Markus 6

Jesus wird in seinem Vaterlande nicht geehrt. (V. 6) Aussendung der Apostel. (V. 13) Tod Johannes des Täufers. 4. Verschiedene Reisen Jesu und fernere Unterweisung der Apostel. (6,30 – 9,49) Jesus speist 5000 Menschen mit fünf Broten und zwei Fischen. (V. 44) Jesus wandelt auf dem Meere.

Von da ging er hinweg, und kam in seine Vaterstadt; und seine Jünger folgten ihm. Zur Unterweisung der Jünger war es notwendig, dass sie auch durch eigene Erfahrung sahen, dass die Predigt des Evangeliums nicht überall gute Aufnahme findet. Das Ereignis ist ein anderes als das bei [Lk 4,16] erzählte. - Und als der Sabbat gekommen war, fing er an, in der Synagoge zu lehren. Und viele, die ihn hörten, verwunderten sich über seine Lehre, und sprachen: Woher kommt diesem Den wir kennen, der aus einer armen Familie stammt und gelebt hat wie andere. Sie zählen sofort sie einzelnen persönlichen Umstände auf. (V. 2, V. 3) - das alles? Was ist das für eine Weisheit, die ihm gegeben ist? Und solche Wunder, die durch seine Hände gewirkt werden? Ist er nicht der Zimmermann? Der allen bekannte Zimmermann? - Der Sohn Marias? Ein Bruder des Jakobus, Joseph, Judas und Simon? Und sind nicht auch seine Schwestern hier bei uns? Über die Brüder siehe [Mt 13,Anm.55] Jakobus und Judas waren Apostel, Simon nach dem Tode des heil. Jakobus Bischof von Jerusalem. - Und sie nahmen Anstoß an ihm. Sie konnten es nicht ertragen und wurden neidisch, dass Gott ihm soviel gegeben. - Jesus aber sprach zu ihnen: Ein Prophet ist nirgends ungeehrt, außer in seiner Vaterstadt, und in seinem Hause, und in seiner Verwandtschaft. Neid und Vertrautheit sind Hindernisse. - Und er konnte daselbst keine Wunder tun, Kein größeres Wunder. Der Glaube, den Gottes Vorsehung erheischt, fehlte. - außer dass er wenigen Kranken die Hände auflegte, und sie heilte. Und er verwunderte sich Dem Heiland kommt es unerwartet? So wusste er es nicht voraus? Er äußert seine Missbilligung in der Weise eines Menschen, der sich verwundert. - über ihren Unglauben, Da so viele Gründe sie zum Glauben riefen. - und zog durch die Flecken ringsherum, und lehrte. Ähnlich handeln die Apostel [Apg 13,46]. – Und er berief die Zwölf, und fing an, sie auszusenden, Eine neue Lehrschule für die Apostel, die Predigt. – je zwei und zwei, Zu gegenseitigem Troste und Hilfe. – und gab ihnen Macht über die unreinen Geister. Er befahl ihnen auch, nichts mit sich zu nehmen auf den Weg außer einzig einen Stab, nicht eine Tasche, nicht Brot, noch Geld in dem Gürtel. Nichts was zur Erhaltung des Lebens notwendig ist; sie sollen gänzlich auf Gottes Vorsehung vertrauen. - Sondern sich zu beschuhen mit Sandalen, Schuhe, welche die Fußsohlen decken, aber keine Stiefel. Diese Vorschriften enthalten zugleich die Verheißung, dass es ihnen an nichts fehlen werde. - und nicht zwei Röcke anzuziehen. Und er sprach zu ihnen: Wo ihr immer in einem Hause einkehret, da bleibet, bis ihr von da weiter gehet. Wer immer euch nicht aufnimmt, noch anhört, von dem gehet hinaus, und schüttelt den Staub von euern Füßen, zum Zeugnisse für ihn. Vergl. [Apg 13,51] und [Apg 18,6]. Durch diese sinnbildliche Handlung wird jede Gemeinschaft für aufgehoben erklärt. Sie war ein Zeugnis, dass jene die ihnen angebotene Gnade zurückwiesen und in den Aposteln den, der sie gesandt, verwarfen. - Und sie gingen aus, und predigten, dass man Buße tun