Römer 1

I. Eingang des Briefes (Kap 1 V. 1 – 15): Aufschrift (V. 7), Danksagung und Bezeigung des Wohlwollens. (V. 15) II. Dogmatischer Teil: Die Gnade der Rechtfertigung wird allen dargeboten, welche glauben, aber auch nur diesen. (1,16 – 11,36) A. Gegenstand der Abhandlung und Einteilung derselben (V. 17) B. 1 Gott vermag allen Menschen das Heil zu gewähren: die Rechtfertigung kommt aus dem Glauben, ohne Verdienst, allen Menschen (1,18 – 4,25): a. Ohne Glaube an Christus keine Rechtfertigung (1,18 – 3,20): I. Die Heiden sind wegen ihres Götzendienstes und anderer Sünden dem göttlichen Zorne anheimgegeben (V. 32): Indem die Heiden die Wahrheit in Ungerechtigkeit niederhielten, fielen sie in Götzendienst. (V. 23) Wegen des Götzendienstes ließ Gott die Heiden in die schmählichsten Laster stürzen.

Paulus, Die Briefe des heil. Paulus beginnen fast stets mit der Angabe des Absenders und des Empfängers, welcher der Apostel einige den Umständen entsprechende Worte beifügt. Da der Apostel an eine Kirche schreibt, welche er nicht selbst gegründet hat, und die Römer dem Weltapostel unbekannt sind, erklärt er, warum er desungeachtet mit solchem Ansehen ihnen gegenüber auftrete, vergl. [Roem 15,15ff], nämlich weil er Apostel für alle Völker, also auch für die Römer sei, und bezeigt den Römern seine Liebe. Über den Namen Paulus siehe [Apg 13,9] - Diener Jesu Christi, berufener Apostel, auserwählt für das Evangelium Gottes, Während der Apostel in den übrigen Briefen seine Würde nur mit einem Worte bezeichnet, erklärt er dieselbe hier mit drei Namen. Diener Jesu Christi: der Name Diener Gottes bezeichnete im A. T. alle, welche sich als Verehrer Gottes bekannten [Ps 104,6, Ps 134,1], insbesondere aber diejenigen, welchen Gott ein besonderes Amt übertrug, wie Moses [5Mos 34,5] und die Propheten. [Amos 3,7] u. a. So ist der Name Diener Jesu Christi allen Christen gemeinsam, in besonderer Weise aber denen eigen, welche der Herr zu seinen Mithelfern erwählt hat. [Phil 1,1, Jak 1,1, Ju 1,1] Da nun auch Timotheus [Phil 1,1] und Epaphras [Kol 4,12] u. a. mit diesen Namen bezeichnet werden, fügt der heil. Paulus im zweiten Gliede sein besonderes Amt bei: berufener Apostel. Vergl. [Gal 1,1]. Selbst von Gott ausgewählt, d. h. berufen und mit natürlichen und übernatürlichen Gaben vor allen Menschen ausgerüstet und so in besonderer Weise befähigt, das Evangelium zu verkünden, dessen Urheber Gott ist, schreibt er als Gesandter desselben an die Römer: auserwählt für das Evangelium Gottes. - welches er voraus verheißen hatte durch seine Propheten in den heiligen Schriften, Die an alle Völker ergehende Verkündigung des Evangeliums war von den Propheten vorausgesagt, wie der Apostel weiter unten [Roem 10,12ff] aus den Propheten nachweist. Der Name Prophet steht hier für alle Verfasser der heiligen Bücher, in denen Gottes Verheißungen aufgezeichnet sind. - über seinen Sohn, Der Apostel beschreibt den doppelten Stand des Heilandes, den Stand der Erniedrigung und der Erhöhung. - welcher ihm aus dem Geschlechte Davids dem Fleische nach geworden ist, Diese Worte heben die Einheit der Person in zwei Naturen hervor. - der vorherbestimmt Besser: der erklärt worden ist (Chrys., Theoph.) Der Sinn dieses Verses ist sehr schwer zu bestimmen (Chrys.) Die Worte „nach dem Geiste der Heiligung“ bilden wohl den Gegensatz gegen die Worte des V. 3: „dem Fleische nach“ und bezeichnen die