Rut 4

Der nächste Verwandte verzichtet auf sein Recht (V. 7), weshalb Booz den Acker Elimelechs kauft und zur Freude des Volkes Ruth heimführt. (V. 12) C. Ruth gebiert Booz einen Sohn Obed, den Großvater des Königs David.

Hierauf ging Booz zum Tore hinaus und setzte sich daselbst. Den näheren Verwandten erwartend. Solche Dinge mussten im Tore der Stadt verhandelt werden. [5Mos 25,7] - Und als er den Verwandten vorübergehen sah, von welchem vorher Erwähnung getan ist, rief er ihn bei seinem Namen und sprach zu ihm: Komme ein wenig hierher und setze dich nieder! Dieser trat hinzu und setzte sich. Alsdann nahm Booz zehn Männer von den Ältesten der Stadt und sprach zu ihnen: Setzet euch hierher! Als sie sich gesetzt hatten, sprach er zu dem Verwandten: Das Stück Feld, welches unserm Bruder Elimelech gehört, bietet Noemi, die aus dem Lande Moab heimgekehrt ist, feil. Dies wollte ich dir kund tun Denn ohne Verkauf kein Wiederkauf. Die Witwe behielt wohl die Nießnutzung, wenn sie sich nicht wieder verheiratete, bis zum Tode, nach welchem der nächste Verwandte den Acker erbte. Eigentlich hatte eine von den zwei Frauen Anspruch (mittelbar oder unmittelbar), dem Machalon und so dem Elimelech Kinder zu schenken. Inzwischen bewahrte die Angesehenere, also Noemi, das Eigentumsrecht für den aus der Leviratsehe zu erwartenden Sohn. - und vor allen, die hier sitzen, und vor den Ältesten meines Volkes sagen. Hebr.: Und ich dachte: Ich wollte dir eine Eröffnung machen, nämlich also: kaufe in Gegenwart der hier Sitzenden… Wenn du lösen (in Besitz nehmen) willst… Booz nennt Ruth nicht, damit es nicht den Anschein gewinne, als sei er ihretwegen hierher gekommen. - Willst du es nach dem Rechte der Verwandtschaft in Besitz nehmen, so kauf es Richtiger: kaufe es los von dem Käufer. In dieser Weise gehörte der Acker aber Noemi zu, da das Recht des Loskaufes und der Besitznahme auf Booz nur von ihr übergehen konnte. - und nimm es in Besitz; gefällt es dir aber nicht, so zeige mir auch das an, damit ich weiß, was ich zu tun habe; denn es ist kein Verwandter da, außer dir, der du der nächste bist, und mir, der nach dir kommt. Er aber antwortete: Ich will den Acker kaufen! Booz sprach zu ihm: Wenn du den Acker aus der Hand der Frau kaufst, so musst du auch Ruth, die Moabitin, die Frau des Verstorbenen, nehmen, um den Namen deines Verwandten für sein Erbeigentum wieder zu erwecken. Da antwortete er: Ich begebe mich des Rechtes der Verwandtschaft; denn ich darf meine Familie nicht der Nachkommenschaft berauben. Übe du mein Vorrecht aus, dessen ich mich gerne zu begeben erkläre. Freie Übersetzung. Er würde seine Familie insofern der Nachkommenschaft berauben, als der erste Sohn Ruths nicht seinen Namen, sondern den des Verstorbenen fortpflanzen musste. Vielleicht wirkte auch die Hervorhebung des Booz: Die Moabitin (V. 5) auf seinen Entschluss ein, da man vielleicht der Ehe mit Moabiterinnen den frühen Tod der Kinder Noemis zuschrieb. - Nun war es von alters her Herkommen in Israel unter Verwandten, dass, wenn einer dem andern sein Recht abtrat, er zur Bestätigung der Verzichtleistung seinen Schuh auszog und ihn seinem Verwandten gab. Dies war die Bezeugung der Verzichtleistung in Israel. Also war diese Weise zur Zeit des Verfassers nicht mehr so allgemein, vielleicht nur in Bethlehem erhalten geblieben. Diese Gewohnheit ist wohl zu unterscheiden von der [5Mos 25,9] berichteten. - Darum sprach Booz zu seinem Verwandten: Ziehe deinen Schuh aus! Hebr.: Der Löser sprach zu Booz: Kaufe für dich! Und zog seinen Schuh aus. - Alsbald zog er ihn von seinem Fuße. Jener aber sprach zu den Ältesten und zu dem ganzen Volke: Ihr seid heute Zeugen, dass ich alles in Besitz nehme, was Elimelech und