Titusbrief 3

III. Allgemeinere Mahnungen: (Kap. 3, V. 1 – 11): 1. Mahnung zum Gehorsam gegen die Obrigkeiten. (V. 1) 2. Mahnung zur Liebe gegen alle Menschen und zur Nachgiebigkeit. Niemand ist zu verachten, denn auch jene Christen waren einst in Laster versunken, dass sie nun aber rein sind, ist nicht ihr Verdienst, sondern das Werk der Gnade Christi (V. 7), deshalb sollen sie täglich in guten Werken fortschreiten. (V. 8) 3. Mahnung, eitle Streitfragen zu meiden, welche die Irrlehrer aufzuwerfen pflegen, auch die Häretiker selbst zu meiden. (V. 11) Epilog (V. 12 – 15): Paulus lädt Titus zu sich nach Nikopolis ein. Grüße. Apostolischer Segen.

Mahne sie, den Fürsten und Gewalten Das Abstraktum stellt die verlangte Unterwürfigkeit als eine der Würde zu leistende dar. Über denselben Gegenstand [Roem 13] V. 1 – 7, [1Petr 2,13] - untertan zu sein, den Befehlen Gehorsam zu leisten, zu jedem guten Werke bereit zu sein, Die Aufgabe der Obrigkeit ist es, Gutes zu befehlen. Das Christentum gibt keine nähere Bestimmung über die Einrichtung der Staaten; dem bestehenden Rechtszustande unterwirft sich der Christ als einem von Gott zur Handhabung der Gerechtigkeit gesetzten. - niemanden zu lästern, nicht streitsüchtig, sondern nachgiebig zu sein, und alle Sanftmut zu beweisen gegen alle Menschen. Eine nähere Bestimmung gibt der Apostel [Roem 12,18]. - Denn einst Die Erinnerung hieran ist ein Grund zum rechten Verhalten gegen andere (Chrys.). - waren auch wir unverständig, Ohne die rechte Einsicht. - ungläubig, Griech.: Ungehorsam, nämlich gegen Gott und seine Gebote im Gewissen, woraus dann das völlige Abirren von dem Höchsten und von der wahren Bestimmung des Menschen entspringt. - verirrt, mancherlei Begierden und Lüsten fröhnend, in Bosheit und Neid dahinlebend, verabscheuungswürdig, einander hassend. Als aber Wenn wir jetzt nicht mehr sind, was wir waren, haben wir dies in keiner Weise uns selbst zu verdanken und also keinen Grund, auf andere verächtlich herabzublicken. - die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes, unsers Heilandes, Des Vaters, der unser Erlöser ward, indem er seinen eingeborenen Sohn auf die Erde herniedersandte. - erschien, Wie ein leuchtendes Gestirn. - hat er uns nicht wegen der Werke, die wir in Gerechtigkeit getan, sondern nach seiner Erbarmung gerettet durch das Bad der Wiedergeburt und der Erneuerung des Heiligen Geistes, Die gesamte Lehre von der Heiligung ist in diesem Verse enthalten. Wir sind gerechtfertigt ohne Werke, sei es der Natur, sei es des mosaischen Gesetzes; wir sind in der Taufe von den Sünden befreit worden; durch innerliche Erneuerung gerechtfertigt, deren Ursache der Heil. Geist ist. (Vergl. Kirchenrat von Trient Sitz 6, Kann. 11). - welchen er überreichlich auf uns ausgegossen hat durch Jesus Christus, unsern Heiland, Zwei andere Ursachen der Rechtfertigung; die formale: die heiligmachende Gnade, durch welche die ganze heilige Dreifaltigkeit in uns ihren Sitz aufschlägt, die verdienstliche Ursache: Christus. - damit wir, gerechtfertigt durch seine Gnade, Die Absicht Gottes bei der Ausgießung des Heil. Geistes ist zunächst unsere Rechtfertigung. Gerecht ist der, dessen Gesinnung und Handlungsweise mit dem Gesetze Gottes übereinstimmt. Da nun der Heil. Geist den Menschen innerlich umschafft und die Liebe, welches des Gesetzes Erfüllung ist, in sein Herz gießt, so macht der Heil. Geist auch den Menschen innerlich und wahrhaft vor Gott gerecht. Eine nur äußere Gerechterklärung, wie man sie bei den Akatholiken wohl aus dem gerichtlichen Gebrauche des griech. Wortes (dikaiun) herleiten möchte, widerspricht der heil. Schrift an jeder Stelle. - der Hoffnung gemäß Erben würden des ewigen Lebens. Die Endursache: die ewige Seligkeit, welche die Gerechtfertigten jetzt schon der Hoffnung nach besitzen. Das Wort „Erben“ enthält eine Anspielung auf die Verteilung des heil. Landes. [Joh 13,23.28] Das Land der Väter war durch das Elend der Verbannung den Hebräern überaus teuer geworden und ward Bild und Ausdruck alles Heiles, das sie vom Messias erwarteten. Das N. T. nahm den gleichen Ausdruck Erbteil an, änderte aber die Bedeutung in dem Verhältnisse, als sein Heil höher und geistiger ist als das von den Juden erwartete. - Zuverlässig ist das Wort, Das in V. 4 – 7 Gesagte. - und ich will, dass du dies bekräftigest, damit diejenigen, welche an Gott gläubig geworden sind, beflissen seien gute Werke zu üben. Dies Dasselbe wie im Anfange des Verses. - ist den Menschen gut und heilsam. Auf törichte