solle. Wie Johannes der Täufer und Christus. - Und sie trieben auch viele böse Geister aus, und salbten viele Kranke mit Öl, und heilten sie. Das Öl war ein Sinnbild der Kraft, welche von Christus, dem Gesalbten, den Kranken mitgeteilt wird. Das Öl bedeutet die Barmherzigkeit Gottes und die Gnade des heil. Geistes, durch welche wir von Mühsalen befreit, Licht und Freude empfangen. Wie die Heilung der Krankheiten ein Bild der Heilung der Seele von ihren Gebrechen ist, so ist auch die äußere Weise der Krankenheilung ein Bild der letzten Ölung, die bei Markus andeutet, von dem heil. Jakobus anempfohlen und bekannt gemacht worden ist. (Konz. v. Trid. Sitzg. 14 Kap 1) - Da hörte der König Herodes So weit ist der Ruf von den Wundern Christi gedrungen, dass selbst Herodes, der sich sonst um Religion und göttliche Dinge wenig bekümmerte, fast gegen seinen Willen davon hörte. – Er heißt hier König, wohl weil sein Vater diesen Titel gehabt, er selbst war nur Vierfürst. - davon (denn sein Name ward bekannt), und sprach: Johannes, der Täufer, ist von den Toten auferstanden, und darum wirken die Wunderkräfte in ihm. Johannes hatte sein Wunder getan. - Andere aber sagten: Er ist Elias; und wieder andere sagten: Er ist ein Prophet, wie einer von den Propheten. Als Herodes dies hörte, sprach er: Johannes, den ich enthaupten ließ, dieser ist von den Toten auferstanden. Das böse Gewissen redet aus ihm. Bei [Lk 9,7.9] spricht er zuerst zweifelnd und schwankend (Aug.). Siehe über den Tod des heil. Johannes [Mt 14]. - Er selbst, nämlich Herodes, hatte hingesandt und den Johannes ergreifen und gefesselt im Gefängnisse halten lassen wegen der Herodias, des Weibes seines Bruders Philippus, weil er sie zum Weibe genommen hatte. Denn Johannes sagte zu Herodes: Es ist dir nicht erlaubt, das Weib deines Bruders zu haben! Die Herodias aber stellte ihm nach, und wollte ihn töten, allein sie konnte es nicht; Sie konnte von Herodes nicht erlangen, dass er das Todesurteil sprach. - denn Herodes fürchtete den Johannes, Seine Heiligkeit bewundernd. - da er ihn als einen gerechten und heiligen Mann kannte; und er nahm ihn in Schutz, und tat vieles, nachdem er ihn angehört hatte, und hörte ihn gerne. Als nun ein gelegener Tag Für die schlimmen Absichten der Herodias. - gekommen war, gab Herodes zur Feier seines Geburtstages den Großen, den Kriegsobersten und den Vornehmsten von Galiläa ein Gastmahl. Da trat eben der Herodias Tochter herein, und tanzte, und gefiel dem Herodes und seinen Tischgenossen wohl; In ihrem Tanze. - und der König sprach zu dem Mädchen: Verlange von mir, was du willst, und ich werde es dir geben. Und er schwur ihr: Was du immer von mir verlangen wirst, ich will es dir geben, und sollte es auch die Hälfte meines Reiches sein! Er will recht freigebig erscheinen. - Da ging sie hinaus, und sprach zu ihrer Mutter: Was soll ich verlangen? Diese aber sprach: Das Haupt Johannes, des Täufers! Und sogleich ging sie eilends hinein zu dem Könige, und stellte ihr Verlangen, indem sie sprach: Ich will, dass du mir auf der Stelle auf einer Schüssel das Haupt Johannes, des Täufers, gebest. Damit es ihm nicht vielleicht wieder leid würde. Sie fügt Bestimmungen hinzu; die sie über die Ausführung sicher stellen. - Da ward der König traurig; Herodes verehrt den heil. Johannes und fürchtet einen Aufstand, wenn die Sache ruchbar wird. - aber wegen des Eides