Matthäus 5

2. Bergpredigt. (5-7) Die acht Seligkeiten. (V. 10) Anforderungen Christi an die Seinen. (V. 16) Christus ist gekommen, das Gesetz zu erfüllen. (V. 20) Auslegung des fünften Gebotes, (V. 26) des sechsten Gebotes, (V. 32) der Eidespflicht, (V. 37) der Feindesliebe.

Als aber Jesus die Scharen sah, stieg er den Berg hinan, Verg. [Lk 6,17-49]. Jesus hat die Nacht auf dem Berge gebetet und steigt herab, dem am Fuße versammelten Volke zu predigen, dann aber, als die Scharen des Volkes sich mehren, die Anhöhe wieder weiter hinan, um zu denselben verständlicher reden zu können. Der Berg wird heutzutage in der Höhe von Genesareth gezeigt, und heißt Berg der Seligkeiten. (Kurum Hattin.) - und als er sich niedergesetzt hatte, traten seine Jünger zu ihm. Die gewählten Apostel. Sie waren bei ihm zur Auszeichnung, und dienten auch, dem Andrange des Volkes zu wehren. - Und er tat seinen Mund auf, Auf einem Berge ward durch Engel das Gesetz gegeben, hier redet der Herr selbst. In jenem wurden Strafen angedroht, in dem neuen Gesetze werden Belohnungen verheißen. Christus tut seinen Mund auf: S. [Ez 29,21]. Die Reden sind an die Jünger und an das Volk gerichtet [Mt 7,28]. – lehrte sie, und sprach: Die nachfolgende Rede wurde nicht gleich zu Anfang des Lehramtes Christi, sondern später gehalten; der heil. Matthäus gibt sie hier, um seinen Lesern aus den Juden sogleich zu zeigen, was sie von dem neuen Gesetze zu erwarten haben, und wie es sich von dem alten unterscheidet. Die ganze Rede ist wie eine große Pforte anzusehen, durch welche der heilige Evangelist in den eigentümlichen Geist des Evangeliums einführt. - Selig die Armen im Geiste; denn ihrer ist das Himmelreich! Die Jünger haben alles verlassen, das Volk ist arm und elend. Die Welt preist die Reichen selig. Seligkeit ist Inbegriff alles Guten (Greg. Rnff.). Der Zusatz: Im Geiste fehlt [Lk 6,20], ändert also den Sinn nicht: Armut aus Tugend, diejenigen, welche nicht im Reichtume ihren Trost suchen [Lk 6,24]. – Die Armut ist die erste Stufe der Vollkommenheit. S. [Mt 19,21] und [Mt 13,22]. Ein Armer ist auch demütig. (Bas.). Aus dieser Armut entspringt die Sehnsucht nach geistlichen Gütern. [Vergl. Lk 6,24]. - Selig die Sanftmütigen; Sanftmütig sind die Geduldigen und Demütigen. - denn sie werden das Land besitzen! Schon im A.T. werden ihnen Lobsprüche erteilt, ihnen besonders gelten die messianischen Verheißungen [Jes 11,4, Jes 29,19, Ps 36,9ff]. - Selig die Trauernden; Die Trauernden: [Jes 61,3]. Von ihnen sprach Christus bei seinem ersten Auftreten [Lk 4,16]. Es ist heilige Trauer zu verstehen wegen alles Übels in der Welt und aus Sehnsucht nach den himmlischen Gütern. Vergl. [Lk 5,35, Lk 19,41]. - denn sie werden getröstet werden! Bei den Propheten wird der Trost durch den Messias verheißen, der auch bei den jüdischen Schriftstellern der Tröster heißt. Vollkommener Trost ist erst im Himmel. [Offenb 7,17, Offenb 21,4]. - Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; Gerechtigkeit ist die vollkommene Erfüllung des göttlichen Willens. Wir sollen stets nach ihr hungern. (Hieron.) Wer nach ihr hungert, soll zum Heilande kommen [Joh 7,37], der ihr Vorbild ist. [Joh 4,34]. - denn sie werden gesättiget werden! Selig die Barmherzigen, Die Pharisäer sahen in jedem Unglücke nur eine Strafe [Joh 9,34] und verachteten in ihrem Gerechtigkeitsdünkel alle Elenden. Im A. T. heißt Gott oft der Barmherzige, und vom Messias wird besonders diese Tugend gerühmt. Barmherzig ist, wer im Herzen bemitleidet und vergibt, und in der Tat hilft. – Wie Großes hat dieses Wort in der Kirche gewirkt! - denn sie werden Barmherzigkeit erlangen! Selig, die reinen Herzens sind, Die ihr Herz nicht mit Sünde beflecken. [Mt 23,25], vergl. [Mt 