1. Johannesbrief 1
Biblia Sacra (Allioli-Arndt)
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In einer kurzen Einleitung [1Joh 1,1-4] empfiehlt der Apostel den Lesern sein Evangelium, weil er in demselben als Augenzeuge von dem Worte des Lebens zu dem Zwecke berichtet, das die Gläubigen, mit dem Vater und dem Sohne auf das innigste verbunden, volle Freude genießen mögen. I. Wir müssen im Lichte wandeln, da Gott Licht ist (1,5 – 2,29): 1. Da Gott Licht ist, müssen wir im Lichte wandeln (1,5 – 2,11): a. Wer in der Finsternis ist, hat keine Gemeinschaft mit Gott, der Licht ist (V. 7). B. Wer aber im Lichte wandeln will, muss vor allem sich als Sünder bekennen, um durch dies Bekenntnis Nachlass der Sünden zu erlangen. (V. 10)
1 Was Nicht die durch die Sinne wahrgenommenen Tatsachen, welche Christi Person betreffen, sondern das Wesen Christi, welches jene erkennen gelehrt, ist, was er bezeugen will. - von Anfang Der uns sichtbar erschienen, war bereits von Anfang an (nach einigen: Von Anfang der Schöpfung an und also schon vorher). - war, Das Wort „war“ führt zur Ewigkeit. (Basil.) Wenngleich jene unwandelbare Natur kein „war“ und kein „sein wird“ zulässt, sondern nur „ist“, sagen wir dennoch wegen des Wechsels der Zeiten, in der unsere Sterblichkeit zugebracht wird, nicht ohne Grund „war“ und „wird sein“, und „ist“; war von den vergangenen Jahrhunderten, ist von der Gegenwart, wird sein von der Zukunft. War: weil sie nie mangelte, wird sein: weil sie niemals mangeln wird, ist: weil sie immer ist. (Aug.) Die Vulgata setzt hier das Perfekt im Gegensatze zu [Joh 1,1], in Konformität mit den übrigen Verben. - was Die hierauf sich beziehenden Zeitwörter bilden eine Steigerung. Vom Hören (mit eigenen Ohren), geht der Apostel zum Sehen über, dem er, um es als ein unmittelbares zu kennzeichnen, den Beisatz gibt: Mit unseren Augen. Von dem Sehen steigt er zum Betrachten und endlich zur sichersten sinnlichen Wahrnehmung, dem Betasten, empor. - wir Johannes und seine Mitapostel. Wenngleich der Verfasser sich nicht nennt, charakterisiert er sich doch so als einen Augenzeugen dessen, was er verkündet, wie er V. 3 die Leser zwar nicht bezeichnet, aber doch sein Verhältnis zu ihnen angibt, und V. 4 zwar nicht einen Segenswunsch ausspricht, aber doch einen Wunsch, den er durch sein Schreiben erfüllen will. Auf diese Weise wird der an sich so charakteristische Eingang des Briefes doch dem anderer Briefe nicht allzu unähnlich. - gehört, Die Lehren, welche wir vernommen haben. - was wir mit unseren Augen gesehen, Besonders die Wunder. - was wir geschaut Die durch alles Tun Christi hindurchleuchtende Gottesherrlichkeit. - und unsere Hände betastet haben, Erinnerung an den Apostel Thomas [Joh 20,27]. - von dem Worte des Lebens, Verbinde: Was wir gehört usw. von dem Worte des Lebens, von dem Worte, welches das Leben ist, also der zweiten Person der Gottheit. - 2 – ja, Anknüpfung an: Das Wort des Lebens, Erklärung, inwiefern der, betreffs dessen die Apostel ihre Wahrnehmung machten, in V. 1 so bezeichnet werden konnte. - das Leben hat sich offenbart, Es war also vor der Offenbarung bereits beim Vater. - und wir haben gesehen Zusammenfassung der drei in V. 1 zuletzt genannten Arten des Wahrnehmens. - und bezeugen, Von der Wahrheit und Zuverlässigkeit dessen, was wir erkannt und verkündet. - und verkündigen Als Apostel. - euch das ewige Leben, Alle drei Zeitwörter beziehen sich auf