Weisheit 10

2. Nachweis aus der Geschichte, wie nützlich die Weisheit ist. (10,1-19,20) a. Das Beispiel Adams und Kains, Noes, Abrahams, Loths, Jakobs, Josephs zeigt, wie die Weisheit die Gerechten glücklich macht, die Torheit Strafen herabzieht. (V. 14)

Sie hat jenen bewahrt, Vor jedem Übel und jeder Unvollkommenheit, durch die ursprüngliche Gerechtigkeit. - der zuerst von Gott zum Vater des Erdkreises geschaffen worden, da er noch allein Wiewohl er allein dastand. An sich kann im Griech. auch allein zu „Vater“ gezogen werden: zum alleinigen Vater – dem also die Erziehung des ganzen Menschengeschlechtes oblag. - erschaffen war; sie rettete ihn auch aus seiner Sünde Gegensatz zur Erbsünde, von der Adam seine Nachkommen trotz seiner Buße nicht befreien konnte. Die Weisheit gab Adam Reue ein und Vertrauen auf den zukünftigen Erlöser. - und gab ihm Kraft, alles zu beherrschen. Vergl. [1Mos 1,28]. Die Herrschaft des Menschen über die Natur beruht nicht bloß auf einer positiven Anordnung Gottes, sondern auch auf den natürlichen Beziehungen des Menschen zur Schöpfung. Deshalb ward sie durch die ursprüngliche Gerechtigkeit erhöht, durch den Sündenfall einigermaßen modifiziert, aber nicht aufgehoben. Diese Herrschaft nun auch im Zustande der Schwachheit auszuüben, half die Weisheit. Dass nach der Sünde Gott diese Herrschaft noch einmal einschärfte, geschah, weil die Natur dem Menschen den Gehorsam kündigte, als er ein Feind Gottes ward. Vergl. [1Mos 3,17ff]. - Von ihr fiel jener Ungerechte in seinem Zorne ab und ging durch seinen brudermörderischen Zorn unter. Beispiel des Verderben, das aus der Missachtung der Weisheit, aus der gottvergessenen Torheit fließt. Es ist vorzüglich von dem leiblichen Verderben die Rede [1Mos 4,16], ohne dass der Verlust der Gnade ausgeschlossen ist. Der Zorn war nicht die Wurzel des Übels, aber die Ursache der Verblendung (Gegensatz zur Weisheit), welche seine grause Tat herbeiführte. - Als um seinetwillen Die gottentfremdeten Nachkommen Kains, welche mit denen Seths eingingen, waren Ursache der Sündflut. [1Mos 6,1] - die Erde durch eine Wasserflut verheert ward, half ihr wiederum die Weisheit, indem sie den Gerechten durch geringfügiges Holz leitete. Beispiel der rettenden Gewalt der Weisheit. Wiederum: wie Adam. So ward Noe gleichsam der zweite Vater des Menschengeschlechtes. Geringfügig: Aus geringfügigem Material lehrte die Weisheit Noe ein Kunstwerk herzustellen, das die Sündflut zu trotzen vermochte, da die Weisheit selbst wiederum es leitete. - Sie erkannte auch, als die Völker sich in Übereinstimmung der Bosheit hingaben, Anspielung auf den Turmbau zu Babel: Trotz der allgemeinen Schlechtigkeit und Verwirrung. Griech.: nachdem in (allgemeiner) Übereinstimmung der Bosheit die Völker verwirrt worden waren. – Der Turmbau zu Babel war das Zeichen allgemeiner Gottlosigkeit und die Verwirrung nur der Anfang fortdauernden Verderbnisses, das auch zur Zeit Abrahams fortdauerte. - den Gerechten Abraham. - und bewahrte ihn unsträflich vor Gott Gottes Vorsehung hatte ihn rein bewahrt vor dem allgemeinen Verderben und darum auch ward er berufen. - und erhielt ihn starkmütig gegen das Mitleiden mit seinem Sohne. Sie errettete beim Untergange der Gottlosen den fliehenden Gerechten, Loth. Beispiel der macht der Vorsehung. - da Feuer niederfiel auf die Fünfstädte; Sie gingen nicht alle zugrunde, also. Gegend der Fünfstädte. - zum Zeugnis von deren Bosheit die Erde dampfend öde liegt, Vergl. [1Mos 19,28]. - die Bäume Früchte tragen, welche nicht reif werden, und als Andenken an eine ungläubige Seele die Salzsäule sich erhebt. Denn Begründung zu „Zeugnis“ und „Andenken“. - da sie die Weisheit nicht achteten, gerieten sie nicht nur dahin, dass sie das Gute nicht kannten, sondern sie hinterließen auch den Menschen ein Denkmal ihrer Torheit, so dass sie in dem, worin sie gesündigt, nicht verborgen bleiben konnten. Eine weitere Strafe: ihre Schmach in alle Zeiten. - Die Weisheit aber rettete die, welche sie verehrten, von Schmerzen. Sie führte den