Hebräerbrief 3

2. Ein Vergleich zwischen den Mittlern der beiden Testamente, Moses und Christus, bestätigt die Erhabenheit des Neuen Testamentes über das Alte. (3,1 – 4,3) a. Vergleich zwischen Moses und Christus, dem Diener des Hauses und dem Herrn (V. 4), dem Diener und dem Sohne. (V. 6) b. Praktische Folgerung: Die Israeliten wurden wegen ihres Unglaubens einst vom gelobten Lande ausgeschlossen.

Demnach, Da Christus ein barmherziger und treuer Hoherpriester ist. - heilige Von der Welt auserwählte und durch die Taufe geheiligte. - Brüder, die ihr der himmlischen Berufung teilhaftig seid, Die Berufung ist himmlisch, sofern sie vom Vater im Himmel ausgeht und die Erlangung der ewigen Seligkeit im Himmel als Ziel hat. Die Berufung ist die erfolgreiche Berufung zum Glauben. - sehet auf den Gesandten und Hohenpriester Christus wird nur hier der Gesandte unseres Glaubens genannt, weil er vom Vater gesandt ist, uns den Glauben zu bringen. Seine Rechtfertigung erhält dieser Ausdruck aus jenen Stellen der heil. Schrift, an denen es heißt, dass der Vater seinen Sohn in die Welt gesandt hat, z.B. [Joh 17,3.8.18, Joh 20,21, Gal 4,4] u.a. War Christus von Seiten Gottes der Gesandte an die Menschen, der, welcher die Gnade und Wahrheit dem Menschen von Gott überbrachte, so ist er durch seine Fürbitte für die Menschen der Hohepriester, der fortwährende Versöhner der Menschheit vor Gott. Er vereinigt so die beiden Ämter, welche im Alten Bunde zwischen Moses und Aaron geteilt waren, als Vermittler der Wahrheit (Gesandter) und Gnade (Hoherpriester), die er beides als menschgewordenes Wort Gottes in ihrer Fülle besitzt. [Joh 1,14] „Apostel“ steht an erster Stelle, weil Paulus zunächst die Moses, den Gesandten Gottes, überragende Würde Christi bezeichnen will. (V. 2 – 6) Hoherpriester wird Christus genannt, weil er weiterhin mit Aaron und den jüdischen Hohenpriestern verglichen wird. - unsers Bekenntnisses, Jesus, der treu Der Apostel beginnt mit dem, was Moses und Christus gemeinsam ist. Würde er sofort den Vorzug Christi über Moses bezeichnen, so würden die Leser vielleicht ein weniger geneigtes Ohr gewähren (Chrys.). Christus ist wie [Hebr 2,17] treu als Gesandter und Hoherpriester. Der Apostel hat [4Mos 12,7] vor Augen. - ist Auch jetzt im Himmel. - dem, der ihn dazu Zum Gesandten und Hohenpriester. - bestellt hat, wie auch Moses gewesen in seinem ganzen Hause. Seiner ganzen Familie (vergl. V. 6), dem Volke Israel. (Chrys., Theod., Ökum.) - Denn Sehet auf Jesus. (V. 1) Da Jesus größere Ehre und höherer Ruhm im Hause Gottes zukommt als Moses, so erwäget. Der Vorzug des Heilandes vor Moses ist ein doppelter: V. 4 und V. 5, 6. Warum aber geht Paulus daran zu beweisen, dass Christus größer ist als Moses, nachdem er bewiesen. Dass der Herr über die Engel erhaben ist, die doch höher stehen als Moses? Weil die Leser meinen konnten, Moses, der die Israeliten aus der Knechtschaft Ägyptens geführt, so viele Wunder getan, endlich als Freund Gottes von Angesicht zu Angesicht mit demselben geredet hatte, stehe höher als die Engel, welche die heil. Schrift nicht Freunde, sondern Diener Gottes nennt. - um so höherer Herrlichkeit ist jener vor Moses gewürdigt, um wie viel höher der an Ehre über dem Hause steht, welcher es gebaut hat. Christus, während Moses als Angehöriger des Hauses in demselben einbegriffen ist. Christus hat als Wort Gottes die alttestamentliche Theokratie begründet, welche mit seiner Kirche das ganze aus zwei Hauptabschnitten bestehende Gottesreich bildet. - Jedes Haus wird ja von jemand gebaut, der aber, welcher alles erschaffen hat, ist Gott. Einschiebung. Eigentlich ist Gott der Gründer jeder Familie, denn der Vater ist der erste Untergrund aller Dinge. Hat