Psalmen 22
Biblia Sacra (Allioli-Arndt)
Public domain Quelle: vulgata.info
Exordium: Klage des Messias, dass er verlassen. (V. 2) 1. Beschreibung der Verlassenheit (V. 12): seitens Gottes (V. 7), seitens der Menschen. (V. 12) 2. Beschreibung der Kreuzigung (V. 22): A. Bei der Kreuzigung tätige Personen – der Messias aller Kräfte beraubt. (V. 17b) B. Der Heiland am Kreuze. (V. 22) 3. Klage und Flehen wandeln sich in Jubel und Danksagung für die reichen Früchte des Leidens.
1 Zum Ende, Für den Vorsänger nach „Hinde der Morgenröte.“ Der Psalm stammt aus der Zeit der Verfolgung Sauls. Davids eigenes Ich tritt indes in demselben zurück und an die Stelle desselben tritt eine göttliche Person, vergl. [2Sam 7], für die Davids Leiden nur ein schwaches Vorbild war, die des leidenden Heilandes. Justin, Irenäus, Cyprian, Theodoret, Chrysostomus, Hieronymus, Augustinus erklären diesen Psalm als messianischen. - für Hilfe am Morgen, ein Psalm Davids. 2 O Gott, mein Gott! schaue her auf mich, Durch Irrung von der Septuag. eingefügt. (Hieron.) Diese Worte fehlen deshalb auch [Mt 27,46, Mk 15,34]. - warum hast du mich verlassen? Diese Worte rief der Heiland am Kreuze aus: [Mt 27,46, Mk 15,34] während er das übrige wohl still betete. Die Frage drückt Befremden und Sehnsucht aus, nicht Ungeduld oder gar Verzweiflung. Er weiß sich Gott in Liebe verbunden. Doch der gegenwärtige Stand, in dem er sich findet, widerspricht dem Wesen seines Verhältnisses zu Gott. Worin die Verlassenheit liegt, sagt V. 2b. - Fern von Hilfe für mich rufe ich ob meiner Sünden. Vulg.: Das Wesen der Sünde ist Abwendung von Gott, darum ihre Strafe die Verlassung des Geschöpfes durch den Schöpfer. Der Heiland hat unsere Sünden auf sich genommen wie seine eigene Schuld, so wird er denn von seiner eigenen Gottheit im Gefühl allein gelassen, jedes Lichtes und Trostes beraubt. Hebr.: ist mein flehendes Schreien. Vergl. [Mt 27,46, Hebr 5,7]. - 3 Mein Gott! ich rufe des Tages und du erhörst mich Hebr.: antwortest mir. - nicht; des Nachts, Tag und Nacht: immer. - doch nicht soll es mir zur Torheit gereichen. Mein Klageruf soll nicht ein sündhafter des Murrens sein. Hebr.: nicht wird mir Ruhe. - 4 Du aber wohnst im Heiligtume, Im Tempel, dem Abbilde der Himmelswohnung, und im Himmel. Wenn ich auch nicht alsbald erhört werde, ist Gott, der Ruhm Israels, der im Himmel wohnt, doch stets bereit zu helfen. Hebr.: Und doch bist du heilig, Lobpreis Israels. Du kannst nicht anders als treu sein. - du, der Lobpreis Israels! 5 Auf dich hofften unsere Väter, sie hofften und du hast sie gerettet. Stets hast du unsere Väter erprobt (besonders in der Wüste und zur Richterzeit), weshalb solltest du also mich nicht erhören? - 6 Sie riefen zu dir und wurden errettet, sie hofften auf dich und wurden nicht zuschanden. 7 Ich aber bin ein Wurm und nicht ein Mensch, Diese Schilderung soll Gott zu schleuniger Hilfe bewegen. Vergl. auch [Jes 49,7, Jes 53,3]. - der Leute Spott und die Verachtung des Volkes. 8 Alle, die mich sehen, spotten über mich, Vergl. [Lk 23,35]. - verziehen die Lippen Lästern mich. - und schütteln das Haupt. Zeichen des Hohnes und der Schadenfreude. Vergl. [Mt 27,39]. - 9 Er hat auf den Herrn gehofft, Hebr.: Wälze (deine Sache) auf Jahve, gib ihm dein Leiden anheim. Erfüllung: [Mt 27,39]. - er rette ihn, er helfe ihm, denn er hat sein Wohlgefallen an ihm. 10 Ja, du bist es, der mich aus dem Mutterleibe hervorgezogen; du meine Hoffnung von den Brüsten meiner Mutter her. 11 Dir ward ich zugewiesen vom Mutterschoße an, Zweimal nennt der Erlöser seine Mutter. Nie ist im Alten Testamente von einem menschlichen Vater des Messias die Rede, stets nur von seiner Mutter und dem göttlichen Vater, z.B. [Jes 7,4, Mic 5,3]. Hebr.: Auf dich ward ich geworfen. Anspielung auf die Sitte, ein neugeborenes Kind auf die Knie des Vaters zu legen. - von Mutterleib an warst du mein Gott. 12 Verlasse mich nicht, denn die Drangsal ist nahe Drückt lastend auf mich. - und niemand ist, der helfe. 