Gerechten, Jakob. - der vor dem Zorne seines Bruders floh, [1Mos 28,5ff] - auf rechten Wegen, zeigte ihm das Reich Gottes, Er sah die Engel vom Himmel herab- und wieder hinaufsteigen, höhere und niedrigere, Gottes Anordnungen in Bezug auf die Menschen auszurichten, in höchster Höhe Gott selbst. Das alles bildet das Reich Gottes. - gab ihm die Erkenntnis des Heiligen, Die Leitung der Menschen seitens Gottes durch die verschiedenen Abstufungen der Engel. - bereicherte ihn bei seinen Mühen und segnete seine Arbeiten. Sie stand ihm zur Seite, da er mit List hintergangen werden sollte, [1Mos 31,7] Der Verfasser schreibt der Weisheit den Gedanken Jakobs zu, durch den er zu seinem Rechte kam. - und machte ihn reich. Sie schützte ihn vor seinen Feinden, stellte ihn sicher vor denen, die ihn bedrängten, und ließ ihn siegen im harten Streit, Wohl im Kampfe mit dem Engel. - damit er erkennen sollte, wie die Weisheit Griech.: Gottesfurcht. Jakob betete flehentlich zu Gott, nachdem seine Kraft gebrochen. So erkannte er, dass Gottesfurcht mächtiger ist als alles, da sie selbst Gott bezwingt und allein etwas gegen ihn vermag. - mächtiger ist als alles. Sie verließ den verkauften Gerechten Joseph. - nicht, sondern errettete ihn von den Sündern, Griech.: von der Sünde – der Brüder oder der Frau Putiphars. Beides hat auch die Vulgata vor Augen. - sie stieg mit ihm in die Grube In die Zisterne und die Kerkergrube. - und verließ ihn auch in Banden nicht, bis sie ihm das Zepter der Herrschaft zubrachte und Gewalt wider die, welche ihn unterdrückten; Seine Brüder, die Frau Putiphars und dieser selbst. - und sie erwies die als Lügner, welche ihn verunglimpften, und verlieh ihm ewigen Ruhm. Als die Weisheit ihn als Propheten erwies und zum Retter Ägyptens machte. Der Ruhm dauert auch fort, solange sein Name genannt wird. - Sie erlöste das gerechte Griech.: heilige – im Sinne von [2Mos 19,4]. - Volk und das unsträfliche Geschlecht So werden sie ihren Bedrückern gegenüber genannt. Vergl. [Hab 1,13]. Doch auch in sich betrachtet, waren sie wohl in Ägypten tadellos, da sie erst in der Wüste sich halsstarrig zeigten. - von den Völkern, die es unterdrückten. Sie ging in die Seele des Dieners Gottes ein Moses. - und er trat furchtbaren Königen Pharao (derselbe Plural [Ps 104,30]). - entgegen mit Wundern und Zeichen. Diese hatten die Weisheit zur Urheberin, weil sie dartun sollten, dass der Herr Gott der Mitte des Landes sei, sodann weil es nach [Weish 7,27] Sache der Weisheit ist, Propheten zu schaffen, vergl. [2Mos 6,30ff], endlich weil nur die allmächtige Weisheit so große Wunderwerke vollbringen konnte. - Sie verlieh den Gerechten Den frommen Verehrern Gottes, den Israeliten. [2Mos 12,36] Die Israeliten hatten für ihre Anstrengungen den Lohn nicht erhalten, Gott bewirkte, dass die Ägypter den Bitten der Israeliten ein geneigtes Ohr liehen. Über die Übersetzung der Vulg. und den hebr. Text siehe an jener Stelle. Die Israeliten haben um Geschenke gebeten und diese sind ihnen zuteil geworden. - den Lohn für ihre Mühen, leitete sie auf wunderbarem Wege Durch die Wolken- und Feuersäule. - und war ihnen Schirm am Tage und Sternenleuchte des Nachts; sie führte sie durch das Rote Meer und brachte sie durch große Gewässer. Ihre Feinde aber versenkte sie in das Meer und ließ sie aus der Tiefe des Abgrundes heraufkommen. Die Ägypter wurden an das Land geworfen. - Darum trugen die Gerechten die Beute der Gottlosen davon Von dieser Ausplünderung wird zwar im Exodus nichts gesagt, doch erwähnt sie Flav. Josephus und sie ergibt sich aus [2Mos 14,31]. - und priesen, o Herr! deinen heiligen Namen und lobten einmütig deine siegreiche Hand, denn die Weisheit öffnete den Mund der Stummen und machte die Zungen der Unmündigen beredt. Einige erklären: Die Juden, welche gleich Stummen und Säuglingen unter der ägyptischen Tyrannei das Lob des Herrn nicht singen durften. Andere: Moses, der eine schwere Zunge hatte. [2Mos 6,12.30] Im Übrigen vergl. [Ps 8,3].

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