Rut 3

B. Auf den Rat Noemis bittet Ruth den Booz, sie nach der Vorschrift der Leviratsehe zur Frau zu nehmen. (V. 9) Er verspricht der Bitte Gewährung, wenn ein Näherstehender sein Recht nicht geltend macht.

Als sie aber wieder zu ihrer Schwiegermutter zurückkam, Besser: Und sie kehrte (nämlich: in jeder Nacht) zu ihrer Schwiegermutter zurück. - vernahm sie von dieser: Meine Tochter! ich will Ruhe für dich suchen und sorgen, dass es dir wohl gehe. Noemi hat Zeit genug, die Sache nach allen Richtungen hin zu erwägen. Ruhe ist die Ehe. - Dieser Booz, zu dessen Mägden du dich auf dem Acker gehalten hast, ist unser Verwandter; Vergl. [1Mos 38,8ff, 5Mos 23,5]. Indes Booz lag die Pflicht der Leviratsehe nicht ab, sondern einem andern Verwandten, der zu derselben nicht wider Willen gezwungen werden konnte. Von seiten Booz war es also eine Gunst. Jenen andern nicht aufzusuchen, gebot entweder dessen kundgewordene Abneigung gegen die Erfüllung dieser Pflicht oder größere Zuneigung zu Booz. - und diese Nacht worfelt er auf der Tenne Gerste. Darum wasche dich und salbe dich, lege deine besten Gewänder an Wie das Waschen den Schweißgeruch entfernen soll, so sind die besseren Gewänder von diesem frei. - und gehe zur Tenne hinunter; lass dich aber nicht von dem Manne sehen, bevor er aufgehört zu essen und zu trinken. Ja sogar erst, wenn er vom Schlafe erwacht. - Wenn er aber schlafen gegangen ist, In seine Kleidern. - so merke dir den Ort, wo er schläft, alsdann gehe hinzu, hebe die Decke, mit der er bedeckt ist, an der Seite der Füße auf und lege dich hin und bleibe da liegen; er selbst wird dir sagen, was du tun sollst. Sie antwortete: Alles, was du befiehlst, werde ich tun. Hierauf ging sie zur Tenne hinunter und tat alles, was ihre Schwiegermutter ihr aufgetragen hatte. Noemi hatte noch mehr aufgetragen als was V. 3 angibt, zum mindesten noch, dass sie die Leviratsehe fordern sollte. - Als nun Booz gegessen und getrunken hatte und fröhlicher geworden war Es war wohl eine Art Erntedank gehalten worden. - und sich bei einem Haufen Garben Wohl eher Körner oder Stroh. - schlafen gelegt hatte, nahte sie heimlich, hob die Decke von seinen Füßen auf und legte sich nieder. Nach August. und Theodoret. entschuldigen alle Ausleger Ruth von einer Sünde. - Und siehe, schon um Mitternacht fuhr der Mann auf und erschrak; denn er sah eine Frau zu seinen Füßen liegen. Und er sprach zu ihr: Wer bist du? Sie antwortete: Ich bin Ruth, deine Magd; breite deinen Mantel aus über deine Magd, denn du bist mein Verwandter. Hebr. Flügel: Nimm deine Magd unter deinen Schutz, denn du bist der Nächste. Vergl. [Rut 2,12]. Mahne den Näherstehenden, und da er sein Recht wohl abtritt, nimm mich zum Weibe. Noemi hat bemerkt, dass Booz der Ruth zugetan ist, da er aber noch nicht zum Entschlusse gekommen ist, will sie ihn dazu führen und wählt dazu die Nachtstunde. Das Freimachen der Füße soll Booz wecken. - Er sprach: Gesegnet bist du vom Herrn, o Tochter! Denn du hast deine frühere Barmherzigkeit Siehe [Rut 1,8] und [Rut 2,11]. - durch die nachfolgende übertroffen, Der Wunsch, der Trost des Greisenalters Noemis zu sein [Rut 4,15], und die Sorge, dem Verstorbenen Nachkommenschaft zu erwecken. Mehr ist es, gegen den sich wohltätig zu erweisen, der nicht mehr belohnen kann, als gegen Lebende. - weil du nicht den Jünglingen nachgingest, weder armen noch reichen. Fürchte dich also nicht, Hebr.: Meine Tochter. (Vergl. V. 10.) - sondern wie du mir sagst, so will ich an dir handeln; Vergl. Anm. 11. - denn das ganze Volk, das innerhalb der Tore meiner Stadt wohnt, weiß, dass du eine tugendhafte Frau bist. Dein nächtliches Aufsuchen beleidigt mich nicht und ich scheue mich nicht, auch eine arme Moabitin zu heiraten, denn dein Ruf ist so gut, dass kein Vorwurf dir anhaften kann. - Auch leugne ich nicht, dass ich dein Verwandter bin; Das war das Fundament ihrer Bitte. - aber es ist ein anderer da, der noch näher verwandt ist als ich. Ruhe diese Nacht; Jetzt kannst du doch nichts mehr in dieser Sache tun. - und wenn er dich morgen nach dem Rechte der Verwandtschaft behalten will, so ist es wohlgetan; will er aber nicht, so werde ich dich ohne Bedenken nehmen, so wahr der Herr lebt. Schlafe bis morgen! Sie schlief also zu seinen Füßen, bis die Nacht vorüber war. Dann erhob sie sich, ehe noch ein Mensch den andern erkennen konnte, und Booz sprach: Habe acht, dass es niemanden bekannt werde, dass du hierher gekommen bist! Alsdann sprach er: Breite deinen Mantel aus, den du trägst, und halte ihn mit beiden Händen. Sie breitete ihn aus und hielt ihn hin, und er maß ihr sechs Maß Gerste Das Maß ist nicht angegeben. Es war also immerhin nur so viel als Ruth zu tragen vermochte. So wurde ihr Gesicht auch leichter verhüllt. - ab und legte sie ihr auf. Mit diesen ging sie in die Stadt und kam zu ihrer Schwiegermutter. Diese sprach zu ihr: Was hast du ausgerichtet, meine Tochter? Da erzählte sie ihr alles, was der Mann ihr getan hatte, und sprach: Siehe, sechs Maß Gerste hat er mir gegeben und gesagt: Ich will dich nicht leer zu deiner Schwiegermutter zurückkehren lassen. Booz wollte sie in den Augen ihrer Schwiegermutter ehren. - Noemi sprach: Gedulde dich, meine Tochter, bis wir sehen, welchen Ausgang die Sache nimmt; denn der Mann wird nicht ruhen, ehe er Hebr.: Er habe dann noch heute die Sache zu Ende geführt. erfüllt, was er gesprochen hat.

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