Römer 2
Biblia Sacra (Allioli-Arndt)
Public domain Quelle: vulgata.info
II Die Juden sind in gleicher Weise wegen ihrer Sünden dem göttlichen Zorne unterworfen. (2,1 – 3,8) 1) Die Juden sind nach Gottes gerechtem Gerichte schuldiger als die Heiden (V. 24), denn: Gott richtet alle Menschen nach ihren Werken (V. 8) und ohne Ansehen der Person. (V. 16) Da die Juden nun im Vorzuge vor den Heiden das Gesetz haben und durch ihre Sünden dasselbe ebenso wie den Urheber des Gesetzes, Gott, vor den Heiden verächtlich gemacht haben, sind diese Sünden schwerer. (V. 24) 2) Die Vorrechte der Juden vermögen nicht, sie vor dem göttlichen Zorne zu schützen (3,8), denn: die leibliche Beschneidung ist ohne die Beobachtung des Gesetzes unnütz.
1 Darum Die Heiden sind von Gott ob ihrer schweren Sünden des Todes würdig befunden worden, darum ist jeder Mensch strafwürdig, der solche Sünden erkennt und verurteilt und dennoch begeht. Denn eben durch sein Urteil zeigt er, dass er wissentlich sündigt. Oder „darum“, nämlich weil der Zorn Gottes auf den schuldbaren, verblendeten und infolge dessen sündhaften Heiden lastet [Roem 1,18-32], lastet der Zorn auf jedem, der wissentlich sündigt. – Die Begründung „darum“ kann sich indes auch auf den ganzen Abschnitt V. 18 – 32 des ersten Kapitels beziehen. - bist du unentschuldbar, o Mensch! ein jeder, Nicht allein der Heide, sondern auch der Jude. - der du richtest; denn während du den andern richtest, verurteilst du dich selbst, da du dasselbe tust, was du richtest. Griech.: der du dasselbe tust, du Richter. - 2 Denn wir wissen, dass das Gericht Gottes Das Verdammungsurteil Gottes. - der Wahrheit gemäß Wie Wahrheit und Gerechtigkeit es fordern. - ist über die, welche solches Solches wie die Heiden [Roem 1,29ff]. - tun. Nach demselben Maße, nach dem Gott die sündhaften Heiden richtet, straft er auch diejenigen, welche zweierlei Maß anwenden, ein strenges gegen andere, ein mildes gegen sich selbst. - 3 Meinst du aber das, o Mensch! der du die richtest, welche solches tun, und selbst das nämliche tust, dass du dem Gerichte Gottes entrinnen werdest? Die Antwort ist bereits in V. 2 gegeben. - 4 Oder verachtest du den Reichtum seiner Güte und Geduld und Langmut? Weißt du nicht, dass die Güte Gottes dich zur Buße leitet? Nach dem Griech.: Oder verachtest du, als ob du nicht wüsstest, dass die Güte Gottes usw. Wer weiß, dass ihm ein Strafgericht bevorsteht und dennoch in seinen Sünden beharrt, weil die Verzögerung der Strafe ihm Straflosigkeit zu verbürgen scheint, kann nur freiwillig und schuldbar das Ziel verkennen, welches Gott verfolgt, wenn er barmherzig und langmütig ist: die Bekehrung des Sünders. Vergl. [Weish 11,24]. - 5 Aber nach deiner Verstocktheit und deinem unbußfertigen Herzen häufest du dir Zorn auf den Tag des Zorns und der Offenbarung des Gerichtes Gottes, Am Tage des Zornes, dem Tage des allgemeinen Gerichtes, wird der Sünder erkennen, wie viel Zorn er sich aufgehäuft hat. Jetzt verbirgt sich die Gerechtigkeit Gottes gleichsam, um der Barmherzigkeit die erste Stelle einzuräumen, am Tage des Gerichtes wird sie sich offenbaren. - 6 der einem jeden vergelten wird nach seinen Werken: Der Gläubige wird für die guten Werke das ewige Leben, der Ungläubige und der ohne Rücksicht auf Glauben und Gebote dahinlebende Christ für seine Bosheit die Verdammnis ernten. - 7 denen nämlich, welche durch standhafte Übung guter Werke nach Herrlichkeit, Ehre und Unvergänglichkeit Diejenigen, welche nach der Herrlichkeit der Heiligen, der Ehre der Seligen und dem ewigen Leben streben, werden, wenn sie beharrlich sind in übernatürlichen guten Werken, des ewigen Lohnes teilhaftig werden. - streben, mit dem ewigen Leben; 8 denen dagegen, welche streitsüchtig sind Die ursprüngliche Bedeutung des entsprechenden griechischen Wortes ist: taglöhnermäßig, nach augenblicklichem Gewinne trachtend, schmutzig. Dies passt sehr gut wegen des Gegensatzes in V. 7: „nach Unvergänglichkeit streben“, da die Sünder nur nach dem Gegenwärtigen streben wie die Taglöhner, welche am gleichen Tage, wo sie arbeiten, auch belohnt sein wollen. - und sich der Wahrheit nicht unterwerfen, sondern der Ungerechtigkeit sich hingeben, steht Zorn und Grimm bevor. 