15,19]. - denn sie werden Gott schauen! Im anderen Leben von Angesicht zu Angesicht, doch auch in diesem durch die Erkenntnis besser als andere. In den alten Tempel traten die levitisch-reinen, im neuen Bunde treten nur die reinen Herzens sind, vor Gott. - Selig die Friedfertigen, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden! Gemäß den Prophezeiungen vom messianischen Reiche. Vergl. [Jes 52,7]: Friede mit Gott. Kinder und Erben Gottes [2Kor 13,11]. - Selig, die um der Gerechtigkeit willen Verfolgung leiden, Vergl. [Apg 7,52, Mt 23,37]. Das messianische Reich wird Verfolgung leiden, doch nicht jeder, der Verfolgung leidet, wird selig gepriesen, sondern wer um der Gerechtigkeit wegen leidet. Gerechtigkeit: Siehe V. 6. Dieselbe Lehre [1Petr 2,20, 1Petr 4,15]. Die Verheißung wie V. 3. Reich: Herrschaft und Herrlichkeit. Himmel: Größe und Beständigkeit dieser Herrschaft. Siehe [Roem 8,12, 2Kor 4,17]. - denn ihrer ist das Himmelreich! Selig seid ihr, wenn euch die Menschen schmähen und verfolgen, und alles Böse mit Unwahrheit wider euch reden um meinetwillen! Mit V. 11 beginnt die besondere Anwendung. Christus erklärt zum Trost der Seinen die letzte Seligkeit ausführlicher. Aber zwei Bedingungen hat dieselbe: die böse Nachrede darf sich nicht auf Wahrheit stützen, und sie muss uns zustoßen, weil wir die christliche Gerechtigkeit üben. Da Christus die Gerechtigkeit ist, heißt es bald: Um der Gerechtigkeit, bald: Um Christi willen. - Freuet euch, und frohlocket; denn euer Lohn ist groß im Himmel! Denn ebenso haben sie die Propheten verfolgt, die vor euch waren. Vergl. [Apg 5,41, Jak 1,2]. Zwei Gründe: Der Lohn ohne Ende (also können wir bei Gott Verdienste sammeln!) und das Vorbild der Propheten, denen der Lohn so sicher. [Vergl. Mt 10,41]. Die Anrede richtet sich an alle Anhänger Christi, an jeden nach seiner Stellung. - Ihr seid das Salz der Erde; wenn nun das Salz seine Kraft verliert, womit soll man es salzen? Es taugt zu nichts mehr, als dass es hinausgeworfen und von den Menschen zertreten werde. Die Tugenden der Führer zum Heile. Die Propheten waren nur für Israel tätig, anders die mit den V. 3-12 beschriebenen Eigenschaften Ausgestatteten. Das Salz (Bild der Beständigkeit) [3Mos 2,13] hindert die Verderbnis der Speisen und macht sie wohlschmeckend. Vergl. [Kol 4,6]. Deshalb ward es auch dem Opfer beigegeben als Ausdruck des Wunsches, dieses möge Gott gefallen. - Ihr seid das Licht der Welt. Das Licht gibt Glanz und Schönheit, ist zum Leben notwendig und allen angenehm. Christus: [Joh 1,9, Joh 8,12, Jes 42,6, Jes 49,6]. Wer ihm angehört, nimmt an seinen Eigenschaften teil, er bringt das Licht der Lehre und wahres Glück. Auch den Gläubigen kommt dies einigermaßen zu. [Phil 2,15, Eph 5,8]. - Eine Stadt, die auf einem Berge liegt, kann nicht verborgen bleiben. Vergl. [Jes 4,1]. Die Kirche und ihre Vorsteher. Christi Gaben sollen Früchte tragen. - Auch zündet man keine Leuchte an und stellt sie unter den Scheffel, Scheffel für jedwedes Gefäß, mit dem man das Licht bedecken kann. - sondern auf den Leuchter, damit sie allen leuchte, die im Hause sind., So leuchte euer Licht vor den Menschen, auf dass sie eure guten Werke sehen, und euern Vater preisen, der im Himmel ist. Die rechte Weise sein Licht leuchten zu lassen. Welches die guten Werke sind, ist in den Seligkeiten gesagt. Euren Vater: Gute Söhne suchen gern die Ehre des Vaters. Gott gebührt Preis, da er der Herr des Himmels ist. - Glaubet nicht, Nach der allgemeinen Darlegung seiner Lehre geht der Heiland auf besondere Dinge über und zeigt den Weg zur Erlangung jener Vollkommenheit. Glaubet nicht: Vielleicht hatten sie eine falsche Meinung. Vergl. [Lk 4,18, Lk 5,37, Joh 3,7, Joh 4,21]. Zudem hatte der Herr