Verherrlichung des sterbenden Heilandes vor Pilatus, (V. 14) im Tode (V. 32), nach dem Tode (V. 37). 3. Offenbarung der Herrlichkeit des Herrn durch seinen Triumph über seine Gegner. (19,38 – 21,23) 1. Joseph von Arimathäa und Nikodemus.
Gustave Doré (1832-1883), La Grande Bible de Tours (Alfred Mame et fils, Tours, 1866)
The Doré Bible Illustrations (Dover Publications, 1974) — Scans bereitgestellt von Rev. Felix Just, S.J.1DaAls das Volk von Jerusalem den Barabbas forderte und nach der Handwaschung [Mt 27,24]. Pilatus hat den Rechtsboden verlassen, er macht den Juden ein neues Zugeständnis. - ließ Pilatus Jesus ergreifen und geißeln.Jesus wird mit Dornen gekrönt
Gustave Doré (1832-1883), La Grande Bible de Tours (Alfred Mame et fils, Tours, 1866)
The Doré Bible Illustrations (Dover Publications, 1974) — Scans bereitgestellt von Rev. Felix Just, S.J.2 Und die Soldaten flochten eine Krone von Dornen, und setzten sie ihm auf sein Haupt, und legten ihm einen Purpurmantel um.3 Und sie traten zu ihm, und sprachen: Sei gegrüßt, du König der Juden! Und sie gaben ihm Backenstreiche.Nach [Mt 27,26-31] und [Mk 15,15-20] könnte es scheinen, als ob Pilatus das Urteil vor der Dornenkrönung sprach; die Darstellung des heil. Johannes wirft auch auf diesen Punkt Licht. (V. 5 – 16) – Pilatus duldet es, weil er glaubt, der elende Zustand, in welchen der Herr dadurch versetzt wird, werde Mitleid erregen. -4 Da ging Pilatus abermals hinaus, und sprach zu ihnen: Sehet, ich führe ihn zu euch heraus, damit ihr erkennet, dass ich keine Schuld an ihm finde.Pilatus kommt selbst heraus: Ich will ihn nun vor euch anhören, damit usw. Indem er sagt, dass er keine Schuld an dem Heilande finde, verurteilt er die grausame Geißelung und Verspottung selbst. -5 (Jesus also trat hinaus, mit der Dornenkrone und dem Purpurmantel angetan.)Jesus blieb bis zum Abschluss der Verhandlungen vor den Augen der Juden. - Und er sprach zu ihnen: Sehet da den Menschen!Das Wort ist halb verächtlich, halb mitleidig: Da kommt der Mann, dessen Erscheinen ich euch angekündigt. -6 Als ihn aber die Hohenpriester und DienerWie die Hohenpriester das Volk angestiftet, die Freilassung des Barabbas zu fordern [Mt 27,20], so halten sie es jetzt von Mitleid zurück. Die Diener sind insbesondere die Tempeldiener. - sahen, schrieen sie, und sprachen: Kreuzige, kreuzige ihn! Pilatus sprach zu ihnen: Nehmet ihr ihn hin, und kreuziget ihn; denn ich finde keine Schuld an ihm.Pilatus antwortet ihnen ärgerlich: ich kann mich nicht zu einer solchen Ungerechtigkeit hergeben, dies möget ihr tun. Da sie selbst nicht das Recht hatten zu kreuzigen, lag in seinen Worten eine Ablehnung. Sie haben als Juden für einen Angehörigen ihres Volkes zu ihrer eigenen Schande die Kreuzigung verlangt. -7 Die Juden antworteten ihm: Wir haben ein Gesetz, und nach dem Gesetze muss er sterben, weil er sich zum Sohne Gottes gemacht hat.Wenn du keine Schuld findest, wir haben eine solche bereits gefunden, denn wer sich Gott gleichstellt, ist ein Lästerer, ein solcher aber muss nach unserem Gesetz sterben, und dieses Urteil zu vollziehen liegt dir ob. Das Gesetz, auf welches sie sich beziehen, ist das [3Mos 24,15ff, 5Mos 18,20] aufgezeichnete. -8 Als nun Pilatus diese Worte hörte, fürchtete er sich noch mehr.Die Furcht des Pilatus wächst. An diese Stelle gehört wohl der Traum seiner Frau. [Mt 27,19] (Aug.). Ob Pilatus vermutet, der Herr möchte ein Halbgott