Gottheit des Herrn. (Orig., Tert., Aug.) So wird auch an anderen Stellen die Gottheit Christi Geist genannt. [1Tim 3,16, 1Petr 3,18] Verbinde: Über seinen Sohn (V. 3), nämlich Jesus Christus usw. Jesus: der menschgewordene Sohn Gottes, unser Erlöser. [Lk 1,31] Christus: der Messias. Unser Herr: Das griechische Wort wird in der Septuag stets für den Namen Jahve, welcher Gottes Wesen ausdrückt, gebraucht. Da derselbe hier von Christus steht, ist dieser also absoluter, göttlicher Herr. der Sinn des ganzen Verses ist: Der Sohn Gottes, welcher nach seiner menschlichen Natur der Sohn Davids geworden ist und während seines Erdenwandels seine Gottheit nur gleichsam schwach durchschimmern ließ, ist als machtvoller Sohn Gottes erklärt worden, und zwar durch die Auferstehung der Toten. Diese ist nämlich ein Werk Gottes, man mag an die Auferstehung Christi oder an die Auferstehung aller denken. Zunächst ist letztere gemeint, mittelbar aber auch die erstere, die der Anfang und das Unterpfand der Auferstehung der übrigen ist; denn ist das Haupt auferstanden, so werden auch die Glieder auferstehen. Christus schreibt sich die eigene und die Auferstehung der übrigen zu, vergl. [Joh 2,19, Joh 5,28], also offenbart er sich als Gott. - ist als Gottes Sohn in Macht nach dem Geiste der Heiligung aus der Auferstehung der Toten, über Jesus Christus, unsern Herrn, durch welchen Durch diesen, als Sohn Gottes Erwiesenen, also mit höchstem Ansehen Bekleideten. Vergl. [Mt 28,18ff]. Daher erklärt sich, wie der Apostel an die Römer mit Autorität schreiben kann: weil er von dem seine Sendung hat, dem alle Macht gegeben ist. „Gnade und Apostelamt“, d. i. die unverdiente Gnade des Apostelamtes. - wir Gnade und Apostelamt empfangen haben, um alle Völker Die Heidenvölker: der Apostel hatte die Berufung für alle Heidenvölker erhalten, indes zeigte ihm der Heil. Geist, zu welchem ihn zu seiner Zeit die göttliche Vorsehung führen wollte. - dem Glauben gehorsam zu machen, um seines Namens willen, Zur größeren Ehre und zur Verherrlichung seines Namens. - unter welchen auch ihr seid, Berufene Jesu Christi, Dies war das Ziel der ganzen Einleitung: Ich bin erwählt, den Heidenvölkern den Glauben zu bringen. Ihr seid nun aber Heiden gewesen, doch durch seine Gnade zum Glauben berufen, wie ich zum Apostelamte. (V. 1) So müsst ihr denn das annehmen, was ich euch schreibe. - allen, die zu Rom sind, Die Beifügung des Wortes alle hindert, dass die Judenchristen sich ausgeschlossen glauben. - den Geliebten Gottes, den berufenen Heiligen. Dies ist der Beweis der Liebe Gottes, dass er sie zur Heiligkeit berief (Aug.). - Gnade sei euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus! Der Apostel wünscht den Römern Gnade, denn diese führt zum Glauben und zum Heile und Frieden mit Gott, aus dem alle Tugend entspringt. Der Geber dieser Gaben ist der Sohn nicht minder als der Vater, beide also sind an Macht gleich (Theod.). - Zuerst danke ich meinem Gott durch Jesus Christus um euer aller willen, Ein wahrhaft frommes Herz bringt die Erstlinge aller guten Werke und Worte Gottes dar und sagt ihm für eigene wie für fremde gute Taten Dank. „Meinem Gott“, als ob diese Wohltat Paulus selbst widerfahren wäre. Der Apostel dankt durch Christus, weil die Danksagung in derselben Ordnung zu Gott emporsteigen muss, wie seine Gaben herabkommen (Thom.), nämlich durch unsern Hohenpriester Jesus Christus (Orig.). Deshalb beginnt der heil. Paulus damit alle seine Briefe, mit Ausnahme desjenigen an die Galater (Chrys.). Dem „zuerst“ entspricht kein „sodann“; doch folgt V. 10 der entsprechende Gedanke: Ich möchte euch aber doch noch einen geistigen Nutzen verschaffen. - weil euer Glaube in der ganzen Welt gerühmt wird. In der ganzen Welt, wo christliche Kirchen waren, lobte man die Römer, welche den Glauben bereitwillig angenommen hatten und standhaft festhielten (Thom.). - Denn Gott, dem ich in meinem Geiste durch das Evangelium seines Sohnes diene, Der Apostel sieht die Predigt gleichsam als priesterliches Amt an, durch welches er die Völker Gott als Opfer bereitet. Er dient Gott nicht nur mit den Lippen, sondern von ganzem Herzen. Diesen Gott, dem er sich zu einem so erhabenen Amte ganz geweiht hat, ruft er sicherlich nicht fälschlich als Zeugen an. Die Worte „dem ich diene“ usw. bilden also eine Verstärkung der Beteuerung. - ist mein Zeuge, dass ich ohne Unterlass euer eingedenk bin allezeit in meinen Gebeten, indem ich bitte, ob es mir wohl endlich einmal nach Gottes Willen D. i. wenn Gott es so befiehlt. - gelingen möge, zu euch zu kommen. Denn ich sehne mich, euch zu sehen, damit ich euch etwas mitteile Als Diener dessen, von dem er alles empfangen hat, teilt er als Verwalter der Geheimnisse Gottes Gaben mit, welche zum Heile der Seelen gereichen. - von geistiger Gnadengabe, um euch zu stärken, Der heil. Paulus will die Römer in dem Glauben bestärken, welchen sie vom heil. Petrus empfangen haben. - das heißt, um miteinander getröstet zu werden Der Trost des heil. Apostels besteht in dem Wachstume des Glaubens in den Herzen der Christen und in dem eigenen. (Chrys., Theod., Ökum.) - durch den gegenseitigen Glauben, den eurigen und auch den meinigen. Ich will euch aber, Brüder, nicht in Unkenntnis lassen, dass ich mir oft vorgenommen habe, zu euch zu kommen (und ich ward bis jetzt verhindert), Für alle Heidenvölker berufen (V. 14), ward der heil. Paulus durch den Heil. Geist dorthin geleitet, wo er tätig sein sollte. Die Fülle der Arbeit hatte ihn bisher im Osten festgehalten. Vergl. [Roem 15,22]. - um so, wie unter den übrigen Völkern, auch unter euch irgendeine Frucht zu gewinnen. Der Apostel will nur gleichsam begießen, was der heil. Petrus gepflanzt hat. (Ök., Just.) - Griechen und Nichtgriechen, Weisen und Ungelehrten bin ich Schuldner. Es ist kein Unterschied unter den Völkern, alle bedürfen der Verkündigung des Evangeliums, und allen ist Paulus dieselbe schuldig. - So bin ich (so viel an mir liegt) bereit, auch euch, die ihr zu Rom seid, das Evangelium zu verkünden. Folgerung aus dem vorhergehenden Verse. Da ich verpflichtet bin, allen zu predigen, bin ich bereit, auch euch das Evangelium zu verkündigen; ja ich wünschte schon lange, zu euch zu kommen. Vergl. [Apg 19,21] - Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; Ich bin bereit in Rom zu predigen, mag auch dem größten Teile der dortigen Bevölkerung in seinem stolzen Dünkel das Evangelium eine Torheit scheinen, vergl. [1Kor 1,18ff], denn es ist keine Torheit, sondern eine Gotteskraft. - denn es ist eine Gotteskraft zum Heile Die Verkündigung des Evangeliums erhält von Gott ihre Wirksamkeit und überragt deshalb alle menschliche Weisheit. Sie verschafft denen, welche glauben, Befreiung vom Zorne Gottes, die heiligmachende Gnade und das Anrecht auf das ewige Leben. - für einen