dies Objekt. - welches bei dem Vater war und uns erschienen ist, - Es ist uns als ein solches erschienen, das seiner Natur nach von diesem irdischen Leben unabhängig, ewig ist. - 3 was wir Ich mit den anderen Augen- und Ohrenzeugen. Im Bewusstsein der Zusammengehörigkeit mit allen Aposteln und Dienern Christi tritt der heil. Johannes den Lesern mit Autorität gegenüber. - gesehen und gehört haben, Was wir selbst wahrgenommen und aus dem Munde Christi als richtige Erkenntnis seines göttlichen Wesens und seiner Aufgabe auf Erden gehört haben. - verkündigen wir euch, Durch die Predigt. Es ist wohl auch an das Evangelium zu denken, welches der Apostel mit diesem Begleitschreiben übersendet. (Vergl. V. 4.) - damit auch ihr Gemeinschaft mit uns habet und unsere Gemeinschaft eine Gemeinschaft sei mit dem Vater und mit seinem Sohne, Jesus Christus. Die beiden Glieder des Absichtssatzes entsprechen der doppelten Bitte Jesu im hohenpriesterlichen Gebete. [Joh 17,21] Die Leser sollen in lebendiger Glaubens- und Liebesgemeinschaft mit den Aposteln, den Grundfesten der Kirche Christi, stehen und dadurch untereinander eines sein. Diese Gemeinschaft aber soll ihren innersten Grund in der Lebensgemeinschaft haben, in welcher jeder einzelne durch den Heil. Geist mit Vater und Sohn steht. Durch die Botschaft der Apostel und den Glauben der Christen wird der Heiland so unser, wie er ihr war, und die Wahrheiten, welche sie gesehen und betrachtet, geschehen gleichsam von neuem für uns, in deren Herzen der Heiland Wohnung nimmt. [Joh 14,23] Nach dem Griech. kann V. 3b auch als Aussage gefasst werden. Die Gemeinschaft mit Gott dem Vater und seinem Sohne ist die innige Liebesverbindung mit ihnen und die Teilnahme an ihren Gütern. Die Gemeinschaft wird nur auf den Vater und den Sohn, nicht auch auf den Heil. Geist bezogen, weil dieser mit dem Christen ohnehin schon verbunden gedacht wird; denn nicht nur erhält ihn der Geist in der Taufe, sondern jener ist auch die Grundlage seines ganzen geistigen Lebens, der Geist seines Geistes, seines Denkens und Handelns. Auch ist der Heil. Geist zugleich unter Vater und Sohn mitverstanden, da er der Geist beider ist. - 4 Und dies Diesen Brief. - schreiben wir euch, damit ihr euch freuet und eure Freude vollkommen sei. Ein anderes Ziel als das der Verkündigung V. 3. Die Freude soll voll sein in der Gemeinschaft, in der Liebe, in der Einheit. (Aug.) Im Griech. fehl: Damit ihr euch freuet. - 5 Das ist aber die Verkündigung, Inhalt der apostolischen Verkündigung. (V. 3) Darin besteht die Verkündigung. - die wir von ihm gehört haben Nicht als ob die folgenden Worte genau so von dem Herrn gesprochen wären, sondern inhaltlich von ihm: Von Christus, dem Sohne Gottes. - und euch wieder verkünden: Als seine Botschaft. - Gott ist Licht, und keine Finsternis ist in ihm. Gott ist das wesenhafte Licht, von dem jedes geistige erschaffen und eine Teilnahme, eine physische ein Symbol ist. Er ist Licht, weil er sich selbst klar wahrnimmt, und alles in sich, da er die erste Wahrheit, die Wahrheit selbst ist. Finsternis bedeutet hier jede Art von Unvollkommenheit. Daher heißen die bösen Geister Fürsten der Finsternis [Lk 22,53, Eph 6,12, Kol 1,13, 2Petr 2,17, Judas 1,13], die Bösen Kinder der Finsternis [Lk 16,8, Joh 11,36, Eph 5,8, 1Thes 5,5] und die bösen Werke Werke der Finsternis. [Joh 3,19-21, 2Kor 6,14, Lk 1,19, Roem 13,12, 1Joh 2,9.11] Doch da der Vers eine