Hijob 21
Biblia Sacra (Allioli-Arndt)
Public domain Quelle: vulgata.info
b. Job zeigt dem entgegen, dass jene Beschreibung mit Unrecht auf alle ausgedehnt wird (Kap. 21). Er bittet seine Freunde, sorgfältig auf das, was er ihnen sagen werde, zu achten (V. 6); durch die Erfahrung stehe fest, dass viele Gottlose unumschränkten Glückes sich erfreuen, obwohl sie wider Gott Lästerungen ausstoßen (V. 15), und dass demnach nicht die Sünden aller alsbald von Gott gestraft werden. (V. 26) Ja, noch mehr, der Gottlose werde oft nicht allein sein Leben hindurch, sondern auch nach seinem Tode von den Menschen geehrt. (V. 33) Mithin ist der Trost der Freunde nichtig und ihre Antwort streitet gegen die Wahrheit.
1 Job antwortete und sprach: Was Job bereits früher [Job 9,24, Job 12,6] bekämpft, zeigt er jetzt durch Beispiele als falsch. Als er um Erbarmen flehte [Job 19,23] antwortete ihm Sophar einzig durch harte Anklagen. [Job 20] Dennoch erwidert Job ruhig und ohne Zorn, einzig die Wahrheit verfechtend, erhaben über seine Schmerzen, aber auch über Schmähungen. So erweist denn die folgende Rede als Heroen der Geduld. - 2 Höret doch meine Reden Das Ziel der Rede zeigt V. 34. Job bittet seine Freunde vorweg, aufmerksam zuzuhören und alsdann, wenn sie es können, gering zu schätzen, was er gesagt. - und tuet Buße! Hebr.: Und möge darin euer trösten bestehen. - 3 Ertraget mich, und ich will reden, und wenn es euch gut scheint, spottet nach meinen Worten. 4 Ist denn mein Rechten wider einen Menschen gerichtet, dass ich nicht billig betrübt sein sollte? Job sucht die Aufmerksamkeit seiner Freunde noch dadurch anzuregen, dass er versichert, er werde etwas für sie ganz Auffallendes und Befremdendes vorbringen. Es handelt sich um die moralische Weltordnung, um die Bestimmung der menschlichen Schicksale von seiten Gottes. Der Gegenstand meiner Klage ist derart, dass er gleich beim ersten Anblick alle Geduld und Fassung rauben könnte. - 5 Merket auf mich und entsetzet euch und leget den Finger auf euern Mund! Vor Staunen. Erlaubet euch keinen Ausspruch darüber, denn ihr werdet nichts zu sagen wissen, was das Unbegreifliche aufklären könnte. - 6 Auch ich, wenn ich daran denke, schaudere und Zittern erfasst mein Fleisch. Denn Gottes Gedanken sind auch ihm unbegreiflich. - 7 Warum Jetzt erst beginnt Job die Widerlegung der Behauptung, dass die Bösen unausweichbares Verderben treffe, dadurch Anführung der entgegenstehenden Erfahrungen. Welche Klasse von Bösen er meint, zeigt besonders V. 14, V. 15. - bleiben denn die Gottlosen am Leben und kommen empor und erstarken durch Reichtum? Die Bösen leben glücklich und lange. Gegen [Job 20,8.5.20]. - 8 Ihre Nachkommen bleiben vor ihnen, der Verwandten und Enkel Schar vor ihren Augen. Erstes Glücksmoment: Sie haben viele Nachkommen und langes Leben, was beides als besonderer Segen und Beweis der Güte Gottes galt. - 9 Ihre Häuser sind ungefährdet und in Frieden und die Rute Gottes kommt nicht über sie. Ein weiterer Umstand ihres Glückes ist, dass sie überhaupt von keinem Unfalle, von keiner göttlichen Strafe getroffen werden. Gegen [Job 15,21]. - 10 Ihr Rind Die Glücksbeschreibung wird spezieller. - empfängt und verwirft nicht, die Kuh kalbt und verliert ihre Frucht nicht. 