13 Viele Farren haben mich umringt, fette Stiere Hebr.: Die Starken Basans. (Stiere des Weidelandes nördlich vom Jabok bis zum Abhange des Hermon, einst das Land Ogs, später Manasses. [4Mos 32,1]) - mich umlagert. 14 Sie Die Feinde. - sperren ihren Rachen wider mich auf, wie ein reißender, brüllender Löwe. 15 Wie Wasser bin ich hingegossen Aufgelöst, ohne Zusammenhalt. - und aufgelöst sind alle meine Gebeine. Mein Herz ist wie zu Wachs zerflossen in meinem Innern. Bild der Bangigkeit und Furcht. [2Sam 17,10] - 16 Vertrocknet wie eine Scherbe ist meine Kraft Durch das Feuer wird dem Tone alle Feuchtigkeit entzogen. - und meine Zunge klebt an meinem Gaumen und in den Staub des Todes ließest du mich hinabsinken. Die Feinde hätten keine Macht, wenn Gott sie nicht gäbe. Vergl. ähnlich [Jes 53]. - 17 Denn Anschließend an V. 12. - viele Fehlt im Hebr. - Hunde haben mich umringt, die Rotte der Bösewichter hat mich umlagert. Sie haben meine Hände und meine Füße durchbohrt, Vers 17c passt besser im Anschluss an 16b. Der jetzige hebr. Text hat alle alten Zeugen gegen sich, wenn man ihn anders übersetzt als die Septuag., der die Vulgata folgt. Vielleicht beruht die jetzige Leseweise des hebr. Textes auf jüdischer Polemik gegen die christliche Verwertung der Stelle, für welche die neueren Kritiker an der Lesart durchbohrend festhalten. Dass die Durchbohrung der Hände und der Füße der römischen Sitte entsprach, bezeugen Justin M. und Tertullian. - 18 gezählt all meine Gebeine Hebr.: zählen kann ich. - und schauen mich nun an und betrachten mich. 19 Sie haben meine Kleider unter sich geteilt und das Los über mein Gewand geworfen. Das Unterkleid ward verlost, die übrigen Kleidungsstücke des Herrn verteilt. - 20 Du aber, Herr! lass deine Hilfe nicht fern sein von mir, Hebr.: du meine Stärke, eile mir zu helfen. - sei bedacht auf meinen Schutz. 21 Errette meine Seele von dem Schwerte, Schwert steht für feindliche Mordwaffen im Allgemeinen. - o Gott! und aus der Gewalt des Hundes meine Einzige. Meine eine Seele, außer der ich keine zweite habe, das eine Leben, außer dem der Mensch kein zweites verlieren kann. - 22 Rette mich aus dem Rachen des Löwen, mich Erniedrigten von den Hörnern der Einhorne. Hebr.: Aus den Hörnern der Büffel (rettend) erhörst du mich. Die Büffel sind das Bild der Verfolger wie des Todes. Führe mich hervor aus der Vorhölle und gib mir den Sieg über meine Feinde, Sünde und Tod. - 23 Ich will deinen Namen meinen Brüdern Denen, die durch seine Erlösung Gottes Kinder geworden sind. [Mt 28,10; Joh 20,17, Gal 4,5] - verkünden, inmitten der Versammlung dich lobpreisen. 24 Ihr, die ihr den Herrn fürchtet, lobpreiset ihn; alle Kinder Jakobs Die geistigen Nachkommen, alle wahren Verehrer Gottes (alle, die den Herrn fürchten). - verherrlichet ihn! 25 Es mögen ihn fürchten alle Nachkommen Israels; denn er hat nicht verachtet noch verschmäht er das Flehen Hebr.: Elend. - des Armen und hat sein Angesicht nicht von mir abgewendet und mich erhört, Durch die Auferweckung in vollkommener Weise als wenn der Herr nicht den Tod auf sich genommen hätte. - da ich zu ihm rief. 26 Dich preise ich in zahlreicher Versammlung; In