3. Auch der hat keine wahre Gottesverehrung, der in der heiligen Versammlung zwischen Arm und Reich einen unberechtigten Unterschied macht. (V. 4) Denn so wird der beschämt, den Gott zuerst zu seinem Reiche berufen, der aber geehrt, der als Bedrücker der Armen der Ehre unwürdig ist. (V. 9) c. Diese, wie alle übrigen Vorschriften, sind treu zu beobachten, weil der, welcher sich in einer verschuldet, aller schuldig ist, da der Urheber von allen einer ist, Gott. (V. 13) 2. Nachweis, dass der Glaube ohne die Werke nichts nützt (V. 14 – 26): a. Wie bloße Worte des Wunsches von seiten des Reichen dem Armen nichts helfen, so nützt der Glaube nichts, auch wenn er den Weg zum Heile zeigt, ohne gute Werke. (V. 18) b. Auch die bösen Geister haben eine Art Glauben. (V. 19) c. Die heil. Schrift beweist, dass außer dem Glauben Werke erfordert werden: Abraham zeigt, indem er seinen Sohn Gott darbringt, lebendigen Glauben, ebenso Rahab durch ihr gegen die Kundschafter geübtes Erbarmen. (V. 25) d. Wie also der Leib ohne Seele, so ist der Glaube ohne Werke tot.
1Meine Brüder! haltet doch den Glauben an unsern Herrn der HerrlichkeitDiese Beifügung hebt den Gegensatz zwischen dem Glauben und dem Ansehen der Person noch mehr hervor. - Jesus Christus nicht gefangen unter Ansehen der Person.2 Denn wenn in eure VersammlungGriech.: Das gleiche Wort wie für Synagoge. Die Leser, geborne Juden, hielten wohl an ihrem Sprachgebrauche auch für die christliche Kirche fest. - ein Mann einträte mit goldenem RingeRinge waren das Abzeichen hoher Würde oder wenigstens großer Wohlhabenheit. - und in prächtigem Gewande,Ist der Reiche ein Christ? Er wird von den angeredeten Brüdern unterschieden (V. 6, V. 7) und nicht als Bruder bezeichnet, was doch in V. 5 nahe lag. Sein Verhalten gegen die Christen ist zudem derart, dass er auch hier wegen desselben hätte getadelt werden müssen. Fremde durften in die Versammlung kommen. Vergl. [1Kor 14,22]. - es käme aber auch ein Armer in schlechterNicht gewalkt, ungewaschen, wie Arme sie tragen. - Kleidung,3 und ihr würdet auf den, der das prächtige Gewand trägt, schauen und zu ihmDas Unrecht besteht nicht in einer an sich tadelnswerten Handlung, sondern in den begleitenden Umständen der sonst aus gutem Grunde zulässigen Bevorzugung. Ihr schaut nur nach dem Äußeren und fragt nicht nach dem Herzen. Bei dem Reichen heißt es: Ihr schaut auf den, der das prächtige Gewand trägt, und sprecht; bei dem Armen: Ihr sprecht – seine Erscheinung ist euch gleichgültig. Zu beiden sagt ihr: Du – du, aber zu dem einen: Sitze, zum andern: Stehe; hier – dort, sitze hier bequem – stehe dort auf dem Fußboden, gleichsam unter meinen Füßen. - sprechen: Setze du dich bequem hierher! und ihr würdet zu dem Armen sagen: Bleib du dort stehen, oder setze dich hier unten an meinen Fußschemel!4 würdet ihr da nicht ein eigenwilliges Urteil fällen,Macht ihr nicht da eine Scheidung, die nicht von Christus kommt, noch vor ihm bestehen kann? - und Richter ungerechter Grundsätze sein?5 Höret, meine geliebten Brüder!Solches Verhalten ist unchristlich. Es steht im Widerspruch mit Gottes Urteil (V. 5, V. 6a) und mit dem inneren Wert des Reichen. (V. 6b, V. 7) Voran geht die dringende Aufforderung aufzumerken, ähnlich wie [Jak 1,16.19]. - Hat nicht Gott die Armen in dieser Welt auserwähltAls er auf Erden erschien. - zu Reichen im Glauben und zu Erben des Reiches, welches Gott denen verheißen hat,Des zukünftigen Gottesreiches. Die Worte erinnern an [Lk 6,20] und haben die Erfahrung des Apostels zur Grundlage. Vergl. [1Kor 1,26-28]. - die ihn lieben?6 Ihr aber habt den Armen verunehrt.Durch das V. 2 beschriebene Verhalten. - Sind es nicht die Reichen,Ihr Verhalten gegen die Reichen entspringt falscher Hochachtung vor dem Reichtum, die