11 Ihre Kleinen ziehen aus wie eine Herde und ihre Kinder hüpfen in frohem Spiele. Wie ihre Herden gedeihen, so mehren sich ihre Kinder. Der Vergleich bezieht sich auf die Zahl wie auf das gesunde Wachstum. Das Glück der Gottlosen voll zu machen, finden sie nach langem Leben einen schnellen Tod ohne langwierige Krankheit. (V. 13) Und das alles, obgleich sie von Gott nichts wissen wollen. (V. 14, V. 15) - 12 Sie halten Pauken und Zithern und freuen sich beim Klange der Schalmeien. Es fehlt ihnen nie an Mitteln, fröhliche Gastgelage zu halten. - 13 Sie bringen ihre Tage im Wohlleben zu und fahren zur Unterwelt in einem Augenblick. Die Frevler erscheinen wie im Leben so auch im Sterben noch glücklich und bevorzugt vor anderen. - 14 Und das sind jene, die zu Gott sprachen: Weiche von uns, und die Kenntnis deiner Wege wollen wir nicht! Sie fallen nicht nur von Gott ab, sondern gehen sogar so weit, nicht dulden zu wollen, dass Gott irgendwelche Ansprüche an sie macht und etwas von ihnen verlangt. Sie weisen seine sich gleichsam aufdrängende Güte mit Verachtung zurück: Wir brauchen und wollen nichts von dir, legen sie durch ihre verführerischen Worte. Von den Wegen Gottes, der durch die Gebote Gottes vorgeschriebenen Handlungsweise, wollen sie so wenig wissen wie von ihm selbst; schon die Kenntnis desselben ist ihnen zuwider, weil sie wenigstens doch ihr Gewissen etwas beunruhigt und sie an ihre Bestimmung und Pflicht erinnern könnte. - 15 Wer ist der Allmächtige, dass wir ihm dienen sollen, und was nützt es uns, wenn wir zu ihm beten? Zur Verachtung Gottes fügen sie noch Spott und Lästerung: Sie erklären Gott für ohnmächtig und jeder Verehrung unwert. Wer ist: Was kann und vermag der, den man den Allmächtigen nennt? Nichts. - 16 Doch weil ihr Glück nicht in ihren Händen ist, Ein größeres Verbrechen als solche Verachtung und Lästerung Gottes ist Job nicht denkbar, und so erscheint das außerordentliche Wohlergehen dieser Frevler als die gründlichste Widerlegung der Freunde. - so sei der Gottlosen Gesinnung fern von mir! Was das Rätsel vom Glücke der Gottlosen noch peinigender macht, ist, dass nicht sie die Ursache dieses Glückes sind. Doch ich habe nichts mit den Grundsätzen jener gemeinsam. - 17 Wie oft Selten. Anspielung auf [Job 18,6.12, Job 20,29]. Die Folgerung wird in V. 18 gezogen. - wird die Leuchte Das Glück. - der Gottlosen erlöschen und wird über sie eine Wasserflut hereinbrechen! Und wie oft wird Gott die Schmerzen seines Grimmes ihnen zuteilen! 18 Sie werden wie Spreu vor dem Winde sein und wie Asche, die der Sturmwind zerstreut. Im Hebr. Fortsetzung des vorigen Gedankens: Wie selten werden sie zerstreut! Die zweite Hälfte des Verses enthält im hebr. bereits Jobs Antwort auf den Einwurf im Sinne der Freunde, den die erste Hälfte bietet: Er vergelte ihm selber, dass er es fühle! Anspielung auf [Job 20,7-9]. Eine Steigerung, denn die Asche ist leichter als Spreu, der Sturmwind heftiger als der Wind. - 19 Gott spart des Vaters Schmerzen für seine Kinder auf; und wenn er ihm vergolten, wird er es inne werden. Job kommt dem Einwurfe zuvor: Wenn die Strafe etwa die Frevler verschont, trifft sie doch deren Nachkommen. [Job 20,10] Job antwortet: Eine solche Strafe ist für den Frevler keine, weil er von derselben nichts weiß und fühlt. - 20 Seine Augen werden seinen Untergang schauen und er wird vom Grimme des Allmächtigen trinken. Nach dem Hebräischen und dem Zusammenhange entsprechend als Wunschsatz (denn werden seine Söhne erst nach seinem Tode heimgesucht, so hat der Vater keine Strafe V. 21): Mögen seine Augen seinen Untergang schauen und er selbst vom Grimme des Allmächtigen trinken. - 21 Denn was kümmert ihn sein Haus nach seinem Tode, und dass die Zahl seiner Monde abgekürzt ist? Hebr.: Wenn die Zahl