Tobit 7

Die Nova Vulgata überarbeitet bei diesem Buch nicht die Übersetzung des heiligen Hieronymus, wie sie es sonst tut: Sie druckt an ihrer Stelle eine ältere lateinische Übersetzung, sodass dieselbe Kapitel- und Versnummer in ihr und in der Clementinischen Vulgata verschiedenen Text bezeichnet.

C. Mit dem Engel zu Raguel kommend, wird Tobias überaus freundlich aufgenommen. (V. 9) Sofort stellt er die Bitte, ihm Sara zum Weibe zu geben. (V. 10), doch Raguel zögert und willigt erst auf die Mahnung des Engels ein (V. 14) und führt seine Tochter herbei.

Sie trafen also bei Raguel ein und Raguel nahm sie mit Freuden auf. Als nun Raguel den Tobias sah, sprach er zu Anna, Griech.: Edna, das Entzücken. - seinem Weibe: Wie ähnlich ist dieser Jüngling dem Sohne meiner Schwester! Schwester heißt auch die Cousine. Der Name umfasst also auch weitere Verwandtschaft. - Als er dies gesagt hatte, sprach er: Woher seid ihr, Jünglinge, unsere Brüder? Sie antworteten: Wir sind aus dem Stamme Nephthali, Beide, auch Raphael. - von den Gefangenen in Ninive. Raguel sprach zu ihnen: Kennt ihr Tobias, meinen Bruder? Sie antworteten: Wir kennen ihn! Und als er viel Gutes von ihm redete, sprach der Engel zu Raguel: Tobias, nach welchem du fragst, ist der Vater von diesem hier. Nach dem Griech. hatte Tobias auf die erste Frage nach seinem Vater gesagt: Er ist gesund. Es war eine Höflichkeitsformel, bei der man an die körperliche Gesundheit nicht ausdrücklich dachte. - Da fiel Raguel ihm um den Hals und küsste ihn unter Tränen und an seinem Halse weinend, Nach den anderen Texten weint er auch über die Erblindung des alten Tobias. - sprach er: Segen komme über dich, mein Sohn! denn du bist der Sohn eines guten und vortrefflichen Mannes. Auch Anna, sein Weib, und Sara, ihre Tochter, weinten. Nachdem sie aber geredet Irrtümliche Leseweise locuti statt loti. (Griech. Itala): Man wusch ihnen die Füße. - hatten, befahl Raguel, einen Widder zu schlachten und ein Mahl zu bereiten. Als er sie nun aufforderte, sich zum Mahle niederzusetzen, sprach Tobias: Ich werde hier heute weder essen noch trinken, wenn du mir nicht zuvor meine Bitte gewährst und versprichst, mir Sara, deine Tochter, zu geben. Wäre nicht von Seiten des Tobias alles nach der Weisung des Engels geschehen und von Seiten Raguels nicht die Pflicht vorhanden, sie dem nächsten Verwandten zu geben, hätten sich die Familien nicht gekannt, wäre nicht endlich aus allen Umständen in Verbindung mit dem Gebete Raguels (V. 13) klar gewesen, welches der Wille Gottes war, so wäre das Vorgehen übereilt gewesen. Nach dem griech. Texte wendet sich Tobias an Raphael, er solle bei Raguel für ihn um Sara bitten, worauf er dann selbst spricht. - Als Raguel dies Wort hörte, erschrak er, da er wusste, was jenen sieben Männern begegnet war, welche zu ihr gegangen waren; und er fing an zu fürchten, es möchte ihm ebenso ergehen. Da er nun zögerte und ihm auf die Bitte keine Antwort gab, Auf die Bewerbung hin erzählte er ihm die Geschichte der sieben Freier, wie aus V. 12 erhellt, wo der Engel, und aus V. 13 und 14, wo Raguel ohne Erklärung auf deren Schicksale anspielen. - sprach der Engel zu ihm: Fürchte dich nicht, sie ihm zu geben, denn diesem Gottesfürchtigen gebührt deine Tochter zum Weibe; darum hat sie kein anderer erhalten können. Da sprach Raguel: Ich zweifle nicht, dass Gott mein Gebet und meine Tränen vor sein Angesicht hat kommen lassen, und ich glaube, dass er euch deswegen zu mir hat kommen lassen, damit sie nach dem Gesetze Moses in ihre Verwandtschaft heirate, und hege nun keinen Zweifel mehr, dass ich sie dir geben werde. Und er fasste die Rechte seiner Tochter, legte sie in die Rechte des Tobias und sprach: Der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs sei mit euch und verbinde euch und erfülle seinen Segen an euch! Ähnlich [1Mos 24,60, Rut 4,11]. Die hier, sowie [Tob 8,10.19, Tob 9,11] ausgesprochenen Segenswünsche, ebenso wie den Segen am Schlusse hat die Kirche in den feierlichen Brautsegen aufgenommen. - Dann nahmen sie Papier und schrieben den Ehevertrag. Hierauf hielten sie das Mahl und priesen Gott. Und Raguel rief Anna, sein Weib, zu sich und befahl ihr, ein anderes Gemach Brautgemach. In dieses wird die Braut bei den Hebräern vorher eingeführt. Vergl. [1Mos 29,23]. Es ist entweder ein anderes als das gewöhnliche Schlafzimmer Saras oder ein anderes als jenes, in dem sie das Unglück mit den früheren Männern gehabt hat. - zuzurichten. Und sie führte Sara, ihre Tochter, hinein, diese aber weinte. Beide wohl weinten, da zu der traurigen Erinnerung an die Vergangenheit Befürchtungen für Sara und den jungen Tobias hinzukamen, den sie liebgewonnen. Die Mutter fand wohl in dem Ansehen des Engels, der sein eigenstes Wesen nicht ganz verbarg, Trost. Da sprach sie zu ihr: Sei guten Mutes, meine Tochter! der Herr des Himmels gebe dir Freude für den Kummer, den du gelitten hast.

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