinnlicher Gier forderten, statt gläubig zu erbitten. Und statt durch die bisherigen Wunder zu Gott gezogen zu werden, wurden diese für die Anlass zum Zweifel. - und sie redeten Schlimmes wider Gott und sprachen: Sollte wohl Gott in der Wüste einen Tisch zurichten können? Denn wohl schlug er den Felsen, dass Wasser floss und Bäche sich ergossen, aber vermag er auch Brot zu geben oder seinem Volke einen Tisch zuzurichten? Hebr.: Fleisch zu verschaffen? - Darum, als der Herr dies hörte, zögerte er Die Ungläubigen und Lüsternen in das Land der Verheißung zu führen. – Nach anderen: schob er sie beiseite, zerstreute er sein Volk. Hebr. (was den besten Sinn gibt): er entrüstete sich. - und es entbrannte ein Feuer wider Jakob und Zornesglut stieg auf gegen Israel, weil sie Gott nicht glaubten und auf seine Hilfe Die sie in Ägypten erfahren. - nicht hofften. Und er gebot Trotzdem sie ungläubig waren, blieb Gott doch treu. - den Wolken dort oben und öffnete die Pforten des Himmels und ließ für sie Manna zur Speise regnen und gab ihnen Brot vom Himmel. Hebr.: Korn vom Himmel. Korn heißt das Manna wegen der Ähnlichkeit der Gestalt. Vom Himmel: der oberen Luftschicht. Etwas anders lautet die Anführung [Joh 6,32]. - Brot der Engel Der Starken (der Engel, der Streiter Gottes), weil es von der Wohnung der Engel herabkam. - aß der Mensch, Speise sandte er ihnen im Überflusse. Er ließ den Südwind vom Himmel Ursprung des Windes in den Höhen. - aufbrechen und führte durch seine Stärke den Nordwind herbei. Nach dem Hebräischen kamen die Wachteln von Ost und Süd. - Und er ließ Fleisch auf sie herabregnen wie Staub und wie Meeressand gefiederte Vögel. Mitten in ihr Lager Hebr.: Im Umkreise ihres Lagers. - fielen sie, rings um ihre Zelte her. Da aßen sie und wurden übersatt und er erfüllte ihnen ihre Gelüste, nicht wurde ihr Wunsch Der Gegenstand ihres Wunsches. - ihnen vorenthalten. Aber noch war ihre Speise in ihrem Munde, da erhob sich der Zorn Gottes wider sie Der Gang der Ereignisse ist nicht ganz innegehalten, da die Spendung des Manna dem Feuer V. 21 vorherging. Gemeint ist hier das dem Manna unmittelbar vorausgehende erste Erscheinen der Wachteln [2Mos 16], aber die Beschreibung folgt dem zweiten. [4Mos 11,31] - und er tötete ihre Starken Die Angesehensten. - und lähmte Hebr.: schlug nieder. - die Auserwählten Israels. Die Jünglinge. - Trotz alledem sündigten sie fort und glaubten nicht an seine Wunder. Darum schwanden ihre Tage in Vergänglichkeit dahin und ihre Jahre in Hast. Alle, die über zwanzig Jahre alt waren, sollten in der Wüste sterben. [4Mos 14,28-34] - Wenn er den Tod unter sie schickte, Wenn ein besonderes Strafgericht über das ohnehin dahinsterbende Geschlecht kam und viele zugleich hinwegnahm, z.B. [4Mos 21,6ff]. - so suchten sie Die vom Tode noch verschonten. - ihn und kehrten um und kamen in der Frühe Frühzeitig, rasch. - zu ihm und gedachten, dass Gott ihr Helfer und Gott, der Allerhöchste, ihr Erlöser sei. Aber Der Anfang war gut, doch die Umkehr war nur eine augenblickliche. - sie liebten ihn nur mit ihrem Munde und logen ihm mit ihrer Zunge. Sie suchten ihn mit schönen Reden zu beschwichtigen und bewiesen sich nicht treu in dem Bundesverhältnisse zu ihm. - Ihr Herz jedoch war nicht aufrichtig gegen ihn Hebr.: standhaft mit ihm. - und sie wurden nicht treu erfunden in seinem Bunde. Im