Rut 1

I. Ruths kindliche Anhänglichkeit und Pflichttreue gegen ihre Schwiegermutter Noemi. (1,1-2,7) A. Zur Zeit der Richter wandert ein Bethlemit Elimelech, um einer Hungersnot zu entgehen, mit seinem Weibe Noemi und seinen beiden Söhnen in das Land der Moabiter aus. Seine Söhne heiraten daselbst moabitische Frauen und sterben. (V. 5) B. Da Noemi nunmehr in ihr Vaterland zurückkehrt, wollen beide Schwiegertöchter sie begleiten (V. 9), indes bleibt die eine, Orpha, auf die Vorstellungen ihrer Schwiegermutter zurück (V. 14), während die andere, Ruth, die arme und alternde Mutter ihres Mannes nach Bethlehem begleitet.

In den Tagen eines Richters, Unbekannt welches. - als die Richter an der Spitze standen, entstand eine Hungersnot im Lande. Israel (Chald.) Die Hungersnot dauerte wohl nicht die zehn Jahre hindurch bis zur Wiederkehr Noemis. - Da zog ein Mann von Bethlehem in Juda fort, um als Fremdling im Lande Moab mit seinem Weibe und seinen zwei Söhnen Wohnung zu nehmen. Er hieß Elimelech, und sein Weib Noemi, und seine beiden Söhne, der eine Mahalon und der andere Chelion, Ephrathiter Woher dieser Name stammt, ist nicht zu sagen. - aus Bethlehem in Juda. Und sie zogen in das Land Moab und weilten daselbst. Das Gesetz verbot dies nicht. - Da starb Elimelech, der Mann Noemis, und sie blieb mit ihren Söhnen zurück. Diese nahmen sich moabitische Frauen, von denen die eine Orpha, die andere aber Ruth hieß. Ruth war die Frau Mahalons, Orpha das Weib Chelions. Nahmen die Frauen die israelitische Religion an, so war kein Bedenken in solcher Ehe. Im anderen Falle machte die Notwendigkeit diese sonst dem Geiste des Gesetzes nicht entsprechenden Ehen [Esr 10,3] zu erlaubten. - Und sie blieben daselbst zehn Jahre. Und beide starben, Mahalon nämlich und Chelion; und die Frau blieb zurück, des Mannes und der beiden Söhne beraubt. Jetzt erwacht in Noemi die Sehnsucht nach dem Vaterlande. - Da machte sie sich mit ihren beiden Schwiegertöchtern auf, um aus dem Lande Moab in ihr Vaterland zurückzukehren; denn sie hatte gehört, dass der Herr sein Volk wieder angesehen und ihnen Speise gegeben habe. So zog sie denn mit ihren beiden Schwiegertöchtern von dem Orte, wo sie als Fremde geweilt, fort. Beide wussten nach orientalischer Sitte durch ihre Begleitung ihre Anhänglichkeit zeigen, auch wenn sie ihr Vaterland nicht hätten verlassen wollen, wie es doch der Fall war. - Als sie nun schon auf dem Rückwege in das Land Juda war, sprach sie zu diesen: Gehet heim in das Haus eurer Mutter; Die Töchter lebten mit der Mutter vielmehr als mit dem Vater. - der Herr möge euch Barmherzigkeit erweisen, Zuerst Frieden im Elternhause, dann eine zweite Heirat gewähren. - wie ihr sie den Verstorbenen und mir erwiesen habt! Er gebe euch, dass ihr eine Ruhestätte Die Ehe selbst. Vergl. [Rut 3,1]. - in dem Hause der Männer findet, die ihr erhalten werdet. Sodann küsste sie dieselben. Lebewohl sagend. - Sie aber erhoben ihre Stimme und fingen an zu weinen und sprachen: Wir werden mit dir zu deinem Volke gehen! Wie die Höflichkeit es forderte, eine Einladung zuerst auszuschlagen, dann aber dennoch anzunehmen [Rich 19,5ff, 2Sam 13,24ff], so forderte sie auch, sich zur Begleitung anzubieten, auch wenn man wusste, dass dieselbe nicht angenommen wurde. In jedem Falle war es für Ruth keine bloße Zeremonie. - Jene antwortete ihnen: Kehret um, meine Töchter! Warum sollt ihr mit mir gehen? Habe ich etwa noch Söhne in meinem Schoße, dass