Tobit 1

Die Nova Vulgata überarbeitet bei diesem Buch nicht die Übersetzung des heiligen Hieronymus, wie sie es sonst tut: Sie druckt an ihrer Stelle eine ältere lateinische Übersetzung, sodass dieselbe Kapitel- und Versnummer in ihr und in der Clementinischen Vulgata verschiedenen Text bezeichnet.

I. Frömmigkeit und Unglück des älteren Tobias und Saras. (1,1 – 3,25) 1. Frommes Leben des älteren Tobias. (1,1 – 3,6) A. Tobias aus dem Stamme Nephthali beobachtet, obwohl er im Reiche Israel wohnt, das Gesetz Moses von Jugend auf und erzieht seinen Sohn in demselben. (V. 10) B. Mit seinem Weibe und seinem Sohne von Salmanasar gefangen, und nach Ninive geführt, wird er dem Gesetze nicht untreu, sondern benutzt die ihm gestattete Freiheit der Bewegung dazu, seine Mitgefangenen zu trösten und zu unterstützen. (V. 15) Einem derselben, Gabel in Rages in Medien, gibt er eine große Summe Geldes gegen einen Handschein. (V. 17) C. nach dem Tode Salmanasars hört Tobias nicht auf, weiter seinen Volksgenossen Liebe zu erweisen, als der Sohn Salmanasars Sennacherib sie bedrückte (V. 20), insbesondere nach der Niederlage Sennacheribs in Palästina. Viele Israeliten, welche der Tyrann hatte töten lassen, bestattet er, weshalb der König ihn zu töten sucht. Aller Habe beraubt, flieht Tobias mit Weib und Kind, bis Sennacherib von seinen Söhnen getötet wird.

Tobias Im griech. Texte heißt der Vater Tobit, der Sohn Tobias; in der Itala und bei den ältesten Vätern der ältere Tobis, der Sohn Tobias. Zugrunde liegt dem Namen die hebräische Form Tobi, Abkürzung für Tobijahu, Hilfe Gottes. - war aus dem Stamme und der Stadt Nephthali Aus dem Stamme und der gleichnamigen Stadt Nephthali. - (welche in dem oberen Teile von Galiläa Die Bewohner des Hochlandes von Galiläa zeichneten sich durch Religiosität aus. Diese Angabe ist zugleich für den Gesetzeseifer des älteren Tobias charakteristisch, der von dem fernsten Gebirge nach Jerusalem kommt. - liegt, oberhalb Naasson, hinter Bei einer solchen Bestimmung wendet man das Gesicht nach Sonnenaufgang. Nephthali lag wohl am Ende des Weges. Vergl. [5Mos 11,30]. - dem Wege, der nach Westen führt und zur Linken Nördlich. - die Stadt Sephet hat). Er war in den Tagen Salmanasars, des Königs von Assyrien, Tobias war unter den 27280, welchen Sargon nach eigener Angabe wegschleppte. Da er bei dieser Deportation noch ein Kind war, konnte er den Untergang Ninives 606 noch erleben, wie dies die griechischen Texte [Tob 14,15] übereinstimmend berichten. Freilich muss er dann bereits 120 Jahre alt gewesen sein, nicht wie unsere Vulgata hat, 102. Ninive wird [2Sam 17,16] und [2Sam 18,11] nicht genannt, doch musste er von den in der Fremde Handel treibenden Juden wohl aufgesucht oder zeitweise bewohnt werden. - gefangen fortgeführt, aber auch in der Gefangenschaft verließ er den Weg der Wahrheit Die wahre Gottesverehrung und die von derselben gelehrten Tugenden. Von den letzteren werden V. 3 besonders die Werke der Barmherzigkeit erwähnt. - nicht, so dass er alles, was in seinem Vermögen war, täglich seinen mitgefangenen Brüdern, welche aus seinem Geschlechte waren, mitteilte. So wahrte er den rechten Maßstab der Liebe: Engere Verbindung mit dem Spender, dem Schöpfer, und größere Bedürftigkeit. - Und obgleich er der jüngste Gegensatz zu den V. 3 erzählten Begebenheiten. - unter allen im Stamme Nephthali war, so zeigte er doch nichts Kindisches in seiner Handlungsweise. Gemeint ist wohl das zwölfte Lebensjahr, in dem der Knabe ein „Sohn des Gesetzes“ ward. Das Kindische wäre die Nachahmung