sein? Jedenfalls konnten selbst gebildete Heiden sich nicht von dem Aberglauben frei machen, dass die Götter in Menschengestalt unter Menschen wandelten und Söhne und Töchter, sogenannte Halbgötter hatten. Vergl. [Apg 14,11, Apg 28,6]. -9 Und er ging wiederum in das Gerichtshaus, und sprach zu Jesus: Woher bist du? Aber Jesus gab ihm keine Antwort.Weil eine Antwort, die einzig zur Unterweisung für Pilatus selbst gedient hätte, keine Stätte in seinem Herzen gefunden haben würde (Chrys., Cyr.), und weil Pilatus wegen seines schwankenden Verhaltens einer Antwort nicht würdig war, der Herr zudem den Gang der Ereignisse nicht aufhalten wollte. –10 Da sprach Pilatus zu ihm: Zu mir redest du nicht? Weißt du nicht, dass ich Macht habe, dich zu kreuzigen, und Macht habe, dich freizulassen?Pilatus fürchtet sich selbst und will Furcht einflößen (Euth.). -11 Jesus antwortete: Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht von oben herab gegeben wäre;Pilatus prahlt mit seiner Macht und will sie doch gegen einen Unschuldigen gebrauchen. Jesus handelt und leidet nach göttlichem Ratschluss. Pilatus ist mit seinen freien Handlungen und Entschlüssen dennoch wieder nur das dienende Werkzeug jenes höheren, auf ewige Macht und Weisheit gegründeten Ratschlusses. Darum und nur so weit hat Pilatus auch Gewalt des Lebens und Todes (V. 10) selbst über den Herrn des Lebens. [Apg 3,15]. Die Rollen werden gleichsam gewechselt, und Pilatus wird in der letzten Antwort, die der Heiland ihm gibt, statt des Richters der Angeklagte. – darumDarum: Nicht irgendein Unschuldiger ist dir überliefert worden, sondern der, welcher wegen seiner hohen Würde keiner menschlichen Gewalt, außer auf besondere Anordnung Gottes, unterworfen ist. Darum ist die Sünde derer, die mich überliefert haben, größer. - hat der, welcher mich dir überlieferte, eine größere Sünde.Es gibt also einen Unterschied in der Schwere der Sünden (Thom.). -12 Von nun an suchte Pilatus ihn freizulassen.Griech.: Infolge dessen. Diese Partikel ist vorzuziehen, da Pilatus den Herrn nicht erst jetzt freilassen wollte. Die Worte des Heilandes hatten einen tiefen Eindruck auf ihn gemacht. Der Evangelist sagt: „freizulassen“, nicht „freizusprechen“. Pilatus hatte schon früher die Unschuld unseres Herrn erklärt, fortan kann er auf Mittel, ihm, ohne die Juden zu beleidigen, die Freiheit zu verschaffen. Umsonst, die Feinde Jesu merkten die Absicht des Römers. - Die Juden aber schrieen, und sprachen: Wenn du diesen freigibst, so bist du kein FreundKein treuer Diener des Kaisers. - des Kaisers; denn jeder, der sich zum Könige macht, erklärt sich gegen den Kaiser.Zurückweisung auf die bereits [Joh 18,33] vorgebrachte Anklage. -13 Als aber Pilatus diese Reden hörte, führte er Jesus hinaus,Nach der letzten an den Herrn gerichteten Frage hatte Pilatus den Heiland im Richthause zurückgelassen (V. 9). - und setzte sich auf den Richterstuhl,Der Richterstuhl wurde wohl nach dem sogleich genannten Orte übertragen. Das Urteil musste im Freien vor dem Angeklagten gefällt werden. - an dem Orte, der Lithostrotos heißt, hebräisch aber Gabbatha.Gabbatha: Anhöhe. Es ist wohl ein mit Mosaikboden gepflasterter Platz gegen den Tempelvorhof gelegen. Um die Wichtigkeit des Augenblickes zu kennzeichnen, gibt der Evangelist genau Ort, Stunde und Tag an. Nur an fünf Stellen gibt der heil. Johannes eine nähere Zeitbestimmung: [Joh 1,39, Joh 4,6.52, Joh 11,9] und an