ihr Männer von mir hoffen könntet? Noemi denkt an die Vorschrift [5Mos 25,5]. In Moab werdet ihr leicht „Ruhe“ finden (V. 9), nicht so in Judäa. - Kehret um, meine Töchter, und gehet hin; denn ich bin nun schon sehr alt und nicht mehr für das Band der Ehe geeignet. Und könnte ich auch noch in dieser Nacht empfangen und Söhne gebären, so würdet ihr doch alt werden, ehe ihr heiratet, wenn ihr warten wolltet, bis sie groß und mannbar geworden sind. Hebr.: Werdet ihr etwa deshalb warten, bis sie herangewachsen sind, werdet ihr etwa deshalb enthaltsam bleiben und nichts mit einem Manne zu tun haben? - Nicht doch, meine Töchter! denn eure Bedrängnis drückt mich noch mehr Als euch: dass ich eurer beraubt werden soll. - und die Hand des Herrn ist wider mich ausgegangen! Da erhoben sie ihre Stimme und begannen wieder zu weinen. Zum Abschiede; wie diese V. 9. - Und Orpha küsste ihre Schwiegermutter Ruth denkt nicht an eine künftige Ehe, wie Orpha, sondern an ihre Schwiegermutter. - und kehrte um; Ruth aber blieb bei ihrer Schwiegermutter. Noemi sprach zu ihr: Siehe, deine Verwandte ist zu ihrem Volke und zu ihren Göttern Das Hebr. kann auch übersetzt werden: Gott. Soweit dieser seit der Erschaffung den Menschen bekannte Gott von den Juden verehrt ward, hieß er Gott der Juden, soweit er von anderen, z.B. von Moabitern, ward er nach diesen genannt. Vielleicht meinte Noemi, auch andere müssten so ihre Götter ehren, wie die Juden Jahve. - zurückgekehrt, gehe mit ihr!
Noemi und ihre Schwiegertöchter
Sie aber antwortete: Sei mir nicht entgegen, Nach Neueren: Dränge mich nicht. - dass ich dich verlassen und fortgeben muss; denn wo du immer hingehst, gehe ich hin, und wo du bleibst, bleibe auch ich. Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott! Das Land, das dich im Tode aufnimmt, in diesem will ich sterben, und dort soll der Ort meines Begräbnisses sein. Dies und das noch dazu möge mir der Herr tun, Vergl. [1Sam 3,17]. - wenn nicht der Tod allein mich von dir scheidet! Da also Noemi sah, dass Ruth fest entschlossen war, mit ihr zu ziehen, Noemi hatte durch ihren Tugendwandel ihre Schwiegertöchter, insbesondere Ruth, ganz an sich gezogen, weshalb diese es derart für ihre Pflicht hielt, der Greisin beizustehen, dass sie sogar die Hoffnung, eine zweite Ehe einzugehen, hintansetzte. So verdiente sie, in das auserwählte Volk aufgenommen und unter die Ahnen des Erlösers gezählt zu werden. Vergl. [Rut 2,11]. - wollte sie sich nicht mehr widersetzen und sie nicht ferner zur Rückkehr zu den Ihrigen bereden. So zogen sie mitsammen fort und kamen nach Bethlehem. Als sie aber in die Stadt gekommen waren, verbreitete sich alsbald bei allen die Kunde davon, und die Frauen sprachen: Das ist die Noemi! Vergl. [2Koe 9,37]. - Sie sprach zu ihnen: Nennet mich nicht Noemi (das ist die Schöne), sondern nennet mich Mara (d. i. die Betrübte); denn der Allmächtige hat mich mit vieler Betrübnis erfüllt. Voll Mit Mann und Söhnen gesegnet. - zog ich aus, und leer hat mich der Herr zurückgeführt. Warum nennt ihr mich also Noemi, da der Herr mich gedemütigt Mir gezeigt hat, dass ich nicht vollkommen rein bin in seinen Augen. - und der Allmächtige mich betrübt hat? So kam Noemi mit Ruth, der Moabitin, ihrer Schwiegertochter, aus dem Lande, wo sie als Fremde geweilt, und kehrte nach Bethlehem zurück, um die Zeit, als eben die Gerstenernte begann. Die Osterzeit.

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