Tobit 6

Die Nova Vulgata überarbeitet bei diesem Buch nicht die Übersetzung des heiligen Hieronymus, wie sie es sonst tut: Sie druckt an ihrer Stelle eine ältere lateinische Übersetzung, sodass dieselbe Kapitel- und Versnummer in ihr und in der Clementinischen Vulgata verschiedenen Text bezeichnet.

2. Raphael beschützt den jüngeren Tobias auf der Reise und ist Veranlassung, dass dieser Sara heimführt. (6,1 – 9,12) A. Auf der Reise ergreift Tobias, der Aufforderung des Engels folgend, einen Fisch, der ihn anfällt, und bewahrt dessen Herz und Leber als Heilmittel. (V. 9) A. Als die Reisenden Ekbatana nahe gekommen, rät der Engel dem Jünglinge, die einzige Tochter des Raguel, eines reichen Verwandten, bei dem sie einkehren werden, zur Frau zu begehren, (V. 13) und belehrt ihn, mit welcher Beschaffenheit des Herzens er die Ehe schließen und wie er durch den Rauch der verbrannten Fischleber den bösen Geist verscheuchen könne.

Tobias aber reiste fort und sein Hund Der Hund war wohl hier ein edleres Tier und nicht so verachtet wie in Palästina. - folgte ihm nach. Die erste Nacht blieb Unter einem Zelte oder in der Karawanserei. - er am Flusse Tigris. Entweder ist einer der Nebenflüsse des Tigris gemeint, welche den gleichen Namen führten, oder das Heim des Tobias lag auf dem linken Ufer des Flusses, auf dem ein Teil von Ninive lag. - Als er nun ausging, seine Füße zu waschen, Das waschen der Füße war im Oriente ein häufiges. Vielleicht auch ist allgemeiner ein erfrischendes Bad zu verstehen. Dass der Engel desselben nicht bedarf, ist ein Zug, der wiederum dessen übermenschliches Wesen durchscheinen lässt. Wie wenig ihn Tobias bereits für einen Lohndiener ansieht, zeigt der Ruf: Herr! - siehe, da kam ein ungeheurer Fisch Nach der Itala und Griech. B. schnappte der Fisch nach dem Fuße des Tobias, nach dem Chald. verschlang er das Brot, welches Tobias mitgebracht. Der Fisch war nach einigen ein Hecht, nach anderen ein Meerfisch, der in den Tigris gelangt war (indes alsdann kein Haifisch oder Pottfisch, da auf solche die Beschreibung nicht passt). Der Fisch wird beschrieben, nicht wie er an sich war, sondern wie er Tobias erschien. - hervor, um ihn zu verschlingen. Da erschrak Tobias vor ihm und rief mit lauter Stimme und sprach: Herr! er fällt mich an.
Tobias und der Engel
Der Engel sprach zu ihm: Ergreife ihn bei den Kiemen und ziehe ihn an dich! Er tat dies und zog ihn auf das Trockene und der Fisch begann vor seinen Füßen zu zappeln. Das Ereignis war hinreichend, Tobias dazu zu führen, in Azarias etwas Übermenschliches zu vermuten; insbesondere da der Engel wiederum die Heilung des Vaters voraussagt. Um indes bis zum Ende unerkannt zu bleiben, gibt der Engel ein Mittel an, welches nach dem Volksglauben die von ihm verheißene Heilung herbeizuführen vermochte. - Da sprach der Engel zu ihm: Weide diesen Fisch aus und lege sein Herz, seine Galle und seine Leber für dich zurück; denn diese sind notwendig zu nützlichen Heilmitteln. Als er dies getan hatte, briet er das Fleisch desselben und sie nahmen es mit sich auf den Weg; Itala: Zur Zehrung (in victu). - das übrige salzten sie ein, damit es ihnen hinreichte, bis sie nach Rages, der Stadt der Meder, kämen. Hierauf Nach dem Griech. am Tage nach der Ankunft bei Raguel. - fragte Tobias den Engel und sprach zu ihm: Ich bitte dich, Bruder Azarias! mir zu sagen, welche Heilkraft das besitzen soll, was du von dem Fische aufzubewahren befohlen hast? Der Engel antwortete und sprach zu ihm: Wenn du ein Stücklein von seinem Herzen auf Kohlen legst, so vertreibt der Rauch davon alle Art von bösen Geistern, sowohl von Mann, wie von Weib, so dass sie diesen ferner nicht mehr nahen. Und die Galle ist gut, die Augen damit zu salben, auf denen weiße Flecken sind; alsdann werden sie geheilt. Der Engel erklärt (nach der Vulg.) die Bedeutung des Herzens (V. 8) und der Galle (V. 9) mit Übergehung der Leber. Dagegen wird V. 19 der Leber zugeschrieben, was hier dem Herzen. Die anderen Texte verbinden beides. Der Engel wir also sowohl das eine wie das andere als anwendbar erklärt haben. Die Wirkung wird nicht der natürlichen Kraft zugeschrieben, sondern der Körper soll das Werkzeug der göttlichen Allmacht auf den Geist wirken (ähnlich wie auch das Feuer der Hölle die bösen Geister quält, die sichtbaren Sakramente unsichtbare Gnaden wirken). Der Galle legte man im Altertum die ihr zugeschriebene Kraft bei und so verhüllt der Engel am besten sein Wesen. Dass der Fisch, der Tobias verschlingen wollte, durch die Fügung Gottes das Mittel ward, um Sara und Tobias Vater mit den größten Wohltaten zu überhäufen, ist ein