Sacharja 6

6. Sechstes Gesicht: Gericht über die Völker, Glück des Volkes Gottes. (Kap. 6) A. Gericht über die Völker. (V. 8) B. Der Messias König und Priester.

Wiederum erhob ich meine Augen und schaute: Werden die Feinde Gottes ein ruhiges Leben führen? In keiner Weise. Dies zeigt das nunmehr folgende Gesicht. Dasselbe entspricht dem Gesichte [Sach 1,8-11] so, dass es die Zeit des beginnenden Messianischen Reiches beschreibt. In dem Gesichte [Sach 1] melden die ausgesandten Boten, dass die ganze Erde der Ruhe genießt, noch keine Erschütterung bemerkbar ist, wie sie das Messianische Reich begleiten soll. In diesem Gesichte eilen die Wagen Gottes bereits hervor und vollstrecken das Zorngericht Gottes, das mit dem Messianischen Reiche auf das innigste verbunden ist. - siehe, da erschienen vier Wagen zwischen den beiden Bergen, Da in V. 6 und 8 das Land gegen Mitternacht erwähnt wird, Assyrien oder Babylonien, so gehen diese Wagen wohl von Jerusalem aus über die ganze Erde hin. Die beiden Berge sind alsdann der Berg Sion und der Ölberg. - die Berge aber waren Berge von Erz. Unüberwindlich und unzerstörbar. Jerusalem wird als Sitz der Theokratie geschaut. Gott zieht als ein Streiter, als Sieger aus, seine Feinde niederwerfend, um seines Reiches willen. - Am ersten Wagen waren rote Rosse und am zweiten Wagen schwarze Rosse und am dritten Wagen weiße Rosse und am vierten Wagen gefleckte, starke Rosse. Da hob ich an und sprach zu dem Engel, der mit mir redete: Was ist dies, Herr?
Die Vision des Zacharias von den vier Wagen
Der Engel antwortete und sprach zu mir: Dies sind die vier Winde des Himmels; sie ziehen aus, um sich vor dem Herrscher der ganzen Erde zu stellen. Hebr.: Nachdem sie sich dargestellt vor dem Gebieter der ganzen Erde. - Woran die schwarzen Rosse waren, diese ziehen nach dem Lande gegen Mitternacht und die weißen folgen ihnen; die gefleckten zogen nach dem Lande gegen Mittag. Die aber die stärksten Hier stimmt der überlieferte Text nicht mit dem V. 2, V. 3 Gesagten überein. Vielleicht ist mit einer leichten Änderung zu lesen: rot. Denn diese Gespanne finden sonst hier keine Erwähnung, während den an vierter Stelle genannten Pferden zwei Wagen zugeteilt werden, als gefleckte nach Mittag ziehend, als starke über die ganze Erde. Rot liest ach die syrische Übersetzung. - waren, zogen aus und schickten sich an zu gehen und die ganze Erde zu durchstreifen. Da sprach er: Gehet, durchstreifet die Erde! und sie durchstreiften die Erde. Dann rief er mich und sprach zu mir also: Siehe, die, welche nach dem Lande gegen Mitternacht ausziehen, besänftigen meinen Zorn an dem Lande gegen Mitternacht. Ein Wagen ist als Beispiel für alle genannt. Der Geist Gottes, sein Zorn sucht die Erde indes nur heim, damit sein Reih nach Niederwerfung der Feinde desto fester begründet werde: Auf den Winden eilt Gottes Geist gleichsam über die Erde. Vergl. [Ps 17,11; Ps 103,3; Ez 1] Die Winde werden in der Heiligen Schrift oft als Diener und Werkzeuge Gottes bezeichnet [Ps 104,4; Ps 148,8] und die Bedrohung mit Strafen findet in denselben ein geeignetes Sinnbild. Vergl. [Dan 7,2]. Die Vierzahl bezeichnet die Allgemeinheit, die ganze Erde. Die Verschiedenheit der Farben deutet Gottes verschiedene Art zu handeln an. Die rote Farbe bedeutet Blut und Blutvergießen, die schwarze Untergang und Trauer, die weiße Sieg und Triumph, oder Wohltaten. Vergl. [Offenb 6,4-8]. So bedeuten die gefleckten Rosse wohl verschiedene Arten von verheerenden Krankheiten. Dass die weißen Rosse nach dem schwarzen