9 Trübsal und Angst über die Seele eines jeden Menschen, der Böses tut, des Juden zuerst, und auch des Heiden; Wohl glaubten die Juden, dass bei dem letzten Gerichte die Menschheit in zwei entgegengesetzte Klassen geteilt werden würde; doch vermeinten sie gar oft, alle Juden würden, da sie das Gesetz erhalten hätten und Kinder Abrahams seien, also auf das ihnen verheißene ewige Erbe ein Anrecht besäßen, zu den Auserwählten gehören, während die übrigen Völker der Verdammnis anheimfielen. Diesen Irrtum hatte der Heiland bereits widerlegt. [Joh 3,19-21] Die Juden werden vorangestellt, weil sie als Glieder des auserwählten und begnadigten Volkes gewissermaßen ein besonderes Recht auf die Bestrafung hatten, wenn sie der Erwählung nicht entsprachen. - 10 Herrlichkeit aber, und Ehre und Friede Erst dann ist voller Friede im Herzen, wenn jemand nicht zu besorgen hat, dass ihm die Güter, welche er besitzt, je verloren gehen (Thom.). - jedem, der Gutes tut, dem Juden zuerst, und auch dem Heiden. 11 Denn bei Gott gilt kein Ansehen der Person. 12 Denn alle, welche ohne das Gesetz Ohne das mosaische Gesetz. - gesündigt haben, werden ohne das Gesetz verloren gehen; Sie werden einzig nach dem in das Herz geschriebenen natürlichen Gesetze verdammt werden (Chrys.). - und alle, welche unter dem Gesetze gesündigt haben, werden durch das Gesetz gerichtet werden. 13 Denn nicht die Hörer des Gesetzes Die Juden, welche mit dem bloßen Besitze des Gesetzes zufrieden sind. - sind gerecht vor Gott, sondern die Vollbringer des Gesetzes werden gerechtfertigt werden. Mögen sie nun Juden oder Heiden sein. Diese Worte richten sich gegen den Irrtum der Juden, als ob sie allein von der Strafe sicher und der Belohnung gewiss sein könnten, weil sie das mosaische Gesetz hätten. - 14 Denn wenn Heiden, welche das Gesetz nicht haben, von Natur aus das tun, was zum Gesetze gehört, so sind sie, die das Gesetz nicht haben, sich selbst Gesetz; Da unter den Heiden sich solche finden, ohne das Sittengesetz aus der Offenbarung zu kennen, dasselbe dennoch in einigen Stücken beobachten, so folgt daraus, dass die Heiden in ihrer Vernunft einen Lehrer haben, der ihnen diese Gebote kundtut und auferlegt. Mithin können sie als Vollbringer des Gesetzes nicht minder für gerecht erklärt werden, als die Juden. Das Wort „von Natur aus“ schließt die Notwendigkeit der Gnade zur Bewegung des Willens nicht aus (Thom.); denn hier handelt es sich keineswegs um die Frage, ob man mit natürlichen Kräften das Gesetz erfüllen könne oder nicht, sondern darum, ob die Heiden wirklich keine Gesetzeskenntnis, und damit auch keine Gesetzesbeobachtung haben, wie die Juden meinten. Dem entgegen lehrt Paulus, dass sie kein positiv geoffenbartes, aber ein Naturgesetz haben und kraft Erkenntnis desselben ein Gesetz haben. Die Stimme der Natur ist nur gleichsam eine Lehrerin, welche zeigt, was gut und was böse ist. (Tert., Chrys., Thom.) - 15 zeigen sie ja, dass das Werk des Gesetzes in ihren Herzen geschrieben ist, indem ihnen ihr Gewissen Zeugnis gibt Das dem Naturgesetze entsprechende Werk (Handeln) ist den Heiden innerlich vorgeschrieben, „indem ihnen“ usw. Nach dem Griechischen: indem ihnen zugleich Zeugnis gibt. Der Sinn ist: Die Heiden zeigen auf verschiedene Weise, dass sie ein Naturgesetz haben, z. B. durch gesetzmäßige Handlungen einzelner, durch