Weisheit 11
Biblia Sacra (Allioli-Arndt)
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Besondere Erwägung der Gegensätze. 1. Welchen Gegensatz bilden zu den Israel zuteil gewordenen Gnadenerweisen die Strafen der Ägypter, in denen sich die Gerechtigkeit Gottes und zugleich seine Barmherzigkeit offenbarten. [Weish 12,2]
1 Sie leitete ihre Werke durch die Hand des heiligen Propheten. Moses. [5Mos 34,10ff] - 2 Sie durchzogen unwohnliche Wüsten Weil die Weisheit sie leitete, konnten sie ihren Weg dahin richten, wo keine Straße war. Ohne Dazwischenkunst der göttlichen Vorsehung hätte ein so großes Volk die Wüste nicht durchziehen und vierzig Jahre in derselben weilen können. - und schlugen ihre Gezelte an öden Orten auf. 3 Sie widerstanden ihren Feinden und wehrten ihre Widersacher Im Gegensatz zu den offenen Feinden wohl die Moabiter und Madianiter. - ab. 4 Als sie dürsteten, riefen sie Nicht das gesamte Volk, wie ja auch in V. 3 nur die waffenfähige Mannschaft gemeint ist. - dich an und es ward ihnen Wasser Der Verfasser will die gnadenreichen Erweise der göttlichen Vorsehung schildern. - aus hohem Felsen Griech.: Aus scharf abgeschnittenen (also wohl: Kieselstein). Vergl. auch den Fels als Typus [1Kor 10,4]. - gegeben und Stillung des Durstes aus hartem Gestein. 5 Denn wodurch ihre Feinde gestraft wurden, Die folgende Anspielung auf die Verpestung des Nils fehlt im jetzigen griechischen Texte. So ist die erste Hälfte des Verses gleichsam das Thema, das bis zu Ende des Buches ausgeführt wird, und bei jedem neuen Falle zu ergänzen. Vergl. [Weish 16,2ff]. - da ihnen das Trinkwasser ausging, dessen erfreuten sich die Kinder Israels im Überfluss. Denn während es jenen mangelte, ward diesen dadurch Gutes zuteil. 6 Anstatt des Bornes immerfließenden Wassers nämlich gabst du den Ungerechten Menschenblut. 7 Während diese zur Strafe für die gemordeten Kinder Verlust erlitten, Griech. V. 7, V. 8: Statt der Quelle lebendigen Wassers wurden sie erschreckt durch das mordblutähnliche Blut des Flusses zum strafenden Hinweis auf den kindesmörderischen Befehl; jenen aber gabst du reichliches Wasser unverhofft. – Dieser Text ist sicherlich nicht unversehrt. - gabst du jenen unverhofft Weil in dürrer Wüste. - die Fülle des Wassers. 8 Durch den damaligen Durst zeigtest du, wie du die Deinigen erhöhtest und ihre Widersacher tötetest. Richtiger: züchtigtest. - 9 Denn da sie geprüft wurden, wiewohl sie nur gnädige Züchtigung erduldeten, erkannten sie, welche Qualen die im Zorne gerichteten Gottlosen zu erleiden haben. 10 Denn diese prüftest du wie ein mahnender Vater, jene aber nahmst du wie ein strenger König in Verhör und verurteilest sie. Für die Israeliten war die Wassernot nur eine Prüfung des Vertrauens, für die Ägypter eine Strafe, jenen sandte Gott sie in liebender Erbarmung, diesen als Äußerung seines gerechten Zornes. Für jene war sie ein Mittel in der Hand Gottes zu ihrer Erziehung, für die Ägypter Strafe, den Israeliten erwies sich Gott als Vater, den Ägyptern als strenger Herrscher. Für jene sollte es eine Mahnung sein, sich an Gott zu wenden, für diese ein Gericht. - 11 Fern von ihnen und nah wurden sie in gleicher Weise