Römer 14
Biblia Sacra (Allioli-Arndt)
Public domain Quelle: vulgata.info
2. Die Schwachen im Glauben sind aufzunehmen und zu stützen. (Kap. 14,1 - Kap 15,13) a. Schwache und Stärkere sollen sich davor hüten, sich gegenseitig zu beurteilen. (V. 13) b. Die Starken sollen Acht haben, dass sie den Schwächeren kein Ärgernis geben.
1 Den Schwachen aber im Glauben nehmet auf, Die Schwachen im Glauben sind zumeist Judenchristen; die Stärkeren, die der Apostel von V. 13 allein anredet, die also den Hauptteil der römischen Gemeinde ausmachen, fast alle Heidenchristen. Die Schwachen hielten wohl noch an der Sabbatfeier und den jüdischen Festen fest und enthielten sich wahrscheinlich des Fleisches und des Weines, damit sie nicht etwa etwas genössen, was den Götzen geopfert war (Aug., Basil.). Gewiss trug zu ihrer Skrupulosität auch eine allzu strenge Auslegung des Aposteldekretes [Apg 15,29] bei. Die Schwächeren im Glauben sind, wie V. 22, 23 zeigen, diejenigen, deren Gewissen verwirrt war, und welche über Erlaubtes und Unerlaubtes keine richtige Meinung hatten. Diese sollen die Stärkeren in Freundschaft und inniger Vereinigung aufnehmen. - ohne euch über Meinungen zu zanken. Lasset uns nicht seine Gedanken richten, als ob wir wagten, einen Spruch über ein fremdes Herz zu fällen, das wir nicht sehen (Aug.). Ehe der Apostel diese Vorschrift, welche die Starken allein angeht, weiter erklärt, will er die Fragen, über welche die Römer verschiedener Meinung waren, lösen, um bei dieser Gelegenheit auch die Schwachen von dem Urteile über ihre Brüder abzuwenden. - 2 Denn der eine glaubt, alles essen zu dürfen; wer aber schwach ist, esse Gemüse. Im Griech.: isst Gemüse. Es wird erzählt, was in der römischen Kirche geschah. Die Vorschrift folgt erst in V. 3. - 3 Wer isst, Der Starke, der alles essen zu dürfen glaubt. - verachte den nicht, welcher nicht isst; Den Schwachen, der sich des Fleisches enthalten zu müssen meint. Der Starke kann leicht den Schwachen für skrupulös und abergläubisch halten, auf dessen törichte Meinungen keine Rücksicht zu nehmen ist. (Vergl. dagegen V. 15 und [1Kor 8,9ff]). Der Skrupulöse urteilt leicht ungünstig über alles, was nicht mit seiner Weise zu handeln übereinstimmt, und verdammt andere als leichtfertig und gottlos. - und wer nicht isst, richte den nicht, welcher isst; denn Gott hat ihn Gott hat den Starken seiner Freundschaft gewürdigt. - aufgenommen. 4 Wer bist du, der du einen fremden Knecht richtest? Der rechtmäßige Richter der Diener ist einzig der Herr, ganz besonders da, wo die Diener gleichsam Glieder seiner Familie sind. - Seinem Herrn steht oder fällt er; Ob er steht oder fällt, beides geht den Herrn an: der Schaden, wenn der Knecht fällt, und der Nutzen, wenn er steht und beharrt (Chrys., Theoph., Thom.). Niemand darf also seinen Nächsten richten, als soweit Gott selbst es ihm zulässt; überschreitet er die Grenze, so ist sein Urteil ein leichtfertiges und sündhaftes. Verborgenes, besonders die Gedanken der Herzen und das Zukünftige zu urteilen, hat Gott sich vorbehalten (Thom.). - er wird aber stehen, denn Gott vermag ihn aufrecht zu erhalten. 5 Denn der eine unterscheidet einen Tag von dem andern, der andere aber hält jeden Tag gleich; Die zweite Ursache des Zwiespaltes. Die einen halten gewisse Tage für heilige, die anderen alle für gleich. (Vergl. Anm. 1) - ein jeder sei nur in seinem Sinne vollkommen überzeugt. 