Tobit 5
Die Nova Vulgata überarbeitet bei diesem Buch nicht die Übersetzung des heiligen Hieronymus, wie sie es sonst tut: Sie druckt an ihrer Stelle eine ältere lateinische Übersetzung, sodass dieselbe Kapitel- und Versnummer in ihr und in der Clementinischen Vulgata verschiedenen Text bezeichnet.
Biblia Sacra (Allioli-Arndt)
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B. Auf die Frage des Sohnes, wie dies geschehen solle, befiehlt ihm der ältere Tobias, sich einen Reisegenossen zu suchen. (V. 4) Der Erzengel Raphael stellt sich ihm dar (V. 8) und begibt sich mit Zustimmung des Vaters mit dem jüngeren Tobias auf die Reise (V. 22), die Eltern in tiefste Betrübnis versenkt zurücklassend.
1 Da antwortete Tobias seinem Vater und sprach: Alles, was du mir befohlen hast, Zeitliches wie Ewiges. Insbesondere erwähnt der junge Tobias den sofort auszuführenden Auftrag. - will ich tun, Vater! 2 Wie ich aber dieses Geld zurückerhalten soll, weiß ich nicht. Er kennt mich nicht und ich kenne ihn nicht, welches Zeichen soll ich ihm geben? Die Besorgnis richtet sich nach dem Griechischen zunächst darauf, dass er jenem von Person unbekannt ist. Die Vorzeigung des Bürgscheines verpflichtete Gabelus zwar zur Auszahlung, bot aber keine Sicherheit, dass das Geld nach zwanzig Jahren wirklich an seinen rechtmäßigen Eigentümer gelangte. Deshalb scheint wohl ein Zeichen notwendig, dass die Identität der Person verbürgt. - Aber selbst den Weg, auf welchem man dorthin gehen muss, kenne ich nicht einmal. Der Weg betrug 37 Meilen. - 3 Da antwortete ihm sein Vater und sprach: Ich habe ja noch seine Handschrift bei mir; wenn du ihm diese zeigst, wird er es alsbald zurückgeben. 4 Aber gehe jetzt hin und suche dir einen zuverlässigen Mann, der für eine Belohnung Vorbehaltlich des gebührenden Lohnes; damals täglich eine Drachme (Denar) = ½ Mark. - mit dir reist, damit du es wiederbekommest, während ich noch lebe. 5 Als nun Tobias hinausging, fand er einen schönen Jüngling, geschürzt und reisefertig dastehend. 6 Er wusste nicht, dass es ein Engel Gottes war, und grüßte ihn und sprach: Woher bist du, guter Jüngling? 7 Jener aber antwortete: Aus den Söhnen Israels. Wie der Engel des Herrn von sich aus sagt, was nur Gott zukommt, so Raphael von sich das, was der Person des Azarias zukam. Der Heiland erschien so auch den Jüngern von Emmaus als Fremdling und handelte als solcher, der Maria Magdalena dem Gärtner ähnlich. Freilich schien die wahre Person des Heilandes durch und die Täuschung war eine nur momentane; aber auch hier ist das Verhalten des Engels ein solches, dass es ihm unschwer als etwas mehr denn einen gewöhnlichen Menschen zeigt und der Irrtum des Tobias wird gleichfalls aufgeklärt. Der Engel stellt sich strahlend von (überirdischem) Glanze dar (V. 5), wird unvermutet schnell gefunden (V. 10), sagt die Heilung des Tobias voraus (V. 13), rettet den jüngeren Tobias am Tigris, bannt den Teufel und heilt den Tobias, den Vater, endlich. So konnte seine endliche Offenbarung nur den Zweck haben, jenen seine Person, nicht jetzt erst sein Wesen, zu offenbaren. In der Tat nennt ihn Tobias [Tob 12,1] einen heiligen Mann. - Und Tobias sprach zu ihm: Kennst du den Weg, der in das Land der Meder führt? 8 Er antwortete ihm: Ich kenne ihn und bin alle Wege desselben oft gegangen Dies gilt ebenso von dem Engel wie von Azarias. - und bin bei unserem Bruder Gabel geblieben, Er war wohl einer der Schutzengel Israels oder wenigstens der 10 Stämme im Exil. Das Bleiben des Engels ist ähnlich zu fassen wie in der Komplet des Breviers: deine heiligen Engel mögen in ihr wohnen. - der sich in Rages, einer Stadt der Meder, aufhält, die auf dem Gebirge von Ekbatana Ekbatana lag am Fuße des Gebirges. Nach der Hauptstadt wurde dieses selbst benannt. - liegt. 9 Da sprach Tobias zu ihm: Ich bitte dich, warte ein wenig auf mich, bis ich dies meinem Vater mitteile. 10 Dann ging Tobias hinein und sagte dies alles seinem Vater. Der Vater verwunderte sich darüber und bat, jener möchte zu ihm hereinkommen. 11 Er kam also hinein, grüßte ihn und sprach: Freude sei mit dir immerdar! 12 Tobias sprach: Welche Freude soll mit mir sein, der ich in Finsternis sitze und das Licht des Himmels nicht sehe? 13 Der Jüngling entgegnete ihm: Sei guten Muts, gar bald Griech. Itala: Es ist Gott leicht. Bald: In dem Sinne, wie Tobias gebetet, durch den Tod? Im Griech. lässt der Engel seine wahre Natur stärker durchblicken, da er erst nach der betrübten Antwort des Tobias auf seinen Freudenwunsch diesen wiederholt. - wirst du von Gott geheilt werden. 