heilsgeschichtliche Bedeutung haben muss, besagt er wohl, was in und mit Christus gekommen ist, dass Gott sich als Licht in Christus offenbart hat. - 6 Wenn wir Indem der Apostel sich einschließt, redet er schonend, aber auch wirkungsvoller. - sagen: Wir haben Gemeinschaft mit ihm, Gemeinschaft mit Gott ist das Ziel aller Frömmigkeit. Die Vereinigung mit Gott beginnt im Glauben und findet in der Liebe ihre Vollendung. Mit dieser inneren Lebensgemeinschaft kann in uns so wenig ein Wandel in der Finsternis bestehen, wie in Gott selbst Finsternis sein kann. Gott, das ewige Licht, hat den Menschen zu einem Abbilde seines Lichtwesens erschaffen und ihn in Christus wieder dazu hergestellt. Wer daher mit Gott in Verbindung steht, in dem ist alle Unwahrheit und Unlauterkeit überwunden. - und wandeln Das Wandeln ist bewusstes Weilen des Christen in der Sünde als seinem Elemente. Wer mit Gott verbunden ist, meidet die Sünde und die Gelegenheit zur Sünde. - doch in der Finsternis, so lügen wir und tun nicht die Wahrheit. Die Sünde ist eine verwirklichte Lüge, die Gerechtigkeit das Vollbringen der Wahrheit. Vergl. [Joh 3,20]. - 7 Wenn wir aber im Lichte wandeln, Gegensatz zu Gott, dem das Sein zukommt. - wie er selbst im Lichte ist, so haben wir Gemeinschaft miteinander, Die Gemeinschaft untereinander ist ein Erkennungszeichen dafür, dass wir im Lichte wandeln, ebenso wie wenn wir uns der Früchte des Erlösungstodes des Herrn, die wir in der Taufe und Buße erlangt haben, mehr und mehr teilhaftig machen. (Aug., Hier.) - und Wie V. 6 ist der Satz zweigliedrig. - das Blut Jesu Christi seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde. 8 Wenn wir sagen: Die erste Bedingung, der Wahrheit den Zugang in unser Herz zu eröffnen, ist, dass wir unsere Sünden reumütig bekennen. (V. 8, V. 10) Die zweite Bedingung ist, dass wir die Sünde sorgfältig meiden, und fallen wir doch, dass wir alsdann in gläubigem Vertrauen zu Christus, unserem Fürsprecher und Versöhner beim Vater, unsere Zuflucht nehmen. - Wir haben keine Sünde, Aufnahme des Gedankens V. 6. Die Mahnung geht wohl besonders an die Irrlehrer seiner Zeit. Die Nikolaiten lebten, als sei sinnliche Ausschweifung nicht Sünde, und Simon, der Zauberer, erklärte sich für die große Kraft Gottes, welche sich natürlich für rein und sündlos halten musste. Die späteren Gnostiker meinten, es gebe Menschen höheren Wesens: sobald diese sich der Teilnahme am göttlichen Wesen bewusst sind, mögen sie tun, was sie wollen; es gibt für sie keine Sünde mehr, da das reine göttliche Wesen nicht befleckt werden kann. Vielleicht zog auch Cerinth schon ähnliche Folgerungen aus seinen Lehrsätzen. – Sünde: aktuelle Sünde. Demgemäß definierte das Konzil von Trient: „ Wenn jemand sagt, der einmal gerechtfertigte Mensch könne nicht mehr sündigen, noch auch die Gnade verlieren, und darum sei der, welcher fällt und sündigt, gar nicht wahrhaft gerecht gewesen; oder im Gegenteile, er könne im ganzen Leben alle Sünden, selbst auch die lässlichen, meiden, es sei denn mit besonderer Bevorzugung von Gott, wie die Kirche von der seligsten Jungfrau annimmt, der sei ausgeschlossen.