Tobit 3
Die Nova Vulgata überarbeitet bei diesem Buch nicht die Übersetzung des heiligen Hieronymus, wie sie es sonst tut: Sie druckt an ihrer Stelle eine ältere lateinische Übersetzung, sodass dieselbe Kapitel- und Versnummer in ihr und in der Clementinischen Vulgata verschiedenen Text bezeichnet.
Biblia Sacra (Allioli-Arndt)
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Tobias wendet sich in seinem Unglück in heiligem Gebet an Gott, um den Tod bittend. (V. 6) 2. Bedrängnis und Gebet Saras. (V. 7-23) A. An demselben Tage, an dem Tobias der Ältere von seiner Frau, wird fern von ihm Sara von einer Magd geschmäht, weil sieben Männer, denen sie nacheinander gegeben, in der Hochzeitsnacht von einem bösen Geiste getötet waren. (V. 10) B. Sara flieht in ihrer Betrübnis zu Gott und bittet ihn gleichfalls inständig, sie eher sterben als noch weiter diese Schande tragen zu lassen. (V. 23) 3. Erfolg des Gebetes des Tobias und der Sara. (V. 24, V. 25) Beider Gebete erhört Gott und sendet den Engel Raphael, beiden zugleich zu helfen.
1 Da seufzte Tobias und fing an, unter Tränen zu beten, 2 und sprach: Alle Eigenschaften eines guten Gebetes finden sich hier vereint, Glaube, Demut, Beständigkeit, Andacht. (V. 3.5.6: So tue nun.) Durch seine Demut und Tränen verdiente Tobias die Heilung von der Blindheit und die Tröstung in der Armut [Tob 12,12] (Bernh.) - Du bist gerecht, o Herr! und alle deine Gerichte sind gerecht und alle deine Wege sind Barmherzigkeit und Wahrheit und Recht. In Gottes Handels ist die Barmherzigkeit stets mit Gerechtigkeit und Wahrheit verbunden. (Thom.) - 3 Und nun, Herr! gedenke meiner und nimm keine Rache wegen meiner Sünden und gedenke nicht meiner Vergehen oder derer meiner Eltern. Vergl. [Weish 12,11]. Nur den Schuldigen wird eine Heimsuchung als Strafe auferlegt, als Heilmittel auch anderen als denen, die sich verfehlt haben. (Thom.) - 4 Denn wir haben deinen Geboten nicht gehorcht, darum sind wir der Beraubung hingegeben worden, der Gefangenschaft, dem Tode, dem Spotte und dem Hohne aller Völker, unter welche du uns zerstreut hast. Durch diese und ähnliche Ausdrücke wird im Alten Testamente das Strafgericht über das Volk Israel bezeichnet. - 5 Und nun, o Herr! groß sind deine Gerichte, weil wir nicht nach deinen Geboten getan haben und nicht aufrichtig vor dir gewandelt sind. Nicht gerecht, nicht, deiner Vorschrift entsprechend, ungeteilten Herzens. - 6 So tue nun, Herr! mit mir nach deinem Willen und lass meinen Geist in Frieden aufgenommen werden, denn es ist mir besser, zu sterben als zu leben. Vergl. [Job 7,15, 1Koe 19,4, 2Kor 1,8]. Es ist dem Gerechten nicht verwehrt, sich den Tod mit Unterwerfung unter Gottes Willen zu wünschen, wenn das Leben sehr bitter ist. (Aug.) In jedem Falle kommt Gott ja auf das fromme Gebet zu Hilfe. Zudem besagen die Worte: „Im Frieden aufgenommen werden,“ dass Tobias auch aus diesem Leben scheiden möchte, um Gott nicht mehr zu beleidigen und um mit ihm vereint zu werden. Dass er unmittelbar in den Himmel zu kommen hofft, ist nicht gesagt. - 7 An demselben Tage Da Sara drei Tage