unserer Stelle. -14 Es war aber der Rüsttag des Osterfestes, ungefähr die sechste Stunde,Markus nennt als Zeit der Kreuzigung die dritte Stunde, Johannes sagt, es sei ungefähr die sechste gewesen. Vergl. [Mk 15,Anm.19]. Übrigens sind die Zeitangaben bei Johannes genauer als bei Markus, da letzterer nach Abteilungen von je drei Stunden rechnet. - und er sprach zu den Juden: Sehet, euer König!Diese Worte sind wohl ein letzter Versuch, die Juden zum Mitleid zu bewegen (Aug., Chrys., Thom.). seht seinen erbarmungswürdigen Zustand! Sollte ein solcher König euch schrecklich erscheinen? -Jesus wird dem Volk vorgestellt
Gustave Doré (1832-1883), La Grande Bible de Tours (Alfred Mame et fils, Tours, 1866)
The Doré Bible Illustrations (Dover Publications, 1974) — Scans bereitgestellt von Rev. Felix Just, S.J.15 Diese aber schrieen: Hinweg! Hinweg! Kreuzige ihn! Pilatus sprach zu ihnen: Euern König soll ich kreuzigen?Auch diese Worte sind in Pilatus Munde ein Hohn. - Die Hohenpriester antworteten: Wir haben keinen König, als den Kaiser.Die Juden sprechen sich selbst das Verdammungsurteil. Sie sagen sich von dem messianischen Königtume los und geben sich in ihrer Wut selbst auf. Vergl. dagegen [Joh 8,33]. Gott ließ ihr eigenes Urteil an ihnen vollziehen, indem er sie bei der Zerstörung Jerusalems der Rache des selbstgewählten Herrschers überließ (Chrys.). -16 Da übergab er ihnenDen Hohenpriestern u. a. als den Anstiftern, beziehungsweise den Soldaten, welche ihn hinausführen und kreuzigen sollten. - denselben, dass er gekreuziget würde. Sie übernahmen also Jesus, und führten ihn hinaus.17 Und sich selbst das Kreuz tragend,Es ist wohl gegen 11 Uhr. Johannes hebt hervor, dass der Heiland selbst sein Kreuz trug, und lässt deshalb den Bericht über Simon von Cyrene weg. Ob auch der Heiland jetzt noch die Dornenkrone trug? Einige Überlieferungen aus sehr alten Zeiten bejahen diese Frage. - ging er hinaus zu dem Orte, den man Schädelstätte nennt, hebräisch aber Golgotha.Jesus wird ans Kreuz genagelt
Gustave Doré (1832-1883), La Grande Bible de Tours (Alfred Mame et fils, Tours, 1866)
The Doré Bible Illustrations (Dover Publications, 1974) — Scans bereitgestellt von Rev. Felix Just, S.J.18 Da kreuzigten sie ihn,Die meisten Ausleger sind, gestützt auf die Gewohnheit der Römer, der Ansicht, dass der Heiland das bereits aufgerichtete Kreuz bestieg, nicht vorher an dasselbe geschlagen und mit ihm erhoben wurde. - und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten, in der Mitte aber Jesus.19 Pilatus aber schrieb auch eine Aufschrift, und setzte sie über das Kreuz. Es war aber geschrieben: Jesus von Nazareth, der König der Juden.Die Aufschrift ist eine Beleidigung der Juden (Chrys.). Ohne dass es der Landpfleger ahnte, gab er dem Heilande seinen wahren Titel. Pilatus hatte die Aufschrift schreiben lassen, als der Zug aufbrach. -20 Diese Aufschrift nun lasen viele Juden; denn der Ort, wo Jesus gekreuziget wurde, war nahe bei der Stadt, und es war hebräisch, griechisch und lateinisch geschrieben.Da die Aufschrift nun jedermann verständlich war, erbosten sich die Juden noch mehr. Sie baten Pilatus um eine Änderung, weil die Aufschrift sagte: Sehet, Juden, euer König hängt am Holze der Schande und des Fluches. -21 Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilatus: Schreibe nicht:Sie reden, als ob Pilatus noch im Schreiben begriffen wäre, weil sie die Aufschrift nicht als