und der Tischgenossen wollte er sie nicht betrüben, Griech.: Zurückweisen. - sondern schickte einen Trabanten hin, und befahl, sein Haupt auf einer Schüssel zu bringen. Und dieser enthauptete ihn im Gefängnisse, und brachte sein Haupt auf einer Schüssel, und gab es dem Mädchen, und das Mädchen gab es seiner Mutter. Als dies seine Jünger gehört, kamen sie und nahmen seine Leiche, und legten sie in ein Grab. Sein Grab soll in Samaria gewesen sein (Hier.). Es wurde zur Zeit Julians des Abtrünnigen entweiht und die Gebeine des Heiligen zerstreut. - Und die Apostel sammelten sich zu Jesus, Die Aussendung der Apostel hatte etwa zwei Jahre nach ihrer Berufung statt. Wie lange sie ausblieben, steht nicht fest. Der Name Apostel findet sich bei Markus nur an dieser Stelle, die recht geeignet gewählt ist. - und berichteten ihm alles, was sie getan Besonders über die Wunder (V. 7). Sie freuen sich über den Erfolg wie die 72 Jünger [Lk 10,17]. Aller Erfolg der Apostel ist Christus zuzuschreiben, wie auch das Ziel ihrer Tätigkeit seine Ehre ist. - und gelehrt hatten. Er aber sprach zu ihnen: Kommet Ihr, die ihr so viel gearbeitet. - abseits Bei Bethsaida [Lk 9,10], unweit der Mündung des Jordans in den See Genesareth. - an einen einsamen Ort, und ruhet ein wenig aus. Denn derer, die ab- und zugingen, waren viele, und sie hatten nicht einmal Zeit zu essen. Weil Ostern nahe war. - Da traten sie in ein Schiff, und begaben sich an einen einsamen Ort abseits. Und die Leute sahen sie hinwegfahren, und viele erfuhren es, und liefen zu Lande aus allen Städten dahin zusammen, und kamen ihnen zuvor. Als nun Jesus ausstieg, Siehe [Mt 14,13]. - sah er eine große Volksmenge; und er erbarmte sich über sie, weil sie wie Schafe waren, die keinen Hirten haben, und er hob an, sie vieles zu lehren. Christus wird nicht unwillig, dass sie ihn nicht allein lassen und entzieht sich dem Volke nicht, sondern verlässt die Einsamkeit und spendet ihnen Lehre und Heilung, ein Vorbild für alle Hirten! - Da es aber schon spät geworden war, traten seine Jünger zu ihm, und sprachen: Dieser Ort ist öde, und die Tageszeit ist vorgerückt. Entlasse sie, damit sie in die nächsten Dörfer und Flecken gehen, und sich Speise kaufen zu essen. Er aber antwortete, und sprach zu ihnen: Gebet ihr ihnen zu essen! Der Heiland deutet ihnen an, wie groß ihre Macht ist, wenn sie Glauben haben: eine so große Menge zu speisen. - Und sie sagten zu ihm: Sollen wir hingehen, und um zweihundert Denare Brot kaufen, und ihnen zu essen geben? Bei [Joh 6,7] antwortet Philippus in ihrem Namen. Durch die Frage der Jünger wird das Wunder offenbarer. 200 Denare sind etwa 130-140 M. Sie haben wohl nicht so viel (Euth.). An ein Wunder, wie einst Eliseus getan [2Koe 4,42-44] denken sie nicht. - Und er sprach zu ihnen: Wie viele Brote habet ihr? Gehet hin, und sehet nach! Und da sie es ersehen hatten, sprachen sie: Fünf, und zwei Fische. Da gebot er ihnen, sie sollten alle auf das grüne Gras niedersetzen lassen nach Abteilungen. Und sie lagerten sich reihenweise zu Hundert und zu Fünfzig. Jesus will, dass alles ohne Tumult und in Ordnung geschehe. Als ob sie um einen Tisch herumsäßen, sollen sie sich lagern, auf der langen Seite 100, auf der kurzen 50, während die vierte Seite wohl für die Bedienung frei bleibt. - Und er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte gen Himmel auf, segnete Der