Bunde mit ihm. - Doch er ist barmherzig und verzeiht ihre Sünden und vernichtet sie nicht. Und er wandte vielmals seinen Zorn ab und ließ seinen ganzen Grimm nicht entbrennen. Und er gedachte, dass sie Fleisch Es war die sinnliche Lust, durch die Israel einmal über das andere betört ward. - sind, ein Hauch, der dahingeht und nicht wiederkehrt. Wie oft erbitterten sie ihn in der Wüste, reizten ihn zum Zorne in der Einöde! Immer wieder versuchten sie Gott und erbitterten den Heiligen Israels. Gegensatz: die vielen Erweisungen von Gutem seitens Gottes und die Beweise der Undankbarkeit des Volkes. - Sie gedachten nicht seiner Hand am Tage, Erhöhung des Undankes. Im Hebr.: des Tages. Es ist der Tag der Befreiung aus Ägypten, von der der Psalmist V. 42-52 handelt. - da er sie aus der Hand des Drängers befreite, wie er seine Zeichen in Ägypten tat und seine Wunder im Gefilde von Tanis. Er wandelte ihre Flüsse Der Nil und seine Arme. - in Blut und ihre Regenbäche, Zisternen und dergleichen. - dass sie nicht daraus trinken mochten. Er sandte unter sie Hundsfliegen, die sie fraßen, und Frösche, die über sie Verderben brachten. Er gab ihre Frucht dem Brande Hebr.: der Grille. - preis und den Ertrag ihrer Arbeit den Heuschrecken. Er vernichtete ihre Weinberge durch Hagel und ihre Maulbeerbäume durch Schloßen. V. 44 schildert die erste ägyptische Plage, V. 45 die vierte und die zweite, V. 46 die achte, V. 47 die siebente, deren Beschreibung V. 48 fortgesetzt wird. [2Mos 9,25] wird weder Rebe noch Feige genannt, der Psalmist malt den Bericht weiter aus. - Er gab ihr Vieh dem Hagel preis und ihre Habe Viehbesitz. - - dem Feuer. [2Mos 9,24] - Er entsandte über sie die Glut seines Zornes, Zorn und Grimm und Drangsal, Schickungen durch schlimme Engel. V. 49-51 wird die fünfte ägyptische Plage, die Pest [2Mos 9,1-7] mit der zehnten [2Mos 11, 2Mos 12] verbunden. – Hebr.: Eine Sammlung von Unglücksengeln (Unheil bringenden, nicht bösen Engeln). Die Vulgata bezeichnet die Engel als Vermittler der Strafe. - Er ließ seinem Zorne freien Lauf, entzog ihre Seelen nicht dem Tode und überantwortete ihr Vieh Hebr.: Ihr Leben. - dem Tode. Er schlug alle Erstgeburt im Lande Ägypten, die Erstlinge all ihrer Arbeit Ihrer Muttermühen, hebr.: Manneskraft. - in den Gezelten Chams. Er führte sein Volk wie Schafe hinweg und leitete sie wie eine Herde in der Wüste und führte sie in Zuversicht, dass sie sich nicht fürchten durften, während das Meer ihre Feinde bedeckte. Er brachte sie zu seinem heiligen Berg, Nach dem gelobten Lande, das wegen seiner gebirgigen Lage ein Berg (Gebirge) heißt. Vergl. [2Mos 15,17, 5Mos 3,25] und nach Sion [Ps 75,3]. Hebr.: zu seinen heiligen Grenzen. - dem Berge, den seine Rechte erworben. Er vertrieb vor ihrem Angesichte die Völker und verteilte ihnen das Land durch das Los mit der Messschnur und ließ in ihren Der Völker. - Hütten die Stämme Israels wohnen. Aber sie Die Kinder der in der Wüste Gestorbenen, die, welche das Land Kanaan eingenommen, die Israeliten zur Zeit der Richter. - versuchten und erzürnten Gott, den Allerhöchsten, und beobachteten seine Anordnungen nicht. Sie wandten sich ab und hielten den Bund nicht und wandten sich wie ihre Väter um wie ein schlechter Bogen. Hebr.: wie ein Bogen des Trugs. Vergl. [Hos 7,16]. Trotz aller Wohltaten, die sie von Gott erhalten, wendeten sie sich von