jeden, der glaubt, für die Juden zuerst, und auch für die Heiden. „Zuerst“ ist nicht von der Zeit, sondern von einem gewissen Vorrechte zu verstehen. Den Juden ward das Heil nicht wie den andern Völkern einzig aus Barmherzigkeit dargeboten, sondern sie hatten auch, weil Gott ihnen dasselbe durch die Propheten verheißen, ein besonderes Recht darauf, dass es ihnen verkündet ward. - Denn die Gerechtigkeit Gottes Die von Gott verliehene Gerechtigkeit. Sinn: Die Gerechtigkeit Gottes offenbart sich als eine durch den Glauben an den Glauben, an die Gläubigen verliehene, welche die Menschen gerecht macht. (Chrys., Aug., Konzil v. Tr. Sitzg. 6, Kap. 7) - offenbart sich in ihm aus dem Glauben an den Glauben, wie geschrieben steht: Der Gerechte aber lebt aus dem Glauben. Was zur Zeit des Gesetzes gleichsam mit einem Schleier bedeckt und den Heiden nicht mitgeteilt war, wird im Evangelium allen Menschen klar vor Augen gestellt: dass die Gerechtigkeit aus dem Glauben ihren Ursprung nimmt. Übrigens lehrt das Evangelium nicht nur, dass die Gerechtigkeit, welche zum ewigen Leben führt, ein Geschenk Gottes ist, sondern zeigt auch den Weg zu derselben und enthält alles, was der Gläubige zur Rechtfertigung nötig hat. Diese Gerechtigkeit entspringt aus dem Glauben, nicht aus den Werken des Gesetzes oder der Natur, und wird allen zuteil, welche glauben. Der Apostel wählt statt des konkreten: „an alle Gläubigen“ das abstrakte: „an den Glauben“, um so nachdrücklicher zu zeigen, dass es nicht auf die persönlichen Eigenschaften, sondern auf den Glauben ankommt, wie z. B. ein Arbeitgeber sagen möchte: Ich belohne nur die Arbeit, d. i. die Arbeitenden je nach ihrer Arbeit. Diese Lehre ist nicht neu, da der unter dem Gesetze stehende Prophet Habakuk [Hab 2,4] dieselbe bereits verkündet. V. 16, V. 17 enthalten den Gegenstand der Lehre, welche der heil. Paulus in diesem Briefe vorlegen will. Im ersten Abschnitte des Briefes erklärt der Apostel die Worte: Die Gerechtigkeit Gottes offenbart sich im Evangelium [Roem 4,25], im zweiten die Worte: Das Evangelium ist eine Gotteskraft zum Heile für einen jeden, der glaubt [Roem 8,39], im dritten [Roem 11,36] die Worte: Für die Juden zuerst und auch für die Heiden (Thom.). - Denn es offenbart sich der Zorn Gottes Gottes strafende Gerechtigkeit. (Vergl. V. 24, V. 26). Worin offenbart sich diese Strafgerechtigkeit? Viele Erklärer denken an die Ankündigung der Strafen, welche im Evangelium (und auch im Alten Testamente) enthalten ist; der Zusammenhang weist aber wohl eher auf das sittliche Elend, in welches der zürnende Gott die Ungläubigen fallen ließ. - vom Himmel über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit Jede Sünde ist Gottlosigkeit, soweit sie eine Verachtung des göttlichen Willens einschließt, Ungerechtigkeit, soweit sie die von Gott gesetzte Ordnung verletzt. - jener Menschen, welche die Wahrheit Gottes in Ungerechtigkeit niederhalten; „Niederhalten“: eine sich von selbst aufdringende Erkenntnis gleichsam unterdrücken und verhindern, dass sie ihre Kraft ausübe und das Herz zum Guten wende. - weil das, was von Gott bekannt ist, Was denen, welche ihre Vernunft gebrauchen, von dem wahren Gott bekannt ist (Chrys., Theod., Dam., Ök., Theoph., Euth.). Andere übersetzen: erkennbar (Orig.). Indes ist der Satz dann, ohne weitere Einschränkungen, kaum richtig (Just.). - in ihnen In ihrem Verstande und Herzen. - offenbar