gepeinigt. Auch als die Israeliten fern, litten die Ägypter noch um ihretwillen durch Zorn, Neid usw. - 12 Denn Beweis dafür, dass die Ägypter auch fern von den Israeliten in ihren Herzen Pein litten. - doppeltes Leid und Seufzen Das erste Leid bestand in dem Gedanken, dass die gleichen Umstände, welche ihnen soviel Leid verursacht, den Israeliten Ursache zu wunderbaren Wohltaten wurden (14a), das zweite, dass sie die strafende Hand Gottes, die Nichtigkeit ihrer Götzen und die Liebe Gottes zu seinem Volke anerkennen mussten. Diese Leiden musste sie um so mehr schmerzen, als sie nun die bewundern mussten (15b), die sie einst verachtet. (15a) - ergriff sie bei dem Andenken an das Geschehene. 13 Denn als sie hörten, dass durch die Qualen, welche sie litten, jene Gutes empfingen, gedachten sie des Herrn Griech.: erkannten sie den Herrn (die folgenden Worte fehlen im Texte). - und verwunderten sich über den Endausgang. 14 Denselben nämlich, den sie einst durch grausame Aussetzung preisgegeben Moses. - und verlacht hatten, über diesen staunten sie Der König und seine Höflinge. [2Mos 5,2] - am Ende des Ausganges, Als sie Israel nicht mehr in die Knechtschaft zurückführen konnten. - da sie ganz anders Durst litten als die Gerechten. 15 Für die törichten Gedanken ihrer Gottlosigkeit aber, in denen befangen, sie stumme Schlangen Griech.: unvernünftiges Gewürm. - und verächtliche Tiere göttlich verehrten, sandtest du wider sie ein Heer vernunftloser Tiere zur Vergeltung; 16 auf dass sie inne würden, dass, womit jemand sündigt, er damit auch gestraft werde. Neuer Zug der göttlichen Weisheit in der Leitung des auserwählten Volkes und der Bestrafung seiner Feinde. Der Gottesdienst der Ägypter war ein Tierdienst, durch Tiere rächte sich Gott an ihnen. Vergl. [4Mos 33,3.4]. - 17 Denn deine allmächtige Hand, welche den Erdkreis aus unsichtbarem Stoffe erschuf, Vergl. [1Mos 1,2]. Es handelt sich nicht um die Schöpfung der Welt aus nichts, die bereits vorausgesetzt ist. - wäre nicht unvermögend gewesen, eine Menge von Bären oder kühne Löwen unter sie zu senden 18 oder neugeschaffene, wütige, unbekannte Tiere, die Feuerodem schnaufen oder Qualm ausstoßen oder furchtbare Feuerfunken aus den Augen sprühen, Solche kann Gott bilden. Vergl. die Schilderung [Job 41,9-12]. - 19 deren Anfall sie nicht bloß vernichten, sondern deren Anblick sie schon durch Schrecken hätte töten können. 20 Aber auch ohne alles dies hätten sie durch einen einzigen Hauch Gottes. Vergl. [Job 4,8]. - getötet werden können, verfolgt von ihren eigenen Taten und zerstreut durch den Hauch deiner Macht; doch du hast alles nach Maß, Zahl und Gewicht geordnet. Die weise Strafgerechtigkeit Gottes, mit der er den Schuldigen nicht große Tiere sandte, sondern solche, die sie bekehren, nicht verderben sollten, ist nicht auszuschließen (vergl. V. 24ff), aber der Satz ist auf die bei Gottes Strafen überhaupt hervortretende Weisheit oder vielmehr auf alle weisen Anordnungen Gottes, zu denen auch die Strafgerichte gehören, auszudehnen. Maß, Zahl und Gewicht zeigen sich am deutlichsten in der sichtbaren Natur, von der die Ausdrücke zunächst genommen sind. - 21 Denn Begründung zu V. 18. - Großes zu vermögen gehörte allezeit dir allein zu, und wer wird der Stärke deines Armes widerstehen? 