2. Korintherbrief 1

Eingang des Briefes (Kap. 1, V. 1 – 14): Überschrift. (V. 2) Danksagung. (V. 11) Übergang (V. 14) I. Apologetischer Teil. (1,15 – 7,16): 1. Verteidigung des Apostels gegen die Anschuldigung der Leichtfertigung und Unbeständigkeit (1,15 – 2,17): der Anschuldigung der Leichtfertigkeit gegenüber weist der heil. Paulus auf seine Standhaftigkeit hin. (V. 22) Die Verleumdung wird als unbegründet erwiesen durch die Darlegung der Gründe, welche den Apostel zu einer Änderung seiner Reisepläne veranlassten. [2Kor 2,11]

Paulus, Apostel Jesu Christi durch den Willen Gottes, und Timotheus, der Bruder, an die Kirche Gottes zu Korinth und an alle Heiligen, welche in ganz Achaja sind. Gnade sei euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Die Überschrift weicht von der im ersten Briefe gebrauchten wenig ab. Gleichsam als zweiter Verfasser wird Timotheus genannt (wie im Briefe an die Philipper, Kolosser, Philemon, 1. und 2. Thess.). Niemand außer Titus, der den Brief selbst an die Korinther überbringen sollte, war den letzteren so bekannt und galt bei ihnen so viel, wie Timotheus. Die Grußformel ist die gleiche, wie in anderen Briefen. - Gepriesen sei Gott Diese Worte entsprechen einer im A. T. häufigen Formel. [1Mos 9,26, 1Mos 14,20] u. a. Das gleiche Wort wird für segnen gebraucht. Gott segnet, indem er seine Wohltaten erweist; der Mensch segnet ein Geschöpf, wenn er ihm Gutes wünscht, und Gott, indem er ihn preist. - und der Vater unseres Herrn Jesus Christus, Die Worte „unseres Herrn Jesus Christus“ hängen ebenso von „Gott“ wie von „Vater“ ab. Der Apostel hat das fleischgewordene Wort vor Augen. (Chrys., Tert., Hier.) Ähnlich spricht der Heiland selbst [Joh 20,17]. - der Vater der Erbarmungen, und der Gott alles Trostes, Die Barmherzigkeit wird dem Vater besonders zugeschrieben (Chrys.). Gott ist der Gott alles Trostes, d. i. jeder Trost, der uns zukommt, hat ihn zum Urheber und Spender. Wie also der Heil. Geist in besonderer Weise der Tröster heißt, und auch dem Sohne dieser Name zukommt [Joh 14,16], so ist auch der Vater wahrhaft ein Tröster. - der uns Besonders Paulus und Timotheus. - tröstet in aller unserer Trübsal, auf dass auch wir diejenigen trösten können, welche in allerlei Bedrängnis sind, durch die Ermunterung, mit der auch wir von Gott getröstet werden. Mit wenigen Worten stellt uns der heil. Paulus das Bild eines apostolischen Mannes vor Augen, der weiß, dass alles, Heimsuchungen und Tröstungen ihm von Gott gespendet werden, damit sie zum Nutzen und Fortschritt der Gläubigen beitragen. Gott hält in seinen Gaben eine strenge Ordnung inne, und will, wenn er besondere Gnaden verleiht, dass dieselben anderen Nutzen bringen. - Denn so wie die Leiden Christi Die in Christus wegen unserer Sünden begonnenen Leiden (Thom.), welche so gewissermaßen auf uns herabgeleitet werden. - uns reichlich zu Teil werden, so wird uns auch durch Christus reicher Trost gewährt. Ob wir aber Trübsal erleiden, so ist es zu eurer Ermahnung und eurem Heile, oder ob wir getröstet werden, so ist es zu euerm Troste, oder ob wir ermuntert werden, Die Worte: „oder ob wir ermuntert werden“ usw. sind in der Vulg. eine zweite Übersetzung derselben schon unmittelbar vorher wiedergegebenen griechischen Worte und daher auszulassen. - so ist es zu eurer Ermahnung und zu euerm Heile, welches „Welche Hoffnung des Heiles“ usw. Der griechische Text lautet zwar abweichend, hat aber gleichfalls seine Schwierigkeit. Am richtigsten scheint es, mit den besten griech. Handschriften, der Itala und den älteren Handschriften der Vulg. vor den Worten „welches… wirkt“, die anderen „zu eurem Heile“ auszulassen. - geduldiges Ertragen derselben Leiden wirkt, die auch wir dulden, so dass Richtiger: und (Hieronymus und die lat. Handschriften) - unsere Hoffnung fest ist um euretwillen, da wir wissen, dass ihr, wie ihr Teilhaber der Leiden seid, so es auch der Tröstung sein werdet. Denn wir wollen euch, Brüder! nicht in Unkenntnis lassen über unsere Trübsal, die uns in Asien widerfahren ist, dass wir über die Maßen beschwert wurden, über Vermögen, Mehr als die Kraft des Menschen tragen kann, ja weit über die menschlichen