ist, denn Gott hat es ihnen kundgegeben. Gott hat es ihnen klar und verständlich vor Augen gestellt. - Denn was an ihm unsichtbar ist, wird am Schöpfungswerke der Welt in den erschaffenen Dingen geistig wahrgenommen: Alle Geschöpfe sind ein immerwährendes Zeugnis, das Gott von sich selbst gibt und den Menschen kundtut. Vergl. [Apg 14,18]. In den Geschöpfen offenbaren sich Gottes Eigenschaften, seine Güte, Weisheit, Macht, ohne dass wir das zu sehen vermögen, was in Gott diesen Eigenschaften entspricht (Thom.). - seine ewige Macht und Gottheit, so dass sie unentschuldbar sind, weil sie, Der Apostel kehrt zu dem zweiten Teile des V. 18 zurück. V. 21 ist dem V. 19 parallel. - nachdem sie Gott erkannt hatten, ihn nicht als Gott verherrlichten, noch ihm Dank sagten; sondern sie wurden eitel in ihren Gedanken, und ihr unverständiges Herz ward verfinstert. Indem der Apostel den ersten Abfall von Gott schildert, weist er zugleich auf den Weg hin, auf dem auch jetzt noch die einzelnen zu diesem Abfalle kommen. Nachdem die Menschen Gott erkannt, wollten sie ihn nicht als ihren Herrn verehren und ihm dienen, noch als ihrem gütigen Vater Dank sagen. Hatten sie so Gott durch ihren bösen Willen von sich gestoßen, so begann nun auch ihr Verstand in Irrtum zu versinken. Der heil. Paulus weist hier offenbar auf das Buch der Weisheit [Weish 13] hin. - Indem sie nämlich behaupteten Weise zu sein, sind sie Toren geworden. Genauer nach dem Griech.: sind sie unvernünftigen Tieren ähnlich geworden. - Und sie vertauschten die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes mit der Ähnlichkeit eines Bildes von einem vergänglichen Menschen, und von Vögeln, und vierfüßigen und kriechenden Tieren. Die Heiden beteten die Bilder selbst an Gottes Stelle an. - Darum gab sie Gott den Begierden ihres Herzens preis, Wie der Mensch den Tieren die Ehre erwies, welche Gott geziemte, unterwarf Gott das Göttliche im Menschen, die Vernunft, dem, was im Menschen tierisch ist, der Sinnlichkeit (Thom.). Der Apostel sagt hier, um die sittliche Versunkenheit als Strafe zu kennzeichnen: Gott überlieferte, an anderer Stelle: er überließ. [Apg 14,15] Gott entzog den Heiden seine wirksamen Gnaden, und so erlangten die unreinen Begierden in ihnen die Herrschaft (Aug.). Ähnlich überliefert ein Feldherr sein Heer dem Feinde, wenn er es verlässt (Chrys.), der Arzt den Kranken dem Tode, wenn derselbe die vorgeschriebenen Arzneien nicht einnimmt (Theoph.). - der Unreinheit, dass sie ihre Leiber an sich selbst schänden, Es waren dies Sünden gegen die Natur, die von Personen gleichen Geschlechts begangen werden. - sie, welche die Wahrheit Gottes Den wahren Gott (Theod.). So heißen die falschen Götter öfter Lüge. [Jes 44,20, Jer 13,25, Jer 16,19] Das Wort „die Wahrheit Gottes“ entspricht der „Herrlichkeit Gottes“ in V. 23. - mit der Lüge vertauschten und eher dem Geschöpfe Verehrung und Anbetung erwiesen, als dem Schöpfer, welcher hochgelobt ist in Ewigkeit! Amen. Der Apostel macht, soviel an ihm liegt, den Frevel der Heiden wieder gut. - Darum gab sie Gott schmachvollen Leidenschaften preis. Denn ihre Weiber Der Apostel beginnt mit den Frauen, weil bei diesen jene unnatürliche Sünde noch verabscheuungswürdiger ist wegen der schweren Verletzung der ihrem Geschlechte sonst eigenen Schamhaftigkeit. - vertauschten den naturgemäßen Gebrauch in den Gebrauch, der wider die Natur ist; Gott