endgültig ansehen wollten. - der König der Juden, sondern dieser hat gesagt: Ich bin der König der Juden.22 Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben.Pilatus freut sich, nach allen Zugeständnissen wenigstens in diesem untergeordneten Punkte die Juden den Stachel fühlen zu lassen, und will sich das Ansehen eines unerschütterlichen Römers geben. -23 NachdemDie Partikel weist auf V. 18 hin. - nun die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten, nahmen sie seine Kleider (und machten vier Teile daraus, für jeden Soldaten einen Teil), und den Rock.Ein Kommando von je vier Soldaten, vergl. [Apg 12,4] wurde zur Bewachung von Gefangenen und zu Strafvollstreckungen aufgeboten. Solche vier teilen sich „gleichsam nach Erbrecht“ (Cyr., Al.) in die Gewänder des Heilandes. - Der Rock aber war ohne Naht, von oben bis unten ganz gewebt.24 Da sagten sie zueinander: Diesen wollen wir nicht zerschneiden,Der Rock des Herrn, nach Art der Priesterkleider [2Mos 28,4.39] von oben herab zu einem Stücke gewebt, würde zerschnitten und geteilt keinem der Soldaten Nutzen gebracht haben. Daher losen sie unter dem Kreuze [Lk 23,34, Mk 15,24]. Das eine, ungeteilte Kleid des Herrn deutet auf das Geheimnis der untrennbaren Einheit der Kirche. „Niemand kann Christus anziehen, der die Kirche Gottes zertrennen und spalten will.“ (Cypr.) Nach [Mk 15,24] wurde über alle Kleider das Los geworfen. Der heil. Johannes widerspricht dem nicht, sondern sagt nur, dass die Soldaten über das ganze ungenähte Kleid des Herrn, nicht über seine Teile das Los warfen. - sondern das Los darüber werfen, wessen er sein soll. DamitDies Zitat ist aus [Ps 21,19] nach der Septuaginta gegeben. - die Schrift erfüllet würde, welche sagt: Sie haben meine Kleider unter sich geteilt, und über mein Gewand haben sie das Los geworfen. Die Soldaten also taten dies.25 Es standen aber bei dem Kreuze Jesu seine Mutter, und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Kleophas, und Maria Magdalena.Das hier Erzählte fällt vor [Mt 27,55] (Aug., Thom.). Wie am Beginne der öffentlichen Tätigkeit des Heilandes, so erscheint Maria am Schlusse derselben. Die Frauen standen einige Zeit nicht unmittelbar unter dem Kreuze. [Mt 27,55, Mk 15,40, Lk 23,49] Sie waren zuerst nahe getreten, hatten sich dann aber ein wenig zurückgezogen (Thom.). -26 Da nun Jesus seine Mutter, und den Jünger, den er lieb hatte, stehen sah, sprach er zu seiner Mutter: Weib, siehe da, dein Sohn!Dieses Wort des Heilandes musste eine der schönsten Erinnerungen des greisen Apostels bilden. Der Heiland nennt die heil. Jungfrau nicht „Mutter“, da sie bald ihren Sohn verlieren soll, oder um ihren Schmerz nicht noch mehr zu vergrößern. Die Anrede Weib drückt die Ehrerbietung aus. Siehe [Joh 2,Anm. 7]. -27 Hierauf sprach er zu dem Jünger: Siehe da, deine Mutter!Siehe, wie ehrt der Heiland den Jünger, da er ihn, seiner Mutter ihn zum Sohne gebend, zu seinem Bruder macht! So gut ist es, bei dem Kreuze zu stehen und auszuharren bei dem leidenden Heiland (Theoph.). In mystischem Sinne sagt Rupertus (12. Jahrhundert): Johannes war unterm Kreuze der Vertreter aller Gläubigen, ja aller Menschen, und alle hat Jesus damals seiner heil. Mutter empfohlen, allen sie zur Mutter gegeben. Diese Worte enthalten eine Wahrheit, welche jetzt alle Katholiken glauben und bekennen. Sind wir nicht Adoptivbrüder des Herrn, der Mensch geworden ist, und also auch Adoptivkinder