nach der Meinung der Rabbiner den Sabbat verletzt, war nicht von Rabbinern erzogen und verwarf viele ihrer Lehren. Diese Rede ist nach dem zweiten Osterfeste des öffentlichen Lebens gehalten. Vergl. [Lk 6,1] Die gleiche Anklage gegen seine Jünger [Apg 6,14, Apg 21,21]. - dass ich gekommen sei, das Gesetz oder die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen, Andeutung der Messiaswürde. [Mt 11,3, Lk 7,19] - sie aufzuheben, sondern zu erfüllen. Der Heiland erfüllte das Gesetz durch vollkommenere Beobachtung, bessere Erklärung und Gewährung der notwendigen Gnade. Das Moralgesetz wird vervollkommnet, an die Stelle des Zeremonialgesetzes tritt der christliche Kult, für das Gericht wird die Hierarchie eingesetzt. Vergl. [Jes 2,2, Mic 4,1]. - Denn wahrlich, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird nicht ein Strichlein oder ein Punkt vom Gesetze vergehen, bis alles geschieht! Ein zweifacher Vordersatz: bis. Über das Ende der Welt siehe [2Petr 3,13]. - Wer also etwa eines von diesen mindesten Geboten aufhebt und die Menschen so lehrt, wird der Mindeste genannt werden im Himmelreiche; Aufheben: wie V. 17. Die mindesten Gebote sind V. 18 beschrieben. Beispiele siehe [1Kor 9,9, Gal 4,29.30]. Nicht allein die Würde eines Lehrers geht einem solchen verloren, sondern er wird auch ganz unten sitzen. Vergl. [1Kor 3,11.15]. - wer sie aber hält und lehrt, der wird ein Großer genannt werden im Himmelreiche. Wird großer Ehre im messianischen Reiche teilhaftig. - Denn ich sage euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht vollkommener sein wird, als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, Bei der Hervorhebung so großer Gesetzestreue (V. 18) mochten die Zuhörer wohl an die Pharisäer denken. - so werdet ihr nicht in das Himmelreich eingehen. Ihr habt gehört, Bei der Vorlesung in der Synagoge. - dass den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten; wer aber getötet hat, wird dem Gerichte verfallen sein! Ich aber sage euch: So sprach kein Prophet. - Jeder, der seinem Bruder zürnt, Bruder – zürnt: dem Bruder gebührt Liebe. - wird dem Gerichte verfallen sein. Wer aber zu seinem Bruder sagt: Raka! wird dem Rate verfallen sein. Wer aber sagt: Du Narr! wird dem höllischen Feuer verfallen sein. Gehenna: Das Tal Hinnon, eine Felsenschlucht im Süden Jerusalems, in welcher dem Moloch einst Kinder geopfert wurden. [2Koe 23,10, Jer 7,31] Später bezeichnete man mit diesem Namen die Hölle. – Der Heiland hat drei Abstufungen unterschieden: Hass im Herzen hegen, zu Schmähungen fortschreiten: du bist ohne Vernunft wie ein Tier; der Ungerechtigkeit beschuldigen: Gottesverächter! Die Vergleiche zeigen, dass es sich um keine leichte Sache handelt. - Wenn du daher deine Gabe zu dem Altare bringest, und du erinnerst dich daselbst, dass dein Bruder etwas wider dich hat, so lass deine Gabe allda vor dem Altare, und gehe hin, und versöhne dich zuvor mit deinem Bruder; und dann komm, und opfere deine Gabe! Aus welchem Grunde immer jemand etwas gegen uns hat, wir sollen die Gabe (welche die Israeliten nur bis vor den Altar brachten) zurücklassen und die Liebe höher stellen als die unmittelbare Vollendung der Opferhandlung. - Sei deinem Widersacher Widersacher ist der, der verletzt ist. Im A. T. konnte der Ankläger den Angeklagten vor Gericht führen [5Mos 21,19]. Durch das Beispiel empfiehlt der Heiland Höheres. Widersacher ist was vor Gott dem Richter gegen uns stehen kann. - willfährig ohne zögern, so lange du mit ihm auf dem Wege bist, damit dich nicht der Widersacher dem Richter überantworte, und der Richter dich dem Schergen übergebe, und du in den Kerker geworfen werdest. Wahrlich, ich sage dir, du wirst von dort nicht herauskommen, bis du den letzten