der Unvollkommenheit anderer gewesen. (V. 5) - Als nämlich Vergl. über die Begründung vorhergehender Sätze durch Beispiele die Einleitung mit denique [5Mos 2,11, Ju 11,11] - alle zu den goldenen Kälbern Vergl. [1Koe 12,26ff]. Da Bethel vom Stamme Nephthali zu weit entfernt war, sind wohl die von Dan gemeint. - gingen, welche Jeroboam, der König von Israel, gemacht hatte, mied er allein die Gemeinschaft aller Von aller Teilnahme an religiösen Übungen. - und ging vielmehr nach Jerusalem zu dem Tempel des Herrn und betete daselbst den Herrn, den Gott Israels, an Die Vorschrift der Anbetung [5Mos 16,16] der Erstlingsgaben [4Mos 18,15] u.a., der Zehnten [3Mos 27,30ff] u.a. Zehnt wie Erstlingsgaben konnte mit Hinzufügung des Fünftels vom Werte in Geld entrichtet werden [3Mos 27,31], doch Tobias wollte trotz aller Beschwerden des Weges die Erstlingsgaben, welche das Heiligtum mehr angingen, in Natur entrichten. - und brachte alle seine Erstlinge und seine Zehnten treulich dar, so dass er im dritten Jahre den Fremdlingen und Ankömmlingen alle Zehnten darreichte. Alle drei Jahre gab er an Witwen, Arme und Fremde (Proselyten des Tores und der Gerechtigkeit) zu Haus einen Zehnten. Welch Gegensatz gegen seine Volksgenossen! - Dieses und ähnliches beobachtete er nach dem Gesetze Gottes schon in seiner Jugend. Nachdem er aber ein Mann geworden war, nahm er Anna aus seinem Stamme Innerhalb des Stammes zu heiraten galt wohl als Zeichen besonderer Religiosität. Vergl. [Tob 4,13] im Griech. - zum Weibe und zeugte mit ihr einen Sohn, dem er seinen Namen gab. Der Sohn wird noch während der Gefangenschaft geboren. - Diesen lehrte er von Kindheit auf Gott fürchten und alle Sünde meiden. Er kam also Fortsetzung von V. 4. - mit seinem Weibe und seinem Sohne in die Gefangenschaft nach der Stadt Ninive, Trotz seiner Frömmigkeit ging auch Tobias nicht der Wegführung in das Exil, das Gott zur Strafe für die Gottlosigkeit Ephraims verhängte. [2Koe 17,7ff] Indes, waren auch die äußeren Umstände die gleichen, so war Gottes Absicht eine verschiedene für ihn als für seine Volksgenossen: Mehrung seiner Tugend (Ambros.) Ja, nach [Tob 12,13] ist gerade seine Frömmigkeit Grund seiner Prüfung; doch nicht für ihn allein soll nach Gottes Vorsehung aus der Heimsuchung Heil erwachsen, sondern auch für viele andere, denen seine Geduld und deren Lohn zum lehrreichen Beispiel dienen soll [Tob 2,12] wie für die Heiden, unter denen die Erkenntnis des wahren Gottes sich mehrt. Wie das spätere babylonische, so war das assyrische Exil ein Heilmittel für die Juden, sie vom Götzendienste zu entfernen. Vergl. [Tob 1,5] und [2Chr 30,10ff]. - zugleich mit seinem ganzen Stamme. Entweder Wiederholung des schon Berichteten oder der Rest des Stammes kam dorthin. - Während aber alle von den Speisen der Heiden aßen, bewahrte er seine Seele Hebraismus: sich. - und verunreinigte sich niemals durch die Speisen derselben. War schon die Beobachtung des Zeremonialgesetzes im eigenen Lande schwer, so noch viel mehr im fremden, und besonders bei der Gleichgültigkeit der anderen. - Und weil er des Herrn von ganzem Herzen eingedenk war, ließ Gott ihn vor dem Angesichte des Königs Salmanasar Gnade finden und dieser gab ihm Erlaubnis, zu gehen, wohin er immer wollte, Wohl auch über die Grenzen des eigentlichen Assyrien hinaus bis nach Medien. Er wurde nicht mehr als Gefangener behandelt. Seine Absicht bei den Reisen ist, anderen Israeliten Stärkung im Glauben und Trost zu bringen. (V. 15) - und es stand ihm frei, alles zu tun, was er wünschte. So ging