seiner heiligsten Mutter? - Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.Dass seine eigene Mutter noch lebte, konnte für den heil. Johannes kein Hindernis sein. Er hatte wohl in Jerusalem eine Unterkunft. Da der heil. Joseph schon vor der öffentlichen Tätigkeit des Herrn gestorben war und nun auch ihr göttlicher Sohn diese Erde verlässt, hat Maria keine eigene Heimat mehr. Aber sie gehört nun der Kirche an, für welche sie, als Jungfrau zugleich und als Mutter, deren reinstes Bild und ein kostbares Kleinod ist, das wir durch das Testament unseres gekreuzigten Herrn für alle Zeiten ererbt haben. -28 Hierauf, da Jesus wusste, dass alles vollbracht sei,Johannes berichtet von den sieben Worten, welche der Heiland am Kreuze gesprochen, V. 26 das dritte, V. 28 das fünfte. Auch durch dieses wird ein prophetisches Wort erfüllt [Ps 68,22]. [Mt 27,48] und [Lk 23,36], die nur die Darreichung des Essigtrankes berichten, setzen dabei dies Wort des Heilandes voraus. V. 30 berichtet Johannes über das sechste Wort. - sprach er, damit die Schrift ganz erfüllet würde: Mich dürstet.29 Es stand aber ein Gefäß da voll Essig. Und sie füllten einen Schwamm mit Essig, steckten ihn auf einen Ysopstengel, und brachten ihn an seinen Mund.Johannes und Lukas sprechen von mehreren, Markus von einem. Erstere erwähnen den Handelnden und die Zustimmenden, Markus nur den ersteren. Vergl. auch [Lk 23,36]. -30 Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! Und das HauptWeil alles vollbracht ist und weil er sterben will. Er neigt das Haupt vor dem Sterben, wie die heil. Väter erwägen, um zu zeigen, dass er freiwillig sein Leben dahingibt. - neigend, übergab er seinen Geist.31 Damit nun die Leiber nicht am Sabbate am Kreuze blieben, weil es der Rüsttag war (denn jener Sabbat war groß), baten die Juden den Pilatus, dass ihnen die Beine gebrochen, und sie abgenommen werden möchten.Das jüdische Gesetz gebot, die Leiche (welche nach der Steinigung an einem Phahl gehängt worden) noch am Tage der Hinrichtung zu bestatten. [5Mos 21,22] Diese Vorschrift wendeten die Juden nun auf die Gekreuzigten an. Der Rüsttag (V. 14) neigte sich bereits zu Ende. Der mit dem Erscheinen des Abendsternes beginnende Sabbat war dieses Mal ein großer oder hoher Sabbat, weil er mit der Feier des Osterfestes zusammentraf. Vergl. [Mt 27,62]. -32 Da kamen die Soldaten, und zerbrachen dem ersten die Beine und dem anderen, der mit ihm gekreuzigt war.Die Soldaten haben auf beiden Seiten zugleich angefangen. -33 Als sie aber zu Jesus kamen, und sahen, dass er schon gestorben sei, brachen sie ihm die Beine nicht,34 sondern einer von den Soldaten öffnete seine Seite mit einem Speere,Um den Tod Jesu sicher zu stellen, durchbohrt einer von ihnen die Seite und das Herz des Heilandes. Die Überlieferung nennt ihn nach der Lanze (Lonche) Longinus. - und sogleich kam Blut und Wasser heraus.Blut und Wasser sind getrennt. Das Blut floss nach den Gesetzen der Natur, das Wasser wohl durch ein Wunder. Sie bedeuten die Erlösung des Herrn, die uns in seinem Blute [1Joh 1,7, Offenb 7,14] und in der Wiedergeburt (3,5 Cyr., Chrys., Aug., Thom.) zu Teil wird. Aus der geöffneten Seite ging die Kirche hervor (Cyr.), wie Eva aus der Seite des schlafenden Adam (Cyr. v. Jer., Mar. v. Tours, Aug., Thom.). Die Seite Christi ward geöffnet, damit wir in ihr das Leben fänden, wie einst alle Wesen, die Gott erhalten wollte, durch die geöffnete Tür der Arche eingingen. Die Verehrung des heil. Herzens Jesu findet in diesem Vorgange eine starke Anregung, da Jesus, als er noch lebte, aus Liebe zu den Menschen einwilligte, dass sein Herz für sie durchbohrt werden sollte. -35 Und der dies gesehen hat,Hierauf liegt der Nachdruck, denn bei geschichtlichen Tatsachen haben Augenzeugen das größte Gewicht. - hat es bezeugt, und sein Zeugnis ist wahrhaftig. Und er weiß, dass er die Wahrheit sagt, damit auch ihr glaubet.