Heller bezahlt hast! Der vierte Teil vom Aß, etwa 2 Pfennige. Der Heiland lässt es unbestimmt, ob die Zahlung statthat. Sicherlich nicht, wenn es sich um Todsünden handelt, wohl aber, wenn lässliche Sünden zu büßen sind. Vorzugsweise ist wohl von der Hölle die Rede. Vergl. [Mt 18,34]. Der Heiland spricht wie die Gleichnisse zeigen, von schwereren Sünden. Auch die Partikel bis (im Sinne von niemals) scheint darauf hinzudeuten. (H. Aug.) - Ihr habt gehört, dass den Alten gesagt ist: Du sollst nicht ehebrechen! Ich aber sage euch: Ein jeder, der ein Weib, Weib: Dies Wort bezeichnet hier das Geschlecht, nicht den Ehestand. - um es zu begehren, Überlegt und mit Zustimmung des Willens. - ansieht, hat schon an ihr Ehebruch begangen in seinem Herzen. Wenn aber dein rechtes Auge dich ärgert, Gelegenheit zur Sünde und zum Falle ist. Das rechte Auge wird genannt, weil die rechten Glieder höher geschätzt und nützlicher zu sein pflegen. - so reiße es aus, und wirf es von dir; Mit welcher Emphase redet Christus! Wie lieb dir auch etwas sei, trenne dich davon und wirf es von dir, wenn es dich zur Sünde verführt! Dazu soll uns das Andenken an die Hölle helfen. - denn es ist dir besser, dass von deinen Gliedern eines verloren gehe, als dass dein ganzer Leib in die Hölle geworfen werde. Und wenn deine rechte Hand dich ärgert, so haue sie ab, und wirf sie von dir; denn es ist besser für dich, dass von deinen Gliedern eines verloren sei, als dass dein ganzer Leib in die Hölle fahre. Es ist auch gesagt worden: Wer immer sein Weib entlässt, gebe ihr einen Scheidebrief. Der Scheidebrief war erlaubt, so weit die Scheidung gestattet war, und geboten, insofern die Scheidung nur so stattfinden durfte. - Ich aber sage euch: Jeder, der sein Weib entlässt, außer um des Ehebruches willen, macht, dass sie die Ehe bricht; Auch die Entlassene bleibt Ehegattin. Im Falle eines Ehebruches darf die Gattin entlassen werden, weil die Ehe ihrerseits schon gebrochen ist. - und wer eine Entlassene zur Ehe nimmt, bricht die Ehe. Wer eine, ob auch wegen Ehebruches Entlassene nimmt, begeht Ehebruch. Die vorher gemachte Ausnahme für die Entlassung lässt sich nicht hierher ziehen, sonst würde der Ehebruch gleichsam eine Belohnung erhalten. Die Erklärung dieser Stelle siehe [1Kor 7,11]: Scheidung ohne Lösung des Ehebandes. Da nun im A. T. gleiches Recht statthat für Mann und Frau, hat V. 32 für beide Geltung. Christus erlaubt Trennung wegen Ehebruches, aber ordnet sie nicht an. (Herm. Justin Athenag. Drig. Chrys. Basil.) - Wiederum habt ihr gehört, dass den Alten gesagt ist: Du sollst nicht falsch schwören, sollst aber dem Herrn halten, was du geschworen hast. Zweites Gebot. Vergl. [Mt 23,16]. Die Eidesformeln [2Koe 3,9, Jer 38,16, Jer 42,5]. - Ich aber sage euch: Ihr sollet überhaupt nicht schwören, Nicht jeder Eid wird untersagt. Vergl. [Roem 1,9, 2Kor 1,23, Hebr 6,16]. Wie bei dem fünften Gebot wird auch hier besonders die Neigung verboten, da die Christen auch ohne Eid von der Lüge fern sein sollen. - weder bei dem Himmel, weil er der Thron Gottes ist, noch bei der Erde, weil sie der Schemel seiner Füße ist, noch bei Jerusalem, weil sie die Stadt des großen Königs ist. Die geschaffenen Dinge werden auf Gott als ihren Schöpfer und Erhalter bezogen, so weit er in ihnen gegenwärtig ist und sich offenbart. Dies gilt noch mehr von den Dingen, welche ein besonderer Gegenstand der göttlichen Vorsehung sind. - Auch bei deinem Haupte sollst du nicht schwören, Was man einsetzen kann, ist Gottes Macht unterworfen und so geht der Schwur auf Gott zurück. - weil du nicht ein einziges Haar weiß oder schwarz machen kannst. Es sei aber eure Rede: Ja, ja; nein, nein! Was aber darüber hinaus geht, ist vom Bösen. Der Christ soll einfach aussagen. Was darüber hinausgeht, hat seinen Ursprung in einer üblen Quelle, der Lügenhaftigkeit. - Ihr habt gehört, dass gesagt worden: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Christus erklärt den Sinn von V. 4. 