Gespann ausgehen, bedeutet wohl, dass die Heimsuchungen den Sieg und den Triumph des Reiches Gottes bezwecken, also das Heil der Heimgesuchten. Des Landes im Norden, Babylons und Assyriens, wird besonders gedacht, weil das Volk Gottes besonders unter ihrer Feindschaft zu leiden gehabt hat. Das Land im Norden wird ferner wegen des vorhergehenden Gesichtes [Sach 5,9-11] als Beispiel aufgestellt. Die Winde, welche sich Gott darbieten, seine Befehle auszuführen, sind im Sinne des Alten Testamentes die Engel, deren sich Gott zur Gründung und Verteidigung der Theokratie bedient. So legt die erste Vision [Sach 1,8ff] es nahe, so auch jene Stellen, wo Gott auf die Cherubim sich niederlässt und auf den Fittichen der Winde dahinfliegt. Auf diese Auffassung weist auch hin [Hab 3,8; Ps 67,18; 2Koe 6,17] und die Bestrafung des Heliodorus. [2Mak 3,25; 2Mak 11,8]. - Und es erging das Wort des Herrn an mich also: Nimm von den Übergesiedelten, von Holdai, von Tobias und von Idajas; dann komm an jenem Tage und gehe in das Haus des Josias, des Sohnes Sophonias, welche von Babylon gekommen sind, Bei Josias weilen die, welche aus Babylon von den dort wohnenden Juden Geschenke für den Tempel gebracht haben. Hebr.: Gehe in das Haus des Josias, wohin sie von Babel gekommen sind. Im lateinischen Texte hinkt das letzte Glied zu sehr nach. - und nimm Gold und Silber und mache Kronen, Eine Krone aus zwei oder mehreren übereinander gefügten Diademen zusammengesetzt. - darauf setze sie Jesus, dem Sohne Josedeks, dem Hohenpriester, auf das Haupt Zum Zeichen, zu wie hoher Ehre Gott diejenigen erheben will, welche sich der Theokratie ergeben zeigen. Was [Jes 62,3.4] von der Herrlichkeit Jerusalems und der neuen Theokratie verkündet, soll an dem theokratischen Volke in Erfüllung gehen: Gott wird es zu seinem Schmucke annehmen, sich seiner rühmen, in ihm seine Majestät zeigen. In dem Gesichte [Sach 5] ist die Sünde von dem theokratischen Volke genommen, in dieser wird die herrliche Annahme des Volkes dargestellt. Vergl. [Jer 13,11]. - und sprich zu ihm also: Die Krone wird dem Hohenpriester aufgesetzt, der das Vorbild des Messias ist, deshalb empfängt eigentlich dieser dieselbe und es wird angedeutet, dass das theokratische Volk auf das innigste mit dem Messias verbunden wird und dessen Herrlichkeit und Erhabenheit feiert. - So spricht der Herr der Heerscharen: Siehe ein Mann, Spross ist sein Name, Der chaldäische Text erklärt richtig: Siehe, ein Mann, Messias ist sein Name, er soll offenbart und verherrlicht werden. Es wird dem Hohenpriester gesagt, dass ihm die Krone aufgesetzt, ihm die Würde verliehen und das Volk wie alle, die noch fern sind in fremder Erde, als etwas von dem Herrn Kostbares empfohlen werden, weil der Messias kommen wird. Auch er, der ein Vorzeichen ist, soll sich in der Verwaltung seines Amtes an den kommenden Messias erinnern und sich bemühen, ein Gott würdiges geistiges Haus aufzurichten. - unter ihm wird es sprossen Hebr.: Von unten auf wird er sprossen, von bescheidenen Anfängen emporwachsen. Wenngleich aus Davids Familie stammend wird er ohne Pomp erschienen und allmählich emporwachsen und als solcher den Tempel des Herrn bauen, jenes neue Heiligtum, das Ezechiel in der wiederhergestellten Theokratie sah, das als Allerheiligstes, ein nicht von Menschen gemachtes Gebäude vom Messias gesalbt werden [Dan 9,24], aus allen Völkern von ihm als Haus Gottes, vergl. [1Kor 3,9] aufgeführt werden soll. Das Heiligtum, welches der Messias errichten soll, hat im materiellen Tempel, den