22 Wie ein Stäubchen Griech.: Ausschlag in der Wage, das, was eben hinreicht, das Gleichgewicht zu stören. - in der Waage, so ist der Erdkreis vor dir und wie ein Tropfen Morgentau, der auf die Erde herabfällt. Der Tautropfen ist wie ein Bild der Kleinheit, so noch mehr der Unbeständigkeit und der Widerstandslosigkeit; kaum erscheint die Sonne, so verschwindet er. – Das Gewaltigste, was wir kennen, ist der Erdball, und selbst der ist Gott gegenüber wie nichts! - 23 Doch du erbarmst dich aller, weil du alles vermagst, Weiterer Grund, warum Gott nicht seine ganze Macht im Bestrafen entfaltet. Seine Macht ist so erhaben über alle menschliche Kraft, dass diese nicht Gegenstand der göttlichen Entrüstung sein kann, so verschwindet sie gegen jene. Dazu vermag kein Geschöpf seiner Allmacht zu entfliehen und deshalb kann er warten mit der Strafe. Begnadigen können jetzt weiter die höchste Herrschergewalt voraus und soweit das Erbarmen sich auf Sünder erstreckt, verlangt es nicht weniger Macht als die Erschaffung der Welt. (Aug., Thom.) - und siehst hinweg über die Sünden der Menschen um der Buße willen. Damit sie Buße tun. – Der letzte Grund, weshalb Gott seine Allmacht durch Erbarmen, nicht durch Strafen offenbart, ist seine Liebe. (Gebet der Kirche am zehnten Sonntag nach Pfingsten.) - 24 Denn du liebst alles, was ist, und hassest nichts von dem, was du erschaffen hast; denn du hast nichts im Hasse angeordnet oder erschaffen. 25 Wie könnte aber etwas Bestand haben ohne deinen Willen? Oder wie würde etwas, was du nicht ins Dasein gerufen, erhalten? Vergl. [Ps 103,29ff, Ps 138]. - 26 Du schonst aber alles, weil es dein Eigentum ist, Vergl. V. 25. - o Herr! der du die Seelen Diese sind vollkommenere Abbilder der göttlichen Güte, während die anderen Geschöpfe nur Spuren derselben aufweisen; der Gnade nach aber geht ihre Ebenbildlichkeit so weit, dass sie an der göttlichen Natur teilhaben und Kinder Gottes werden, die einst in der Ewigkeit zu noch größerer Vollendung geführt werden sollen. Durch sie auch dienen die anderen Geschöpfe (in Erkenntnis Gottes und im Gebrauch nach seinem Willen) erst zur Verherrlichung Gottes. liebst.
Zitiert in 51
- V. 1 Dives In Misericordia(§4)
- V. 2 Gaudete Et Exsultate(§118)
- V. 10 Summa (EN)(II-II 39.4)
- V. 16 Summa (EN)(II-II 99.4
II-II 107.4 Suppl 5.2 Suppl 97.6 Suppl 97.7) - V. 20 CCC(¶299)Summa (EN)(I 5.5
I 7.4 Fragen(Creation and science)I 8.4 I-II 1.4 I-II 63.2 I-II 100.7 II-II 164.2 III 7.11 III 7.12) - V. 21 CCC(¶269)Fragen(Creation and science)
- V. 22 CCC(¶269)
- V. 23 CCC(¶269)Summa (EN)(Suppl 99.2)Amoris Laetitia(§91)Dives In Misericordia(§4)E Supremi(§6)Gaudete Et Exsultate(§118)Reconciliatio Et Paenitentia(§10)
- V. 24 CCC(¶301
¶373) Summa (EN)(I 20.2I 23.3 Dives In Misericordia(§4I-II 79.1 I-II 110.1 II-II 25.3 III 49.4) §15) Laudato si’(§77)Reconciliatio Et Paenitentia(§10) - V. 25 CCC(¶301)Summa (EN)(I 19.4
I 19.12) Laudato si’(§77)Reconciliatio Et Paenitentia(§10) - V. 26 CCC(¶301)Evangelium Vitae(§32)Laudato si’(§89)Reconciliatio Et Paenitentia(§10)
- V. 27 Laudato si’(§89)