Ausdruck des Gedankens, welcher dem ganzen Buche zugrunde liegt: denen, die Gott lieben, muss die Bitterkeit der Galle, das von Gott gesandte körperliche Leiden, zum Guten dienen, indem es ihnen die Augen des Geistes öffnet. - Tobias sprach zu ihm: Bei der Annäherung an Ekbatana, 700 Kilometer von Ninive. Vergl. V. 11. - Wo willst du, dass wir bleiben? Der Engel antwortete und sprach: Es ist hier ein Mann, mit Namen Raguel, ein Verwandter aus deinem Stamme; dieser hat nur eine Tochter, namens Sara, und sonst keinen Sohn, noch eine andere Tochter Der Ausdruck schließt alle näheren Verwandten ein. Daraus erwächst für Tobias Pflicht und Recht, sie zu heiraten. - außer ihr. Dir kommt ihr ganzes Vermögen zu und du musst sie zur Frau nehmen. Halte also bei ihrem Vater um sie an, und er wird sie dir zur Frau geben. Hierauf antwortete Tobias und sprach: Ich höre, Die Juden hatten wohl die Kunde von diesen wunderbaren Begebnissen verbreitet. Ob die Zahl 7 nur für die Mehrzahl überhaupt steht? Der Engel belehrt ihn über die Familienverhältnisse, welche Tobias als entferntem Verwandten weniger bekannt waren. - dass sie sieben Männern gegeben worden ist und dass diese gestorben sind; aber ich habe auch gehört, dass ein böser Geist sie getötet hat. Ich fürchte also, Schluss aus dem gesagten. Nach den griech. Texten und der Itala sagten die Leute, der Teufel liebe sie. - dass es mir auch so ergehen möchte und ich, da ich das einzige Kind meiner Eltern bin, ihr Alter vor Gram unter die Erde bringe. Tobias beschränkt sich in seinem Einspruche auf das dringendste, die Erhaltung seines Lebens für seine Eltern. In Bezug auf die Ehe konnte er sich umso mehr auf das Ansehen seines Führers verlassen, als dessen Rat mit den Vorschlägen seines Vaters sich in Einklang befand. Da der Engel zudem die nächste Zukunft kannte, vermochte er auch hierin einen Rat zu geben, dessen ein bloßer Mensch unfähig war. - Da sprach der Engel Raphael zu ihm: Höre mich, und ich will dir zeigen, welche die sind, die der böse Geist überwältigen kann. Die Sünde der Leidenschaft ist in der Ehe meistens als eine lässliche anzusehen, dennoch konnte Gott den Tod als Strafe verhängen, wie die Beispiele Ozas und anderer zeigen. Indes werden jene Menschen durch die Zusätze als solche charakterisiert, welche soweit von Gott entfernt und in die Lust versunken waren, dass sie zu jeder Sünde bereit waren. - Die nämlich, welche so in den Ehestand treten, dass sie Gott von sich und von ihren Gedanken ausschließen und ihrer Lust so ergeben sind wie Pferd und Maulesel, [Ps 31,9] Tierischer Unverstand, der sich nicht durch die Vernunft leiten lässt und der sinnlichen Leidenschaft folgt, als deren Typus Esel und Pferde erscheinen. [Jer 5,8, Ez 23,20] - die keinen Verstand haben, über diese hat der böse Geist Gewalt. Soweit Gott dem Teufel Gewalt einräumt. Diese beschränkt sich auf Versuchungen und physische Schädigung. – Was die Vulgata V. 16, V. 17 über die Ursachen hat, fehlt in den übrigen Texten, ebenso wie der Bericht über die Enthaltsamkeit. V. 18, V. 20, V. 21. - Wenn du sie aber erhalten hast und in das Schlafgemach gegangen bist, so enthalte dich drei Tage lang von ihr und liege mit ihr einzig dem Gebete ob. Eben dies wünscht das Tridentiner Konzil. (Sitz 24. Von der Verbess. Kap. 1 Von der Ehe) Raphael rät drei Nächte Enthaltsamkeit an, damit, abgesehen von der mystischen Bedeutung dieser Zahl und der Dauer des Gebetes und der Enthaltsamkeit, die drei Früchte durch die Verteilung auf drei Tage mehr auseinandergelegt werden. In der ersten Nacht wird der böse Geist vertrieben, in der zweiten erhält die Verbindung eine höhere Weihe, da sie nun der Ehe das Patriarchen gleichzuachten ist, in der dritten wird ihr Kindersegen zuteil. - In derselben Nacht aber zünde die Leber des Fisches an, und der böse Geist wird vertrieben werden. In der zweiten Nacht aber wirst du in die Gemeinschaft der heiligen Patriarchen zugelassen werden. Und in der dritten Nacht wirst du den Segen erlangen, dass von euch Kinder ohne Gebrechen erzeugt werden. Nach Verlauf der dritten Nacht aber nimm die Jungfrau in der Furcht des Herrn zu dir, mehr durch das Verlangen nach Kindern als von Wollust bewogen, Was Tobias [Tob 8,9] sagt, überragt die Pflicht, welche der Engel ihm hier auflegt. - damit du in Abrahams Samen Segen an Kindern erhaltest. Dass du unter den Nachkommen Abrahams reichen Kindersegen erhaltest. Oder: Du wirst Segen an Kindern, den Nachkommen Abrahams, haben; deine Nachkommenschaft wird ein starkes Glied der Abraham verheißenen Nachkommen sein.

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