Sacharja 11
Biblia Sacra (Allioli-Arndt)
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E. Gericht über die Widerspenstigen. (V. 3) F. Ihre alte Widerspenstigkeit gegen den guten Hirten. (V. 11) G. Höchste Undankbarkeit gegen den guten Hirten.
1 Öffne, Libanon! deine Pforten und Feuer verzehre deine Zedern! Nachdem der Prophet Gottes wohlwollende Absichten dargelegt, zeigt er nun, was den Verächtern der Güte desselben droht. Die Absichten Gottes für die Landschaft am Libanon sind [Sach 10,10] berührt; werden diese vom Volke verworfen, so soll der Libanon seine Tore (im Norden des Landes) öffnen und mit Beseitigung aller Hindernisse die Feinde und Feuer aufnehmen, das seine Herrlichkeit vernichtet. - 2 Wehklage, Tanne, Hebr.: Zypresse. - denn die Zeder ist gefallen, die Herrlichsten sind ausgerottet; Gleicher Untergang trifft Hohe und Niedere. - wehklaget, ihr Eichen Basans! Vom Libanon verbreitet sich das Verderben nach Basan, der waldreichen Gegend jenseits des Jordans. - denn die hohe Waldburg Der Libanon. Wenn dieser nicht verschont wird, so hat auch die Gegend von Basan keine Hoffnung, dem Verderben zu entgehen. - wird umgehauen. 3 Horch! Wehklage der Hirten, Vom Norden verbreitet sich Feuersbrunst und Verwüstung durch Palästina, so dass man überall das Wehklagen der Menschen und Tiere hört. - denn verwüstet liegt ihre Herrlichkeit; horch! Gebrüll der Löwen, In Wäldern und im Geröhricht waren dort die Löwen häufig. - denn verwüstet ist die Pracht des Jordans. Die Wälder. Leblose Wesen, Tiere und Menschen beklagen umsonst das furchtbare Unglück. Das Bild weist auf die Zerstörung Jerusalems und die Auflösung des jüdischen Staates durch die Römer hin, wie fast alle Erklärer annehmen. (Vergl. V. 14, V. 16) - 4 So spricht der Herr, mein Gott: Es folgen die Gründe und Ursachen des Gerichtes. - Weide die zur Schlachtung bestimmten Schafe, Der Prophet soll für die Schafe Sorge tragen, doch diese weisen seine Hirtensorge zurück und fallen deshalb dem Tode anheim (Ephr., Hier.), jetzt und noch mehr in Zukunft. (Cyr., Theod. Gr.) - 5 die ihre Besitzer, ohne Schlimmes zu erleiden, schlachten Die als Hirten eingesetzt sind, schlachten ungestraft die Herde, nur auf ihren eignen Nutzen bedacht. - und verkaufen und sagen: Gepriesen sei der Herr, wir werden reich! und ihre Hirten schonen ihrer nicht. 6 Darum Gott droht ihnen Strafe an nach dem Gesetze der Wiedervergeltung: Wie jene nicht geschont, wird er nicht schonen usw. V. 6 enthält Drohungen gegen die, welche die Herde Gottes heimsuchen. (Theod.) - will auch ich ferner nicht mehr der Bewohner des Landes schonen, spricht der Herr; siehe, ich will die Menschen preisgeben, einen jeden in die Hand seines Nächsten und in die Hand seines Königs; diese werden das Land verderben und ich werde sie nicht aus ihrer Hand retten. 7 Und Darlegung dessen, was Gott getan, um seine Herde, wenn sie nur will und folgt, der Peinigung zu entreißen und ihr Glück zu verleihen. - darum werde ich die Schafe der Schlachtung weiden, Der Prophet redet in der Person Gottes. Die symbolische Handlung bezieht sich auch auf die Vergangenheit, auf Gottes wiederholte und unaufhörliche Versuche, seine Herde zu befreien. Hebr.: Da weidete ich die Schafe der Schlachtbank und nahm mir zwei Stäbe. - o ihr Ärmsten der Herde! Da nahm ich mir zwei Stäbe: den einen nannte ich Wohlgefallen und den andern nannte ich Band Zwei Stäbe weisen auf die große Sorgfalt des Hirten und auf seine verschiedene Weise, die Herde je nach verschiedenartiger Anlage zu weiden, zu erhalten, zu leiten. Der erste Stab bezeichnet eine größere Gunst, welche er der Herde bezeigt, der andere das Mittel, durch das er die Herde sammelt, zusammenhält, bewahrt und vor dem Untergange schützt. So ausgerüstet tritt der Prophet, Gottes Person darstellend, sein Amt an. - und so weidete ich die Herde. 