„Dass er die Wahrheit sagt“, und zwar sagt er sie in dieser Absicht, damit ihr glaubet. Sie sollen fest glauben, dass Jesus der verheißene Messias ist, denn die heil. Schrift hat dies vom Messias vorausgesagt. (V. 36, V. 37) Nun ist dies aber an Jesus in Erfüllung gegangen, also ist er der Messias. -36 DennIhr könnet glauben (V. 35) denn an ihm erfüllte sich durch das Erzählte die Schrift. - dies ist geschehen, damit die Schrift erfüllet würde: Ihr sollet kein Bein an ihm zerbrechen.Anführung aus [2Mos 12,46, 4Mos 9,12]. Jesus ist das wahre Osterlamm. [1Kor 5,7] -37 Und wiederum eine andere Schriftstelle spricht: Sie werden auf den schauen, den sie durchbohrt haben.[Sach 12,10] Nach dem hebr. Texte nach der besseren Lesart: sie werden auf mich schauen. Die Juden hatten den Lanzenstich mittelbar veranlasst (V. 31). -38 Hierauf aber bat Joseph von ArimathäaDer Name Joseph steht im Griechischen mit dem Artikel: der (aus den übrigen Evangelien) bekannte Joseph. - (weil er ein Jünger Jesu war, jedoch aus Furcht vor den Juden ein heimlicher) den Pilatus, dass er den Leichnam Jesu abnehmen dürfte. Und Pilatus erlaubte es. Er kam also, und nahm den Leichnam Jesu ab.39 Es kam aber auch Nikodemus, welcher vormals bei Nacht zu Jesus gekommen war, und brachte eine Mischung von MyrrheVergl. [Mt 2,11] das Geschenk der heiligen drei Könige. - und Aloe,Die Myrrhe, ein balsamisches Harz, und die Aloe, ein wohlriechendes, würziges Holz, wurden gepulvert, miteinander vermengt und zwischen den Leichnam und die umhüllenden Binden gelegt. - gegen hundert Pfund.Die große Menge dieser Spezereien, welche Nikodemus mitbrachte, lässt vermuten, dass für den heil. Leib ein ganzes Lager von Gewürzen bereitet wurde. Doch selbst dies genügte der Liebe der frommen Frauen nicht, die auch ihrerseits Gewürze und besonders Salben kauften, um dem Leibe des Herrn die letzte Ehre zu erweisen. [Mk 16,1, Lk 23,56] -Die Jünger beweinen den toten Jesus
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The Doré Bible Illustrations (Dover Publications, 1974) — Scans bereitgestellt von Rev. Felix Just, S.J.40 Da nahmen sie den Leichnam Jesu, und wickelten ihn samt den Spezereien in leinene Tücher ein, wie es die Sitte der Juden beim Begraben ist.Jesus wird ins Grab gelegt
Gustave Doré (1832-1883), La Grande Bible de Tours (Alfred Mame et fils, Tours, 1866)
The Doré Bible Illustrations (Dover Publications, 1974) — Scans bereitgestellt von Rev. Felix Just, S.J.41 Es war aber an der Stätte, wo er gekreuzigt ward, ein Garten, und in dem Garten ein neues Grab, in welches noch niemand gelegt worden war.Gott hatte Sorge getragen, dass der heil. Leib in ein reines, unberührtes Grab kam. „Wegen des Rüsttages“: Der anbrechende Sabbat erlaubte nicht ein entfernteres Grab zu suchen, welches von dem Richtplatze weiter ab lag.42 Dorthin legten sie Jesus wegen des Rüsttages der Juden; denn das Grab war nahe.
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