6 Wer auf den Tag hält, der hält darauf um des Herrn willen; Derjenige, der einen Tag eher als einen andern als heilig beobachtet, tut dies wegen des Herrn, um ihm zu gefallen und sich als seinen treuen Diener zu zeigen. - und wer isst, der isst für den Herrn, denn er sagt Gott Dank; Wer alles isst, ohne einen Unterschied zu machen, tut dies um Christi willen; Beweis dessen ist, dass er, ehe er isst, Gott für die Speisen Dank sagt. Wie könnte aber ein Christ dem Vater für das Dank sagen, dessen Genuss seiner Überzeugung nach gegen Christi Gebot verstößt? - und wer nicht isst, der isst für den Herrn nicht und sagt Gott Dank. Derjenige, welcher sich gewisser Speisen enthält, glaubt durch seine Enthaltsamkeit Christus zu gehorchen und zu gefallen. Dass der heil. Paulus so beide Teile rechtfertigend nicht mit Unrecht von den römischen Christen so günstig urteilte, zeigt er nun in V. 7, 8. - 7 Denn keiner von uns lebt sich selbst, und keiner stirbt sich selbst! 8 Denn leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Wir mögen also leben oder sterben, so sind wir des Herrn. Niemand kann Christ sein, ohne Leben und Sterben auf Christus zu beziehen, ohne ihn in allem als Herrn anzuerkennen. - 9 Denn dazu ist Christus gestorben und auferstanden, dass er sowohl über die Toten als über die Lebenden herrsche. Wir mögen also leben oder sterben, so sind wir sein, und leben und sterbe nicht mehr uns, sondern ihm. Ähnlich [2Kor 5,15]. In besonderer Weise ist Christus indes der Herr der Guten, weil diese ihm in dieser Zeit dienen und in der Ewigkeit mit ihm herrschen. - 10 Du aber, was richtest du deinen Bruder? Oder du, warum verachtest du deinen Bruder? Alle werden wir ja vor dem Richterstuhle Christi stehen. Griech.: Gottes. Der Apostel bezieht sich auf V. 3 zurück; der Grund des Tadels ist derselbe, der oben Anm. 8 angedeutet ist. - 11 Denn es steht geschrieben: [Jes 45,23] - So wahr ich lebe, Bisweilen wird in der heil. Schrift gesagt, Gott schwöre, um die Unveränderlichkeit des göttlichen Ratschlusses anzudeuten. Die Menschen schwören bei dem, was größer ist, als sie; Gott hat niemand über sich, er ist selbst Leben und Quell des Lebens: bei diesem meinen mir eigenen Leben schwöre ich (Thom.). - spricht der Herr, vor mir wird sich jedes Knie beugen, und jede Zunge wird Gott bekennen! Als den höchsten Herrn. - 12 Demnach wird ein jeder von uns Gott für sich Rechenschaft geben. Niemand wird sich dem entziehen können. Jeder wird für sich Rechenschaft geben, also sollen die Christen sich aller Urteile enthalten. - 13 Lasset uns also nicht mehr einander richten, sondern darauf richtet vielmehr eure Sorge, dass ihr dem Bruder nicht Anstoß oder Ärgernis gebet. Die letztere Mahnung richtet sich, wie das Folgende, an die Starken allein. Anstoß ist jedes Hindernis auf dem Wege, ein solches bringt nicht notwendig zu Falle. Ärgernis aber ist etwas Schwereres und ist mit Erfolg verbunden. Ehe der Apostel weiter vor dieser Gefahr warnt, stellt er die fachlich richtige Lehre vor Augen. - 14 Ich weiß und bin überzeugt im Herrn Jesus, Als sein Glied und Diener, mithin durch seine Belehrung. So kann niemand sagen: Was geht uns deine Mahnung an? (Chrys.) - dass nichts Nichts von dem, wovon hier die Rede war, Speisen. - an sich unrein ist; Vergl. [Mt 15,11, 1Tim 4,4] und insbesondere betreffs der Götzenopfer. [1Kor 8,4.7, 1Kor 10,19.25-27]. Die Übersetzung entspricht den Erklärungen, welche Orig., Chrys., Cyr. v. Alex., Theoph., Euth., Hieron., Thom. geben. - nur dem, welcher etwas für unrein hält, diesem ist es unrein. 