gegen den Glauben streitet. - die euch vergewaltigen, und euch vor die Gerichte schleppen?Auch die reichen Christen hielten sich nicht überall davon frei. [1Kor 6,1ff] Der Gegensatz von: „Sind es nicht die reichen“ und „euch“ weist wieder darauf hin, dass der Reiche schwerlich als Christ gedacht ist. -7 Sind sie es nicht,Die Reichen schmähen selbst den Namen Christi, so dass ihre Bevorzugung eine Beeinträchtigung der Ehre des Herrn ist. Auch in diesem Verse tritt der Gegensatz zwischen den reichen und den Christen vor Augen (wie V. 6). - die den schönen Namen lästern, nach welchem ihr benannt seid?Wessen Namen man führt, dem gehört man an und auf dessen Schutz hat man Anspruch. Vergl. [Jes 65,15.19]. Von Israel wird häufig gesagt, dass Gottes Name über das auserwählte Volk genannt ist. [5Mos 28,10] u. a. Der „Name“ ist der Name Christi. Vergl. [Apg 4,12, Phil 2,9ff]. Das Lästern dieses Namens seitens der Juden war nichts Seltenes. [Apg 18,6, Apg 26,11] -8 WennDer Apostel verwirft es keineswegs, dass man einem Reichen mehr Ehre erweist, als einem Armen, wenn dies nur aus Rücksicht auf das Gemeinwohl geschieht, nicht aber lediglich deshalb, weil jener reich ist. Durch einen solchen Beweggrund wird der Begriff der Nächstenliebe [Lk 10,30ff] aufgehoben. - ihr freilich das königlicheDas vorzüglichste Gebot. Vergl. [Mt 22,36ff]. - Gebot erfüllt nach der Schrift: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst, so tut ihr wohl;9 wenn ihr aber die Person ansehet, so begehet ihr Sünde, und werdet von dem GesetzeIhr beruft euch auf das Gesetz, und gerade dieses klagt euch an, weil ihr es übertreten habt. Das Ansehen der Person wird [3Mos 19,15], vergl. [Dan 16,19], verurteilt. - als Übertreter überwiesen.Wie alle Glieder des Leibes leiden, wenn eines leidet, so sind alle Teile des Gesetzes Teile eines Ganzen. Die Treue gegen die übrigen macht nicht, dass die Verletzung eines Gebotes ohne Strafe bleibt. -10 Wer immer nämlich das ganze Gesetz hält, jedoch in einem Stücke fehlt, hat sich an allem verschuldet.11 Denn der gesagt hat:Hätte das Gesetz mehrere voneinander unabhängige Gesetzgeber als Urheber, so würde die Übertretung eines Gebotes die anderen nicht berühren. Wenn aber alle Gebote Ausfluss eines Willens sind, so bilden sie ein Ganzes. Gegen welchen Punkt sich also auch der Ungehorsam richten mag, er verletzt das Recht des Gesetzgebers und verdient Strafe. Der Apostel redet hier vom Dekalog, der für ihn, wie für Paulus [Roem 13,8-10] die Zusammenfassung des Mosaischen Gesetzes ist; nicht aber vom Zeremonialgesetz, da er dies selbst auf dem Apostelkonzil als zur Erlangung des Heiles nicht erforderlich erklärt hat. Er führt die zwei Gebote an, welche unter den Pflichten gegen den Nächsten die erste Stelle einnehmen. Dass das sechste Gebot vorangestellt ist, beruht auf altem Herkommen. Vergl. [Mk 10,19, Lk 18,20, Roem 13,9]. - Du sollst nicht ehebrechen, hat auch gesagt: Du sollst nicht töten. Wenn du nun nicht ehebrichst, tötest aber, so bist du ein Übertreter des Gesetzes geworden.12 RedetAuch für das reden soll der Hinblick auf das Gericht die rechte Weise lehren. - soWie im Folgenden gesagt wird. - und handelt so wie solche, welche durch das Gesetz der FreiheitWie [Jak 1,25]. - gerichtet werden sollen.13 Denn ein Gericht ohne Erbarmen wird über den ergehen, der nicht Erbarmen geübt hat,Auch wer sich als Christ bemüht hat, dem Gesetze nachzuleben, bedarf der Barmherzigkeit. Diese aber erlangt nur der, der selbst Barmherzigkeit geübt hat. Vergl. [Lk 6,38]. Ohne Erbarmen: Vergl. [Spr 17,5, Job 4,1-11]. - die Barmherzigkeit aber überwiegtGriech.: Triumphiert. Nach der Vulg.: Geht über das Gericht hinaus, triumphiert über das Gericht. Gerechtigkeit und Erbarmen stehen vor dem Richter. Jene