seiner Monde vollendet ist? - 22 Wird etwa jemand Gott Weisheit lehren, ihn, der die Höchsten richtet? Der Satz Jobs ist bewiesen. Mithin ist die Lehre der Freunde falsch, welche, die Erfahrung hintansetzend, Gott lehren wollen, wozu einzig er den Bösen gebrauchen darf. Welche Vermessenheit dem, der die Engel richtet, eine andere Ordnung vorschreiben zu wollen als wir ich befolgen sehen! In den nachfolgenden Versen 22-26 wird das Schicksal des Frommen und das des Gottlosen einander gegenübergestellt. - 23 Dieser stirbt stark und gesund, reich und glücklich, 24 seine Eingeweide sind voll des Fettes und seine Gebeine sind getränkt mit Mark. 25 Ein anderer aber stirbt in der Bitterkeit der Seele, von allem Reichtum entblößt, 26 und doch werden sie gleicherweise im Staube ruhen und die Würmer werden beide bedecken. Ungeachtet dieses vollkommenen Gegensatzes zwischen dem Schicksale und dem Verhalten der Guten und Bösen geht es im Tode beiden gleich, jener hat keinen Vorzug vor diesem und nirgends ist von einer Bestrafung der Bösen und Belohnung der Guten etwas zu fühlen. - 27 Wahrlich, ich kenne eure Gedanken und die ungerechten Urteile wider mich! 28 Denn ihr sagt: Wo ist das Haus des Fürsten? Jobs. Hebr.: die Fürsten (Jobs) - und wo sind die Gezelte der Gottlosen? Sie sind doch zugrunde gegangen und so widerlegen die Tatsachen alle Unschuldbeteuerungen Jobs. - 29 Fraget jeden Wanderer, Der also für mich nicht Partei nimmt und viel gesehen hat. - so werdet ihr erfahren, dass er das nämliche einsieht, 30 dass der Böse auf den Tag des Verderbens aufbehalten und dem Tage des Grimmes entgegengeführt wird. Hebr.: dass am Tage des Unglücks der Böse verschont wird, am Tage des Zornausbruches sie entrückt werden. – In dem Texte der Vulgata ist zu ergänzen: sagt ihr. (V. 28) - 31 Wer wird ihm seinen Wandel ins Angesicht rügen? und wer wird ihm vergelten, was er getan? 32 Er wird zu Grabe geführt und wacht unter der Schar der Toten. Von einer großen Schar der Freunde zu Grabe geleitet, wird er durch ein prächtiges Grabdenkmal gleichsam leben und Wache halten. Dies spricht gegen [Job 18,17] und [Job 5,26]; ebenso gegen [Job 8,22, Job 11,20, Job 15,32, Job 18,19, Job 20,5]. - 33 Süß war er den Kieseln des Kocytus, er zieht alle Menschen nach sich und Unzählbare sind, die vor ihm waren. Hebr.: Süß sind ihm des Tales Schollen und alle Welt zieht ihm nach, wie ihm Unzählige vorangegangen. – Noch nach seinem Hinscheiden erfreut er sich vieler Bewunderer und Nachahmer, wie er auch unzählige Vorgänger hat. So hat er außer dem Denkmale über seinem Grabe noch ein anderes in den Herzen der Menschen, welches noch weit mehr als jenes sein Andenken auf die Nachwelt bringt. Vulgata: Kocytus ist der Strom des Totenreiches, die Grenzscheide zwischen Diesseits und Jenseits, zwischen Oberwelt und Unterwelt. Am Kocytus herrscht sonst Trauer und Klage, doch den Bösen scheint oft bis an diese äußerste Grenzlinie, bis zu der man den Menschen verfolgen kann, das Glück zu folgen, so dass selbst die Unterwelt sich zu streuen scheint, einen solchen Bewohner zu erhalten. - 34 Wie mögt ihr mich also so eitel trösten, da sich eure Antwort als der Wahrheit widerstrebend erwiesen hat? Wenn man also von den Erwiderungen der Freunde auf seine Reden das abziehe, was den angeführten Tatsachen widerspricht, so bliebe nur Bosheit übrig, die sich in den gegen alle Wahrheit gegen Job vorgebrachten Beschuldigungen zeige. Damit aber erweisen sich die ihm gebotenen Tröstungen als nichtig und eitel.