14 Da sprach Tobias zu ihm: Wirst du meinen Sohn zu Gabel nach Rages, der Stadt der Meder, führen können? Wenn du wiederkommst, werde ich dir deinen Lohn geben. 15 Der Engel sprach zu ihm: Ich will ihn dorthin führen und wieder zu dir zurückführen. 16 Da antwortete ihm Tobias: Ich bitte dich, sage mir, aus welcher Familie oder aus welchem Stamme bist du? 17 Der Engel Raphael sprach zu ihm: Fragst du nach dem Geschlechte des Lohndieners oder nach dem Lohndiener selbst, Lohndiener: Jetzt in menschlicher Gestalt, dem Tobias gegenüber. Die Engel tun wirklich Knechtsdienste an dem Menschengeschlecht. Die Worte sind zweideutig. Der Engel nimmt den Körper an, nicht nur indem er ihn wahrhaft gebraucht, sondern auch indem er das, was ihm unsichtbar eigen ist, durch in die Sinne fallende Eigenschaften darstellt. (Thom.) Daher scheint er eine Person mit dem angenommenen Körper zu sein und gibt sich durch die Handlungen desselben, in gewisser Nachahmung des Verhältnisses der Seele zu diesem, kund. Ist aber der angenommene Leib ein wahrer? Ja, nach der übereinstimmenden Meinung der Theologen, insbesondere des hl. Thomas. Der Leib ist zwar in den Äußerungen dem menschlichen ähnlich, immerhin aber nicht von dem Engel beseelt. Ist das Sprechen erstlich die Tätigkeit eines lebenden, vernunftbegabten Wesens, sodann ein Laut und eine Bewegung, so können die Engel durch den angenommenen Körper das, was das Reden mit anderen Betätigungen gemeinsam hat, bewirken, nicht aber, dass es von einem lebenden Wesen als solchem ausgehe. (Thom.) Wenn der von dem Engel angenommene Körper sich bewegt, geht usw., so bewegen sich auch die Engel mit ihnen und sind so durch die Körper an diesem Orte und nicht an einem anderen. - der mit deinem Sohne gehen soll? Durch die Abweisung der frage deutet der Engel auf sei wahres Wesen hin. Doch entsprach es der Sitte des Altertums, zuerst nach der Herkunft und Abstammung zu fragen. Noch mehr aber forderte das Geschäft, zu dem Tobias den unbekannten Jüngling annehmen wollte, eine genaue Frage. Umso auffallender musste die erste Abweisung des Engels dem Tobias erscheinen, als jener nun ein Geschlecht bezeichnet, dessen er sich nicht zu schämen hatte. - 18 Aber damit ich dich nicht etwa besorgt mache: Ich bin Azarias, der Sohn des großen Ananias. Azarias: Gott hilft. Der Name entspricht dem Berufe. Ananias: Sohn des Erbarmens. Diesen kannte Tobias als einen vornehmen Mann. - 19 Tobias antwortete: Du bist aus einem hohen Geschlechte, aber ich bitte dich, zürne nicht, dass ich dein Geschlecht habe wissen wollen. 20 Der Engel aber sprach zu ihm: Ich will deinen Sohn wohlbehalten hinführen und wieder wohlbehalten zu dir zurückführen. 21 Tobias antwortete und sprach: Reiset glücklich, Gott sei auf eurem Wege und sein Engel begleite euch! Vergl. [Ps 90,11.12]. Wie V. 27 (und V. 19) deutet Tobias unbewusst auf die wahre Natur des Begleiters hin. - 22 Darauf machten sie alles bereit, was auf den Weg mitgenommen werden sollte, und Tobias nahm Abschied von seinem Vater und seiner Mutter Er küsste Vater und Mutter. (Griech.) - und beide gingen miteinander fort. 23 Als sie nun fortgezogen waren, fing seine Mutter an zu weinen und zu sagen: Du hast die Stütze unseres Alters weggenommen und von uns fortgesandt! Die Schilderung zeigt, wie der semitische Geist sich in dem semitisch-arischen Ninive mit dem indogermanischen berührt. Erst nach der Entfernung des geliebten Sohnes wird die Mutter inne, was sie an ihm gehabt. - 24 Wäre doch das Geld nie gewesen, um dessentwillen du ihn fortgesandt hast! Griech.: Geld gehe nicht über Geld! Geld ist nicht mehr wert als Geld, Geld ist Geld, aber ein Sohn ist ein Sohn; im Vergleich zu ihm ist jenes Auskehricht. - 25 Denn wir waren zufrieden bei unserer Armut, so dass wir es für Reichtum hielten, unsern Sohn zu sehen. Das Wenige, was wir in unserer Armut besaßen, war wenigstens hinreichend, und dass wir dabei unseren Sohn hatten, konnte als großer Reichtum gelten im Vergleich zu dessen jetzigem Verluste. 26 Tobias sprach zu ihr: Weine nicht! unser Sohn wird wohlbehalten dorthin gelangen und wohlbehalten zu uns zurückkehren und deine Augen werden ihn sehen. 27 Denn ich glaube, dass ein guter Engel Gottes ihn begleitet und alles gut lenkt, was um ihn geschieht, so dass er mit Freuden zu uns zurückkehren wird. 28 Auf dieses Wort hin hörte seine Mutter auf zu weinen und schwieg.