verlassend wendeten sich die Heiden den Geschöpfen zu. Die gerechte Strafe ist, dass Gott es zulässt, dass sie auch zu ihrer eigenen Schande die Ordnung der Natur verkehren. - gleicherweise aber verließen auch die Männer den naturgemäßen Gebrauch des Weibes und entbrannten in ihren Gelüsten gegeneinander, indem sie, Männer an Männern, Schändung trieben und so den Lohn, der ihrer Verirrung gebührte, an sich selbst empfingen. Und wie sie es nicht wert erachteten, die Erkenntnis Gottes festzuhalten, D. i. eine tiefere Erkenntnis Gottes zu gewinnen, dadurch dass sie die erlangte Erkenntnis (V. 21) willig aufnahmen und sich nach derselben richteten. Der Apostel sagt nicht, dass sie aus Unwissenheit gefehlt, sondern dass sie mit Überlegung gesündigt haben (Chrys.) - überließ sie Gott der verworfenen Gesinnung, dass sie tun, was sich nicht geziemt; Da sie Gott nicht ehren und ihm nicht dienen wollten, hat Gott sie zur Strafe auch in grauenhafte Verblendung in Bezug auf das Sittengesetz fallen lassen, so dass sie sich Dinge erlaubten, die der Verstand sonst selbst als höchst verwerflich erklärt. - voll jeglicher Ungerechtigkeit, Infolge ihrer verworfenen Gesinnung wurden sie das alles, was der heil. Paulus aufzählt. Wie jede Tugend, soweit sie eine Vorschrift des Gesetzes zur Ausführung bringt, etwas von der Gerechtigkeit an sich hat, so ist jede Sünde, soweit sie eine Abweichung von der Richtschnur des göttlichen Gesetzes ist, eine Ungerechtigkeit (Thom.). Die vorangestellten drei allgemeinen Ausdrücke: Bosheit, Habsucht, Schlechtigkeit, enthalten die einzelnen Sünden, welche ihnen folgen. „Unzucht“ fehlt im Griechischen und ist auch hier unter den allgemeinen Ausdrücken nicht so am Platze. - Bosheit, Unzucht, Habsucht, Schlechtigkeit, voll Neid, Mord, Mordlust, Grausamkeit. - Zanksucht, Arglist, Tücke; Ohrenbläser, Verleumder, Gott verhasst, Besser: Gott hassend (Clem. Rom., Theod., Theoph., Ök., Euth.). - schmähsüchtig, hoffärtig, prahlerisch, erfinderisch in Schlechtigkeiten, ungehorsam gegen die Eltern, Toren, Gottlose. - unverträglich, lieblos, treulos, erbarmungslos. Die drei letzten Fehler sind Sünden gegen die Liebe. - Obgleich sie nämlich die Gerechtigkeit Gottes kannten, sahen sie doch nicht ein, dass die, welche solches tun, des Todes würdig sind; Allen Menschen hat Gott das Gesetz in's Herz geschrieben, dass das Gute zu tun, das Böse zu meiden ist. Da nun niemand über die göttliche Gerechtigkeit in Unwissenheit sein kann, lag es nahe zu schließen, dass Gott die Übertreter mit schweren Strafen heimsuchen werde. - und nicht allein, die solches tun, sondern auch, die denen zustimmen, welche es tun. Nach dem Griechischen: Nachdem sie die Gerechtigkeit erkannt hatten und einsahen, dass sie des Todes würdig sind, welche solches tun, tun sie es nicht nur selbst, sondern stimmen auch denen zu usw. So lautete auch aller Wahrscheinlichkeit nach der alte lateinische Text, wie die Erklärungen der Väter zeigen. Bisweilen kann in der Tat der Sünder die Leidenschaft, welche ihn fortgerissen hat, als Milderung seiner Schuld anführen, eine Entschuldigung, welche der, welcher eine böse Tat überlegterweise billigt, nicht vorbringen kann (Chrys.). Zudem wird der Fehlende leichter als der das Böse Billigende zur Umkehr gebracht (Isid. Pel.), und schadet der erstere nur sich, während der Lobspendende andere zu ähnlichen Sünden anreizt (Theod.).

Zitiert in 313