betete (V. 12), gilt das Gleiche wohl von Tobias. Der Greis betete, wie die Itala sagt und [Tob 3,7] zeigt, im Freien. - begab es sich, dass auch Sara, die Tochter Raguels, in Rages, Nach der Vulgata wohnte Sara in Rages (Rage) (doch kann dies Rages nicht dasselbe sein wie [Tob 1,16]), nach anderen Texten in dieser Stadt selbst. Mehrere Codd. der Vulgata haben den Namen Rages nicht, mit Recht. Nach der Itala [Tob 5,6] lag Rages zwei Tagereisen von Ekbatana. - einer Stadt der Meder, eine Beschimpfung von Seiten einer der Mägde ihres Vaters erfuhr; 8 denn sie war sieben Männern gegeben worden und ein böser Geist, mit Namen Asmodäus, Den Namen des Dämons und die Verbindung des Namens mit dessen eigentlicher Aufgabe in der Geschichte des Tobias mag der Verfasser aus der Volkstradition entnommen haben. Gott kannte die die geschaffenen Geister individuell unterscheidenden Merkmale; die Offenbarung indes lehnt sich an die herkömmlichen Namen an, mit welchen die Menschen die guten und die bösen Geister bezeichnen. Asmodäus ist nur ein anderer allgemeiner Name für Teufel, hergeleitet aus dem Assyr. asmad vernichten, wenngleich der Name hier auf einen bestimmten Geist der Unzucht angewendet wird. – Nach dem Griech. empfand Sara die Schmähung ihrer Magd so bitter, dass die Versuchung an sie herantrat, sich zu erhängen. - hatte diese getötet, sobald sie zu ihr gegangen waren. 9 Da sie also der Magd wegen einer Verschuldung einen Verweis gab, antwortete ihr diese und sprach: Möchten wir doch nimmermehr einen Sohn oder eine Tochter von dir auf Erden sehen, du Mörderin deiner Männer! 10 Willst du auch mich töten, wie du schon sieben Männer getötet hast? Auf diese Rede hin ging sie in das Obergemach ihres Hauses Ein bestimmtes abgesondertes Gemach auf dem Dache, das einen Ausgang in das Haus und einen solchen auf die Straße herab hatte. - und aß und trank nicht drei Tage und drei Nächte hindurch, 11 sondern verharrte im Gebete und flehte zu Gott unter Tränen, dass er sie von diesem Schimpfe befreien möchte. 12 Am dritten Tage aber, als sie ihr Gebet beschloss, pries sie Gott 13 und sprach: Während die übrigen Texte sehr eingehende Angaben über die zeitlichen Verhältnisse Saras und die Umstände des Gebetes Saras bieten, hebt die Vulgata mehr ihren Seelenzustand und das asketische Moment hervor. Der Hinweis auf die Reinheit ihres früheren Lebens (V. 16ff) und in ihrer Eheschließung, auf ihre Demut (V. 19) und ihre heldenmütige, aus dem Vertrauen auf Gottes Vorsehung entspringende Ergebung (V. 21) sowie die dreitägige Dauer ihres mit strengem Fasten verbundenen Gebetes machen sie ihrem Leidensgenossen Tobias ähnlich, mit dem sie auch außerordentliche Hilfe erlangen soll. Da in der Vulgata dies Gebet den Beschluss des Verharrens im Gebete durch die Tränen und das Ausstrecken der Arme nach dem Fenster, welches die Erhebung des Herzens zu Gott versinnbildet. Das Fenster hatte wohl die Richtung nach Jerusalem, wo der Tempel war. Vergl. [Dan 6,10]. - Gepriesen sei dein Name, du Gott unserer Väter! der du, nachdem du zuvor gezürnt, Die Worte enthalten vielleicht eine Erinnerung an [Hab 3,2]. - Barmherzigkeit übest und zur Zeit der Trübsal Die Trübsal, welche du in deinem Zorne verhängst, dient dazu, denjenigen Nachlass der Sünden zu verschaffen, die dich verehren. - die Sünden denen nachlässest, welche dich anrufen. 