diesem ab dem Baal zu. - Sie reizten ihn zum Zorne durch ihre Höhen und erregten seine Eifersucht durch ihre geschnitzten Bilder. Da Gott dies hörte, Sah. - verwarf er Leistete er Israel keinen Beistand mehr. - und vernichtete er Israel. Hebr.: entrüstete er sich und ward Israels gar überdrüssig. - Und er verwarf das Zelt zu Silo, In der Richterzeit war zu Silo das Stiftszelt aufgestellt [Jos 18,1] und wohl zur Zeit Helis ein festes Tempelhaus [1Sam 1-3], das wohl erst zur Zeit der ersten Gefangenschaft zerstört ward. Die Verwerfung Silos ist nicht auf die Wegführung der Bundeslade [1Sam 4] zu beschränken, da diese vorzugsweise eine Strafe für die Hohenpriester aus der Familie Ithamars für ihre und Israels Vergehungen war, sondern entschied sich besonders dadurch, dass die Bundeslade, als die Philister sie zurücksandten, nicht nach Silo zurückkehrte. - sein Zelt, wo er unter den Menschen seine Wohnung aufgeschlagen, und gab ihre Macht in Gefangenschaft und ihre Zierde Israels Macht und Auszeichnung war die Bundeslade. Hebr.: seine Macht, seine Herrlichkeit; weil Gott dort thronte. - in die Gewalt der Feinde. Und er überantwortete sein Volk dem Schwerte und wandte sich von seinem Erbe. Ihre Jünglinge fraß das Feuer Das Kriegsfeuer. [4Mos 21,28] u.a. - und ihre Jungfrauen werden nicht betrauert. Dass sie sterben mussten? Oder: dass sie der Ehre der Mutterschaft nicht teilhaftig wurden? Besser das Hebr.: ihren Jungfrauen sang man kein Brautlied. - Ihre Priester fielen durch das Schwert und ihre Witwen wurden nicht beweint. Besser wohl ist das Hebr. zu übersetzen: konnten nicht weinen. Die Witwen der Erschlagenen konnten im Schrecken des Krieges keine Totenklagen halten. - Da erwachte der Herr wie ein Schlafender, wie ein Held, der vom Weine reichlich genossen. Und sich so gestärkt hat. Hebr.: aufjubelnd vom Wein. - Und er schlug seine Feinde auf den Rücken, [1Sam 5,6ff] - ewige Schande brachte er über sie. Und er verwarf das Zelt Josephs Als die Bundeslade von den Philistern zurückgesendet, wieder eine feste Stätte erhalten sollte. Ephraim war ein Sohn Josephs. - und erwählte den Stamm Ephraim nicht, sondern erwählte den Stamm Juda, den Berg Sion, Der Berg Sion lag eigentlich in dem benjamitisch-judäischen Jerusalem. [Jos 15,63, Rich 1,8.21] - den er liebte. Und er baute in dem Lande, das er auf ewig gegründet, sein Heiligtum wie der Einhörner Horn, Besser nach dem Hebr.: Er baute wie Himmelshöhe sein Heiligtum, wie die Erde, die er gegründet auf ewig. – Wenn Himmel und Erde manchen Wandlungen unterliegen, so gilt das „auf ewig“ nicht von dem Gebäude des Tempels, sondern von der Stätte der Offenbarung Jahves und seinem Wohnen in Juda, da nach der Synagoge die christliche Kirche sein Tempel geworden ist. – Auch die Septuag. und Vulg. wollen die unerschütterliche Festigkeit durch das Bild des Einhorns bezeichnen. - und erwählte David, seinen Diener, und nahm ihn von den Schafherden Hebr.: von hinter Säugenden weg. Vulg.: Hinter Schafen, die geboren hatten. Die Schafmütter bedürfen besonderer Sorgfalt. - weg, von säugenden Schafen holte er ihn hinweg, dass er seinen Diener Jakob weide, Israel, sein Erbe. Und er weidete sie nach der Unschuld seines Herzens und leitete sie mit kundiger Hand. Schon hat David sich in den Tagen des Dichters bewährt.

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