Chelion und Mahalon gehört hat, da Noemi es übergibt; und dass ich Ruth, die Moabitin, das Weib Mahalons, zur Frau nehme, um den Namen des Verstorbenen für sein Erbeigentum wieder zu erwecken, damit sein Name nicht ausgetilgt werde aus seinem Geschlechte, seinen Brüdern und seinem Volke. Frömmigkeit, nicht Begierlichkeit, ist Ursache dieser Ehe. - Des, sage ich, seid ihr Zeugen! Da sprach das ganze Volk, das am Tore war, und die Ältesten: Solche Glückwünsche brachte man bei Hochzeiten dar, wie [1Mos 24,60] zeigt. - Wir sind Zeugen! Der Herr mache diese Frau, die in dein Haus einzieht, wie Rachel und Lia, Nicht Sara und Rebekka, da diese außer den Hebräern anderer Völker Mütter geworden sind. Bala und Zelpha werden nicht genannt, da sie nur Mägde jener waren. Rachel, deren Grab nahe bei Bethlehem war, steht an erster Stelle, weil sie den Bethlehemiten besonders teuer war. - welche das Haus Israel erbaut haben, Im Hebr. ist Sohn desselben Wortstammes wie erbauen. - dass sie ein Tugendspiegel in Ephratha sei und ihr Besser: Booz und seiner Familie. - Name gefeiert werde in Bethlehem. Und dein Haus werde wie das Haus Phares, Siehe [4Mos 26,20ff]. Die Bethlehemiten hatten ihn zum Vater. [Rut 4,18] Von Thamar stammten alle Gegenwärtigen ab. Thamar erinnert zugleich an die Leviratsehe. - welchen Thamar dem Juda gebar, durch die Nachkommenschaft, welche dir der Herr von diesem Mädchen geben wird. Booz also nahm Ruth und sie ward sein Weib; und als er zu ihr einging, verlieh ihr der Herr, dass sie empfing und einen Sohn gebar. Da sprachen die Frauen zu Noemi: Wie [Rut 1,19]. - Gepriesen sei der Herr, der nicht zuließ, dass in deiner Familie ein Erbe Hebr.: Ein Löser heut fehlte. - fehlte, dessen Namen in Israel genannt werde, so dass du jemanden hast, der dich tröstet und dein Alter versorgt; denn deine Schwiegertochter, die dich liebt, hat ihn geboren, und sie ist für dich besser, als wenn du sieben Söhne hättest. Vergl. [1Sam 1,8]. - Und Noemi nahm den Knaben und legte ihn auf ihren Schoß und pflegte ihn wie eine Amme und Wärterin. Der Verfasser hat wohl besonders die Beschneidung und Namengebung im Auge, wo die der Familie nächststehende Person einen Ehrenposten erhielt, nach Art unserer Paten, wenn man Glückwünsche darbrachte. Vergl. [Lk 1,57.58]. - Die Nachbarinnen aber wünschten ihr Glück und sprachen: Der Noemi ist ein Sohn geboren! Und sie nannten seinen Namen Obed; Diener. Die Weiber schlugen den Namen vor, Noemi gab ihn mit Zustimmung der Eltern. Um den Namen des Vaters zu erhalten, brauchte er denselben nicht zu führen. - dieser ist der Vater Isais, Nicht notwendigerweise ohne andere Mittelglieder. Der Verfasser will keine Genealogie bieten, sondern nur darauf hinweisen, dass Isai der Vater des Königsgeschlechtes Davids von Obed herstammte. - des Vaters Davids. Dies sind die Geschlechtsfolgen des Phares: Der Zusammenhang zwischen Phares V. 12 und Obed V. 17 wird dargelegt, nicht eine vollständige Geschlechtstafel geboten. - Phares zeugte Esron, Esron zeugte Aram, Oder Ram. - Aram zeugte Aminadab, Aminadab zeugte Nahasson, Nahasson zeugte Salmon, Salmon zeugte Booz, Booz zeugte Obed, Obed zeugte Isai, Isai zeugte David. Dasselbe Geschlechtsregister bietet [Mt 1,3-5] (wie es auch [1Chr 2,5.9] sich findet) in umgekehrter Ordnung der hl. Lukas [Lk 3,31-33]. Phares ist der Sohn Judas, [1Mos 38] Esron der Sohn Phares. [1Mos 46,8.12] Nahasson war der Sohn Aminadabs, Zeitgenosse Moses und Aarons. [4Mos 7] Salmon war der Vater des Booz [Mt 1,5], mithin ward letzterer unter Josue als Führer Israels geboren. – Zur Zeit der Richter wurden die Geschlechtsregister nicht so sorgfältig geführt, wie auch [1Sam 4,1] zeigt.

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