15 Wenn nun Aber lesen Orig., Chrys., Cyr. v. Alex., Dam., und der Zusammenhang empfiehlt diesen Übergang. - dein Bruder wegen einer Speise gekränkt wird, so wandelst du nicht mehr der Liebe gemäß. Je geringfügiger das Gut ist, dem jemand um der Liebe willen entsagt, und je größer der Schaden ist, den er sonst dem Nächsten zufügt, desto mehr drängt die Verpflichtung, jenes zu lassen. Wer eine so geringe Sache, wie die Speise ist, dem Heile seiner Brüder vorzieht, hat überhaupt keine Liebe mehr. - Stürze nicht durch deine Speise jenen in's Verderben, für welchen Christus gestorben ist! Christus ist für deinen Bruder gestorben, du verachtest denselben, und dir ist es zuviel, nur einer Speise zu entsagen? Christus ist für seine Feinde gestorben, du willst für den Bruder nicht dieses kleine Opfer bringen? Christus tat das Höchste, obgleich er der Herr war, du willst nicht einmal das Geringste für deinen Bruder tun? (Chrys.) - 16 Darum gebet unser Gut nicht der Lästerung preis! Gebet unsere Freiheit, welche wir im Herrn haben, dass uns alles rein ist, nicht durch unbedachten Gebrauch den aburteilenden reden und Schmähungen der Brüder preis! - 17 Denn das Reich Gottes Das, wodurch Gott in uns herrscht, und wodurch wir in sein Reich gelangen. (Clem. Alex., Chrys., Theod., Thom.) Die Freiheit, alles zu essen, trägt nichts dazu bei, dass Gott in uns herrsche, also ist nicht zu befürchten, dass die Einschränkung der Freiheit dem Seelenheile schade. - ist nicht Speise und Trank, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geiste. Die Gerechtigkeit leitet die äußeren Werke, durch welche der Mensch jedem das gibt, was sein ist, und den Willen, diese zu tun. Der Frieden ist eine Wirkung der Gerechtigkeit, denn durch die Verletzung der letzteren wird er gefährdet. Die Freude bezieht sich auf die Weise, wie die Werke der Gerechtigkeit zu vollbringen sind; denn der ist nicht gerecht, der sich nicht über sein Rechttun freut. Die Ursache dieser Freude ist der Heil. Geist (Thom.). Im Übrigen verletzen die Starken gerade diese drei Tugenden: das Recht der Schwachen durch Mangel an Rücksicht, den Frieden durch das Hervorrufen böser Reden, die Freude, indem sie durch ihr Vorgehen andere betrübten. - 18 Denn wer in diesen Dingen Christus dient, ist Gott wohlgefällig und den Menschen genehm. 19 Darum lasset uns dem nachtrachten, was den Frieden fördert, und das gegen einander beobachten, was zur Erbauung dient. Derjenige gehört zum Reiche Gottes, der Gott gefällt und den Beifall heiliger Menschen findet; dies ist aber derjenige, dem Gerechtigkeit, Friede und Freude eigen ist. - 20 Zerstöre nicht um einer Speise willen das Werk Gottes! Den Bruder, den Gott gläubig gemacht hat. - Wohl ist alles rein, aber es wird zum Übel für den Menschen, der es isst, obgleich er Anstoß nimmt. 21 Es ist gut, kein Fleisch zu essen und keinen Wein zu trinken, noch etwas zu tun, woran dein Bruder Anstoß oder Ärgernis nimmt oder schwach wird. Vergl. V. 14. Die orte enthalten eine gewisse Steigerung. Das Höchste ist, wenn der Schwache trotz seines Zweifels handeln will. - 22 Hast du eine feste Überzeugung? Aber ist das noch eine evangelische Freiheit, die man nicht gebrauchen darf, und nicht vielmehr ein bloßer Name? Diesem Einwurfe will der Apostel begegnen. - Behalte sie für dich vor Gott. In deinem eigenen Leben magst du sie auch festhalten und befolgen, wenn kein Schwacher zugegen ist, der Ärgernis geben könnte. - Selig wer sich selbst nicht richtet durch das, was er für recht hält! Selig, wer sich nicht selbst in's Gericht ruft, indem er zweifelt, ob das, was er zu tun beschließt, erlaubt ist, sondern stets mit einem Gewissen handelt, das über die Erlaubtheit der Tat sicher ist. Das Gegenstück folgt im nächsten Verse. - 23 Wer aber einen Unterschied macht, Griech.: Wer aber zweifelhaft ist, schwankt, mit zweifelndem Gewissen handelt. - ist verurteilt, Von Gott. Indes wird das Wort „verurteilen, verdammen“ in der heil. Schrift oft in weiterem Sinne gebraucht, auch für die Strafe der lässlichen Sünde [Mt 12,37], so dass hier nur die Schuld und Strafe ausgedrückt wird, die je nach dem Verbot eine lässliche oder schwere ist. wenn er isst, weil er nicht aus fester Überzeugung handelt. Alles aber, was nicht aus fester Überzeugung geschieht, ist Sünde.