Heiland zeigt, dass er dem Vater das zuschreibt, was geschieht. Die Segnung wirkt die wunderbare Vermehrung der Brote in den Händen der Jünger. Vergl. [1Koe 17,4, 2Koe 4,5], wie später bei dem letzten Abendmahle sie segnenden Worte des Herrn die Wandlung des Brotes in seinen Leib bewirken. Die Jünger sollen gleichsam das Wunder fühlen und so im Glauben wachsen. - und brach die Brote, und gab sie seinen Jüngern, damit sie ihnen vorlegten; auch die zwei Fische teilte er unter alle. Und sie aßen alle, und wurden satt. Und sie hoben auf, was von den Stücken übrig geblieben war, zwölf Körbe So bewahrt ein jeder Apostel ein Andenken an das Wunder. Wie freigebig spendet der Herr seine Gnadenbezeugungen! - voll, und die Überbleibsel von den Fischen. Es waren aber derer, die gegessen hatten, fünftausend Mann. Und sogleich nötigte er seine Jünger, Die Apostel trennen sich nicht gerne von diesem Orte, zumal sie bemerken, dass der Heiland bleiben will. - in das Schiff zu steigen, und vor ihm nach Bethsaida Bei Kapharnaum [Joh 6,17]. - hinüberzufahren, indes er das Volk entließ. Und nachdem er sie Das Volk. Der Verkünder des göttlichen Wortes soll den Beifall der Menge fliehen und mit Gott im Gebete verkehren, ihm Dank zu sagen und für die Zuhörer zu beten. Vor wichtigen Ereignissen betet der Heiland die Nacht hindurch. - entlassen hatte, ging er auf den Berg, um zu beten. Da es nun spät geworden war, befand sich das Schiff mitten auf dem Meere, und er selbst allein auf dem Lande. Und als er sah, wie sie große Mühe hatten im Rudern (denn der Wind war ihnen entgegen), kam er um die vierte Nachtwache zu ihnen, wandelnd auf dem Meere, und er tat, als wollte er bei ihnen vorübergehen. Sie sind noch gegen 3 oder 4 Uhr des Morgens auf dem Meere. Jesus will sie Geduld lehren (Theoph.). Zwischen 3 und 6 kommt der Heiland über das Meer, als wenn er bei ihnen vorübergehen wollte. Er kommt zu einer Stunde, wo alle ihn sehen können, denn er will sich als Herr der Geschöpfe zu erkennen geben. Was [Mt 14] V. 28 – 31 über den heil. Petrus berichtet wird, ist hier ausgelassen, weil es zur Ehre des Apostelfürsten gereicht. - Da sie ihn aber auf dem Meere wandeln sahen, meinten sie, es wäre ein Gespenst, und schrien auf. Denn alle sahen ihn, und erschraken. Alsbald aber redete er sie an und sprach zu ihnen: Seid getrost, ich bin es, fürchtet euch nicht! Und er stieg zu ihnen in das Schiff, und der Wind legte sich. Sie aber erstaunten über die Maßen bei sich selbst; Was sie aus der Brotvermehrung noch nicht erkannt, lehrt sie das neue Wunder (Theoph.). - denn sie waren nicht zur Einsicht gelangt bei den Broten, weil ihr Herz mit Blindheit geschlagen war. Als sie nun hinübergefahren waren, kamen sie an die Landschaft Genesareth, Der Wind hat sie verschlagen. - und legten an. Und da sie aus dem Schiffe gestiegen waren, erkannten ihn die Menschen Die Leute aus der Umgebung. - sogleich, und liefen in jener ganzen Gegend umher, und fingen an, die Kranken auf Betten herumzutragen, dahin, wo sie hörten, dass er sei. Und wo er immer hinkam in Flecken, oder Dörfer, oder Städte, da legten sie die Kranken auf die Gassen, und baten ihn, dass sie nur den Saum seines Kleides Der Saum (die Quasten) hatte eine heilige Bedeutung und war Wahrzeichen der Frömmigkeit. Siehe [Mt 23, Anm.7.8]. berühren dürften; und alle, die ihn berührten, wurden gesund.

Zitiert in 133