er aber durch den Sohn alles geschaffen [Hebr 1,2], so auch das Volk Israel. Wer ein Haus baut, ist größer als dies, also ist Christus größer als Moses, der nur ein Teil des Baues ist. (Chrys.) - Und Moses war zwar treu in seinem ganzen Hause als Diener Weitere Erklärung des V. 3 Gesagten. Christus ist der Sohn und damit der natürliche Herr, der einen höheren Rang innehat als einer, der aufgestellt ist, den Befehl Gottes zu verkünden. - zur Bezeugung dessen, was verkündet werden sollte; Christus aber Christus aber ist treu als Sohn. Der Apostel sagt nicht ohne Bedeutung: Christus, der Erhöhte. - als Sohn über dem ihm Nach der Vulg. Christus, nach dem Griech. kann Gott verstanden werden, wie V. 5 und 2. - eigenen Hause. Wir sind sein Haus, wie zuvor das Volk Israel. - Dieses Haus sind wir, wenn wir anders Mahnung an die Leser, ihrer Berufung treu zu bleiben und nicht zum Gesetze Moses zurückzukehren. - die Zuversicht und den Ruhm der Hoffnung Wer sich Christi nicht schämt, wenn er auch deshalb Verfolgungen leidet, fest vertrauend, dass im Himmel seiner der Lohn wartet. - bis an's Ende Bis an's Ende des Lebens. - unerschütterlich festhalten. Darum, Darum verhärtet eure Herzen nicht. - wie der heilige Geist Dieser Zusatz soll die Leser bewegen, die Mahnung williger aufzunehmen. - spricht: [Ps 94,8-11] der Psalmist redet seine Zeitgenossen an, doch ward der Psalm in der Synagoge am Sabbat gesungen und gilt in höherem Maße den Christen. - Heute, Im Sinne des Psalmisten: Wenn ihr aufgefordert werdet. Im Sinne des heil. Paulus: In der Zeit, welche mit der Offenbarung Gottes durch seinen Sohn beginnt, bis zum Eintritte aller Auserwählten in das Reich der Ewigkeit; in der Zeit in welcher noch Buße und Rückkehr zu Gott und Sammlung von Verdiensten möglich ist. - wenn ihr seine Stimme Die Mahnung des Psalmes. Allgemeiner ist es jede übernatürliche Gnade Gottes, auf die wir hören müssen, sei es die äußere, wie die Predigt des Wortes Gottes, sei es die innere Erleuchtung des Verstandes und die Anregung des Willens, welch letztere stets zu der äußeren gefordert wird, soll der Mensch imstande sein Gutes zu tun. - höret, verhärtet eure Herzen nicht, wie bei der Verbitterung am Tage der Versuchung in der Wüste, Die Worte Davids beziehen sich auf das [2Mos 17] V. 1 - 7 erzählte Ereignis. Die Septuag hat statt des hebräischen Namens Meriba gesetzt: Bei der Verbitterung, und statt des hebräischen Massa: am Tage der Versuchung. Genauer also lautet der Text: Wie es geschehen an dem Orte, der von der Empörung benannt ist, an dem Tage, wo die Israeliten an der nach der Versuchung genannten Stätte weilten. - wo mich eure Väter versuchten, mich auf die Probe stellten, und doch sahen sie meine Werke vierzig Jahre hindurch. Diese 40 Jahre der Gnadenzeit des Alten Israel sind dem Apostel ein Vorbild für die mit dem ersten Auftreten Jesu beginnende Gnadenzeit der Messianischen Periode, in der die Wunder Gottes von neuem geschaut werden. - Darum Diese Partikel fehlt in der Septuag. Nach dem Hebr. sind die 40 Jahre mit dem Folgenden zu verbinden. - ward ich zornig Im Invitatorium des Breviers heißt es: Vierzig Jahre war ich diesem Geschlechte nahe, nämlich: es zu strafen. Im Invitatorium des Festes Epiphanie indes wird diese Stelle gegeben, wie oben. - über dieses Geschlecht, und sprach: Immerdar gehen sie irre mit ihrem Herzen. Immer meinen sie, ich sei nicht wahrhaftig, nicht allmächtig. - Sie aber erkannten meine Wege Die Wege Gottes sind entweder die, welche er selbst wandelt, die Werke, welche er tut [Ps 25,10] oder die Wege, welche er zu wandeln befiehlt [Ps 25,4], damit man zu ihm gelange. Hier ist das Wort wohl in der zweiten Bedeutung genommen. - nicht. Praktisch, meine