fordert für den Christen, der gefallen ist, Strafe, dieses tritt mit dem freudigen Bewusstsein auf, dass es siegen wird, wenngleich innerhalb der Grenzen des Rechtes. (Thom.) - das Gericht.14 Was nützet es,Wie Jakobus bereits [Jak 1,25] vor dem bloßen Hören ohne nachfolgendes Tun gewarnt hat, so weist er jetzt den Irrtum, der Glaube allein genüge, um im Gerichte gerechtfertigt zu werden, in zwei kurzen Fragen zurück. Bereits hat er den Glauben [Jak 1,6, Jak 2,1.5] kurz gezeichnet. Zu diesem muss sich das dem Glauben entsprechende Verhalten hinzugesellen. - meine Brüder! wenn jemand sagt, er habe Glauben, aber keine Werke hat? Wird etwa der Glaube vermögen, ihn zu retten?Vor Gericht und Verdammnis [Jak 4,12]. Was Jakobus hier Glauben, der Werke hat, nennt, nennt Paulus den in Liebe tätigen Glauben. [Gal 5,6, 1Kor 13,2] Beide setzen die Rechtfertigung in den Glauben, der kein toter ist. -15 Wenn aber ein Bruder oder eine SchwesterVeranschaulichung der Wertlosigkeit des Glaubens ohne Werke. Die Hilfsbedürftigen werden als Glieder der christlichen Gemeinde geschildert, um die Verpflichtung zur tätigen Hilfe noch stärker hervortreten zu lassen. - von Kleidung entblößt sind, und des täglichen Unterhaltes ermangeln,16 und es sagt jemand unter euch zu ihnen:Er bekundet wohl ein Mitleid, doch ein wirkungsloses. - Gehet in Frieden,Sie mit der gewöhnlichen Verabschiedungsformel [2Sam 15,9] zu entlassen, als sei ihnen geholfen (wie der Heiland zu den Geheilten sprach [Mk 5,34, Lk 7,50]) oder sie aufzufordern: Wärmet euch usw., ohne ihnen doch Nahrung oder Kleider zu geben, ist nichts als bitterer Hohn. - wärmet euch und sättiget euch! ihr gebt ihnen aber nicht, was zur Leibes Notdurft gehört, was nützt dies?17 So ist auch der Glaube, wenn er keine Werke hat, totWie solche Liebe ohne Nutzen ist, so auch der Glaube ohne Werke. - in sich selbst.In seiner Wurzel. -18 Ja, es kann jemand sagen:Der Apostel lässt nun jemanden auftreten, der sich auf seine Seite stellend das Gesagte noch steigert: Der Glaube ohne Werke ist nicht nur tot, er ist überhaupt nicht da. Ich kann meinen Glauben aus den Werken erweisen, doch ohne solche lässt er sich nicht aufzeigen. - Du hast Glauben und ich habe Werke. Zeige mir deinen Glauben abgesondert von den Werken, und ich will dir aus meinen Werken meinen Glauben zeigen.19 Du glaubst, dass ein einziger Gott ist? du tust wohl daran; auch die bösen Geister glauben und zittern.Du glaubst diese Wahrheit? Doch der Glaube allein bringt kein Heil, dies beweisen die bösen Geister: Sie zittern vor dem Gerichte. Der Glaube der bösen Geister stützt sich übrigens nicht auf Gottes Zeugnis, sondern auf ihre eigene Einsicht, und ist nicht mit der Unterwerfung, sondern mit der Empörung des Willens verbunden, so dass sie wünschen, das, was sie als wahr erkennen, möchte falsch sein. Durch diese Umstände ist der Glaube der bösen Geister kein Glaube im Sinne der christlichen Tugend. Mit der Liebe Glaube des Christen, sagt der heil. Augustin, ohne die Liebe Glaube des Dämons. -20 Willst du aber erkennen,Mit Ausschluss jeden Zweifels und Widerspruches. - o eitler Mensch!O: Diese Anrede wird gern beim Tadel gebraucht. Vergl. [Mt 19,17, Lk 24,25, Roem 9,20]. O Gehaltloser, mit einem Glauben ohne Furcht dich begnügender Mensch. - dass der Glaube ohne Werke totGriech.: Unwirksam; wie Geld, das keine Zinsen trägt. - ist?21 Wurde nicht Abraham,Der werkelose Glaube hat die Rechtfertigung Abrahams gegen sich, welche durch Werke vollendet ward. [1Mak 2,52, JSir 44,20.21] - unser Vater,Abraham hat für judenchristliche Leser eine besondere heilsgeschichtliche Bedeutung. - aus Werken gerechtfertigt,Scheint nicht Paulus [Roem 4,2ff] das Gegenteil davon zu sagen? Gerechtfertigt werden heißt in der heil. Schrift