Psalmen 90
Biblia Sacra (Allioli-Arndt)
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Gott ist stets die Zuflucht seines Volkes gewesen. (V. 1) a. Wie hinfällig und im Vergleich zur Ewigkeit Gottes kurz ist des Menschen Leben! (V. 6) Und dennoch will der Herr in seinem Zorne diesen kurzen Zeitraum noch gleichsam abschneiden? (V. 12) b. Bitte an Gott, den Übriggebliebenen wieder seine Barmherzigkeit zu erweisen und die frühere Freude wieder zu gewähren.
1 Gebet Moses, des Mannes Gottes. Vergl. [5Mos 33,1, Jos 14,6]. Nach Hieron. und der jüd. Tradition hat Moses den Psalm verfasst, als das Volk sich in der Wüste gegen den Einzug nach Kanaan auflehnte und Gott zur Strafe bestimmte, dass alle, die das 20. Jahr überschritten, in der Wüste sterben sollten. [4Mos 14,26ff] - O Herr! du bist unsere Zuflucht Hebr.: Obdach, Wohnung – wo Schutz und Ruhe geboten wird. - gewesen von Geschlecht zu Geschlecht. 2 Ehedenn die Berge wurden und die Erde gebildet ward und ihr Umkreis, Das fruchttragende Land. - bist du, Gott! von Ewigkeit zu Ewigkeit. Vers 3 schildert die Allmacht Gottes, V. 4 die Überzeitlichkeit (Allgegenwart Gottes in der Zeit). - 3 Verstoße den Menschen nicht zur Niedrigkeit, Erniedrigung durch die Sünde. - du, der ja gesagt: Die Bitte wird Erhörung finden, denn sie gründet sich auf Gottes Willen, dass die Sünder sich bekehren. Mit der Sünde hört auch die Folge derselben, das zeitliche Unglück, auf. - Bekehret euch, ihr Menschenkinder! Hebr.: Du wandelst Sterbliche in Staub und sprichst: Kommet wieder, Menschenkinder. - 4 Denn tausend Jahre sind in deinen Augen wie der gestrige Tag, der vorübergegangen ist, Wie uns der vergangene Tag erscheint, wenn wir auf ihn zurückblicken, so Gott tausend Jahre, die vorübergegangen. - und wie eine Wache in der Nacht. Die Nacht zerfiel in drei (später zur Römerzeit in vier) Wachen. Der Bruchteil einer Nacht geht dem Schlafenden vorüber wie ein Augenblick. - 5 Was für nichts vor ihnen geachtet wird, das sind Jahre. Jahre gelten wie nichts in deinen Augen. Den Gegensatz bilden V. 6, V. 7. - 6 Wie das Gras am Morgen hervorwächst, am Morgen blüht, um abzusterben, am Abend abwelkt, hart wird und verdorrt, So vergeht auch der Mensch. Ohne Bild: In der Jugendzeit kann der Mensch von Gesundheit strotzen und doch schnell dahinsterben, am Abend des Lebens steht jedem der Tod bevor. Hebr.: Du schwemmst sie hinweg, Schlaf (Traum) werden sie am Morgen gleich dem Grase wieder sprossend. Am Morgen grünt es und sprosst wieder, am Abend schneidet man es und es verdorrt. (Ein Geschlecht geht unter wie in Fluten, ein anderes wächst heran, doch auch ihm geht es ähnlich.) - 7 So schwinden wir dahin durch deinen Zorn und sind verstört durch deinen Grimm. Die ganze Gemeinde. Vergl. [4Mos 14,26ff, 5Mos 1,34-39]. - 8 Du stellst unsere Missetaten vor deine Augen, die Zeit unseres Lebens Unsere Handlungen. (Hebr.: Unser Verborgenes.) - in das Licht deines Angesichtes. Gottes Angesicht ist die Herrlichkeit seines der Welt zugewandten Wesens, Gnadenlicht für die Frommen, durchdringende Offenlegung des Gottwidrigen. - 9 Denn alle unsere Tage schwinden dahin, wir vergehen durch deinen Zorn, unsere Jahre mühen sich ab wie eine Spinne; So fruchtlos wie eine Spinne, ohne dauernden Erfolg. Wir bemühen uns im Leben um Dinge so wertlos wie Spinnengewebe, oder: Hebr.: denn alle unsere Jahre sind hingeschwunden durch deinen Zorn. Wir haben verlebt unsere Jahre gleich einem Lispeln. (Das kaum hervorgegangen, schon vergangen ist.) - 10 die Zeit unserer Jahre ist siebzig Jahre und aufs höchste achtzig Jahre und was darüber hinaus ist, Hebr.: Ihr Stolz (alles worauf wir stolz sind: Reichtümer, Ehre usw.) ist Mühsal und Nichtigkeit, denn eilends ging es vorüber und wir flogen dahin. - ist Mühsal und Schmerz; denn die Milde kommt und wir werden hingerafft. Oder: werden belehrt (Hier.): Wenn der Herr kommt, urteilt er uns nicht nach Gerechtigkeit, sondern in Milde, und was Strafe scheint, ist Belehrung. - 11 Wer kann die Stärke deines Zornes und aus Furcht vor dir Hebr.: Deiner Furcht gemäß, gemäß der Furcht, die dir gebührt. - deinen Grimm bemessen? Wie lange er dauern wird. - 12 So gib denn so Da es sich so verhält, da fast niemand deine Strafe würdigt, lass uns Einsicht gewinnen in die von dir ausgehende Züchtigung (deine Rechte). - deine Macht kund Hebr.: Zu zählen unsere Tage lehre recht verstehen: Lass uns die Kürze des Lebens wohl erwägen und demgemäß leben. - und lass unser Herz in der Weisheit belehrt werden. 13 Kehre wieder, Herr! Indem Gott zürnt, hat er das Volk gleichsam verlassen. - Wie lange noch? Lass dich erbitten über deine Diener! 14 So werden wir am Morgen Unverhofft, plötzlich. - deine Gnade reichlich empfangen und frohlocken und uns alle unsere Tage freuen. 15 Wir werden uns freuen Hebr.: Erfreue uns. - nach Maß der Tage, in denen du uns gebeugt hast, der Jahre, in denen wir Unglück sahen. 16 Siehe auf deine Diener herab und auf deine Werke D.i.: deine Diener. - und lenke ihre Kinder! Hebr.: Sichtbar werde deinen Dienern dein Werk und deine Herrlichkeit über ihren Kindern. Vulg.: Lenke ihre Kinder auf den Weg des Glückes. - 17 Und der Glanz Hebr.: Huld. - des Herrn, unsers Gottes, leuchte über uns und die Werke unserer Hände fördere über uns, Augustinus: Über uns hinaus, hebe sie zu dir empor, damit wir dafür himmlischen Lohn empfangen. - ja das Werk unserer Hände wollest du fördern! Der Priester betet V. 16, V. 17 täglich in der Prim, dass Gott uns das Tag für Tag obliegende Werk der Erwerbung des himmlischen Kanaan wolle gelingen lassen.