Streitfragen aber, Geschlechtsregister, Die Lehren über Klassen, Emanation usw. der Geister. (Tertull.) - Zänkereien und Streitigkeiten über das Gesetz Vergl. [1Tim 6,4]. Es handelte sich wohl um einen angeblich tieferen Sinn des Gesetzes. - lass dich nicht ein; denn sie sind unnütz und eitel. Einen ketzerischen Menschen Die göttliche offenbarte Wahrheit duldet es nicht, dass man das eine vom Evangelium annehme, das andere für indifferent erkläre, das dritte verwerfe; aber auch nicht, dass man Dinge, die ihm fremd sind, beifüge. Als Wahrheit von Gott gegeben lässt das Evangelium nicht zu, dass man es nach Vorurteil oder persönlicher Neigung auffasse und gestalte. Als Wahrheit endlich für alle gestattet es nicht, dass die einen sich ein vollkommenes Wissen zuschreiben, das nicht für alle sei. In allen drei Punkten trugen die Verirrungen jener Irrlehrer auf Kreta den Charakter der Häresie, d. i. solcher Gesinnungsart, welche sich mit dem Glauben und dem Streben der Kirche in entschiedenen und hartnäckigen Widerspruch stellt. - meide, nach ein- oder zweimaliger Zurechtweisung; Ist die Mahnung ohne Erfolg, so ist dies ein Zeichen, dass es jenem um etwas anderes zu tun ist als um Wahrheit und Tugend, sei es auch, dass er selber meint, nur im Interesse dieser zu sprechen und zu handeln. Will man seine Verirrung hinwegdisputieren? Es wäre, wie die Geschichte zeigt, alle Mühe verloren. Sind die Gründe für die Wahrheit stärker und die Geschicklichkeit des Disputierenden größer, so wird der Gegner vielmehr gereizt; gelingt es diesem, trotz seiner schlechten Sache durch seine Geschicklichkeit über den Gläubigen zu siegen, so schadet der Disputierende der guten Sache in den Augen vieler, die nur nach dem Scheine urteilen, und dem Verirrten selbst, dem sein Sieg alle Zweifel zerstreut und die Gewissensbisse erstickt. – Die Mahnung ist notwendig, nicht allein, damit die Hartnäckigkeit feststehe, sondern auch damit dem Irrenden Gelegenheit geboten werde, den Irrtum zu erkennen und die Wahrheit anzunehmen. Vergl. [2Tim 2,25.26]. Die Zurechtweisung muss mit Geltendmachung der amtlichen Stellung des Bischofes geschehen und mit der Androhung der Ausschließung verbunden sein. - da du weißt, dass ein solcher verkehrt Metapher vom Gebäude, das, wenn ein Teil einfällt, ausgebessert werden kann, doch wenn das Fundament wankt, selbst einstürzt. Der Apostel schließt übrigens nur die Hoffnung aus, welche sich auf die Mahnung gründet, denn das Wort [Roem 11,23] bleibt stets wahr. - ist und sündigt, als einer, der durch sein eigenes Urteil verdammt ist. Er vermag keine Entschuldigung und Verteidigung mehr vorzubringen. - Wenn ich Artemas oder Tychikus Artemas ist unbekannt, Tychikus wird [Apg 20,4, Eph 6,21.22, Kol 4,7.8, 2Tim 4,12] erwähnt. - zu dir sende, so eile zu mir nach Nikopolis Eine Stadt dieses Namens gab es in Thracien und in Cilicien. Die erstere, die hier wohl gemeint ist, war als Übergangsstation von Griechenland nach Italien sehr gelegen. - zu kommen; denn daselbst habe ich beschlossen, den Winter über zu bleiben. Zenas, den Gesetzkundigen, Entweder war Zenas vor seiner Bekehrung Schriftgelehrter, oder, da er seinen Beinamen nach der Bekehrung beibehielt, wahrscheinlich Rechtsgelehrter. - und Apollo Der aus dem ersten Korintherbriefe bekannte Apollo. Siehe [1Kor 16,12]. - sende voraus, Wahrscheinlich kamen Zenas und Apollo mit diesem Briefe nach Kreta, und ihre Reise über diese Insel bestimmte den Apostel, diesen Brief an Titus zu schreiben. - und sorge, dass ihnen nichts mangle. Aber auch die Unsrigen Die Glieder der Gemeinde von Kreta. - mögen lernen, An deinem Beispiele. - gute Werke zu üben zur Befriedigung nötiger Bedürfnisse, Die guten Werke sind hier wie V. 8 als selbstverständlich vorausgesetzt und erhalten nur ihre bestimmte Richtung angewiesen: Für bestimmte notwendige Bedürfnisse Sorge zu tragen. Dem Zusammenhange nach liegt der Gedanke an die Unterstützung Reisender nahe. Die bedürftigen Mitchristen sind es, welche an den gläubigen Christen Frucht suchen. - damit sie nicht unfruchtbar seien. Es grüßen dich alle, die bei mir sind. Meine Mitarbeiter. Vergl. [2Tim 4,21]. Der Gruß des heiligen Paulus selbst geht noch an andere. - Grüße die, welche uns im Glauben lieben. Der Zusatz weist wohl darauf hin, dass es in der Gemeinde auch solche bereits gab, die am Glauben Schiffbruch gelitten. Der Schlusssegenswunsch dagegen schließt alle ein. Die Gnade Gottes sei mit euch allen! Amen.

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