ihre Gesetzgebung, welche für schwere Verbrechen schwere Strafen verhängt, durch gelegentliche Äußerungen; zugleich aber gibt das Gewissen ihnen Zeugnis, indem es sie lobt oder straft. Je nachdem sie der erkannten Richtschnur gemäß gehandelt haben. - und die Gedanken sich untereinander anklagen oder auch verteidigen, Wie kann aber der Apostel das, was im Herzen der Heiden geschieht, als Beweisgrund vorbringen, dass die Heiden sich selbst Gesetz sind? Weil am Tage des Gerichtes alles, was das Gewissen gesagt, in das Gedächtnis zurückkommen und ohne anderen Ankläger vor Gott Zeugnis ablegen wird (Chrys., Cyr. v. Jerus., Tert., Aug., Thom.) Gott wird öffentlich die Heiden auf die Aussprüche ihres Gewissens hinweisen und sie darnach richten. - 16 an dem Tage, da Gott das Verborgene der Menschen richten wird nach meinem Evangelium Nach meiner Predigt, nach dem, was ich ganz besonders immer verkündet und gelehrt habe. Nicht als ob die anderen Apostel diese Lehre nicht auch verkündigt hätten, sondern weil Paulus als Heidenapostel das Gericht betonen musste, das den Heiden unbekannt war. Den Juden gilt wohl der Zusatz: „durch Jesus Christus“, d. i. das von ihnen geglaubte Gericht wird Christus üben. - durch Jesus Christus. 17 Wenn du aber ein Jude heißest, Der Apostel zählt einige Vorrechte der Juden auf (bis V. 20), worauf er, statt dem mit „Wenn“ begonnenen Satz durch einen Nachsatz anzuschließen, einen neuen Satz beginnt, in welchem er lebhaft den Widerspruch darstellt, der zwischen dem Wissen und Tun der Juden besteht. Das erste Vorrecht ist der Name, der nach dem babylonischen Exile die Anhänger der jüdischen Religion bezeichnete und als nicht weniger ehrenvoll galt, als jetzt der Name Christ (Chrys.). - dich auf das Gesetz Die höchste den Juden erwiesene Wohltat war das Gesetz, welches für Glauben und Handeln Sicherheit gewährte (Theod., Euth., Thom.). - verlässest, und dich Gottes rühmest, Dich als das auserwählte Volk Gottes rühmst. - 18 und seinen Willen kennst, und vom Gesetze belehrt das Bessere anerkennst, 19 und die Zuversicht hast, dass du ein Führer der Blinden seiest, ein Licht derer, die in Finsternis sind, 20 ein Erzieher der Unverständigen, ein Lehrer der Unmündigen, der den Inbegriff der Erkenntnis und der Wahrheit im Gesetze besitze: Der Apostel häuft nicht ohne leise Ironie die Namen, welche die Juden sich selbst zu geben pflegten (Chrys.), obwohl dieselben eigentlich nur dem Messias zukommen, den die Israeliten doch verworfen hatten. - 21 der du also einen andern lehrest, lehrest dich selbst nicht; Hier und V. 22, 23 ist das Griechische in der Form noch schärfer. Das gesamte Verhalten der Juden streitet gegen das Gesetz; sie leben als ob ihnen das Gesetz nur gegeben wäre, um andere zu belehren. - der du predigst, nicht zu stehlen, stiehlst; Dies Wort schließt jede Art ungerechter Schädigung ein, wie das folgende „ehebrechen“ jede Sünde gegen das sechste Gebot. - 22 der du sagst, man solle nicht ehebrechen, brichst die Ehe; der du die Götzenbilder verabscheuest, begehst Tempelraub; Das griech. Wort bedeutet nicht nur eine Heiligtumsschändung im strengsten Sinne, sondern jede Beraubung eines Tempels, auch eines solchen, der nur als Heiligtum gilt, ohne es zu sein. Unter dem Scheine des Abscheues vor den Götzenbildern rissen die Juden dieselben häufig räuberisch an sich, um sich zu bereichern, obwohl dies [5Mos 7,15.16] streng verboten war. - 23 der du dich des Gesetzes rühmest, verunehrst Gott durch Übertretung des Gesetzes! 