Kräfte, so dass nur eine außerordentliche Hilfe den Apostel aufrecht erhielt. Welche Heimsuchung der heil. Paulus meint, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden. Die meisten Ausleger nehmen an, dass er von dem durch Demetrius angestifteten Aufstande [Apg 19,23-40] redet (Theod., Thom.). - so dass wir sogar des Lebens überdrüssig wurden. Besser: so dass wir sogar am Leben verzweifelten, sicher sterben zu müssen glaubten. - Aber wir hatten in uns selbst das Todesurteil gesprochen, Ich war ohne Hoffnung auf Erhaltung meines Lebens. Welches Gottes Absicht dabei war, sagen die folgenden Worte. - damit wir unser Vertrauen nicht auf uns selbst setzten, sondern auf Gott, der die Toten auferweckt; Also um so mehr kann Gott die Todesgefahr entreißen. - der uns aus so großen Gefahren errettet hat und errettet; auf den wir hoffen, dass er auch ferner erretten wird, da auch ihr durch euer Gebet Diese Gebete sind notwendig, denn Gott erteilt einem viele Güter, wenn viele darum bitten. Gott will, dass man ihm für seine Gaben dankt, und dass viele zur Danksagung gehalten seien (Thom.). Die Danksagung, welche Gott voraussieht, bewegt ihn gleichsam, seine Erbarmung zu spenden. - für uns mitbehilflich seid, damit für die Gabe, die uns um vieler willen verliehen ist, durch viele für uns Dank gesagt werde. Denn Indem der Apostel zum ersten Teile seines Briefes übergeht, seiner Rechtfertigung, erklärt er, warum er sicher hofft, durch das Gebet der Korinther unterstützt zu werden: es ist das Zeugnis seines Gewissens. - das ist unser Ruhm, das Zeugnis unseres Gewissens, dass wir in Einfalt des Herzens und Aufrichtigkeit aus Gott, und nicht in fleischlicher Weisheit, sondern in der Gnade Gottes Hiermit bestimmt er die Quellen seiner Einfalt und Aufrichtigkeit noch einmal. - in dieser Welt gewandelt haben, ganz besonders bei euch. Da er bei den Korinthern länger weilte, hatte er dort reichere Gelegenheit dazu. Doch gerade diese Aufrichtigkeit stellten die Gegner des Apostels in Abrede. Deshalb beruft sich der heil. Paulus auf die Erfahrung der Gläubigen. - Denn wir schreiben euch nichts anderes, als was ihr gelesen und erkannt habt; Er schreibt nichts anderes in diesem Briefe, als was sie bereits in den früheren gelesen und in seinen Predigten gehört haben. - ja, ich hoffe, ihr werdet es bis an's Ende Bis an das Ende dieses Lebens oder: der Welt, also immer. - erkennen, wie ihr uns auch zum Teil erkannt habt, dass wir euer Ruhm sind, gleichwie auch ihr der unsrige, am Tage unseres Herrn Jesus Christus. Der Apostel hofft, die Korinther werden sich seiner am Tage des Gerichtes rühmen. Damit dies nicht anmaßend scheine, nennt er sie wechselweise seinen Ruhm. Jetzt erkennen die Korinther unvollkommen, was ihnen bei dem jüngsten Gerichte ganz klar vor Augen stehen wird (Thom.). - Und in diesem Vertrauen wollte ich schon früher Ehe ich nach Macedonien ging. - zu euch kommen, damit ihr einen zweiten Gnadenerweis hättet, Wenn ich aus Macedonien zu euch zurückkam. - und zwar von euch nach Macedonien reisen, und wiederum von Macedonien zu euch kommen, und mich von euch nach Judäa geleiten lassen. Diesen Plan hatte der heil. Paulus durch den verloren gegangenen Brief oder durch einen Boten kundgegeben. In dem ersten Briefe an die Korinther aber [1Kor 16,5ff] hatte er eine Änderung eintreten lassen. Der Apostel wusste, dass seine Ankunft ihnen geistige Gnaden vermitteln werde, die ersten, wenn der durch Korinth nach Macedonien, die zweiten, wenn er aus Macedonien durch Korinth nach Palästina reiste. - Habe ich nun, da ich dieses vorhatte, Da ich dieses vorhatte, aber nachher meinen Plan aus wichtigen Gründen änderte usw. - leichtsinnig gehandelt? Oder was ich vorhabe, habe ich es dem Fleische gemäß vor, so dass bei mir bald Ja, bald Nein ist? Nämlich. Zu gleicher Zeit und aus Laune. Wer die Dinge nach dem Geiste ansieht und beschließt, achtet allein auf das, was Gott will, nimmt sich das vor, was er als Gotteswillen erkennt, und führt es mit allem Eifer aus. - Getreu aber ist Gott! Denn unsere Predigt an euch war nicht bald Ja, bald Nein. Die Treue Gottes ist die letzte Ursache der apostolischen