9. 10. Die hier angeführte auf dem Naturrecht fußende Regel galt für Gerichte zur Beschränkung der Rache und als Abschreckungsmittel. - Ich aber sage euch: Ihr sollt dem Böswilligen nicht widerstehen; Der höchste Grad der Vollkommenheit ist es, solche Gesinnung zu hegen, und Christus wünscht dieselbe in seinen Jüngern, ohne ein Gebot zu geben. Eine dreifache Unbilde: Gegen den Leib, die Güter, Ehre und Freiheit. - sondern wenn dich jemand auf die rechte Wange geschlagen hat, Die rechte Wange ist edler. Geschlagen zu werden ist besonders schmachvoll. - so biete ihm auch die andere dar. Und will jemand mit dir vor Gericht streiten, und dir deinen Rock nehmen, so lass ihm auch den Mantel. Der Mantel diente den Ärmeren als Decke in der Nacht und musste vor derselben, selbst wenn er mit Recht weggenommen war, zurückgegeben werden. [2Mos 22,25] Bei [Lk 6,29] wird die Ordnung innegehalten, in welcher die Kleider weggenommen waren, indes bleibt der Sinn ein gleicher, da das innere Kleid nach Verlust des Mantels um so notwendiger ist. - Und wenn dich jemand auf tausend Schritte zum Frondienst zwingt, so geh noch zwei andere tausend mit ihm. Griech.: noch tausend Schritte. - Dem, der dich bittet, gib; und von dem, der von dir borgen will, wende dich nicht ab. Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben, und deinen Feind hassen. Die Krone des Ganzen. Der Nächste ist für die Juden Stammesgenosse. Mit diesen Worten steht der Ausspruch nicht im Gesetz, doch ließen Stellen, wie [2Mos 17,14, 5Mos 23,6, 2Mos 23,22, 5Mos 23,19] u.a. einen solchen Schluss machen, so weit Gott den Verkehr seines Volkes mit anderen Völkern untersagte, nämlich um die Reinheit der Religion und des Sittengesetzes zu erhalten. Die Pharisäer stellten vielleicht den Hass selbst als heilige Sache dar. Christus nennt drei Gattungen von Feinden, denen dreifache Wohltaten zu erweisen sind: Schenket ihnen euer Herz und zum Beweise dessen erzeiget ihnen zeitliche Wohltaten, falls ihr dies nicht könnt oder sie es nicht bedürfen, betet für sie. - Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde, tuet Gutes denen, die euch hassen, und betet für die, welche euch verfolgen und verläumden; Da Schweres befohlen wird, müssen große Beweggründe zu Hilfe kommen. Werdet dem himmlischen Vater ähnlich, damit er euch als seine Kinder erkenne. - auf dass ihr Kinder seid eures Vaters, der im Himmel ist, welcher seine Sonne Die Sonne, die er erschaffen. Wie viel mehr müssen wir Gutes tun mit dem, was wir empfangen. Welch Abstand ferner zwischen Gott und uns, und doch wird uns als Lohn Ähnlichkeit mit ihm verheißen! - über die Guten und Bösen aufgehen lässt, und regnen über Gerechte und Ungerechte. Denn wenn ihr die liebet, welche euch lieben, welchen Lohn werdet ihr haben? Tun dies nicht auch die Zöllner? Die Unter-Zollpächter galten, selbst wenn sie Israeliten waren, wegen ihrer Verbindung mit den Römern, denen tributpflichtig zu sein den Juden als höchstes Unrecht erschien, gleich den Heiden [Mt 18,17] und ärgsten Sündern, als ausgeschlossen von der Kirchengemeinschaft und unfähig zur Zeugenschaft vor Gericht. Wolltet ihr so tief stehen bleiben? - Und wenn ihr nur eure Brüder grüßet, was tut ihr da mehr? Tun dies nicht auch die Heiden? Auch die Heiden galten als Sünder und Gottlose. Nicht Zöllner und Heiden sind nachzuahmen, sondern Gott. - Seiet also ihr vollkommen, Vergl. [Joh 17,21] wie auch euer Vater im Himmel vollkommen ist.

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