er zu allen, die in der Gefangenschaft waren, und gab ihnen heilsame Ermahnungen. Als er nun nach Rages, Rages, die Hauptstadt Mediens, lag etwa 300 Kilometer östlich von Ekbatana und über 37 geogr. Meilen östlich von Ninive. - einer Stadt der Meder, gekommen war, und von dem, womit er von dem König beschenkt Oder belohnt war. - worden war, noch zehn Talente Silber hatte, sah er unter der Menge seiner Volksgenossen Gabel darben, der aus seinem Stamme war, und gab ihm gegen eine Handschrift das erwähnte Gewicht Silber. Nach dem Griech. lieh er Gabel das Geld nicht, sondern legte es bei ihm nieder. Da dasselbe eine hohe Summe ausmacht, 78000 Mark, oder, wenn es babylonische Talente waren 46800 Mark, war dieselbe wohl nicht für Gabelus allein bestimmt. - Als aber nach langer Zeit Im Jahre 722 war Tobias fortgeführt, 711 soll Sennacherib den Thron bestiegen haben. Sennacherib war in Wahrheit ein Sohn des Usurpators Sargon. Die Abschreiber haben, wofür viele andere Belege zeugen, einen bekannten Namen statt eines ihnen unbekannten eingesetzt. Die griechischen Texte haben, wo sonst Salmanasar genannt wird, den Namen Enemassar (groß ist der König), dies Wort enthält den Namen Sar-gon mit der assyrischen Nominativendung. - der König Salmanasar gestorben und sein Sohn Sennacherib an seiner Statt König geworden war, dem die Söhne Israels verhasst waren, Eine förmliche Verfolgung trat erst nach der Niederlage V. 21 ein. Sennacherib: Assurachiddin griech. Sacherdonos, chald. Asarhaddon. - ging Tobias täglich bei allen seinen Verwandten umher, tröstete sie und teilte einem jeden von seinem Vermögen mit, so viel er konnte; die Hungernden speiste er, den Nackten reichte er Kleider und den Toten und Erschlagenen verschaffte er voller Sorgfalt das Begräbnis. Die Werke der körperlichen Barmherzigkeit werden hier ihrer Veranlassung halber mehr hervorgehoben. Der Wert der Totenbestattung, vergl. [Tob 2,3ff, Tob 12,12], als Liebestat liegt in der Wertschätzung des Begräbnisses seitens der Überlebenden und dem Wunsche des Verstorbenen des Glaubens an die Auferstehung wegen (Aug.), auch für seinen Leib gesorgt zu sehen. (Thom.) Ein so frommer Israelit konnte nicht weniger Einsicht haben als Job [Job 19,28] und der Verfasser des zweiten Buches der Machabäer. [2Mak 12,43-46] - So auch, als der König Sennacherib aus Judäa zurückgekommen war, nach der Niederlage fliehend, welche Gott um seiner Lästerung willen über ihn gesandt hatte, Die Vernichtung des Heeres Sennacheribs, Enkels des Salmanasar, wird erzählt [Jes 37,36, 2Koe 18,13, 2Koe 19, 2Chr 32]. - und er in seinem Grimm hierüber viele von den Söhnen Israels tötete, begrub Tobias ihre Leichen. Als dies aber dem Könige berichtet ward, befahl er, ihn zu töten, und nahm ihm sein ganzes Vermögen weg. Da floh Tobias mit seinem Sohne und seinem Weibe und hielt sich, von allem entblößt, verborgen; denn viele hatten ihn lieb. Nach fünfundvierzig Tagen So viele Tage nach der Wegnahme der Güter des Tobias. Nach seinem Rückzuge regierte Sennacherib noch lange. Vergl. [Jes 37,37]. - aber ward der König von seinen eigenen Söhnen getötet und Tobias kehrte wieder in sein Haus zurück und sein ganzes Vermögen ward ihm wieder zurückgegeben. Sein eigentliches Vermögen hatte Tobias dem Gabel gegeben und da er es nicht zurückzuholen vermochte, verzehrte er in seiner Erblindung seine Habe bald. Nach dem Griech. vermittelte sein Vetter Achicharos, der bei Hofe an der Spitze des Rechnungswesens stand, die Zurückgabe. In der Vulg. wird Achicharos [Tob 11,20] erwähnt.

Zitiert in 6