“ (Sitz 6, Kann. 23) – Wenngleich die Gerechten das Licht der Gerechtigkeit hell erstrahlen lassen, sind sie dennoch nicht so rein, dass kein Flecken sie zu trüben vermöchte, wie der heil. Johannes bezeugt. Denn wenn auch die Gerechten in dieser Sterblichkeit gerecht sein können, vermögen sie dennoch nicht gänzlich von Schuld frei zu bleiben. (Greg.) Wen wir alle Heiligen, die heil. Jungfrau ausgenommen, versammeln und sie fragen könnten, ob sie ohne Sünde waren, sie würden alle einmütig rufen: Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so verführen wir uns selbst. (Aug.) - so führen wir uns selbst in Irrtum, und die Wahrheit ist nicht in uns. Sie erleuchtet uns nicht und bestimmt unseren Wandel nicht. - 9 Wenn wir unsere Sünden Die Mehrzahl, anders als V. 8. Das Bekenntnis soll also nicht darauf abzielen, dass wir uns als im Zustande der Sünde befindlich bezeichnen, sondern soll eine Anklage der bestimmten einzelnen Sünden sein. Das Bekenntnis im Allgemeinen entspricht leicht einer bloßen Tätigkeit des Verstandes ohne Reue. - bekennen, Bei dem Priester Gottes legt der Christ in Schmerz und Einfalt das Bekenntnis seines Gewissenszustandes ab, erklärt die Last seiner Seele und sucht Heilung selbst für kleine Wunden. (Cypr.) Kniee vor dem Priester nieder und beuge die Kniee vor dem von Gott Geliebten. (Tert.) - so ist er treu In seiner Verheißung, dem Reuigen die Sünden zu vergeben. (Cypr.) - und gerecht, Indem er zwischen dem unbußfertigen und dem reuigen Sünder unterscheidet und diesem seine Gerechtigkeit verleiht. (Vergl. Konzil von Trient Sitz 6, Kap. 7) - dass er uns unsere Sünden vergibt, und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit. 10 Wenn wir sagen: Wir haben nicht gesündigt, Nachdem wir Christen geworden sind. - so machen wir ihn zum Lügner, Gott hat geoffenbart, dass alle Menschen Sünder sind. Vergl. [Roem 3,10-18]. Gott ist durch sich selbst wahrhaft und du durch Gott, denn durch dich bist du ein Lügner. (Aug.) und sein Wort ist nicht in uns.
Zitiert in 96
- Dieses Kapitel Catechesi Tradendae(§1)
- V. 1 CCC(¶425)Summa (EN)(III 55.5)Catechesi Tradendae(§1)Dominum Et Vivificantem(§5)Ecclesia In Europa(§21)Evangelium Vitae(§29
§30 Lumen Fidei(§31)Novo Millennio Ineunte(§17)Pastores Dabo Vobis(§46)Redemptoris Missio(§91)Sacramentum Caritatis(§84)Tertio Millennio Adveniente(§16)Verbum Domini(§2)§80) - V. 2 CCC(¶425
¶2631) Dei Verbum(§1)Dominum Et Vivificantem(§5§37) Evangelium Vitae(§30§80 Pastores Dabo Vobis(§46)Redemptoris Missio(§91)Sacramentum Caritatis(§84)Verbum Domini(§2)§102) - V. 3 CCC(¶425
¶1108 Summa (EN)(III 55.5)Christifideles Laici(§32¶2781) §42) Dei Verbum(§1)Dominum Et Vivificantem(§5)Ecclesia In Medio Oriente(§95)Evangelii Gaudium(§264)Evangelium Vitae(§30§79 Lumen Fidei(§31)Pastores Dabo Vobis(§46)Redemptoris Missio(§91)Sacramentum Caritatis(§84)Ut Unum Sint(§9)Verbum Domini(§2)Vita Consecrata(§42)§80 §101) - V. 4 CCC(¶425
¶1108) Evangelium Vitae(§101)Pastores Dabo Vobis(§46)Verbum Domini(§2§123) - V. 5 CCC(¶214
¶1108) Kompendium(41)Veritatis Splendor(§89) - V. 6 CCC(¶1108
¶2470) Ecclesia In Medio Oriente(§95)Veritatis Splendor(§89) - V. 7 CCC(¶1108
¶2631) Ecclesia In Medio Oriente(§95) - V. 8 CCC(¶827
¶1425 Compendium of the Social Doctrine of the Church(120)Summa (EN)(I-II 59.3¶1847) I-II 89.2 Fragen(Confessing to a priestII-II 24.8 II-II 33.5 II-II 43.5 II-II 60.2 III 8.3 III 79.4) The Church’s record Indulgentiarum Doctrina(§3)Reconciliatio Et Paenitentia(§13After an abortion) §22) Ut Unum Sint(§34) - V. 9 CCC(¶827
¶1847) Fragen(Confessing to a priestThe Church’s record Reconciliatio Et Paenitentia(§13)Ut Unum Sint(§34)After an abortion) - V. 10 CCC(¶827
¶2147) Unitatis Redintegratio(§7)Ut Unum Sint(§34)