8 Und ich schaffte die drei Hirten hinweg in einem Monate Die drei Quäler der Herde V. 5 hat er in einem Monat beseitigt. Der Monat ist dem Gesichte vorübergezogen. Es ist wohl die Zeit vor der Wegführung damit bezeichnet. - und meine Seele wandte sich von ihnen ab, weil auch ihr Sinn sich gegen mich geändert. Hebr.: Und auch ihre Seele wurde meiner überdrüssig. - 9 Und ich sprach: Ich mag euch nicht mehr hüten! Was sterben soll, sterbe; was ausgerottet werden soll, werde ausgerottet; und die dann noch übrig bleiben, mögen einer des andern Fleisch verzehren. Ausdruck des höchsten Zornes. Drei Übel werden angedroht, die Gott selbst herbeiführen will, ansteckende Krankheit, Krieg, Hungersnot. Die Herde hat selbst hartnäckig ihren eigenen Untergang gewünscht und herbeigeführt. - 10 Und ich ergriff meinen Stab, der Wohlfallen hieß, und zerbrach ihn, Der zerbrochene Stab bedeutet die Aufhebung des Bündnisses, das Gott gleichsam mit allen Völkern geschlossen (d.i. seines Willens), dass diese dem auserwählten Volke nicht schaden sollten. Dem Zerbrechen des ersten Stabes folgte die Wegführung und Auflösung des Reiches und der Theokratie. - um meinen Bund aufzulösen, den ich mit allen Völkern geschlossen. 11 Und er ward an jenem Tage aufgelöst und so erkannten die elendesten Schafe, Ein Teil der Herde, die armen und bedrängten Schafe, wird durch die Strafe bekehrt. Vergl. [Dan 1,9; Baru 1,15]. Die symbolische Handlung von V. 7 bis V. 11 stellt wohl Gottes Vorsehung in seiner Sorge für das auserwählte Volk von der Auserwählung an bis zur Wegführung vor. (Vergl. Hier., Ephr.) Im Übrigen werden die verschiedenartigsten Erklärungen dieser schwierigen Stelle gegeben. - die auf mich achteten, dass es des Herrn Wort war. 12 Darauf sprach ich zu ihnen: Da die frühere Züchtigung nicht bei allen Schafen, sondern nur bei den edelsten eine Wirkung gehabt hat, macht der gute Hirt einen zweiten Versuch, alle zu bewegen. Er fordert den Lohn für sein Amt und mahnt sie zu erwägen, wie hoch sie dasselbe bewerten. Wenn sie ihren Hirten lieben, ihnen durch so viele Jahrhunderte erwiesenen Wohltaten anerkennen, so müssen sie dies jetzt zeigen. - Scheint es gut in euren Augen, Mit einiger Ironie gesagt. - so gebet mir meinen Lohn; wo nicht, so lasset es sein! Da wogen Nach der Sitte der Alten. - sie als meinen Lohn dreißig Silberlinge dar. Diese Worte sind mit Mitgefühl für den Hirten und Verachtung für die Schafe zu lesen. Ihrem Hirten zahlen sie einen Knechtslohn, ihn behandeln sie wie einen elenden Sklaven, denn dreißig Silberlinge waren dem Herrn zu zahlen, wenn ein stößiger Ochse einen Knecht oder eine Magd angefallen [2Mos 21,32]; für diesen Preis also konnte man einen Knecht kaufen. Wie sehr sie ihn also verachten und für nichts achten, zeigen sie selbst übergenug. Dies alles tut und erfährt der Prophet im Gesicht, in dem ihm das Bild der Zukunft gezeigt wird. Er stellt den guten Hirten dar, der zuerst durch die Engel und die Propheten, dann selbst zu jener Herde kam und sie weidete und leitete, den sie aber in seinen Gesandten und zuletzt in seiner eigenen Person verachteten, und schimpflich misshandelten. Dem Verräter, der ihn überlieferte, zahlten sie dreißig Silberlinge. So erniedrigte sich Christus, dergestalt nahm er Knechtsgestalt