Standhaftigkeit. Gott hält seine Versprechungen. Er hatte verheißen, auch Prediger der Wahrheit zu senden, und da ich von ihm zu euch gesendet bin, ist unser Wort an euch nicht bald Ja, bald Nein, ist in ihm keine Veränderlichkeit. - Denn der Sohn Gottes, Jesus Christus, der bei euch durch uns gepredigt worden ist, durch mich, Silvanus und Timotheus, war nicht bald Ja, bald Nein, sondern Ja ist in ihm gewesen. Bisweilen redet der heil. Paulus hier in der Einzahl, bisweilen in der Mehrzahl. Indes wenn er auch, in der Mehrzahl redend, Timotheus (oder andere) mit einschließt, ist stets der Apostel selbst vor allem gemeint. Der Sohn Gottes war der Gegenstand aller Predigten, der wahrste und vollkommene, unveränderliche Gegenstand derselben, und Gott muss seiner treue gemäß wachen, dass derselbe ohne Falsch und Wechsel verkündet werde. - Denn alle Verheißungen Gottes sind in ihm Ja, Die messianischen Verheißungen, welche Gott den Patriarchen gegeben und durch die Propheten den Kindern Israels verkündet, sind in Christus erfüllt worden (Aug.), in ihm als wahr erschienen, so dass wir zu denselben Amen sagen können. Zur Ehre der Apostel? Ja, weil eure Bekehrung unser Ruhm ist, oder weil es unser Ruhm ist, das Wort Gottes zu zeigen und zu verkünden (Thom.). - darum ist auch durch ihn das Amen zu Gott zu unserem Ruhme. Gott aber ist es, der uns mit euch in Christus befestigt, und der uns gesalbt hat, der uns auch das Siegel aufgedrückt, und das Pfand des Geistes in unsere Herzen gegeben hat. Nicht auf gleiche Weise festigt indes Gott die Apostel und die Gläubigen. Jenen steht er bei, dass sie nicht schwanken, noch sich ändern in der Lehre, die sie zu überliefern haben; diesen, dass sie die empfangene Lehre fest bewahren. Dass der heil. Paulus in V. 21 die Korinther sich beigesellt (uns mit euch), geschieht, um sie selbst zu Zeugen seiner Unveränderlichkeit aufzurufen. In den folgenden drei Gliedern spricht er indes ausschließlich von den apostolischen Arbeitern. – „Der uns gesalbt hat“: Im N. T. werden als von Gott gesalbt außer Jesus [Lk 4,18, Apg 4,27, Apg 10,38, Hebr 1,9], welcher „der Gesalbte“ im höchsten Sinne ist, nur Paulus und seine Mitarbeiter an dieser Stelle bezeichnet. Es handelt sich also um eine Gnade, welche denjenigen, welcher sie erhält, zu einem zweiten Christus macht, geeignet, seine Worte fortzusetzen und seine Lehre ohne Irrtum zu verbreiten. Es wird demnach das Apostelamt bezeichnet und die Mitteilung des Heil. Geistes, welche zur Verwaltung desselben erfordert wird. Das Siegel hat (wie aus [Eph 1,13] zu schließen) den Zweck, etwas zu bezeugen. Hier also soll es bezeugen, dass Paulus und seine Genossen wahre Apostel sind. Vergl. [1Kor 9,3]. Es ist dies die Verleihung der Gnadengaben des Heil. Geistes. Das Pfand ist der Heil. Geist, als Unterpfand der ewigen Seligkeit. Also: der Vater gibt den apostolischen Arbeitern den Geist der Gnadengaben, um sie als seine wahren Gesandten kundzutun. Aus dieser ihnen verliehenen Gabe kann und muss geschlossen werden, dass sie auch mit den inneren Gaben des Heil. Geistes ausgerüstet sind, durch welche sie vor allem Irrtum in ihrer Predigt bewahrt werden. So ist es klar, dass sie in Christus befestigt sind. - Ich aber rufe Gott Gott, den Zeugen meiner Gedanken, rufe ich zum Zeugen über meine Seele an, deren Geheimnisse er kennt, damit er mich strafe, wenn ich lüge. - zum Zeugen auf meine Seele an, dass ich aus Schonung für euch noch nicht wieder nach Korinth gekommen bin; nicht als ob wir über euern Glauben Herrschaft ausüben wollten, Paulus will jeden Schein von Anmaßung fern halten, im Gegensatze zu den korinthischen Pseudoaposteln (Chrys., Theoph., Thom.). Euer Glaube muss dem freien Willen entspringen, die Apostel aber sind nur Diener Christi und Verwalter der Geheimnisse Gottes. [1Kor 4,1] - sondern um Mitbeförderer eurer Freude zu sein; denn ihr stehet fest im Glauben. Der Apostel kann sich um so weniger eine solche Herrschaft über die Korinther anmaßen, als sie im Glauben feststehen. Nicht in diesem Punkte also gilt ihnen die Schonung, sondern in ihren Taten bedarf etwas der Besserung.

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