Gebote erfüllend. - So schwur ich denn in meinem Zorne: Sie sollen nicht Wörtlich: wenn sie eingehen, nämlich, so werde ich nicht Jahve sein. Der Schwur wird berichtet [4Mos 14,21ff, 4Mos 32,10ff, 5Mos 1,34ff]. - eingehen in meine Ruhe! In den ruhigen Besitz des gelobten Landes. [5Mos 12,9] - Sehet zu, Der Apostel wendet die angeführten Worte auf seine Leser an und mahnt sie, den Glauben an Christus zu erwecken und zu bewahren, damit sie nicht gegen die barmherzige Gnade Gottes und die Anbietung des Heiles sich verstockend Gottes Zorn auf sich ziehen. - Brüder! dass ja nicht in einem von euch ein böses Ein Herz, das sich wegen seiner Schlechtigkeit dem Unglauben zuneigt. - Herz des Unglaubens sei, geneigt, abzufallen von dem lebendigen Der über die Taten der Menschen wacht und Macht hat, die Bösen zu strafen. Vergl. [Gal 6,7]. - Gott; sondern ermahnet euch einander jeden Tag, so lange es noch „Heute“ So lange ihr noch auf die im Psalme enthaltene Mahnung hören könnt, so lange ihr noch lebt. Vergl. [Joh 9,4]. - heißt, damit keiner von euch verhärtet werde durch den Trug der Sünde. Den Abfall von der christlichen Religion. Daher wird gleichsam personifiziert. Indem sie den Sohn verlassen, vermögen sie dem Vater nicht zu gefallen. Die Täuschung, der Trug geht eigentlich von dem Verstande und der Einbildungskraft aus, die in den Dienst der Sünde gezogen das, was gemieden werden soll, rechtfertigen und anziehend machen, andererseits die Pflicht als hart hinstellen und Unlust gegen dieselbe wecken. So gewinnt eine sündhafte Hinneigung, wenn sie einmal erregt ist, Gewalt, und indem sie erstarkt, führt sie zur Verstockung oder zur völligen Unempfindlichkeit für Belehrung und Ermahnung. - Denn wir sind Christi teilhaftig geworden, Christi, der Erwartung aller Gerechten, Ja, noch mehr, wir sind, was jene nicht ahnten, ihm selbst in der Taufe verbunden, wie die Reben dem Weinstocke, die Glieder dem Haupte, die Miterben dem Erben. Der Anfang dieser Gemeinschaft aber ist der Glaube (Chrys.). - wenn wir anders die anfängliche Zuversicht bis an's Ende unerschütterlich festhalten. So lange es heißt: Der Apostel erklärt, was jenes „bis an's Ende“ ist. - Heute, wenn ihr seine Stimme höret, verhärtet eure Herzen nicht, wie bei jener Verbitterung. Denn einige Griech. fragend: Welche? (Chrys., Theod., Pasch.) Indes lässt sich die Übersetzung der Vulgata wohl rechtfertigen. Denn [4Mos 14,29ff] werden außer Josue und Kaleb alle von dem Strafgerichte ausgenommen, die bei der Musterung im zweiten Jahre nach dem Auszuge aus Ägypten noch weniger als 20 Jahre alt waren. Zudem kam es dem Apostel darauf an, die Ausnahme recht hervorzuheben, um an derselben zu zeigen, dass gerade der Unglaube der Grund gewesen, warum die Israeliten nicht in das gelobte Land eingezogen sind. Die gleiche Einschränkung findet sich [1Kor 10,5]. - erbitterten ihn, obwohl sie jene Worte gehört hatten, aber nicht alle, welche unter Moses aus Ägypten ausgezogen waren. Und welchen zürnte er vierzig Jahre lang? Waren es nicht jene, welche gesündigt hatten, Durch Unglauben und den daraus folgenden Abfall. - deren Leiber in der Wüste hingestreckt wurden? Welchen aber schwur er, sie sollten in seine Ruhe nicht eingehen, wenn nicht denen, welche ungläubig waren? Die Ausdrücke: erbitterten, gesündigt hatten, ungläubig waren bilden eine Steigerung, Anfang, Fortgang und Vollendung der Sünde als Ursache der Verwerfung. Welches also wird das Schicksal der Leser sein, wenn sie nach so vielen Wohltaten seitens Gottes und der Verheißung ewigen Lohnes ihre Vorfahren nachahmend von Christus abfallen? So sehen wir, dass sie wegen des Unglaubens nicht eingehen konnten.

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