in den Zustand der Rechtbeschaffenheit vor Gott versetzt werden, in dem der Mensch wahrhaft und innerlich gerecht in die Kindschaft Gottes aufgenommen wird. Darin stimmen beide Apostel klar überein. Was aber die Werke angeht, redet Paulus an der angeführten Stelle von den Werken des Gesetzes, welche im Fleisch getan werden [Gal 5,19], die zwar aus Gehorsam vollbracht werden, indes von dem noch seinen natürlichen Kräften überlassenen Menschen, während der heil. Jakobus, während er von rechtfertigenden Werken redet, solche Werke im Auge hat, die im lebendigen Glauben ihre Wurzel haben. Abraham ist im Laufe der Zeit den Israeliten ein Bild des doppelten Glaubens geworden, des Glaubens vor der Rechtfertigung, der keine Werke verlangt, und des Glaubens nach der Rechtfertigung, der mit Werken verbunden ist (Ökum.). - da er seinen Sohn Isaak auf dem Altare darbrachte?[1Mos 22] kommt zwar dem „gerechtfertigt“ entsprechende Ausdruck nicht vor, doch findet er sich der Sache nach in V. 12 und V. 16. -22 Siehst du, dass der Glaube zu seinen Werken mithalf, und dass aus den Werken sein Glaube zur Vollendung gebracht ward?Jakobus will beweisen, dass der Glaube ohne Werke tot ist und vor Gott nicht rechtfertigt. Dass Abraham Glauben hatte, setzt er voraus und sagt nun: Abraham wurde durch seine Werke bei Gott gerechtfertigt, also wirkten bei Abraham Glaube und Werke zusammen zu seiner Rechtfertigung und sein Glaube gelangte erst durch seine Werke zur Vollendung. Von diesem mit den daraus folgenden Werken zusammenwirkenden und durch die Werke vollendeten Glauben spricht also die Schrift. -23 So ward die Schrift ergänzt,Griech.: erfüllt. Was an einer Stelle nicht ausgedrückt war, wird an einer anderen ergänzt: Dass Abraham auch Werke aus dem Glauben tun musste, um gerechtfertigt zu werden. Die scheinbar widersprechende Stelle [1Mos 15,6] zieht Jakobus als Beweis heran. Das Wort „erfüllt werden“ wird im N. T. von Prophezeiungen oder unvollendeten Dingen gebraucht. Wurde der Glaube Abrahams erst in der Darbringung Isaaks vollkommen, so konnte nach [1Mos 15] erst der so vollendete Glaube eine vollkommene Rechtfertigung davon tragen, ein früher noch unvollkommener Glaubensbeweis erwies sich später voll, ward erfüllt, gleich einem prophetischen oder typischen Worte. Vergl. [Ju 8,22, 2Chr 20,7, Jes 41,8]. - die da sagt: Abraham glaubte Gott, und es ward ihm zur Gerechtigkeit gerechnet, und er wurde Freund Gottes genannt.Aus Werken des Glaubens. So ist kein Widerstand mit [Roem 3,20] und Übereinstimmung mit [Gal 5,6]. -24 Sehet ihr, dass der Mensch aus Werken gerechtfertigt wird, und nicht aus dem Glauben allein?25 Wurde nicht in gleicher Weise auch die Buhlerin RahabDie Geschichte von Rahab siehe [Jos 2,1ff] und [Jos 6,22-25] wird Rahab als Vorbild des Glaubens angeführt, doch so, dass ihre Tat zugleich als Betätigung desselben erwähnt wird. Im Übrigen trifft bei ihr auf das genaueste der vom Apostel dargelegte Zusammenhang von Glauben und Werken zu. Der Glaube war der Grund ihres Handelns [Jos 2] V. 9 – 11, doch berief sie sich selbst auf ihr Tun V. 12. Ihre Aufnahme in das Gottesreich ward das Vorbild für die Aufnahme der späteren Proselyten der Gerechtigkeit. - aus Werken gerechtfertigt, da sie die Boten aufnahm und auf einem anderen Wege fortschaffte?26 Denn gleichwie der LeibDer von der Seele losgelöste, lebensfähige, aber nicht lebende. - ohne GeistOhne den Geist, der den Leib belebt. - tot ist, so ist auch der Glaube ohne Werke tot.Wo keine Werke sind, tut sich der Glaube nicht kund, durchdringt und beherrscht den Menschen nicht. Erst die Werke zeigen, dass der Glaube eine lebendige Kraft Gottes in dem wiedergeborenen Menschen ist.
Zitiert in 146
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