an. - 13 Der Herr aber sprach zu mir: Der Prophet soll die ihm angetane Schmach und Unbill vor Gottes Richterstuhl bringen, ähnlich wie Jeremias seine Sache Gott empfiehlt [Jer 11,20; Jer 20,12], oder vielmehr wie der Messias selbst seine Sache bei Gott vertritt. [Jes 49,4] - Wirf ihn dem Töpfer hin, den herrlichen Preis, Ironisch. Den Preis, dessen sie Gott für wert gehalten. Der heilige Matthäus führt diese Stelle unter dem Namen Jeremias an [Mt 27,9], weil er nicht so von dem Preise als von dem für denselben gekauften Acker sprechen will, von dem nicht Zacharias, sondern Jeremias [Jer 32] Erwähnung tut. Der Text des heiligen Matthäus entnimmt aber dieser Stelle die dreißig Silberlinge. - dessen ich von ihnen wert geachtet bin! Da nahm ich die dreißig Silberlinge und warf sie in das Haus des Herrn dem Töpfer zu. Der Prophet stellt im Gesichte Gottes Person dar, da Gott bezeugt, dass er auf den dem Seher gegebenen Lohn geschätzt worden ist. So ist also der Messias, an dem dies alles in Wahrheit geschehen, Gott. - 14 Dann zerbrach ich meinen zweiten Stab, Band genannt, Durch einen so niedrigen Preis haben sie nicht allein gezeigt, wie sehr sie den Hirten verachten, sondern durch dessen Zahlung auch erklärt, dass sie seines Amtes gerne ledig gehen. Deshalb beschließt der Hirt, die Herde zu verlassen und dem Untergange preiszugeben. Das Band (mein Anteil, Hier.), durch welches das Volk untereinander und mit Gott verbunden einen Staat, eine religiöse und bürgerliche Gemeinschaft bildete, ist zerrissen. W9e der erste Stab das Volk vor seinen Feinden schützte, so hielt der zweite es zusammen; von beiden Stäben hing sein Glück ab. - um so die Bruderschaft zwischen Juda und Israel aufzulösen. Beide sollen über den ganzen Erdkreis zerstreut werden. Dies geschah, als Titus Jerusalem eroberte, den Tempel zerstörte, das Land für das römische Reich in Besitz nahm, die übriggebliebenen Juden in alle Weltteile zerstreute. (Ephr., Hier.) Es war die Strafe dafür, dass ein Teil des Volkes den Messias verworfen, während der andere ihm anhing. - 15 Hierauf sprach der Herr zu mir: Die den guten Hirten verschmäht haben, sollen dem Quäler überantwortet werden. Wie der Prophet zuvor die Person des guten Hirten dargestellt hat, so nimmt er jetzt auf Gottes Befehl die des schlechten Hirten an, zum Zeichen, dass es sicher in Erfüllung gehen werde. - Nimm dir noch Das erste V. 4. - das Gerät eines törichten Bösen, gottlosen. - Hirten! 16 Denn siehe, ich werde einen Hirten im Lande erstehen lassen, welcher die Verlassenen Verloren gehenden. - nicht beachtet, das Versprengte nicht aufsucht, das Verwundete nicht heilt, und das, was noch aufrecht steht, nicht pflegt, sondern das Fleisch der Fetten isst und ihre Klauen zerbricht. Alle Pflichten des guten Hirten wird er vernachlässigen und den Schafen den größten Schaden, den er nur kann, zufügen. – Das letzte Glied in dem Sinne: der ihr Fleisch isst und, wenn es geschehen könnte, selbst ihre Sohlen verschlingen möchte. Dies ist die Strafe für die Verachtung des guten Hirten, dass die Juden durch die, welchen sie lieber folgten als dem Messias, in das schwerste Unglück gestürzt wurden. Das Brechen des zweiten Stabes erfolgte erst nach dem Tode Christi. - 17 O Hirt und Götzenbild, Hebr.: Wehe, du nichtsnutziger Hirt. - welcher die Herde verlässt; auf, Schwert, über seinen Arm und sein rechtes Auge! Mit Arm und Auge, Schutz und Wachsamkeit sollte er der Herde beistehen. (Cyr., Theod. Gr.) Sein Arm soll vertrocknen und verdorren und sein rechtes Auge sich verfinstern und erblinden!