Zitiert in 87
- Dieses Kapitel CCC(¶1971)Pastores Gregis(§56)Presbyterorum Ordinis(§11)
- V. 1 Fragen(Disagreeing with the Church)Dignitatis Humanae(§11)
- V. 2 Fragen(Disagreeing with the Church)Dignitatis Humanae(§11)
- V. 3 Summa (EN)(II-II 60.4
III 3.4) Fragen(Disagreeing with the Church)Dignitatis Humanae(§11) - V. 4 Summa (EN)(II-II 60.2
II-II 60.6 Fragen(Disagreeing with the Church)Dignitatis Humanae(§11)III 59.1 Suppl 90.1) - V. 5 Fragen(Disagreeing with the Church)Dignitatis Humanae(§11)
- V. 6 Compendium of the Social Doctrine of the Church(325)Fragen(Disagreeing with the Church)Dignitatis Humanae(§11)
- V. 7 CCC(¶953)Compendium of the Social Doctrine of the Church(325)Fragen(Euthanasia and assisted dying)Dignitatis Humanae(§11)Evangelium Vitae(§67)
- V. 8 Compendium of the Social Doctrine of the Church(325)Fragen(Euthanasia and assisted dying)Dignitatis Humanae(§11)Evangelium Vitae(§67)Sacramentum Caritatis(§76)
- V. 9 CCC(¶668)Summa (EN)(III 59.4
Suppl 90.1) Fragen(Euthanasia and assisted dying)Dignitatis Humanae(§11) - V. 10 Summa (EN)(III 59.4)Dignitatis Humanae(§11)Gaudium et Spes(§28)
- V. 11 Dignitatis Humanae(§11)Gaudium et Spes(§28)
- V. 12 Compendium of the Social Doctrine of the Church(399)Dignitatis Humanae(§11)Evangelium Vitae(§74)Gaudium et Spes(§28)
- V. 13 Summa (EN)(II-II 44.3)Dignitatis Humanae(§11)
- V. 14 Dignitatis Humanae(§11)Gaudium et Spes(§28)
- V. 15 Compendium of the Social Doctrine of the Church(105)Summa (EN)(II-II 43.3
II-II 43.8 Dignitatis Humanae(§11)Evangelii Nuntiandi(§79)II-II 114.1) - V. 16 Dignitatis Humanae(§11)
- V. 17 CCC(¶2819)Summa (EN)(I-II 108.1
II-II 28.1 Dies Domini(§56)Dignitatis Humanae(§11)Dominum Et Vivificantem(§67)Gaudete Et Exsultate(§122)Gaudete In Domino(§30)Paenitentiam Agere(§7II-II 146.1 II-II 186.7 III 40.2 III 60.4) §11) - V. 18 Dignitatis Humanae(§11)Paenitentiam Agere(§7)
- V. 19 Dignitatis Humanae(§11)Gaudete Et Exsultate(§88)
- V. 20 Dignitatis Humanae(§11)
- V. 21 CCC(¶1789)Summa (EN)(II-II 43.1
II-II 149.3) Dignitatis Humanae(§11) - V. 22 Dignitatis Humanae(§11)
- V. 23 Summa (EN)(I-II 19.5
I-II 63.2 Dignitatis Humanae(§11)I-II 65.2 II-II 10.4 Suppl 59.2)