24 (Denn der Name Gottes wird eurethalben unter den Heiden gelästert, wie geschrieben steht.) Das Zitat ist wohl [Jes 52,5] und [Ez 36,20] entnommen und von dem Apostel seinem Zweck angepasst. - 25 Die Beschneidung nützt allerdings, Im Griechischen wird durch die Partikel „denn“ der Zusammenhang angedeutet: Ja, ihr seid ob eurer Gesetzesverletzung trotz der Beschneidung unter dem Zorne Gottes, da die Beschneidung nur dem nützt, der das Gesetz beobachtet. Sie macht zwar zu einem Mitgliede des auserwählten Volkes, berechtigt zur Anteilnahme an den Verheißungen des Alten Bundes, aber legt auch die Verbindlichkeit auf, das Gesetz zu beobachten (Thom.). Vergl. [Gal 5,3]. - wenn du das Gesetz beobachtest; wenn du aber ein Übertreter des Gesetzes bist, so ist deine Beschneidung zur Vorhaut geworden. 26 Wenn also der Unbeschnittene die Forderungen des Gesetzes erfüllt, Mit Hilfe der göttlichen Gnade. - wird ihm seine Vorhaut nicht als Beschneidung gerechnet werden? 27 Und wird nicht der von Natur Unbeschnittene, der das Gesetz erfüllt, dich richten, Am jüngsten Gerichte. Der Unbeschnittene, den du heute als blind und unrein verachtest, o Jude, wird dich einst am jüngsten Tage richten und verdammen. - der du bei Schrift und Beschneidung ein Übertreter des Gesetzes bist? 28 Denn nicht, wer es äußerlich ist, ist ein wahrer Jude, noch ist die äußere Beschneidung, die am Leibe geschieht, die rechte, 29 sondern wer es im Verborgenen ist, ist ein Jude, und die Beschneidung des Herzens, im Geiste, Die Beschneidung des Herzens vollbringt der Heil. Geist durch seine zuvorkommende und unterstützende Gnade, nicht das Gesetz, welches einzig die äußere Beschneidung vorschreibt (Aug., Euth.). - nicht dem Buchstaben nach, ist die rechte. Eines solchen Eines Menschen, der ein wahrer Jude ist, wenn auch das äußere Zeichen ihm abgeht. Hingegen ist ein Zeichen, dem das fehlt, was es bedeuten soll, kein wahres Zeichen. (Thom.) Lob kommt nicht von Menschen, sondern von Gott.
Zitiert in 104
- Dieses Kapitel CCC(¶1777)
- V. 1 Summa (EN)(II-II 33.5
II-II 60.2) Gaudium et Spes(§28) - V. 2 Summa (EN)(II-II 66.6
II-II 67.2) Gaudium et Spes(§28)Salvifici Doloris(§10) - V. 3 Gaudium et Spes(§28)
- V. 4 Summa (EN)(I-II 76.4
II-II 136.5 Gaudium et Spes(§28)III 3.8) - V. 5 Summa (EN)(III 88.1)Gaudium et Spes(§28)
- V. 6 CCC(¶55)Compendium of the Social Doctrine of the Church(399)Summa (EN)(I-II 111.1)Dei Verbum(§3)Evangelium Vitae(§74)Gaudium et Spes(§28)Nostra Aetate(§1)
- V. 7 CCC(¶55)Summa (EN)(II-II 132.1)Dei Verbum(§3)Gaudium et Spes(§28)Nostra Aetate(§1)
- V. 8 Casti Connubii(§9)Gaudium et Spes(§28)
- V. 9 Summa (EN)(I-II 87.1)Gaudium et Spes(§28)Indulgentiarum Doctrina(§2)
- V. 10 Gaudium et Spes(§28)
- V. 11 Compendium of the Social Doctrine of the Church(144)Summa (EN)(I-II 73.10
I-II 106.3) Africae Munus(§127)Gaudium et Spes(§28) - V. 12 Summa (EN)(Suppl 88.2)Fragen(Morality without God)Veritatis Splendor(§85)
- V. 13 Summa (EN)(I-II 100.12)Fragen(Morality without God)Casti Connubii(§9)Editae Saepe(§27)
- V. 14 CCC(¶1777)Compendium of the Social Doctrine of the Church(53)Summa (EN)(I-II 90.3
I-II 91.2 Fragen(Morality without GodI-II 94.6 I-II 96.5 I-II 100.1 I-II 106.1 I-II 109.4) Salvation outside the Church) Aeterni Patris(§4)Evangelium Vitae(§2§57) Fides Et Ratio(§36)Gaudium et Spes(§16)Mit Brennender Sorge(§8§35) Veritatis Splendor(§54§57) - V. 15 CCC(¶1777)Compendium of the Social Doctrine of the Church(53
397) Summa (EN)(I-II 96.5I-II 106.1 Fragen(Morality without GodII-II 67.3 Suppl 87.1 Suppl 88.2) Salvation outside the Church) Aeterni Patris(§4)Amoris Laetitia(§222)Evangelium Vitae(§2§57) Fides Et Ratio(§36)Gaudium et Spes(§16)Mit Brennender Sorge(§35)Pacem in Terris(§3§5) Verbum Domini(§9)Veritatis Splendor(§12§45 §54 §57 §59) - V. 16 CCC(¶678
¶1777) Summa (EN)(III 59.2Suppl 87.1 Fragen(Morality without GodSuppl 88.2) Salvation outside the Church) Gaudium et Spes(§16)Veritatis Splendor(§54§59) - V. 24 CCC(¶2814)Casti Connubii(§9)
- V. 29 Summa (EN)(III 68.2)Marialis Cultus(§57)