14 Zu dir, o Herr! wende ich mein Angesicht, zu dir erhebe ich meine Augen. 15 Ich bitte dich, o Herr! du wollest mich von der Fessel dieses Schimpfes freimachen oder mich wenigstens von der Erde wegnehmen. 16 Du weißt, Herr! dass ich niemals nach einem Manne verlangt und meine Seele rein bewahrt habe von aller Begierlichkeit. 17 Niemals habe ich mich unter die Mutwilligen Parallelismus. Mutwillig sind die, welche mit dem anderen Geschlechte tändeln und schäkern und sich strafwürdig verhalten. - gemischt, noch mich zu denen gesellt, welche in Leichtfertigkeit wandeln. 18 Einen Mann aber zu nehmen, habe ich eingewilligt aus Furcht vor dir, nicht aus meiner Lust, Sie unterwarf sich dem Gebote der Eltern, aus ihrer Hand den Bräutigam annehmend. - 19 und entweder war ich ihrer unwürdig oder sie sind vielleicht meiner nicht wert gewesen, weil du mich vielleicht einem andern Manne vorbehalten hast. Die Demut Saras zeigt sich in der Alternative, während doch das über die Freier gekommene Strafgericht Gottes offenbar zeigte, wer schuldig war. Das eine weiß sie unumstößlich, dass Gott die Leiden nur zum Wohle der Seinen schickt und nicht in Ewigkeit zürnt, sondern die bewährten Gerechten krönt, dem Sünder nach Strafe und Buße verzeiht. (V. 21) - 20 Denn dein Ratschluss steht nicht in des Menschen Gewalt. 21 Das aber hält jeder für gewiss, der dich verehrt, dass sein Leben, wenn er erprobt ist, gekrönt werden wird, und dass er, wenn er in der Trübsal gewesen, befreit werden wird, und dass er, wenn er der Züchtigung unterworfen gewesen, zu deiner Barmherzigkeit wird kommen dürfen. Unsichtbare Gnadenwirkungen, deren Sicherheit die Erfahrung bestätigt. - 22 Du hast ja kein Gefallen an unserm Verderben, denn nach dem Sturme schaffst du Stille und nach dem Weinen und Wehklagen flößest du uns Frohlocken ein. 23 Dein Name, o Gott Israels, sei gepriesen in Ewigkeit! V. 19-23 fehlen in den anderen Texten. - 24 In jener Zeit ward das Gebet beider Das Gebet des Tobias und das Schlussgebet Saras V. 13-23. - vor der Herrlichkeit des allerhöchsten Gottes Vor Gott. Die Herrlichkeit Gottes ist die sich einst in der Wolkensäule, dann zwischen den beiden Cherubim offenbarende Majestät Gottes. - erhört 25 und ein Engel des Herrn, der heilige Raphael, Rapha heilen El Gott. - ward gesandt, beide zu heilen, deren Gebet zu einer Zeit vor das Angesicht Gottes gebracht ward. Der Erzengel Raphael brachte wohl die Gebete vor Gott. Vergl. [Tob 12,12, Offenb 8,3ff]
Zitiert in 13
- Dieses Kapitel Summa (EN)(II-II 168.4)
- V. 2 Dives In Misericordia(§4)
- V. 3 Dives In Misericordia(§4)
- V. 11 CCC(¶2585)Dives In Misericordia(§4)
- V. 12 CCC(¶2585)Dives In Misericordia(§4)
- V. 13 CCC(¶2585)
- V. 14 CCC(¶2585)
- V. 15 CCC(¶2585)
- V. 16 CCC(¶2585)
- V. 17 Summa (EN)(II-II 168.4)
- V. 22 Summa (EN)(Suppl 15.1)