Zorobabel bauen soll, sein Vorbild. Dieser war der Mittelpunkt für die alte Theokratie, die neue ist ein geistiges Gebäude. - und er wird dem Herrn den Tempel bauen. So soll der Hohepriester mit allem Eifer den Bau des vorbildlichen Tempels betreiben. - Er wird dem Herrn den Tempel aufrichten, er wird die Herrlichkeit tragen und auf seinen Thron sich setzen und herrschen und er wird Priester sein auf seinem Throne Wenn der geistige Tempel errichtet ist, wird der Messias der rechte und berufene Träger der Krone in Herrlichkeit und erhabener Majestät sein und als König und Priester auf seinem Throne sitzen. Auf seinem Throne, denn ihm kommt der ewige Thron Davids zu. [2Sam 7,16; Ps 88,38] Seitdem Ezechiel erklärt, dass der äußere Glanz des theokratischen Reiches untergegangen, war es gleichfalls bekannt, dass Diadem und Krone gleichsam vernichtet und verborgen bleiben würden, bis der käme, dem das Recht zusteht und dem der Herr es übergeben wird. [Ez 21,26.27] Zur Zeit des Zacharias wird deshalb der theokratische Thron ausschließlich der Thron des Messias genannt, da nach der Prophezeiung Ezechiels kein theokratischer König mehr kommen soll als der Messias. Die Worte des Engels an die heilige Jungfrau sind gleichsam eine Erklärung der angeführten Stelle des Propheten Ezechiel und dieser Stelle. - und Ratschluss des Friedens wird zwischen ihnen beiden bestehen. Seine Herrschaft ist eine priesterliche, friedvolle. Im Alten Bunde war die königliche Gewalt und die priesterliche verschiedenen Personen zugewiesen, jene dem Stamme Davids, diese der Familie Aarons, der Messias erhebt beide Gewalten zur höchsten Stufe und vereinigt sie, wie sie in Melchisedech, dem Vorbilde des Messias, vereinigt waren. Zwischen beiden: Wohl zwischen Messias und dem Hohenpriester Jesus. Der letztere wird ermahnt, sein Amt so zu führen, dass er derart ein Gegenbild des Messias sein kann, dass zwischen beiden vollkommene Übereinstimmung herrscht. - Die Kronen aber sollen Helem, V. 10 Holdai; wohl ein zweiter Name derselben Person. - Tobias, Idajas und Hem, Richtiger Hen, und dies besser appellativ: Der Freundlichkeit des Sohnes Sophonias. - dem Sohne Sophonias', zum Andenken dienen im Tempel des Herrn. Zur Erinnerung daran, wie lieb dem Herrn jene sind, welche mit wahrhaft theokratischer Gesinnung von fernher zu ihm kommen, sollen die Kronen im Tempel aufbewahrt werden. - Da werden die, welche in der Ferne sind, kommen und an dem Tempel des Herrn bauen Was von den fernwohnenden Juden für den Bau des Hauses Gottes geschieht, ist ein Vorspiel und ein Bild dessen, was die Völker zum Bau des Reiches Gottes beitragen werden. Da hier dasselbe Wort im Hebräischen für Tempel angewendet wird, wie V. 12, V. 13 von dem messianischen Werke, während Zorobabel das Haus des Herrn bauen soll, ist vorzugsweise von der messianischen Erfüllung die Rede. - und ihr werdet erkennen, dass der Herr der Heerscharen mich Den Engel. - zu euch gesandt hat. So wird es geschehen, wenn ihr der Stimme des Herrn, eures Gottes, Gehör gebt. Die Erfüllung ist sicher, der Tempel wird gebaut werden, doch Umfang, Schnelligkeit und andere Umstände hängen von der Mitwirkung der Juden ab. Das Gleiche gilt für das Messianische Reih: dieses wird errichtet und keine Bosheit der Menschen vermag ein Hindernis zu sein, aber in welcher Fülle Gottes Segen kommt usw. hängt von der Beobachtung der Gebote ab, insbesondere seitens derer, welche Gott zu Helfern und Dienern seines Werkes beruft.

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