der aus Juden und Heiden gesammelten Kirche Gottes, die zeitlich und räumlich groß ist. - im Angesichte derer, die ihn fürchten, will ich meine Gelübde erfüllen. Man pflegte in großer Not Gelübde zu machen, die in der Regel in dem Versprechen bestanden, eine gewisse Zahl von Opfern darzubringen. Hatte man die Hilfe erlangt, die man erbeten, so lud man zu den mit den Dankopfern verbundenen Mahlzeiten Waisen und Arme ein und machte sie so zu Teilnehmern seines Heiles, zu Mitgenossen seiner Freude. Der ersten Frucht des Leidens und Sterbens, der Verkündigung des dreifaltigen Gottes durch die apostolische Fortdauer des Kreuzesopfers (Aug., Hier.) und (V. 27) die heilige Kommunion. - 27 Arme Demütige, Kleine, Heilsbegierige. - werden essen und satt werden und den Herrn loben, die ihn suchen; ihre Herzen werden leben auf ewig. Drei Wirkungen der heiligen Eucharistie: Geistliche Sättigung, Gott zukommende Verehrung, ewiges Leben. - 28 Alle Enden der Erde werden des Herrn gedenken und zu ihm zurückkehren und vor ihm werden alle Geschlechter der Heiden niederfallen. Weitere Darstellung der Allgemeinheit der Erlösung. - 29 Ist ja des Herrn das Königtum Gott hat ein königliches Anrecht auf alle Völker. - und er herrscht über alle Völker. 30 Es essen Es ist ein geistig sättigendes Essen (V. 27), vermittelt durch die große Rettungstat Gottes. - und beten an alle Mächtigen der Erde; Allem Überflusse, in dem sie schwelgen konnten, ziehen sie dies Mahl vor und werfen sich ob der Gnade, die es einschließt, anbetend nieder. Es ist das Mahl, von dem auch [Jes 25,6] weissagt. - vor seinem Angesichte fallen alle nieder, die in den Staub sinken. Alle, welche den Weg des Todes gehen, alle Sterblichen. - 31 Und meine Seele Hebr.: Nachkommenschaft. - wird ihm Gott, dem Vater des Messias. - leben und meine Nachkommenschaft ihm dienen. Hebr.: Nachkommenschaft wird ihm dienen, es wird erzählt werden vom Herrn den (künftigen) Geschlechtern, sie (die Nachkommen) werden kommen und seine Gerechtigkeit künftigem Volke verkünden, dass er es vollbracht hat (das große Werk der Erlösung). - 32 Dem Herrn wird angekündigt werden Durch die Kirche als sein Knecht. Oder medial: wird sich ankündigen in der Kirche. - das künftige Geschlecht und die Himmel Besser mit Septuag. und Hebr.: Sie (die Gläubigen) werden ihren Nachkommen den Gnadenratschluss Gottes erzählen. „Himmel“ ist wohl aus ähnlich klingenden Stellen hierher geraten. Gerechtigkeit ist hier das dem Heilswillen Gottes entsprechende Verhalten gegen die Menschen, sein Gnadenratschluss. werden seine Gerechtigkeit dem Volke kundtun, das geboren werden wird, das der Herr erschaffen hat.
Zitiert in 46
- Dieses Kapitel CCC(¶304)Summa (EN)(III 83.2
Suppl 7.1) Allgemeine Gebete(Kreuzweg)Amoris Laetitia(§314)Evangelium Vitae(§44§61) Novo Millennio Ineunte(§25)Pastores Dabo Vobis(§22)Reconciliatio Et Paenitentia(§7)Salvifici Doloris(§6§18) Spe Salvi(§6§37) Verbum Domini(§11) - V. 1 CCC(¶603)
- V. 2 CCC(¶603
¶2605) Summa (EN)(I 113.6III 15.1 Allgemeine Gebete(Kreuzweg)Reconciliatio Et Paenitentia(§7)III 46.6) - V. 3 Summa (EN)(III 21.4)Africae Munus(§101)Amoris Laetitia(§314)
- V. 4 Amoris Laetitia(§314)
- V. 5 Novo Millennio Ineunte(§25)
- V. 7 Allgemeine Gebete(Kreuzweg)
- V. 10 CCC(¶2270)Evangelium Vitae(§44
§60 §61) - V. 11 CCC(¶2270)Evangelium Vitae(§44
§60 §61) - V. 12 Novo Millennio Ineunte(§25)
- V. 14 CCC(¶112)
- V. 15 CCC(¶112)
- V. 19 Allgemeine Gebete(Kreuzweg)
- V. 26 Summa (EN)(II-II 88.4)
- V. 27 CCC(¶716)
- V. 28 Dei Verbum(§14)
- V. 29 Dei Verbum(§14)
- V. 30 Summa (EN)(III 80.6)